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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 3/2018

zverejnené: 10. februára 2019
aktualizované: 10. februára 2019
Pamiatky a múzeá
Revue für das Kulturerbe
Nr. 3/2018

Awarisches Gräberfeld in Bratislava-Podunajské Biskupice
- ein Interview mit dem Grabungsleiter Milan Horňák von der archäologischen Gesellschaft Via Magna
Milan Horňák ist ein begeisterter Archäologe und Höhlenforscher. Er beteiligte sich an Erforschungen mehrerer Fundstellen auf dem Balkan, z. B. der römischen Stadt Celeia (heute Celje) in Slowenien, der steinzeitlichen Siedlung Vinča bei Belgrad in Serbien, oder eines Grabs aus dem 5. Jh. v. Chr. im Dorf Brazda unweit der Stadt Skopje in Mazedonien. Im Turzer Becken beschäftigt er sich mit der Untersuchung der vorgeschichtlichen Burgwälle in den Gebirgsregionen der Kleinen und Großen Fatra. Die Entdeckung seines Lebens repräsentiert jedoch zweifellos die Freilegung eines Gräberfeldes aus der Zeit des Awarenkhaganats in Bratislava – Podunajské Biskupice. Die Entdeckung machte man während der von Milan Horňák seit 2016 geleiteten archäologischen Arbeiten im Rahmen der Erbauung der Autobahnumgehung von Bratislava. Obwohl das archäologische Team bei der Auswertung der Funde von diesen Ausgrabungen noch am Anfang steht, konstatieren die Forscher anhand des Befundes schon jetzt eine intensive und stabile Besiedlung der Fundstelle im 8. Jahrhundert n. Chr. Untersucht wurden 485 Gräber, dank denen wir einen tieferen Einblick in die Bestattungssitten der Gesellschaft des 8. Jahrhunderts gewinnen können. In den Gräbern befanden sich zahlreiche Grabbeigaben, vor allem Gefäße, Arbeitsgeräte oder Tierknochen. Am attraktivsten sind zweifellos Schmuckstücke und Ziergegenstände, die sowohl in Frauengräbern als auch in Männergräbern gefunden wurden. Einen Sonderfund repräsentiert die Münze des fränkischen Königs Karls des Großen, die auf ein Bündnis des lokalen Herrschers mit dem Frankenreich verweist. Dokumentiert wurden insgesamt mehr als sechstausend Grabgegenstände. In dem vorbereiteten Interview schilderte Milan Horňák authentisch den Verlauf der archäologischen Grabungsarbeiten, seine ursprünglichen Erwartungen sowie die Freude an entdeckten Funden. Zum Schluss erzählte er kurz über die Anwendung der modernen interdisziplinären Analysen bei weiterer Auswertung der Entdeckung und über ihre zukünftige Präsentation in Form einer geplanten Ausstellung.

Štefan Chrastina
Akquisition der Glaserzeugnisse aus untergegangenen Glashütten der Region Novohrad
Die Tradition der Glasherstellung formierte die Geschichte der Region Novohrad mehr als dreihundert Jahre lang, heute ist sie jedoch im Rückzug. Das Museum und Galerie der Region Novohrad in Lučenec ist die einzige Museumsinstitution in der Slowakei, die sich mit der Glasherstellung in der Mittelslowakei und speziell mit der Produktion der Glashütten in der Region Novohrad beschäftigt. Durch das Projekt Akquisition der Glaserzeugnisse aus untergegangenen Glashütten der Region Novohrad konnte das Museum eine einzigartige Glaskollektion aus dem Musterlager der bereits untergegangenen Glasfabrik Slovglass Poltár gewinnen. Dieses Glas wurde in den Glashütten Katarínska Huta, Poltár und Zlatno hergestellt und ein Teil der Erzeugnisse wurde auch in der Glasfabrik in Málinec entworfen und erzeugt. Heutzutage wird Glas in diesen Betrieben unter ähnlichen Bedingungen nicht mehr hergestellt.
    Aus dem Musterlager in Poltár gewann das Museum sowohl handgemachte als auch maschinell erzeugte Glasprodukte. Von dem typischen handgemachten Glas sind es Trinkglasgarnituren (Kelche und Becher) aus Farbglas. Die Kollektion von Glaserzeugnissen umfasst auch Exemplare, die in Zlatno gemacht wurden – vor allem massiv geformte Trinkglasgarnituren aus Klar- und Farbglas. Die Trinkglasgarnitur Goldene Susanne ist durch seltenere Versionen mit geätzten Bändern unter dem Rand vertreten. Eine wertvolle Gruppe repräsentieren die Becher aus Bleiglas, die mit Gold und Hochemail dekoriert sind. Ein einzigartiges Zeugnis über die Handfertigkeit der Glasmeister aus der Glashütte in Zlatno bilden die Becher mit doppelter Luftspirale im Stiel. Eine Seltenheit repräsentiert das Werk des Kunstglasmachers Juraj Steinhübel in Form eines grünen Turms.
    Das Glas aus der zweitältesten Glashütte Katarínska Huta, die im Jahre 1842 gegründet wurde, repräsentieren die einfachen Trinkglasgarnituren mit farbigem Überzug und einem wunderschönen geätzten Pflanzendekor. Vertreten sind Kelche, Becher und Trinkglasgarnituren aus Soda-Kaliumglas. Die Glaserzeugnisse, welche in Málinec ursprünglich entworfen und für eine gewisse Zeit auch erzeugt wurden, werden in der Sammlung durch die Becher aus Bleikristall, vor allem Wasser- und Alkoholgläser repräsentiert. Den Großteil der Akquisition bildet das Glas aus der Produktion der Fabrik in Poltár, die durch umfangreiche Sammlungen von maschinell erzeugtem Kristallglas und einmaligen Prototypen vertreten ist. Es handelt sich insbesondere um Trinkgefäße aus Bleiglas mit reicher Schliffverzierung. Alle diese Erzeugnisse haben eine einfache geometrische Verzierung und belegen die zeitgenössischen Trends in der Entwicklung des Glasmacherdesigns, die meistens von dem Glasdesigner Milan Šuľan entworfen wurden.
    Durch die erfolgreiche Realisierung eines umfangreichen Akquisition-Grantprojekts, unterstützt aus öffentlichen Quellen durch den Fonds für Förderung der Kunst, ist es gelungen, eine der komplettesten Kollektionen von dem in der Slowakei hergestellten Glas zu retten. Dank ihrer Erhaltung und Zugänglichmachung durch Ausstellungen und Publikationen wird es auch in der Zukunft möglich sein, die Rolle der Glashütten in der Region Novohrad in der Entwicklung der Glasherstellung sowohl in der Slowakei als auch auf der ganzen Welt zu demonstrieren.



Andrej Bendík
Die Dauerausstellungen Die Natur der Region Turz und Kmetianum im Museum von Andrej Kmeť in Martin
Die Aufgaben und Tätigkeit des Museums von Andrej Kmeť (MAK) in Martin knüpfen an die Ideen der Gründer der Slowakischen Museumsgesellschaft und des später errichteten Slowakischen Nationalmuseums (SNM) an. Die erste Dauerausstellung wurde im Museum im Jahre 1908 eröffnet und sie umfasste auch paläontologische, zoologische und botanische Sammlungen, vor allem diejenigen aus der sammlerischen Tätigkeit und dem Nachlass von Andrej Kmeť. Im Jahre 2017 wurden zwei von ihren Teilausstellungen komplett renoviert und modernisiert. Die Dauerausstellung Die Natur der Region Turz hat man zum ersten Mal im Jahre 1979 im damaligen Turzer Museum von Andrej Kmeť, das im Jahre 1964 errichtet wurde, zugänglich gemacht. Durch die Errichtung der Dauerausstellung Kmetianum im Jahre 1998 materialisierten sich die Bemühungen mehrerer Generationen von Museumsmitarbeitern, die sich auf die Präsentation der Entstehung und Geschichte des Museumswesens in der Slowakei und auf bedeutende Personen im Museumsbereich orientierten. Der Raum zur Errichtung neuer, moderner Dauerausstellungen entstand bei einer Gesamtrekonstruktion des ersten Gebäudes des SNM, wo MAK seinen Sitz hat. Die Realisierung der neuen Dauerausstellungen verlief mit Unterstützung des Slowakischen Kulturministeriums und wurde in drei selbständige Etappen in den Jahren 2015 bis 2017 aufgeteilt. Das Ziel der neuen Dauerausstellung Die Natur der Region Turz ist es, eine komplexere und eingehendere Übersicht der geologischen Verhältnisse und der historischen Entwicklung des Gebietes des Turzer Beckens und der anliegenden Gebirge darbieten. Außerdem handelt es sich um die Präsentation der Entwicklung der Landschaft aus ökologischer Sicht in Form einzelner Biotopformationen, die anhand der Höhen- oder Vegetationsstufen, des geologischen Untergrundes, der Art und Intensität der Auswirkung von menschlichen Aktivitäten und des Wasserregimes ausgegliedert wurden. Kmetianum präsentiert die Geschichte der Slowakischen Museumsgesellschaft und bietet eine repräsentative Auswahl der wertvollsten Sammlungsgegenstände aus allen wissenschaftlichen Bereichen. Diese Auswahl repräsentiert die Schatzkammer des Fundbestands und erzählt die mehr als hundertzwanzigjährige Geschichte des SNM und die Lebensgeschichten der Persönlichkeiten, die es aufgebaut haben. Die Autoren der Dauerausstellung schufen ein bildliches Konzept, das den neuesten Welttrends entspricht. Die einzigartigen Exponate aus den Museumssammlungen sind in inhaltlich sowie bildlich attraktive Komplexe und Dioramen installiert. Die Dauerausstellungen sind durch eine Menge an interaktiven Elementen ergänzt, wie zum Beispiel Tierstimmen, Tastbildschirme mit Informationen über einzelne Biotope, eine digitale Karte mit Texten, graphischen Informationen und Merkwürdigkeiten der Region, Mikroskop, Lupen und andere. Die neuen Dauerausstellungen Die Natur der Region Turz und Kmetianum wurden am 3. April 2017 feierlich eröffnet.


Leopold Horovitz. Verloren – Gefunden
Interview mit Jana Švantnerová, Kuratorin der Ausstellung
Leopold Horovitz gehörte seinerzeit zu den meistgefragten Bildkünstlern. Er stammte aus Košice und dort erwarb er auch die künstlerische Grundausbildung, die er später in Wien weiter entwickelt hat. Er wirkte über eine lange Zeit in Paris und Warschau, später in Budapest und Wien. Die Klienten von diesem berühmten Porträtisten waren die bedeutendsten Persönlichkeiten des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Länder, in denen er gewirkt hat. Während seiner ganzen schöpferischen Karriere hat er einen charakteristisch reinen und formal akademischen Stil der Malerei beibehalten. Seine Zeichnungen und Vorbereitungsskizzen zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Handfertigkeit, Präzision und Leichtigkeit aus. Die Ausstellung Leopold Horovitz: Verloren – Gefunden (16. 11. 2017 – 22. 4. 2018) entstand in Zusammenarbeit des Ostslowakischen Museums in Košice mit der Slowakischen Nationalgalerie in Bratislava. In der Ausstellung präsentierte man mehr als 50 Originalwerke des Autors, darunter auch die Werke aus ausländischen und privaten Prestigesammlungen aus Polen, Österreich und Ungarn. Außer den Werken von Horovitz hat die Ausstellung auch die Arbeiten seiner Lehrer, Zeitgenössischen und Nachfolger Imrich Emanuel Roth, Vojtech Klimkovič, Július Benczúr, Dominik Skutecký, Elemír Halász-Hradil, und die Werke seines Sohnes Armin Horovitz vorgestellt. Die Ausstellung wurde auch durch wertvolle Familienandenken ergänzt, die sich bis heute im Besitz der Nachkommen des Künstlers befinden. Das publizierte Interview mit Jana Švantnerová, Kuratorin der Ausstellung, bringt einen Blick auf den Verlauf der Ausstellung vom Hintergrund des Ostslowakischen Museums.


Peter Kresánek
Kathedrale St. Martin in Spišská Kapitula
(Rezension)
Die Kathedrale St. Martin in Spišská Kapitula stellt eines der bedeutendsten kirchlichen Denkmäler auf dem Gebiet der Slowakei dar. Sie repräsentiert die reiche Geschichte der christlichen Kirchenverwaltung, die bauliche und bildende Kunst der Region Zips. In breiteren Zusammenhängen reicht sie über die Region und das Land hinaus. Seit 1778 bis heute wurde sie zum Thema mehrerer Publikationen (Wagner, Pirhalla, Hradszky, Chalupecký, Puškárová – Puškár). Diese deskriptiven, kunsthistorischen Werke und Reiseführer gingen jedoch über die Ebene der Interpretation des Gesehenen nicht hinaus. Die neue Publikation, die von der erfahrenen Forscherin im Gebiet der historischen Baudenkmäler, Magdaléna Janovská, und dem Historiker und Archivar Vladimír Olejník aufbereitet wurde, geht von einer äußerst ausführlichen Forschung aus, die einige Jahre lang gedauert hat. Weitere Autoren, die sich an der Publikation beteiligt haben, waren Peter Glos, Peter Harčar, Mária Novotná, Ľubor Suchý und Marián Uličný. Die Ergebnisse der architektonischen, kunsthistorischen und archäologischen Forschung ermöglichten eine eindeutige Interpretation der ursprünglichen romanischen Propstkirche in ihrem ganzen Umfang – der räumlichen Form sowie der einzigartigen romanischen Morphologie. Und dies alles im Kontext der mitteleuropäischen Romanik sowie des konkreten historischen und familiären Hintergrundes der königlichen Familie (Istrien, Regensburg und vor allem Bamberg). Aus diesen und anderen Fakten ergab sich auch die grundsätzlich neue Datierung des Aufbaus in die Zeit unmittelbar nach dem Jahre 1200. Diese Kenntnisse verdienten im Jahre 2007 den Jahrespreis der Revue Pamiatky a múzeá in der Kategorie Entdeckung – Fund. Die Grundlagenforschung wurde ebenfalls zum Ausgangspunkt für die Interpretationen weiterer Bauphasen und Umbauten der Kirche – der gotischen, spätgotischen, renaissancezeitlichen und neuzeitlichen Eingriffe. Nach den Kapiteln mit synthetischen Studien über die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen sowie die bauhistorische und kunsthistorische Entwicklung der Kirche folgt ein großzügiger, interpretativ qualitätsvoller und in vielerlei Hinsicht bahnbrechender Katalog. Außer den gut bekannten Altären, Grabplatten, Mortuarien und Bänken enthält er die vollständige Menge aller archäologisch entdeckten Gegenstände, architektonischen Elemente und Glieder, aller künstlerischen und kunsthandwerklichen Werke in der Kirche, einschließlich der Türflügel, Fenster, des Mobiliars, der Fußböden, Glocken und anderer bislang unbeachteter zweckmäßiger Elemente. Sogar jener aus den oft unterbewerteten neostilistischen Perioden der letzten zwei Jahrhunderte. Durch ihre kunsthistorische und bauliche Analyse und die Auffindung der relevanten historischen Quellen wird ihre Präsentation auch zum Ausgangspunkt auf dem Weg zur Kenntnis und dem Denkmalschutz anderer Objekte des Kulturerbes. Die Monographie über die Kathedrale St. Martin Bischof in Spišská Kapitula repräsentiert nicht nur eine gewöhnliche kommerzielle Publikation mit Abbildungen und Wiederholung der bisherigen Kenntnis. Es handelt sich um ein bahnbrechendes Werk, auf welches sich weitere Generationen von Experten sowie Laien stützen werden.


Pavol Ižvolt
Pflege historischer Bauten
Die Publikation Pflege historischer Bauten setzt sich zum Ziel, das Projekt Pro Monumenta vorzustellen und gleichzeitig den Besitzern, Verwaltern und Benutzern von Denkmälern eine Art praktisches Handbuch zu bieten, das ihnen helfen sollte, das Denkmal richtig zu pflegen. Und dies auch im breiteren Kontext der Problematik von Bauphysik, Baukonstruktion usw. Die Idee der präventiven Pflege, ausgedrückt in der Erkenntnis, dass ein präventiver Eingriff ins Denkmal gegenüber dem Original schonender und letzten Endes auch ökonomisch vorteilhafter sei, ist vor allem mit der niederländischen Organisation Monumentenwacht verbunden, die im Jahre 1973 gegründet wurde. Das in dieser Organisation etablierte System umfasst die Arbeit der Inspektoren in Paaren, schnelle handwerkliche Eingriffe zur Verlängerung der Lebensdauer des Baus, und einen Dokumentationsbericht mit Photographien und der Gesamtdiagnostik des Denkmals für den Besitzer. Dieses Modell wurde allmählich zum Vorbild für mehrere Länder, darunter auch für die Slowakei. Pro Monumenta – Prävention durch Pflege ist ein vordefiniertes Projekt, das von dem Finanzmechanismus EHP2 für die Jahre 2009 – 2014 gefördert wird und dessen Träger das Denkmalamt der Slowakischen Republik geworden ist. Die Förderung des Projektes war vom 1. Januar 2014 bis 30. April 2017 gesichert und die verbindliche Haltbarkeitsperiode wurde auf fünf Jahre festgesetzt, mit zugeteilten Mitteln in einer Gesamtsumme von 1 152 056 Euro. Das Projekt sollte unter der Wirkung von drei spezialisierten Arbeitsteams die Überwachung von mindestens 210 unbeweglichen Kulturdenkmälern sichern und wenigstens 400 im Rahmen der Haltbarkeit des Projektes. Die Teams sind in geographisch gleichmäßig verteilte unabhängige Arbeitsgruppen aufgeteilt, die in den Kreisdenkmalämtern Trnava, Banská Bystrica – Zweigstelle Banská Štiavnica, und Prešov – Zweigstelle Poprad – Spišská Sobota tätig sind. Zur Verfügung stehen ihnen die sogenannten fahrbaren Werkstätten – speziell zugerichtete Fahrzeuge in Form einer mobilen Werkstatt mit Leitern, einem Tisch, der Apparatur, einer Wärmebildkamera usw. Die Betonung liegt auf der Anwendung von traditionellen handwerklichen Verfahren bei Baureparaturen. Von den Mitarbeitern werden körperliche Tüchtigkeit, die Fähigkeit zur Höhenarbeit, Handfertigkeit sowie Fachkenntnis im Gebiet der Konstruktionen, Materialien und Technologien gefordert. Fast alle überwachten Denkmäler weisen eine hohe Menge an Störungen auf, die auf mehrere Ursachen zurückzuführen sind – häufige gesellschaftliche Wandel, den Mangel an Finanzmitteln, die Toleranz gegenüber Baustörungen und möglicherweise auch Unkenntnis der richtigen Lösung. Die Arbeit unserer Teams umfasst die Ansammlung und das Studium der Unterlagen zu einzelnen Kulturdenkmälern, die Besichtigung vor Ort, Säuberung der Dachrinnen und Demonstrationen der handwerklichen Vorfahren bei den Reparaturen von kleinen Störungen für den Besitzer. Die praktischen Erfahrungen und Ratschläge der Mitarbeiter von Pro Monumenta, die oft auf verschiedene technische Störungen und ihre zwar eingebürgerten, aber unrichtigen Lösungen gestoßen sind, befinden sich in dem herausgegebenen Handbuch.


Tomáš Štefina
Turm der Kirche St. Johannes Apostel und Evangelist in Banská Belá
In der Gemeinde Banská Belá, die unweit von Banská Štiavnica liegt, steht auf einem Hügel die römisch-katholische Kirche St. Johannes Apostel und Evangelist. Sie repräsentiert die wichtigste Dominante sowie das älteste Gebäude im Rahmen des Dorfes. Erbaut wurde sie in der Mitte des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil und während ihrer reichen Geschichte kam es zu mehreren baulichen Änderungen. Der Turm ist aus steinernem Mauerwerk gebaut und seine Überdachung besteht aus zwei selbständigen Dachstuhl-Konstruktionen. Aus dem Archiv des örtlichen Pfarramtes konnte man keine Details über die genaue Zeit der Erbauung des Turms herausfinden. Das Baujahr identifizierte erst eine Urkunde aus dem Jahre 1761, die im Mohnkopf des Turms gefunden wurde. Der Turm wurde seit 1761 nicht nur von der Zeit, sondern auch von einem Brand im Jahre 1896 betroffen. Den größten Schaden erlitt er jedoch während der zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert. In den letzten Jahren identifizierten wir auf dem Dachstuhl des Turms mit interessanter Konstruktion ernste Schäden und statische Störungen: Vogelkot, biotische Beschädigungen am Dachstuhl mit anschließender Schwächung der Konstruktion durch holzschädliche Insekten, und die vorangehenden unprofessionellen Reparaturen sowie Durchschüsse in der Dacheindeckung, durch welche 70 Jahre lang Wasser hineingeflossen ist. Die Deformation des Turms – Neigung seiner oberen Zwiebel – war mit bloßem Auge sichtbar. Die Rekonstruktion des Turms war in zwei Etappen aufgeteilt. Die erste Etappe (Anfang im Jahre 2016) war der Vorbereitung für die Reparaturen gewidmet. Die Dacheindeckung wurde demontiert und der Turm wurde zerlegt, wobei nur der untere Rost der Konstruktion mit Säulen übrig geblieben ist. Die Säulen musste man an den Stellen unter der Laterne unbedingt mit Prothesen ausbessern. Anschließend hat man neue Wölbgerüste hergestellt und der Turm wurde verschalt und mit Schutzpappe bedeckt. In der zweiten Etappe (Anfang im Jahre 2017) war es nötig, die Laterne fertig zu stellen und erzeugt wurde auch eine glaubhafte Kopie der ursprünglichen oberen Zwiebel des Turms. Auf die Spitze wurde ein neuer Mohnkopf mit neuem Kreuz aufgesetzt, welches in einer Kombination von kupfernen Voluten und Blumen geschmiedet ist. Bei Zerlegung des Turms hat sich herausgestellt, dass die alte Mauerlatte fast vollständig vermodert war und die Turmkrone deswegen ausgemauert wurde. Den baufälligen Zustand hat man auch bei dem Pultdachstuhl über dem Umgang festgestellt. Der neue ist aus Fichtenholz gemacht. Von der ursprünglichen Konstruktion blieben etwa 60 % erhalten – bis zur Laterne. Von der Laterne herauf musste man unumgänglich eine neue Konstruktion bauen, die aus Eichenholz gefertigt ist. Für die Wölbgerüste benutzte man Lärchenholz. Die Gesamthöhe des neuen Turms bis zur Spitze des Kreuzes beträgt 38,5 m.


Barbara Davidson – Jana Luková
Ein Barockgemälde mit dem Motiv der Jungfrau Maria Königin der Engel
Die Galerie der Stadt Bratislava (im Folgenden GSB) wurde als eine selbständige Institution im Jahre 1961 errichtet. Die Basis ihrer Sammlungen bildeten die Kunstwerke aus dem Museum der Stadt Bratislava (im Folgenden MSB), darunter auch ein Gemälde mit dem Titel Maria, Beschützerin der Gefallenen und Toten. Ursprünglich gehörte es zur Kollektion im Rahmen der Dauerausstellung der Sammlungen der kirchlichen Kunst, die seit 1944 in der Kirche der Bratislavaer Klarissinnen (Kirche der Erhebung des Heiligen Kreuzes) installiert war. Die Frage der Bestimmung der Provenienz und der vorangehenden Platzierung des Werkes, zusammen mit ikonographischer Analyse, war bei der kunsthistorischen Untersuchung im Rahmen seiner Restaurierung eine der wichtigsten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte die Klarissinnenkirche eine deutlichere Änderung des Interieurs. Die Literatur beschäftigt sich leider ausführlicher mit der Architektur des Baus, genauer gesagt eher mit ihrer mittelalterlichen Phase als mit der Barockperiode. Die kunsthistorische Forschung war deswegen anspruchsvoll und die Versuche einer präziseren Datierung und Bestimmung der Autorschaft waren vorsichtig. Einzelne Figuren verweisen auf eine starke Inspiration durch italienische Vorbilder, den Autor bezeichnen wir aber vorsichtig als einen mitteleuropäischen Maler des 18. Jahrhunderts. Bei den Fragen der ikonographischen Problematik einigten sich die Mitglieder des Restauratorenkollektivs mit der vorangehenden Forschung zum Entwurf der Restaurierung in der Ansicht, dass es sich im Unterschied zu dem ursprünglichen Titel um die Thematik der Jungfrau Maria Königin der Engel, bzw. Beschützerin handelt, wobei man die ikonographische Vielschichtigkeit des Werks und die Verknüpfung mehrerer Themen (z. B. Jungfrau Maria vom Siege oder der Erzengel) in Betracht ziehen muss. Die Restaurierung des Werks verlief im Depositorium der GSB in Devínska Nová Ves. Wegen der Größe des Gemäldes wurde das System einer allmählichen Umwicklung des Werks von einer Rolle zur anderen gewählt. Nach der Stabilisierung konnte man dann mit dem Werk bereits sicher umgehen und seine Doublierung vorbereiten – Aufbügelung auf eine neue Leinwand. In der ersten Etappe wurden von der Rückseite des Gemäldes die nicht ursprünglichen Schichten des Anstrichs mechanisch entfernt. In der zweiten Etappe reinigte man das Werk von einer dicken Schicht von Taubenkot, die vor allem den unteren Teil des Gemäldes bedeckte. Es hat sich herausgestellt, dass der Träger des Werks aus acht vertikalen Leinwandstreifen zusammengenäht war, wobei die Nähte sowohl am Avers als auch am Revers sichtbar sind. Das Werk war in der Vergangenheit unempfindlich zusammengefaltet und eine schwere Beschädigung verursachte auch sein Aufrollen auf einen zu kleinen Durchmesser des Zylinders. Die Fläche des Gemäldes deformierte sich allmählich und zu einer weiteren Beschädigung hat auch die spätere Durchnässung beigetragen. Die Malerei war trotz den mechanischen Schäden lokalen Charakters gut erhalten, die UV-Lumineszenz und Analyse der Proben haben jedoch gezeigt, dass das Werk in großem Maße sekundär übermalt wurde. In der dritten Etappe wurde ein geeigneter Unterrahmen vorbereitet und weitere optische Untersuchung des Erhaltungszustandes des Originals und seiner sekundären Übermalungen oder Reparaturen durchgeführt. Die vierte Etappe bestand aus der Entfernung der unpassenden sekundären Eingriffe in die Malerschicht des Originals und der neuen Kittung. Während der letzten drei Jahre wurde das Werk noch lokal von den öligen Übermalungen gereinigt und mit Hilfe der nachahmenden und schraffierten Retusche unter Anwendung der Aquarell- und Gouache-Technik retuschiert. Die Oberfläche wurde zuletzt mit Dammarlack mit einer Beimischung von gebleichtem Wachs bestrichen. Das zusammengerollte Gemälde wurde wegen seiner großen Ausmaße von 500 x 565 cm in die Kapelle übertragen und anschließend erst an der Stelle seiner gegenwärtigen Installierung auf den Unterrahmen aufgespannt.


Tatiana Figurová
Bedeutende Forstwirtschaftsstellen in der Slowakei
Im Jahre 2007 begann im Staatsbetrieb Wälder der Slowakischen Republik die Realisierung einer Initiative zur Erhaltung, Verbesserung und Bewerbung des Forstwesens und zum Aufbau eines Netzwerks von bedeutenden Forstwirtschaftsstellen auf dem Gebiet der Slowakei. Die bedeutende Forstwirtschaftsstelle (BFS) ist ein Natur- oder Kulturort mit einem oder mehreren Objekten von besonderer forstwirtschaftlicher Bedeutung, die die Geschichte des Waldes, der Forstwirtschaft und Waldarbeit auf dem Gebiet der Slowakei dokumentieren. Der Ort ist im offiziellen Register der erklärten und entdeckten BFS eingetragen, das von dem Museum für Forst- und Holzwirtschaft in Zvolen als einem organisatorischen Teil des Staatsbetriebs WÄLDER SR geführt wird. In den Jahren 2007 – 2018 wurden 49 bedeutende Forstwirtschaftsstellen erklärt. Zu den Objekten aus dem Architekturbereich zählen wir das Jagdschloss in Topoľčianky (erklärt im Jahre 2007 zum ersten architektonischen Objekt BFS), das neoklassizistische Jagdschloss in Palárikovo mit einem Park, das Schloss in Svätý Anton, oder die mittelalterliche Burg Vígľaš, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einem gut gedeihenden Forstwirtschaftsgut umgeben war. Ein Beispiel der zweckmäßigen Bauten, die für die Leitung der Forstwirtschaft gebaut wurden, repräsentiert das Gebäude der Generaldirektion des Staatsbetriebs WÄLDER SR, das an der Stelle des ehemaligen Kammerhofs in Banská Bystrica im Jahre 1916 gebaut wurde. Zu den BFS gehören auch die Forsthäuser in Petržalka, deren Bewohner sich um die umliegenden Auwälder der Pálffys gekümmert haben. Das Gebäude der Forstverwaltung in Sihla, welches bereits von der berühmten Glasmacherfamilie Kuchynka benutzt wurde, symbolisiert die Verbindung zwischen der Forstwirtschaft und der Glasherstellung. Die Verwaltung der Staatswälder siedelt hier bis heute, schon mehr als hundert Jahre nach dem Untergang der Glasherstellung. Die Gebäude der Forstschulen sind in Banská Štiavnica, Košice und Zvolen vertreten. Von den Denkmälern, die zu den BFS zugeordnet werden, können wir das Denkmal von Jozef Dekret-Matejovie (Jozef Decrett) erwähnen, das in die Felsenklippe in Staré Hory eingelassen ist, oder mehrere Denkmäler von William Rowland in der Region Orava. Das Denkmal im Kulichova-Tal mit den Namen von sechzehn Waldarbeitern, die im Jahre 1956 unter einer Schneelawine umgekommen sind, bedeutet eine Warnung vor den Naturkräften. Die forstwirtschaftlichen Aktivitäten im Gebiet der Rettung von Fauna und Flora dokumentieren die Urwälder Dobroč, Badín oder Stužica. Die Forstwirtschaft ist im Netzwerk der BFS zum Beispiel durch das Gestüt auf Veľká lúka (Muránska planina) repräsentiert, wo seit 1950 kaltblütige Pferde für die Bedürfnisse der Waldarbeit gezüchtet werden. Die forstwirtschaftlichen Rettungseingriffe, dank denen wir Wälder auch an langzeitig verwüsteten Stellen finden können, sind durch Podlavické výmole, Štútovská skala und Hrhovské pôdy repräsentiert. Zahlreiche Vertretung unter den BFS haben die forstwirtschaftlichen technischen Denkmäler. Erwähnenswert sind die Teiche Hrončok im Grantal, Borsučie in Orava, Ružomberok-Korytnica in der Liptau und Klauzy im Slowakischen Paradies – Stauseen, die einige Jahrhunderte lang geholfen haben, das Holz von den Bergen hinunter zu schwemmen. Nach dem Untergang der Teiche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann das goldene Zeitalter der Waldeisenbahnen, die in den Regionen Orava, Kysuce, im oberen Grantal und in der Liptau im Betrieb waren. Zu den BFS wurde auch die historisch wertvolle Bergbau-Wasserleitung in Špania Dolina zugeordnet, die für die Bedürfnisse der Kupfergewinnung gebaut wurde. Das langzeitige Projekt des Aufbaus von einem Netzwerk der bedeutenden Forstwirtschaftsstellen in der Slowakei kann auch weiterhin aus einer großen Menge von Naturorten und einer ergiebigen Quelle von forstwirtschaftlichen Artefakten schöpfen. In diesem Jahr begann die zweite Dekade seiner Realisierung.


Eva Križanová
Überflutet, aber nicht vergessen
Überflutet (Zatopené) ist ein fünfzig Minuten langer anthropologischer Dokumentarfilm der Regisseurin Soňa G. Lutherová über ein Gebäude und die Schicksale der damit verbundenen Menschen. Das Schloss in Parížovce war ein Familiensitz, Wohngebäude, Herrschaftsgut, Zentrum des Landbesitzes und zuletzt ein historisches Denkmal. Einige Teile des Gebäudes wurden gerettet und überdauerten Jahrhunderte, die anderen dagegen wurden von den Gewässern des Liptauer Stausees (Liptovská Mara) überflutet. Für die Nachkommen seiner letzten Besitzer, der Familie Stein, bedeutet das Schloss eine Erinnerung an die verlorene Vergangenheit. Für die Museumsmitarbeiter ist es ein Juwel – Phönix, der aus trübem Wasser auferstanden ist, der Stolz der Liptau. Der Film Überflutet erzählt die eigenartige Geschichte des Schlosses in Parížovce und seiner letzten Besitzer, die gleichzeitig auch die gesellschaftlichen Wandel in der Slowakei des 20. Jahrhunderts reflektiert. Die zweite Hälfte der 1960er und der Anfang der 1970er Jahre waren in der Slowakei durch eine erhöhte wasserwirtschaftliche Tätigkeit charakterisiert. Ihre Konzeption bestand in der Bemühung, die Wasserläufe zu regulieren, um die Überflutungen zu verhindern und den Boden für die landwirtschaftliche und kulturelle Nutzung zu beschützen. Die Ingenieure für Wasserwirtschaft bestimmten die meistbedrohten Flächen innerhalb des Gebietes und erarbeiteten programmgesteuert die Projekte zum Aufbau der Wasserwerke. Sie haben eine ältere Idee fortgesetzt, deren Repräsentant der Orava-Stausee aus ungefähr dem zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Entlang der ganzen Trasse des Waag-Flusses haben sie mehrere Flächen ausgesucht, darunter auch das Gebiet des Liptauer Stausees. Seine Realisation erforderte die Liquidierung der Bebauung und des Lebens in 28 Dörfern und Ansiedlungen, den Umzug ihrer Bewohner und selbstverständlich auch die Verlegung eines Teiles der Kulturdenkmäler. Durch eine intime Geschichte wird die Vergangenheit der Landschaft für den Zuschauer gut verständlich, konkret, persönlich und damit „menschlich“. Im Rahmen der Filmerzählung reflektiert sie gleichzeitig die Identitätsfrage des heutigen jungen Menschen in Bezug auf seine Vorfahren und ihr Erbe. Aus der Sicht des Genres stützt sich der Film auf die visuell-anthropologische Tradition im Dokumentarfilm. Die Einstellung der Schöpfer charakterisiert deswegen ein konzentriertes Interesse an dem Menschen und seinem Alltagsleben. Der Film ist durch eine ästhetisch suggestive Bearbeitung in Verbindung mit modernen visuellen Effekten charakterisiert. Einen Teil der Filmerzählung bildet die Verwendung von zahlreichen Archivalien – Photographien, Filmaufnahmen, zeitgenössischen Zeichnungen, archäologischen Skizzen und Texten aus einem authentischen historischen Tagebuch. Die Filmerzählung ist mit einer emotiven Musik untermalt.


Matej Ruttkay – Jaroslava Ruttkayová
Nitra – die Wiege unserer Geschichte
Nitra liegt in einer scharfen Beugung des gleichnamigen Flusses, an der Grenze zwischen der Donauebene und den westlichen Ausläufern des Tríbeč-Gebirges. Das einmalige Zusammenspiel geographischer und klimatischer Gegebenheiten in dieser Gegend schuf ideale Bedingungen für das Leben der Menschen. Ihre Anwesenheit ist durch unzählige archäologische Funde und im Mittelalter auch durch wertvolle historische Quellen belegt. Nitra zählt zu Orten mit extrem dichter vor- und frühgeschichtlicher sowie mittelalterlicher Besiedlung. Dank den Bemühungen des Bistums Nitra, des Archäologischen Instituts der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, der Stadt Nitra, des Denkmalamtes der Slowakischen Republik und weiterer Institutionen gelingt es in den letzten Jahren, das alte Kulturerbe intensiver zu schützen und zu präsentieren. Die bedeutende Stellung von Nitra in der Vergangenheit widerspiegelte sich auch in der Erklärung der nationalen Kulturdenkmäler, Denkmalschutzgebiete und Denkmalzonen. Im Jahre 1961 erklärte man die Burg zu einem nationalen Kulturdenkmal, im Jahre 1981 die Obere Stadt zu einem städtebaulichen Denkmalschutzgebiet und im Jahre 1992 die Untere Stadt zu einer Denkmalzone mit beschränktem Schutzbereich. Außerdem werden auch zahlreiche individuelle Denkmäler beschützt, darunter vor allem das Relikt der Kirche St. Martin auf dem Martinsberg, die Burgwälle Zobor, Martinský vrch und Lupka und viele ursprünglich mittelalterliche Kirchen, wie z. B. die Kirche St. Michael Erzengel, das Kamaldulenserkloster mit Kirche St. Joseph in Dražovce, Kirche St. Stephan König, oder Kirche St. Ladislaus.


Peter Keresteš
Untergegangenes Franziskanerkloster der Jungfrau Maria in Nitra
Nitra ist unsere älteste und bedeutendste frühmittelalterliche Stadt. Seit dem Jahre 1248 genoss sie die Privilegien einer königlichen Stadt und sie ist die einzige Stadt in der Slowakei, von der schon aus dem 9. Jahrhundert glaubwürdige schriftliche Erwähnungen bekannt sind. Über die lokale Topographie der Stadt wissen wir bis heute nur sehr wenig und es gibt darin auch viele Unklarheiten und Ungenauigkeiten, die in der Vergangenheit wurzeln. Dies gilt insbesondere für die kirchliche Topographie der Stadt, in der mehrere Ungenauigkeiten und Irrtümer bis zur Gegenwart übertragen werden. Sie betreffen vor allem die Lokalisierung und die Patrozinien der Sakralobjekte in der Unteren Stadt. Eine von ihnen ist auch die Lokalisierung des im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts untergegangenen Franziskanerklosters der Jungfrau Maria. Die Lage des untergegangenen Klosters wurde bis heute an verschiedene Stellen im Rahmen der Unteren Stadt von Nitra situiert. Diese Lokalisierung repräsentiert das Ergebnis einer unzulänglichen Erforschung der ältesten Geschichte der Stadt. Auf mehreren, sogar den gegenwärtigen topographischen Karten des mittelalterlichen Nitra ist das Kloster verschiedenartig eingezeichnet. Ungeklärt ist ebenfalls die Beziehung zu seinem Zwilling – einer anderen mittelalterlichen Kirche in Nitra mit gleichnamigem Patrozinium der Jungfrau Maria auf dem Berg Kalvária. Die schriftlichen Berichte über die beiden Sakralobjekte wurden zudem oft verwechselt. Der Artikel belegt, dass die Lage des ältesten Franziskanerklosters mit Kirche der Jungfrau Maria in Nitra aufgrund der historischen und topographischen Zusammenhänge heute bereits genau lokalisiert werden kann. Das Kloster befand sich zwischen den heutigen Straßen Mariánska und J. Vuruma, in einer Gasse, die von der Ďurkova-Straße zur Kirche St. Michael führte. Das Franziskanerkloster der Jungfrau Maria in Nitra hat also einen klaren Platz in der Topographie des bevorrechteten Suburbiums. Es stand hinter seinen Holz-Erde-Mauern, beim Eingang ins bevorrechtete Suburbium aus der Richtung von Párovce beim Unteren Tor. Wegen seiner Lage vor den Stadtmauern wurde es oft angegriffen und vor dem Jahre 1558 haben es die Mönche verlassen. Aus strategischen Militärgründen wurde es schließlich irgendwann in den Jahren 1578 – 1592 zerstört.


Richard E. Pročka
Nitra  in  der  neuen  Tschechoslowakei
Bemerkungen zur Entwicklung der Stadtplanung und Architektur
Die Eingliederung von Nitra in die neue Tschechoslowakische Republik verlief nicht glatt. Höhere Gesellschaftsschichten, vor allem deren Repräsentanten von ungarischer Nationalität, die entscheidende Posten in der Politik und Verwaltung bekleidet haben, fühlten Loyalität gegenüber Österreich-Ungarn. Auch nach der Ernennung der tschechoslowakischen Gespane und Errichtung der sogenannten Städtischen Verwaltungskommission, die von dem Bürgermeister geführt wurde, konsolidierten sich die politischen und bürgerlichen Verhältnisse in Nitra nur sehr langsam. In die Gau- und Stadtbehörden wurden tschechische und slowakische Beamten eingesetzt, tschechische Experten wurden zu Direktoren, Professoren und Lehrern an Staatsschulen, das Schulwesen verwandelte sich systematisch vom ungarischen zum tschechoslowakischen, das Nationalgefühl konnte man jedoch nicht ändern. Außer dem Personalaustausch sollte auch die Gesamtumwandlung des Stadtgebietes und somit auch des Lebensraums der Stadtbewohner realisiert werden. Der Bau von Wohnhäusern und repräsentativen öffentlichen Gebäuden bot eine Gelegenheit an, die werdende tschechoslowakische Identität indirekt zu unterstützen. Nach dem Krieg befand sich die Stadt in einer trostlosen wirtschaftlichen und sozialen Situation. Eines der wichtigsten Probleme war neben dem Mangel an Lebensmitteln, deren hohem Preis oder der hohen Arbeitslosigkeit auch die ernste Wohnungskrise. Als Karol Cobori (1865 – 1954) aus Skalica am 11. März 1919 zum Bürgermeister ernannt wurde, begann sich die Städtische Verwaltungskommission zu bemühen, die Stadt Nitra von der wirtschaftlich anspruchsvollen Situation der Nachkriegszeit zu befreien und sie in eine wachsende und gedeihende moderne Stadt der neuen Tschechoslowakischen Republik zu verwandeln. Im Hinblick auf die Stadtplanung und Architektur in der ersten Dekade der Existenz der Stadt in der Tschechoslowakei kam es zu einem deutlichen Anwuchs an Bauaktivitäten. Parallel zu staatlichen Investitionen in die öffentlichen Gebäude und Wohnhäuser für die Beamten und Militärangehörigen baute der Magistrat mit staatlicher Unterstützung innerhalb von einer kurzen Zeit zwei Wohnungshäuser. Der Bau konzentrierte sich im Rahmen der Stadtplanung an einer Stelle und gewann den Charakter des Projektes von einem neuen modernen Stadtviertel. Ähnlich wie in anderen tschechischen und slowakischen Städten, begann man auch in Nitra die städtischen und staatlichen Aufträge im Sinne des sogenannten Rondokubismus zu projektieren, den wir als einen von der Staatsmacht willkommenen Versuch eines Nationalstils von Pavel Janák betrachten können. Auch in Nitra sollte der Rondokubismus höchstwahrscheinlich die Angehörigkeit der Stadt zur neuen Republik demonstrieren.


Jaroslava Ruttkayová
Weniger bekannte Schätze der Nitraer und Žitavaer Region
In unserer Praxis stoßen wir von Zeit zu Zeit auf Artefakte, deren Typ, Form, ästhetischer Wert oder andere Charakteristiken von den anderen Artefakten deutlich unterschiedlich sind. Manchmal erscheinen sie unerwartet unter herkömmlichen Gegenständen während der Feldforschung. In einigen Fällen findet man, besonders in älteren Sammlungen, auch Objekte ohne bekannte Fundumstände, die in Museumsdepositorien mit Staub bedeckt liegen und trotz ihrer Außergewöhnlichkeit der Öffentlichkeit unbekannt bleiben. Der Artikel präsentiert einige weniger bekannte oder bisher unpublizierte archäologische Sachfunde, die im Sammlungsbestand des Museums der Region Nitra in Nitra, des Stadtmuseums in Zlaté Moravce und anderer Institutionen der Nitraer und Žitavaer Region aufbewahrt werden. Im Museum der Region Nitra kennen wir ein gut erhaltenes jungpaläolithisches steinernes Klingengerät aus Nitra und ein ähnliches Klingengerät der Gravettien-Kultur aus derselben Fundstelle. Unter zahlreichen Keramikfunden aus der archäologischen Ausgrabung in Horné Sľažany in den 1980er Jahren stammen zwei Gefäße, die auf die Besiedlung der betreffenden Region vor mehr als 7 000 Jahren im Neolithikum verweisen. Die vierzehn Kupfergegenstände für den Metallguss aus dem Stadtmuseum in Zlaté Moravce dokumentieren die Existenz von Metallurgie in der Region der oberen Žitava. Zu seltenen Relikten der Spätsteinzeit (Äneolithikum; 4 000 – 3 000 v. Chr.) gehören zwei Steinäxte aus Sľažany und Nevidzany, die in den Dauerausstellungen des Museums der Region Nitra in Nitra und des Stadtmuseums in Zlaté Moravce präsentiert werden. Zwischen den Gemeinden Pata und Šoporňa entdeckte man einen kleinen Teil einer Ansiedlung und eines Gräberfeldes aus der Frühbronzezeit (2 000 v. Chr.). Wertvolle bronzene und goldene Schmuckstücke, Ornamente und Gewandteile, Geräte und Waffen und Keramikgefäße aus dortigen Gräbern und Siedlungsobjekten befinden sich im Sammlungsbestand des Museums der Region Nitra. Das Museum präsentierte auch die Funde aus reich ausgestatteten Gräbern in Pata. Zu den bemerkenswerten und gleichzeitig weniger bekannten archäologischen Denkmälern im Stadtmuseum in Zlaté Moravce gehören zweifellos zwei Fragmente von bronzenen Fußringen und vor allem zwei Eisenschwerter, zwei eiserne Lanzen und Zwei Stücke von keltischem Flechtgürtel der Latènekultur aus der Späteisenzeit, deren Schöpfer die Kelten gewesen sind.
    Eine einzigartige Kollektion von Bronze- und Glasgefäßen aus der Gemeinde Dvory nad Žitavou (Bez. Nové Zámky), die aus dem Territorium des römischen Imperiums importiert wurden, findet man im Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Nitra. Ein eisernes Schwert aus dem 9. Jahrhundert, das aus Ladice stammt, zählt zu den wertvollsten Exponaten des Stadtmuseums in Zlaté Moravce. Die Sonderfunde, die in dem Artikel beschrieben wurden, repräsentieren nur einige wenige Beispiele der wenig bekannten Schätze, die sich in Sammlungen der kulturellen und wissenschaftlichen Institutionen verbergen.

Karol Strelec
Stilarchitektur und traditionelle Baukunst in der Slowakei
Die Anwendung der Stilelemente im traditionellen Bauwesen auf dem Gebiet der heutigen Slowakei wurde am Ende des 18. Jahrhunderts durch die Änderung des Baumaterials ermöglicht. Man verzichtete allmählich auf die Verwendung von feuergefährlichem und wenig dauerhaftem Holz und statt dessen begann man gemauerte Häuser zu bauen. An diesen Häusern wurden einige architektonisch-dekorative Elemente angewandt, die von der professionellen Architektur inspiriert waren. Im ländlichen Gebiet der Slowakei erschienen Bauten, die (vor allem an ihren Stirnseiten) die Elemente von historischen Baustilen trugen. Deren Vorkommen war meistens regional abgegrenzt. Als ein Beispiel davon können wir die spätgotischen Einflüsse auf Häusern der eingewanderten Gemeinschaft der Wiedertäufer nennen, die seit dem 16. Jahrhundert in einigen westslowakischen Dörfern gebaut wurden. Sie gehören zu den ältesten Relikten der traditionellen Baukunst in der Slowakei. Die renaissancezeitliche Inspiration ist vor allem an portalähnlichen Hauseingängen und massiven Arkadenloggien, vorwiegend in der Südwestslowakei, zur Geltung gekommen. Am deutlichsten wurde das traditionelle gemauerte Haus durch den Klassizismus beeinflusst. Das charakteristische Element war ein Säulengang an der Hof- und beziehungsweise auch an der Stirnseite der Häuser, die in der Südslowakei gebaut wurden. Am Ende des 19. Jahrhunderts begannen auf traditionellen Wohnhäusern auch historisierende Elemente aus der Zeit der Neo Stile oder des Eklektizismus zu erscheinen. Während die anderen Stile die ländliche Bauweise nur lokal beeinflussten, fand der Jugendstil seinen Wirkungsbereich im ganzen Land. Es handelte sich nicht nur um dekorative Zurichtungen im Exterieur des Landhauses, sondern auch um radikale Umwandlungen seiner räumlichen Anordnung. Dieser Prozess brachte gleichzeitig auch eine Wohnungsreform mit sich. Dieser neue Bautrend am Anfang des 20. Jahrhunderts repräsentiert einen wichtigen Wendepunkt in der modernen Geschichte der Entwicklung des traditionellen Hauses in der Slowakei.

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