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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 1/2018

zverejnené: 10. februára 2019
aktualizované: 10. februára 2019
Pamiatky a múzeá
Revue für das Kulturerbe
Nr. 1/2018

Milan Horňák
Awarenzeitliches Gräberfeld in Bratislava-Podunajské Biskupice
Archäologische Ausgrabungen in der Slowakei, die durch weitreichende Baumaßnahmen hervorgerufen wurden, haben in den letzten Jahren einen großen Aufschwung genommen. Sie ergänzten auf eine deutliche Weise die Karte mit prähistorischen und historischen Fundstellen, lieferten eine große Menge an neuem archäologischem Material und brachten viel Überraschung bei unerwarteten Funden. Zu solchen Funden gehörte auch die Freilegung und Erforschung von 485 Gräbern auf dem awarenzeitlichen Gräberfeld in Bratislava-Podunajské Biskupice im Jahre 2017 während der Vorarbeiten beim Bau der Umgehungsstraße D4/R7 um Bratislava.
Das Gräberfeld befindet sich im Außenbereich des Ortsteils Bratislava-Podunajské Biskupice, dessen geomorphologischer Charakter durch historische Mäandrierung des heute nicht mehr existierenden Flusslaufes Humer geformt wurde. Dieser vermutliche Seitenarm der Kleinen Donau umfloss eine im Gelände gut sichtbare Sanddüne, auf der sich die Besiedlung schon seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. konzentrierte. Das Gräberfeld erstreckte sich über eine Fläche von ungefähr 60 x 80 m im Nordteil der obenerwähnten Düne. Südlich davon, in einer Entfernung von etwa 100 m, befand sich eine teilweise erforschte zeitgleiche Siedlung, deren Bewohner ihre Verstorbenen auf dem Gräberfeld bestattet haben. Dank dessen können wir einen tieferen Einblick in die Bestattungssitten der Gesellschaft des 8. Jahrhunderts n. Chr. gewinnen.
Die beinahe regelmäßig rechteckige Untersuchungsfläche des Gräberfeldes wies ein klares Bestattungskonzept auf. Die Gräber wurden in einer Dichte von durchschnittlich 15–20 Gräber pro 100 m2 verteilt und anhand der Grundanalyse der Grabbeigaben können wir identifizieren, dass man hier 80–100 Jahre lang bestattet hat. Die Gräber waren an der Oberfläche offensichtlich irgendwie bezeichnet, was auch die Spuren von Pfostenkonstruktionen im oberirdischen Teil bestätigten. Die Gestaltung einzelner Gräber war sehr variabel. Eine interessante Erscheinung dieser Periode repräsentiert die Aushöhlung der sogenannten Nischen. Sie dienten zur Täuschung eventueller Grabräuber, die nach wertvollen Gegenständen aus Bronze, Silber oder Gold gesucht haben. Die Furcht vor dem Grabraub war berechtigt, wie es auch aus den durcheinandergeworfenen Knochen und Grabbeigaben ersichtlich ist, die auf sekundäre Öffnung des Grabs und einen schonungslosen Umgang mit dem Bestatteten verweisen. Es handelte sich jedoch eher um eine seltene Erscheinung und die meisten Gräber blieben intakt.
Die Bestattungsart spiegelte die gesellschaftliche Stellung und die Vermögensverhältnisse des Verstorbenen ab, was durch die gefundenen Grabbeigaben, vor allem Gefäße, Tierknochen, Arbeitsgeräte und Schmuck, belegt wird. Gefäßfunde gehören zu den zahlreichsten Funden. Auf Keramikgefäßen findet man häufig die typisch slawischen Verzierungsmuster – die Wellenlinien. Außerdem wurden auf dem Gräberfeld auch Gefäße aus feingeschlemmtem Ton gefunden, die wir mit keramischer Produktion der Awaren in Verbindung bringen können. Am attraktivsten sind zweifellos die Schmucksachen und Ornamente, die sowohl in Frauen- als auch in Männergräbern gefunden wurden. Einen typischen Bestandteil der männlichen Grabausstattung bildeten die dekorativen Gürtelbeschläge aus Eisen oder Bronze, die prächtigeren Exemplare auch mit pflanzlichen oder geometrischen Mustern verziert. Am wertvollsten waren jedoch die silbernen Beschläge mit durchgearbeiteten Motiven von Fabelwesen – Greifen und Waldtieren, vor allem Hirschen. Erwähnenswert ist besonders der Fund eines einzigartigen Beschlags, der ursprünglich vergoldet war und die mythische Göttin Anahita verbildlicht. Die Ausstattungen der Frauengräber waren genauso reich wie diejenigen in Männergräbern. Belegt ist dies durch eine umfangreiche Kollektion von Halsketten aus Glasperlen sowie durch bronzene sogenannte Traubenohrringe, die mit Granulation verziert sind.
Einen Sonderfund repräsentiert das Frauengrab Nr. 208 mit außergewöhnlich reichem Inventar, das als Prinzessin von Biskupice bezeichnet wird. Die Grabausstattung umfasste etwa 80 Glasperlen, zwei bronzene Armringe und ein Paar goldene Ohrringe. Den zweiten wertvollen Fund repräsentierte eine vergoldete bronzene Agraffe, die mit rosettenförmig aufgetragenen Farbgläsern verziert war. Die goldenen Gegenstände stammen aus byzantinischen Werkstätten, was ihren Interpretationswert noch mehr erhöht.

Martin Vančo
Einzigartiger Beschlag aus dem Gräberfeld in Bratislava-Podunajské Biskupice
Der im Grab Nr. 85 gefundene Beschlag mit einer Kombination von anthropomorphischem und zoomorphischem Motiv in Form einer Frau, die auf einem Tier sitzt, repräsentiert einen der wichtigsten Funde aus dem awarenzeitlichen Gräberfeld. Er ermöglicht einen Einblick nicht nur in die Welt der Kunst des Volkes, das auf dem Gräberfeld in Podunajské Biskupice seine Verstorbenen bestattet hatte, sondern auch in die Welt seiner Glaubensvorstellungen.
Auf dem S-förmig geschweiften Tier in einer Pose, in der in awarischer Kunst gewöhnlich die beflügelten Tiere mit löwenartigem Leib und dem Kopf eines Adlers – Greife abgebildet werden, sitzt rittlings eine Frau mit seitwärts gestreckten Armen. Am Hals trägt sie eine deutliche Halskette und am Kopf eine Krone. Das Tier ist höchstwahrscheinlich ein Löwe, was die reich strukturierte Mähne am Kopf und der geöffnete Rachen andeuten. Ein beinahe identisches Motiv einer Frau, die auf einem Tier sitzt, befindet sich auf dem Gürtelbeschlag, den Adrien Pásztor (1991) im Grab Nr. 81 des Gräberfeldes in Budakalász-Dunapart entdeckte. Pásztor nimmt an, dass es sich um das selten vorkommende spätantike Motiv der Fliehenden Mänade handeln könnte, das die awarischen Handwerker vermutlich aus Byzanz übernommen haben.
Eine wichtige Analogie repräsentiert auch die Kollektion von awarischen Beschlägen aus einer unbekannten österreichischen Fundstelle, die im Jahre 1997 in die Sammlungen des Britischen Museums in London gelangte. Sie stammt offensichtlich aus einem gestörten Grab und unter den Beschlägen befinden sich zwei ovale Gürtelbeschläge, verziert mit Frauenfiguren, die auf Löwen sitzen. Das Motiv einer anthropomorphen Figur, die auf einem Tier sitzt, findet man auch auf Beschlägen aus dem südmährischen Gräberfeld in Hevlín, aus österreichischen Fundstellen Mistelbach und Petronell-Carnuntum, aus Mosonszentjános in Ungarn und aus der böhmischen Fundstelle Kosoř bei Prag.
Der Autor des Artikels befasst sich eingehend mit deren Interpretation im Geiste der antiken und griechischen Mythologie. Man kann sich jedoch nur schwer vorstellen, dass auf Gegenständen der Bewohner des Awarenkhaganats Figuren dargestellt sein könnten, die in keinem Zusammenhang mit ihrem Glaubenssystem standen. Die Einwohner, die im Nordteil des Awarenkhaganats gelebt haben, das heißt auf einem Gebiet, das geographisch an der Mitteldonau liegt, im Westen durch die Thaya und im Osten durch die Stadt Debrezin abgegrenzt ist, benutzten sie möglicherweise als Amulette. Die Beschläge, die außerhalb des Awarenkhaganats, genauer gesagt in Böhmen, entdeckt wurden, sollte man dann als militärische Beute aus den Awarenkriegen an der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert interpretieren.

Marek Budaj
Denar Karls des Großen aus einem Awarengrab in Podunajské Biskupice
In einem der Frauengräber, Grab Nr. 168, fand man überraschenderweise eine Münze des fränkischen Königs Karls des Großen. Aus archäologischer Sicht handelt es sich um einen Sonderfund – den ersten Beleg für die Deponierung einer karolingischen Münze auf einem Gräberfeld im Rahmen des Awarenkhaganats. Die Münze wurde nicht als Zahlungsmittel ins Grab gelegt. Im unteren Teil wurde sie durchbohrt, um als Anhänger oder Medaillon getragen zu werden. Ins Grab gelangte sie vermutlich als Charonspfennig.
Der Denar Karls des Großen (768 – 814) wurde in den Jahren 771 – 793/794 geprägt und bisher ist es nicht ganz klar, wo. Einige Forscher ziehen Mainz in Deutschland in Erwägung, andere dagegen Domburg in Niederlanden. Die Münze aus Podunajské Biskupice wiegt 1,29 g und gehört in die erste Gruppe von Denaren, die auf dem Avers verschiedene Formen der Aufschrift mit dem Namen des Herrschers tragen. Auf unserer Münze befindet sich die Aufschrift CAR-LVS in zwei Zeilen. Auf dem Revers sieht man dann die Aufschrift MAD-CSG in drei Zeilen. Es handelt sich um eine relativ seltene Münze – in der Slowakei wurde bisher keine Analogie gefunden. Der Denar Karls des Großen belegt gegenseitige Kontakte zwischen unserer Region und dem Frankenreich im ausgehenden 8. Jahrhundert. Die Münze gelangte zu uns vermutlich in den Jahren 791 – 796, als das Frankenreich einige Kriegszüge gegen die Awaren organisierte. Auf eine ähnliche Weise hat man auch die Denare Karls des Großen aus der österreichischen Fundstelle Carnuntum interpretiert.
Das Gebiet des Bratislavaer Tores wird als ein Raum angesehen, wo die größten awarenzeitlichen Fundstellen konzentriert sind. Seine westliche Grenze definieren die Fundstellen in der Umgebung von Devínska Nová Ves, den östlichen Rand dann das Gräberfeld in Podunajské Biskupice zusammen mit den Funden aus Bernolákovo und Most pri Bratislave. Aus schriftlichen Quellen erfahren wir, dass dieses Gebiet von Slawen und Awaren bewohnt wurde. Diese Symbiose ist auch auf dem untersuchten Gräberfeld klar zu sehen – man fand hier sowohl Beispiele der slawischen Töpferproduktion, als auch Komponente der typischen awarischen Gürtelgarnitur.

Karol Kantek – Eva Kowalská
Kurort Rogaška Slatina und seine Rolle in slowakischer Geschichte
Der heutige Kurort Rogaška Slatina in Slowenien, ehemaliger steirischer Kurort Rohič (Rohitsch-Sauerbrunn), war bereits vor der Mitte des 19. Jahrhunderts bei der europäischen Aristokratie sehr begehrt. Den Kurort besuchten auch Mitglieder der höchsten kirchlichen, militärischen oder bürokratischen Kreise der Monarchie, namhafte Künstler, Intellektuelle, wohlhabende Stadtbürger, Geschäftsleute, Bankiers oder Politiker. Begegnen konnte man dort auch nationalen Erweckern. Was es die slowakischen Gäste angeht, können wir mit Sicherheit von einem wiederholten Aufenthalt von Ľudovít Štúr sprechen (siehe KANTEK, K. – KOWALSKÁ, E. Kaštieľ v Ivanke pri Dunaji v časoch Ľudovíta Štúra. In Pamiatky a múzeá, Bd. 64, Nr. 3/2015, S. 56 – 65). Die Umstände und Gründe seiner Besuche im Sommer 1848 bilden das Hauptthema dieses Beitrags.
Ľudovít Štúr (1815 – 1856) war die führende Person der slowakischen nationalen Wiedergeburt in der Mitte des 19. Jahrhunderts und einer der Leiter des slowakischen Aufstandes gegen die habsburgische Monarchie in den Jahren 1848 – 1849. In einem eigenhändig aufgestellten Verzeichnis der finanziellen Ausgaben für die erste, sog. „September-Expedition“, informierte er kurz, dass im Juli und August 1848 in Roháč (der damalige slowakische Name des Kurortes) vier „nationale Verhandlungen“ stattgefunden hätten. Wie sollen wir diesen Satz von Štúr verstehen?
Die Autoren des Artikels konzentrierten sich auf die Aktivitäten von zwei besonderen Kurgästen: dem serbischen Fürsten Mihailo III. Obrenović und Ľudovít Štúr. In der Literatur wird Mihailos Kuraufenthalt gewöhnlich fast ausschließlich mit seiner Liebesromanze mit Maria Berghaus, Tochter des dortigen Bademeisters, in Zusammenhang gebracht. Sie gebar ihm am 8. Mai 1849 in Sauerbrunn seinen einzigen Nachkommen, den unehelichen Sohn Wilhelm. Davon, dass sich der Fürst dabei auch mit Auslandsdiplomatie und Politik beschäftigt hat, sagt die Literatur aber nichts. Die sich schnell wandelnde gesellschaftliche Situation hat es aber sicherlich erfordert.
Als während der Mai-Unruhen (1848) der österreichische Kaiser Wien verlassen hat, nahm Miloš Obrenović an, es wäre möglich, die Revolution schnell von der österreichischen auch auf die türkische Seite zu übertragen. Er meinte auch, dass die unterworfenen slawischen Nationen mit Zustimmung der ungarischen revolutionären Regierung unter serbischer (Obrenovićs) Führung befreit und vereinigt sein könnten, ähnlich wie im Fall der Vereinigung von deutschen Staaten oder von Garibaldis Italien. In diesem Sinn unterstützte Miloš seine ausländische Anhänger und beauftragte Mihailo mit wichtigen diplomatischen Aufgaben. Die politische Entwicklung in Ungarn steuerte einen Bürgerkrieg an. Die Vorbereitungen auf die vorgesehene militärische Konfrontation mit den Ungarn erforderte jedoch Geld und Waffen, unter anderem auch für die slowakischen Freiwilligen. Štúr suchte in Rogaška Slatina wegen dieser Angelegenheit Mihailo Obrenović auf. Der war aber in Sachen Finanzen von seinem Vater abhängig, so dass er Štúr das Geld für die slowakischen Freiwilligen nicht gleich nach dem ersten Treffen, sondern erst später gewähren konnte.

Maroš Semančík
Denkmalpflegerische Erneuerung der Burg Kežmarok am Anfang des 20. Jahrhunderts
Nachdem die Burg Kežmarok, die für eine lange Zeit mit bedeutenden Adelsfamilien Zápolya und vor allem Thököly verbunden war, im Jahre 1703 in den Besitz der Stadt überging, begann sie zu verfallen. Die vernichtenden Brände in den Jahren 1741 und 1787 zerstörten komplett den südlichen, nördlichen sowie östlichen Flügel. An deren Stelle entstanden zweckmäßige Anbauten und die Burgräume hat man für wirtschaftliche Zwecke benutzt. Nach einem weiteren Brand im Jahre 1865 verwendete man für die Eindeckung der zerstörten Dächer statt keramischer Dachziegel nur billige Holzschindeln. Der große Brand am 17. März 1901 war der letzte Tropfen zur Entscheidung der entsprechenden Staats- und Stadtbehörden, eine Schnelle Erneuerung der Burg durchzuführen. Die renaissancezeitliche Burg Kežmarok war von großer Wichtigkeit nicht nur mit Rücksicht auf die Geschichte der Architektur, sondern vor allem als Symbol der nationalen Emanzipationskräfte Ungarns (bzw. der Ungarn) gegenüber der habsburgischen Monarchie. Um die „Restaurierung“ der Burg zu finanzieren, benutzte man entwickelte institutionalisierte Mechanismen der denkmalpflegerischen Erneuerungen. Die Vertreter der Stadt besuchten in Budapest entsprechende Ministerien und die Landeskommission für Denkmalpflege und es gelang ihnen, eine Anleihe von 20 000 Kronen zu besorgen, die die Kommission zurückzahlen sollte.
Die Kommission entsandte sofort ihren Mitarbeiter Otto Sztehló, einen renommierten Architekten und Autor vieler Erneuerungen, die Brandschäden zu untersuchen. Sztehló forderte, dass die Dächer der Kapelle und des nordöstlichen Burgflügels unverzüglich in deren ursprünglicher, spätmittelalterlicher Form aus gotischen Dachziegeln gemacht werden sollten. Schon am 5. Mai begann die Erneuerung der abgebrannten Dächer und die Projekte sollten nachträglich genehmigt werden. Es zeigte sich, wie wichtig und stilistisch maßgebend die Gesamtsilhouette und besonders die Form der Dächer für den Charakter des Denkmals sind. Die Entwürfe für die Überdachung der Burg erarbeitete in kurzer Zeit der Architekt und Bauer György Kornél Schwarz aus Kežmarok im neogotischen, romantisierenden Stil. Die Entwürfe wurden der Kommission zur Beurteilung zugesandt und Otto Sztehló hat sie anschließend überarbeitet. Dabei entstand eine verschiedenartige stilistische Mischung von Zitationen spätmittelalterlicher und renaissancezeitlicher Formen. Dadurch wurde die allmähliche bauliche Entwicklung der Burg betont und gleichzeitig näherte sich die Burg ihrer Gestalt vor dem Brand im Jahre 1865. Bis Ende 1901 konnte man sämtliche zerstörte Dächer erneuern.
Historismus repräsentierte die letzte deutliche stilistische Schicht in der Baugeschichte der Burg Kežmarok, die jedoch bis heute nur in einem beschränkten Maße erhalten blieb. Die negative Wahrnehmung dieses Stils und seiner Eingriffe in die historischen Baudenkmäler im Rahmen der Rekonstruktionen und Erneuerungen des 20. Jahrhunderts führte zu deren Deformierung im Rahmen der Gesamtrekonstruktion der Burg Kežmarok in den Jahren 1962 – 1985. Die historisierende denkmalpflegerische Erneuerung der Burg Kežmarok am Anfang des 20. Jahrhunderts war jedoch eine Äußerung des zeitgenössischen Denkens und bildet eine weitere historische Schicht, die zusammen mit den vorigen Epochen der Burgentwicklung schützenswert sein sollte.

Adriana Priatková – Eleonóra Blašková
Tanzschulen in Košice der Zwischenkriegszeit
Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts repräsentierten die Bälle und Tanzveranstaltungen eine angenehme und nützliche Art von Einführung junger Leute in die Gesellschaft. Eine unvertretbare Rolle in diesem Prozess spielten renommierte Tanzmeister und ihre Schulen. In Košice haben die Tanzlehrer in eigenen Tanzschulen unterrichtet. Sie mussten eine Gewerbeerlaubnis haben, die ihnen aufgrund des Diploms von einer Tanzakademie, oder nach Absolvierung eines Fachkurses und Ablegung der Abgangsprüfungen erteilt wurde.
In den 1920er Jahren wirkten hier mehrere moderne Tanzschulen. Zu den meistgesuchten zählte die Tanzschule von Imre Révész, der sie in den Jahren 1874 bis 1918 geführt hat. In Tanzsälen des Hauses in der Hlavná Straße Nr. 91 und des sogenannten Vitéz-Hauses hat er nicht nur Gesellschaftstänze unterrichtet, sondern auch Choreographien für die Theatervorstellungen vorbereitet. Seit 1909 hat ihm sein Sohn Arpád Révész – Absolvent der Pariser Tanzakademie geholfen, und später auch Jenő Révész, der im Jahre 1927 eine Tanzschule in eigenen Räumen des adaptierten Hauses Nr. 91 in der Hlavná Straße eröffnete.
Im Jahre 1918 niederließ sich in Košice Imre Duleczky, der in den Jahren 1922 – 1924 seine Tanzschule in Räumlichkeiten des Hotels Schalkház betrieben hat. Nach Ergänzung seiner Ausbildung in Kursen in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz unterrichtete er im Saal des Katholischen Gesellenvereins und im Kasinogebäude in der Hlavná Straße Nr. 76. Nach dem Einkauf und Umbau eines Hauses in der Hunyadyho (heutzutage Timonova) Straße im Jahre 1929 erwarben Herr und Frau Duleczky geeignete Räume für die Organisierung der Tanzkurse. Wie es aus den Dokumenten im Archiv der Stadt Košice hervorgeht, investierte die bedeutende Familie Kemenczky im Jahre 1924 in den Bau eines Hauses mit Tanzschule in der Tinódyho (heutzutage Biela) Straße. Das Projekt dieses Gebäudes wurde von der tschechischen Baufirma Frič – Novák ausgearbeitet, wobei Alois Novák einer der erfolgreichsten Baumeister in Košice zur Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918 – 1938) gewesen ist. Die Schwierigkeiten mit dem Erwerb einer Nutzungsgenehmigung und die langwierigen Probleme mit der minderen Ausführungsqualität des Baus führten dazu, dass sich die Familie Kemenczky schließlich entschied, auf der Nachbarparzelle ein weiteres, viel größeres multifunktionelles Haus mit Verkaufsräumen, Wohnungen und einer privaten Tanzschule bauen zu lassen.
Die Direktorin einer der am modernsten ausgestatteten Tanzschulen in der Slowakei wurde Erzsébet Kemenczky, verh. Konetschny, Absolventin der Pariser Académie Supérieure de Danses. Mit Projektarbeiten beauftragte sie den kaum 30-jährigen Architekten Ľudovít Oelschläger (Lajos Öry) aus Košice, der ein Gebäude mit einem Kaufhaus im Parterre, einem zweigeschossigen Saal der Tanzschule mit nötigen Nebenräumen im ersten und zweiten Stock und einem komfortabel ausgestatteten Wohnbereich im zweiten und dritten Stock entworfen hat.
Der wunderschöne Tanzsaal im Stil Art Deco mit einer Höhe von 6,5 m, mit wertvollen Details, einem eleganten Balkon und einem Podium für die Musikanten, war in den 1930er Jahren ein beliebter Ort für den Tanzunterricht und die Tanzveranstaltungen der Bewohner von Košice, wo das berühmte Orchester Dancing-Jazz Konečný zum Tanzen spielte.

Vladimír Majtan
Das Rosenfeld-Palais in Žilina
Im Herbst 2016 eröffnete man in Žilina das erneuerte Stadtpalais des Finanziers und Philanthropen Ignaz Rosenfeld (1850 – 1923). Die repräsentative Residenz baute er im Jahre 1907 auf einem strategischen Grundstück in der Mitte einer Kreuzung von Stadtstraßen. Gleichzeitig war es auch der Sitz seiner Bank. Mit dem Bau beauftragte er den berühmten einheimischen Architekten und Bauer Mikuláš Rauter, auch Nicoletto genannt.
Das Rosenfeld-Palais repräsentiert eine Synthese des ausklingenden dekorativen Historismus und des neu eintretenden Jugendstils. Die Monumentalität des Gebäudes ist unterstrichen durch den zentralen Teil mit steinernem Portal und Balkon und durch zwei Risalite, die einen Ehrenhof (cour d’honneur) bilden. An der hellgrauen Fassade mit abwechselndem glattem und strukturiertem Putz befindet sich reiche Stuckverzierung mit Maskaronen und Blumenornamenten. Einen spezifischen Charakter verleihen dem Palais die großen, kompliziert gestalteten Fenster mit einem hölzernen Rollladensystem und das Mansardendach mit dekorativen Klempner- und Bildhauerelementen. Im Interieur befinden sich Marmorsäulen, eine prunkvolle Treppe und Fenster mit Ätzglas. Die relativ schroffen Räume im östlichen und westlichen Palaisflügel mit einfacher malerischer Ausschmückung wurden für die Bedürfnisse der Bank benutzt. Das Piano nobile diente als Wohnappartement für die Rosenfelds. Die Decken einzelner Säle, nach zeitgenössischer Mode mit Pastellfarben ausgemahlt, sind mit Stuckverzierung versehen. Erhalten blieben auch sanitäre Räume mit ursprünglichen Keramikfliesen und dekorativen Bodenbelägen. Die Erholungszone im Außenbereich projektierte der Architekt als eine große Dachterrasse auf der Ebene der Wohnetage im östlichen Flügel. Die ursprüngliche Einrichtung des Palais blieb nicht erhalten. Von ihrer Qualität zeugen nur Fragmente, zum Beispiel der hölzerne Intarsienbelag an den Wänden der zwei Hauptsalons und eine einmalige Kollektion von Leuchtkörpern.
Das Rosenfeld-Palais wurde erst im Jahre 2009 für ein nationales Kulturdenkmal erklärt. Damals befand es sich schon in einem baufälligen Zustand. Auf die Erneuerung wartete es jedoch bis zum Jahre 2015, als die Stadt die nötigen Finanzmittel aus dem Regionalen Operationsprogramm der EU und dem Finanzmechanismus des Europäischen Wirtschaftsraumes (sog. Norwegische Fonds) erworben hat. Nach einer anspruchsvollen Rekonstruktion dient das Palais als eine repräsentative und kulturelle Anlage der Stadt Žilina.

Marek Gilányi
Ein unbekanntes Wappen des Bischofs Jozef Čársky?
Im Sammlungsbestand der Stadtgalerie Bratislava befinden sich neben bildhauerischen Werken auch mehrere Skizzen und Entwürfe von dem gebürtigen Bratislavaer Alois Rigele (1879 – 1940). Einige von ihnen sind im Rahmen des Projektes Digitalgalerie der Slowakischen Nationalgalerie auf dem Portal www.webumenia.sk publiziert und somit für die Forscher besser zugänglich. Unter diesen Zeichnungen befinden sich auch Werke mit heraldischer Thematik.
Das Thema des Beitrags ist eine Zeichnung, die als Entwürfe der Gauzeichen bezeichnet und mit der Jahreszahl 1923 datiert ist. Sie bildet sechs runde Medaillons ab, von denen man fünf identifizieren kann. Unter jedem von ihnen befindet sich außerdem der ungarische Name der Stadt. Es handelt sich um die Wappen folgender Bischöfe: Augustin Fischer-Colbrie (1863 – 1925), Text unter dem Medaillon: Kassa; Inschrift auf der oberen Schleife: EPISC. CASSOVIENSIS; bischöfliches Motto auf der unteren Schleife: EVANGELIZARE PAVPERIBVS MISIT ME ; Ján Vojtaššák (1877 – 1965), Text unter dem Medaillon: Szepes; Inschrift auf der oberen Schleife: EPISC. SCEPUSIENSIS, bischöfliches Motto  auf der unteren Schleife: ANGELIS MANDAVIT DE TE; Karol Kmeťko (1875 – 1948), Text unter dem Medaillon: Nyitra;  Inschrift auf der oberen Schleife: EPISC. NITRIENSIS, bischöfliches Motto :  CHARITAS OMNIA VINCIT; Marián Blaha (1869 – 1943), Text unter dem Medaillon: (Be)szterczebánya,  Inschrift auf der oberen Schleife: (EPISC.) NEOSOLIENSIS, bischöfliches Motto : (MITES) POSSIDEBUNT TERRAM, und der Eparchie von Prešov, Text unter dem Medaillon: Eperjes, Inschrift auf der oberen Schleife: EPISCOPATVS FRAGOPOLIENSIS (Alternative Episcopatus Presoviensis // Eperies // fragopoliensis).
Am interessantesten in Rigeles Zeichnung ist das Wappen inmitten der unteren Reihe. Es handelt sich um einen Entwurf des Wappens für den Apostolischen Administrator in Rožňava, Jozef Čársky (1886 – 1962), Text unter dem Medaillon: Rozsnyó, Inschrift auf der oberen Schleife: EPISC. THAGORAENSIS ET ADM. AP. ROSNAV. (Alternative EPISCOPVS AP. ADM. ROSNAVIENSIS), bischöfliches Motto auf der unteren Schleife VENI QVAERERE ET SALVVM FACERE QVOD PERIERAT. Es sieht so aus, als wäre die Zeichnung in der Stadtgalerie Bratislava vermutlich die einzige erhaltene Verbildlichung des bischöflichen Wappens von Jozef Čársky aus der Zeit seiner mehr als halbjährigen Wirkung in Rožňava. Die annähernde Datierung der Zeichnung ist Mai – Juni 1925.
Eine andere Zeichnung aus der Stadtgalerie Bratislava, als Entwurf einer Auszeichnung – bzw. eines Stempels bezeichnet, bildet das Wappen von Pavol Jantausch (1863 – 1925) ab, der zusammen mit Jozef Čársky konsekriert wurde. Text unter dem Medaillon: Nagy Szombat, Inschrift auf der oberen Schleife: EPISC. T. PRIENENSIS AP. ADM. TYRNAVIENSIS, bischöfliches Motto auf der unteren Schleife: PRO VERITATE CVM CARITATE. Alle bischöflichen Wappen, die A. Rigele entworfen hat, befanden sich ursprünglich auf einem einzigen Bogen, denn beim Anlegen passen die beiden Papiere perfekt zueinander.

Lucia Duchoňová
Die Möbel für Bischof Jantausch aus der Werkstatt von Vojtech Novotný
Das Westslowakische Museum in Trnava errichtete am Ende des Jahres 2016 ein Gedenkzimmer des römisch-katholischen Priesters Mons. ThDr. Pavol Jantausch (1870 – 1947), der seit 1925 bis zu seinem Tod das Amt des Bischofs und des Apostolischen Administrators der Apostolischen Administratur Trnava ausgeübt hat. Sein bischöfliches Motto Pro veritate cum caritate (Liebe für die Wahrheit) bildet auch den Namen der Dauerausstellung.
Zur Zeit der Wirkung von P. Jantausch in Trnava begann die bischöfliche Residenz mit dem Kunstschnitzer Vojtech Novotný (1884 – 1958) aus Piešťany zusammenzuarbeiten. Auf Anforderung des Bischofs hat er das Mobiliar für das neugebaute Kloster von Pius IX. in Vrbové und für seine Kapellen angefertigt. In seiner Werkstatt entstanden auch geschnitzte Beichtstühle für die Domkirche Hl. Martin in Spišská Kapitula sowie das restaurierte Mobiliar des Klosters in Hronský Beňadik und im Jahre 1939 hat er auch repräsentative Möbel für das Palais Grassalkovich (Präsidentenpalais) in Bratislava hergestellt. Im Jahre 1936 ließ sich bei ihm auch Bischof Pavol Jantausch die Möbel im Stil der „slowakischen Stube“ für sein Arbeitszimmer im Erzbischöflichen Amt in Trnava anfertigen. Das Zimmer bestand aus dem Arbeits-, Toiletten-, Schlaf- und Gebetsabteil. Seit 2015 befindet sich dieses Mobiliar im Sammlungsbestand des Westslowakischen Museums. Dem Museum schenkte es Ing. František Gregor aus Košice, der es von seiner Mutter Mária Gregorová, Nichte von Paul Jantausch, geerbt hatte. Er hat das Mobiliar allmählich restauriert, dank dessen es gegenwärtig in einem sehr guten Zustand erhalten ist. Die Verzierung besteht vorwiegend aus volkstümlicher Blumenornamentik, die der Schnitzer vermutlich aus Tracht-Stickereien in seiner Geburtsregion schöpfte. Das Interieur des Arbeitszimmers von Jantausch ist im Museum durch Devotionalien, Abbildungen der Jungfrau Maria von Trnava und historische Bücher ergänzt. Die Installation umfasst auch liturgische Textilien, die aus den 1940er Jahren stammen und die Dauerausstellung mit Betonung auf kirchliche Geschichte von Trnava auf eine geeignete Weise ergänzen.

Rastislav Luz
Verlorene epigraphische Denkmäler der Kirche Hl. Georg in Svätý Jur
Mit epigraphischen Denkmälern der Kirche Hl. Georg in Svätý Jur beschäftigten sich in der Vergangenheit mehrere Autoren. In dem neuesten Verzeichnis für die vorbereitete Edition Corpus inscriptionum Slovaciae bearbeitete František Gahér epigraphische Denkmäler von einem Teil der Westslowakei. 16 Inschriften in diesem Verzeichnis stammen aus der Kirche Hl. Georg in Svätý Jur. Es handelt sich jedoch nur um diejenigen, die sich dort zur Zeit der Aufstellung des Verzeichnisses im Jahre 2013 befunden haben.
Der Autor dieses Artikels verweist darauf, wie wichtig die archivalische Forschung bei Aufstellung der epigraphischen Verzeichnisse sein kann. Das Studium von schriftlichen oder photographischen Quellen kann die Anzahl der bekannten inschriftlichen Denkmäler deutlich erhöhen – im Fall der betreffenden Kirche sogar um eine Hälfte. Obwohl solche auf sekundäre Art erhaltene Inschriften nicht immer in allen Aspekten bearbeitet werden können (die Schriftart und ihre Ausmaße, das Material usw.), ist das Aufzeichnen ihrer Existenz von großer Wichtigkeit für eine komplette Erkennung der Geschichte der schriftlichen Kultur. Von der ursprünglichen Ausschmückung der Kirche Hl. Georg blieben bis heute nur noch Fragmente erhalten. Die Wandgemälde hat man im Jahre 1582 überstrichen (davon zeugt eine Inschrift an der Wand im Seitenschiff). Freigelegt und restauriert wurden sie vom akademischen Maler Maximilán Duchek im Jahre 1920. Seitdem wurden die Gemälde nicht mehr restauriert, weswegen das älteste von ihnen fast komplett verschwunden ist. Es handelt sich um eine Freske mit Figur des Hl. Erasmus mit einem Kreuz über dem Kopf, die im Jahre 1937 anlässlich der Prager Ausstellung Staré umenie na Slovensku (Alte Kunst in der Slowakei) photographiert wurde. Heutzutage verweist auf sie eine kaum sichtbare Inschrift in gotischer Minuskel, die man in die Jahre 1400 bis 1420 datieren kann.
Bemerkenswert war auch eine deutsche Inschrift auf einer Glocke aus dem Jahre 1460, die während des Ersten Weltkriegs eingeschmolzen wurde. Im Jahre 1869 hat man in der Zeitschrift Archeologiai értesítő ihre erste Abschrift veröffentlicht, die später aufgrund der Erforschung von graphischen Zeichen mehrmals revidiert wurde. Sie zählt zu den ältesten nichtlateinischen Inschriften auf unserem Gebiet.
In der Pfarrkirche Hl. Georg erhielten sich vier Sepulkraldenkmäler. Die Archivquellen berichten jedoch von weiteren Sepulkralien, deren Anzahl sogar die erhaltenen Denkmäler übertrifft. Es handelt sich zum Beispiel um die zerstörten Grabsteine von Josef Stützel und von Mitgliedern der Familie Armbruster, deren Erscheinungsbild auf einer Photographie des Kircheninterieurs aus den 1920er Jahren erfasst wurde (die Transkriptionen ihrer Inschriften erhielten sich in kanonischen Visitationen aus dem Jahre 1781), um Mortuarien aus der Grabkapelle oder den im Außenbereich angebrachten Grabstein von Elisabeth Buchberger aus dem Jahre 1765, die auf Photographien aus den 1920er und 1930er Jahren dokumentiert waren. In der Zukunft werden vielleicht auch weitere, heute bereits verlorene Inschriften identifiziert.

Brigita Hradská
Szenische Entwürfe von Ladislav Vychodil zur Eugen Suchoňs Oper „Krútňava“
Im Sammlungsbestand des Slowakischen Nationalmuseums-Musikmuseums befinden sich drei interessante Sammlungsobjekte, die unter dem Namen Szenische Entwürfe zu der Oper: Krútňava registriert sind. Sie stammen von dem Gründer der slowakischen Szenographie, Professor Ladislav Vychodil. Es handelt sich um Malereien auf Papier, die im Jahre 1952 zu einzelnen Akten der Oper Krútňava (dt. Strudel, Wirbel der Gefühle) von Eugen Suchoň angefertigt worden sind, als die Oper im Slowakischen Nationaltheater inszeniert wurde. Da sie schon beim Ankauf ins Museum beschädigt waren, war es nötig sie zu rekonstruieren.
Von den ursprünglichen sechs szenischen Entwürfen sind jetzt drei im Besitz des Slowakischen Nationalmuseums-Musikmuseums. Es handelt sich um szenische Entwürfe zum ersten, zweiten und sechsten Bühnenbild. Die Autorin des Artikels, die Restauratorin Brigita Hradská, beschreibt eingehend die Arbeiten, die mit Erneuerung der Malereien verbunden sind. Die ursprüngliche Annahme, dass es sich um Aquarelle handeln könnte, wurde im Laufe der Forschung nicht bestätigt. Es geht um Temperamalereien und ihre Beschädigung war vor allem durch den Verlust der Pigmentschicht – Temperafarbe infolge der unpassenden Lagerungsbedingungen, der natürlichen Alterung des (sauren) Papiers und einer partiellen Zerreißung verursacht. Die Restaurierung setzte sich zum Ziel, den bildkünstlerischen Werken ihren ursprünglichen Ausdruck mit Hilfe von Retusche zurückzuverleihen, so dass der Eingriff ins Original minimal und seine historische Authentizität in höchstmöglichem Maße respektiert wird.
Die restaurierten Malereien sind in der Ausstellung „Klenoty z múzea“ (Juwele des Museums) (15. Dezember 2017 – 28. Januar 2019) im Hauptgebäude des Slowakischen Nationalmuseums in der Donauuferstraße Vajanského nábrežie in Bratislava zu sehen.

Katarína Hallonová
Drahtbinderei. Die Geschichte des (beinahe) verlorenen Erbes.
Anfang November 2017 wurden zu der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Slowakei neue Eintragungen hinzugefügt. In die Liste, die jetzt schon 18 Elemente umfasst, hat man neu Die Majolika aus Modra, Die slowakische Hirtenflöte Fujara-Trombita, Geschnitzte Holzkreuze in der Region Podpoľanie, Die Lipizzanerzucht in Topoľčianky und schließlich die Drahtbinderei eingetragen. Gleichzeitig ist zu der Liste der besten Methoden zum Schutz des immateriellen Kulturerbes in der Slowakei die zweite Aktivität hinzugekommen, nämlich die Dokumentation und Beschützung von Drahtbinderei im Museum des Waagtals in Žilina.
Die Drahtbinderei repräsentiert ein spezifisches historisches, sozial-ökonomisches, erzeugungstechnisches, soziologisches, ethnologisches sowie kulturelles Phänomen, das zur Herausbildung der kulturellen Identität der Slowakei auf lokaler sowie nationaler Ebene beigetragen hat. In ihrer ursprünglichen Form gehörte die Drahtbinderei in eine Gruppe von männlichen Wanderhandwerken, die als eine Zusatzquelle die unzureichenden Möglichkeiten des Lebensunterhalts in primären, insbesondere landwirtschaftlichen Bereichen, saturierten.
Die Drahtbinderei entwickelte sich in den am meisten unterentwickelten bergigen Regionen der Slowakei – im nordwestlichen Teil des Trentschiner Gaus (Trenčianska župa) und im Nordteil der Region Zips (Spiš). Anfangs handelte es sich um eine seltene, später aber um massenhaft ausgeübte lokale Aktivität. In den beiden Zentren wurde sie allmählich zu einem Faktor, der auf eine entscheidende Weise sämtliche Aspekte des Lebens determinierte. Die Gruppe der Drahtbinder bildete sich hier von den ärmsten Sozialschichten heraus und formte eine autochthone Gemeinschaft mit spezifischer Lebensweise, sozialen Beziehungen, Hierarchie, Arbeitsorganisation, volkstümlichen Erscheinungen und Traditionen und mit eigener Geheimsprache. Die Vertreter dieser Gemeinschaft, die massenhaft durch Europa sowie durch den asiatischen Teil Russlands gewandert haben, wurden zu deutlichen Repräsentanten ihres Landes im Ausland. Die Slowakei oder Oberungarn wurde auch als das Land der Drahtbinder bezeichnet (z. B. Bergner, R. Eine Fahrt durchs Land der Rastelbinder, 1883).
Die Drahtbinderei erreichte ihren Höhepunkt am Anfang des 20. Jahrhunderts. Die allgemeine Destruktion im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg und die geopolitischen Wandel nach seinem Ende hatten dem Gewerbe einen harten Schlag versetzt. Es konnte weder der Wirtschaftskrise in der Zwischenkriegszeit noch der politisch-ökonomischen Entwicklung und Industrialisierung nach dem Zweiten Weltkrieg standhalten und ist in seiner ursprünglichen Form in der Mitte des 20. Jahrhunderts untergegangen.
Mit der Erforschung und Dokumentation des Handwerks beschäftigt sich das Museum des Waagtals in Žilina schon seit seiner Gründung im Jahre 1942. Im Jahre 1994 entstand im Rahmen des Museums ein Zentrum für Dokumentation der Drahtbinderei. In seinem Sammlungsbestand werden mehr als 6 000 Exemplare von materiellen, schriftlichen und bildlichen Denkmälern in Bezug auf die Drahtbinderei aufbewahrt. Das Zentrum studiert auch die gegenwärtigen Äußerungen der Drahtbinderei und die Anwendung ihrer Technologien in heutiger professionellen sowie unprofessionellen bildenden Kunst und im Design.
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Ilija, kostol sv. Egídia – detail románskeho portálu