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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 2/2006

13. apríla 2012

Die Zápolya-Kapelle in Spišská Kapitula – Dachstuhlkonstruktionen

Peter Glos – Mária Novotná – Ľubor Suchý

Relativ viel Raum wurde in der Fachliteratur und Periodika der Bewertung der St. Martins-Kathedrale in Spišská Kapitula (dt. Zipser Kapitel) und insbesondere der Grabkapelle der Familie Zápolya (slowak. Zápoľský) gewidmet, eines Adelsgeschlechts, das in der Zips, aber auch im Rahmen ganz Ungarns etwa seit der Mitte des 15. Jahrhunderts für neunzig Jahre eine bedeutende Stellung erlangt hatte. Es griff sogar nach dem höchsten Ziel – dem königlichen Thron. In diesen Arbeiten über die Kathedrale wurde den Bedachungskonstruktionen fast keine Beachtung geschenkt. Sie waren seit ihrer Entstehungszeit in den 60er Jahren des 15. Jahrhunderts nie abgebrannt und ihr überwiegender Teil ist außerordentlich gut erhalten.
Die ursprünglich der Jungfrau Maria geweihte Grabkapelle der Zápolyas war Bestandteil des spätgotischen Umbaus der Kathedrale in den Jahren 1488 – 1493, als die schon teilweise beschädigte romanische Basilika aus dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts den Anforderungen nicht mehr genügte. Architektonisch knüpft die Kapelle an die von der Pariser St. Chapelle abgeleitete Begräbniskapelle in Spišský Štvrtok (Donnersmark) (um 1473) an, nur dass sie eingeschossig ist. So wie auf der Kathedrale auch auf der Kapelle dominieren die Dächer. Es sind zwei: eines über der Kapelle und ein wesentlich kleineres Dach über dem Oratorium im Westteil. Der Hauptraum der Kapelle ist mit einem steilen Satteldach mit einer Neigung der Dachebenen bis zu 68 Grad überdacht, das, natürlich mit Ausnahme der Turmdächer, zu den steilsten in unserem Raum gehört. Der Dachstuhl der Zápolya-Kapelle ist eine progressive Form des spätmittelalterlichen Vieretagendachstuhls. Integraler Bestandteil der Kapelle ist ihr Westteil, in dem über der sogenannten kleinen Sakristei im Obergeschoss ein offenes Oratorium situiert ist. Das Dach ist wesentlich kleiner und der Dachstuhl einfacher, konstruktiv und typologisch aber identisch mit dem in der Kapelle – er ist spätmittelalterlich und dreietagig.
Beide Dachstühle sind in unserem Raum im Hinblick auf die Entstehungsperiode technisch sehr fortgeschritten, es sind schwierige, progressive, handwerklich vollkommen ausgeführte Konstruktionen. Die Reife und das um eine Klasse höhere konstruktive und handwerkliche Niveau der Dachstühle der Kapelle gegenüber dem größeren und etwas älteren Dachstuhl der Kathedrale sind evident. Einmalig für die damalige Zeit war auch das gebrannte glasierte Keramikdach, mit dem die Kapelle von Anfang an bedeckt war.
Eine eingehende Forschung hat bestätigt, dass die Dachstühle über der Kapelle und dem Oratorium primär und im Zeitraum der Jahre 1488 – 1493 entstanden waren, was eine   dendrochronologische Datierung der Proben in nächster Zukunft bestätigen sollte. Auftraggeber der Arbeiten an der Familienbegräbniskapelle war einer der reichsten ungarischen Adligen jener Zeit, der Palatin und Zipser Gespan Stephan Zápolya, der jüngere Bruder von Imrich Zápolya († 1487). Das Niveau der architektonischen und steinbildhauerischen Gestaltung, die künstlerische Ausschmückung und die Reife der Dachstuhlkonstruktionen sowie der ursprünglich verwendeten Keramikdachdeckung der Kapelle entsprechen seiner Stellung und seinen Möglichkeiten.
 

Die Krönung Karol Róberts durch die Madonna in Spišská Kapitula

Eva Spaleková – Ladislav Székely

Spišská Kapitula (dt. Zipser Kapitel), ursprünglich ein kleines befestigtes Kirchenstädtchen mit der St. Martins-Kathedrale, dem Bischofspalast, Häusern der Domherren und weiteren Denkmalensembles ist eine bemerkenswerte urbanistische Anlage, die sich dem Rahmen der übrigen historischen Städte auf unserem Gebiet entzieht. Im Jahr 1950 wurde es zur Städtischen Denkmalzone erklärt und 1993 Bestandteil des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO (Zipser Burg und Umgebung).
Im Inneren der Kathedralkirche befindet sich ein äußerst bemerkenswertes mittelalterliches Wandbild mit einem interessanten ikonographischen Thema. Es zeigt die Krönung des Karol Róbert von Anjou zum ungarischen König, datiert mit dem Jahr 1317 und wurde im Sommer vergangenen Jahres von einem   Mitarbeiterkollektiv des Gebietsrestaurationsateliers (Oblastný reštaurátorský ateliér) in Levoča (dt. Leutschau) restauriert (die Aktion wurde finanziell von der Messerschmitt-Stiftung getragen).
Der dreischiffige Bau der Basilika durchlief eine schwierige Entwicklung, im ursprünglichsten Zustand ist ihr Westteil erhalten geblieben. Die puristische Regotisierung betraf unter anderem das Interieur einschließlich des erwähnten Wandgemäldes. Seine Entstehung hängt mit einem bedeutenden historischen Ereignis zusammen, nämlich der Besteigung des ungarischen Throns nach dem Aussterben der Árpáden durch den neuen Herrscher Karol Róbert von Anjou (1308 – 1342) und seine definitive Festigung, Durchsetzung der Macht in der Zips 1317 nach der siegreichen Schlacht bei Rozhanovce (1312). Neben dem politischen Aspekt liegt die Bedeutung des Gemäldes darin, dass es eines der ersten Äußerungen der neuen Kunstorientierung, der Gotik ist. Die Szene dokumentiert die Zustimmung der Himmelsmächte zur Wahl des Königs und bestätigt seine Autorität auf dem dortigen Territorium.
Aus der Literatur sind drei Restaurationseingriffe in das Gemälde bekannt, die seinen Charakter veränderten (1850, in den Jahren 1873 – 1889 und 1943). Bei der gegenwärtigen Untersuchung wurden auch ältere lokale Übermalungen festgestellt, deren Ausführung wir in der Etappe des Umbaus der romanischen Basilika in eine gotische in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts annehmen. Diese Übermalungen kann man als lokale, “kosmetische“ Behandlungen des Gemäldes betrachten, das bei Bauarbeiten am Objekt der Kirche, bzw. infolge der Hussitenattacken und einem Feuer in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts   beschädigt worden war.
Die umfangreichsten Übermalungen wurden durchgeführt, als im Ausklang des 19. Jahrhunderts die ornamentale Rahmung rasant geändert und die beschädigten Stellen verkittet wurden, wobei auch die ursprüngliche Farbgebung von Blau in Braun geändert wurde. Die Änderungen wurden in dunklen Tönen realisiert, die Szene verlor ihre leuchtende Farbigkeit und Leichtigkeit. Zugleich mit der Veränderung der Farbigkeit wurden bei den Figuren auch Inschriften angebracht, Sie stammen also aus dem neogotischen Umbau, denn sie wurden auf die sekundäre (braune) Schicht gelegt. Einer der problematischsten Momente der Restaurierforschung war gerade die Lösung der Frage dieser Texte, die schon Jahre ein traditioneller Bestandteil der Szene sind. Die Existenz von Originaltexten aus der Entstehungszeit des Gemäldes konnte ohne eine unabänderliche Beschädigung des Gemäldes technisch nicht bestätigt oder ausgeschlossen werden und so beschloss man, die Inschriften zu belassen.
 

Relief der Königin Elisabeth in Bratislava

Jozef Haľko

Der österreichische Kaiser und ungarische König Franz Joseph gewährte am 4. November 1909 den Mitgliedern der Errichtungskommission der Gymnasialkirche der heiligen Elisabeth beim Katholischen Gymnasium in Bratislava eine Audienz. Mit der Kirche sollten die Feiern zum siebenhundertsten Geburtstag der Heiligen beendet werden. Die Delegation ersuchte den Kaiser, der Kirche ein Marmorrelief der Königin Elisabeth zu widmen, die die árpádische heilige Elisabeth als Patronin sehr verehrte. Der Kaiser stimmte zu und beauftragte den Bratislavaer Bildhauer Alois Riegele mit der Schaffung des Reliefs. Die Konsultationen über Details dauerten das ganze Jahr 1910. Zunächst sandte man dem Bildhauer Elisabeths Fotografie vom Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts, die sie in ungarischer Kleidung zeigte. Die Skizze, die er anhand dieser Vorlage ausgearbeitet hatte, musste er aber umarbeiten, denn er bekam eine neue Fotografie, Sisi im festlichen Krönungskleid, mit Krone, Schleier   und Handschuhen. Die ursprüngliche Vorstellung, dass die Figur auf dem Relief in einem ungarischen hochgeschlossenen Kleid dargestellt wird, ersetzte ein luxuriöses, dekolletiertes Kleid, ergänzt mit Handschuhen, Kollier, Krone und Schleier. Mitte September 1910 sandte Riegele ein Gipsmodell nach Wien. Das Relief wurde am 12. Juni 1912 in die vorbereitete Nische eingesetzt. Der Termin der Fertigstellung der Kirche wurde von den Baumeistern jedoch nicht geschafft und so verdeckte man das Relief mit Brettern bis zum 11. Oktober 1913, als die feierliche Einweihung der Kirche stattfand.
Das Relief der Herrscherin, die 1898 tragisch ums Leben kam, wurde absichtlich gegenüber dem von den Gymnasiasten benutzten Eingang eingesetzt, damit es als nachahmenswertes Vorbild wirken sollte. Die politischen Veränderungen führten dazu, dass das Relief nicht einmal ein Jahrzehnt an dem ursprünglichen Platz verblieb. Als Ende Oktober 1921 tschechische Legionäre die Skulptur der Maria Theresia von Fadrusz in Bratislava zerstörten, war auch das Relief der Ehefrau ihres Ururenkels, Franz Josephs in Gefahr. Deshalb erteilte das Referat für Denkmalschutz sofort Weisung, das Werk in Sicherheit zu bringen. Heute befindet es sich auf der Treppe des Pfarramtes der heiligen Elisabeth, wo es irgendwann nach 1934 vom Autor selbst platziert wurde.
 

Archäologie auf dem Hauptplatz in Bratislava

Branislav Lesák

Die neueste Aktivität der Archäologen im Raum des Hauptplatzes in Bratislava hing mit dem Projekt der Rekonstruktion der Pflasterung   und mit dem Bau neuer technischer Versorgungsnetze zusammen. Das Projekt wurde im September und Oktober vergangenen Jahres realisiert unter der fachlichen Federführung der Archäologen des Städtischen Instituts für Denkmalschutz Bratislava.
Aus der Sicht der archäologischen Topographie gehört der Hauptplatz zu den attraktivsten Orten auf dem Territorium der Denkmalzone. Die mittelalterliche Besiedlung im 13. bis 15.Jahrhundert, also einer Zeit, als die Fläche des Platzes vor allem die Funktion eines öffentlichen Versammlungs- und Marktplatzes erfüllte, dokumentierten mehrere Schichten historischer Veränderungen der Oberfläche des Platzes, die auch mit seiner Funktion als Marktplatz zusammenhingen. Regelmäßige Märkte wurden hier nämlich bis zum Jahr 1370 veranstaltet, als sie durch eine Entscheidung des ungarischen Königs Ladislaus in den Raum des heutigen Primatialplatzes verlegt wurden. Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammt der bisher älteste Fund einer öffentlichen, im Hinblick auf die Entstehungszeit der qualitativ hervorragenden Kanalisation auf dem Gebiet des mittelalterlichen Bratislava.
Das unruhige und konfliktreiche 13. Jahrhundert in Bratislava repräsentiert wohl der unerwartetste Fund südlich des Maximilian-Brunnens, und zwar ein gemauertes Zweiraumhaus, von dem der vollständige Grundriss erhalten ist. Es wurde noch vor der Entstehung des Platzes gebaut, über den man erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts nachdenken kann. Es ist somit offenbar der Rest einer Reihenbebauung von vor   bzw. von der Mitte des 13. Jahrhunderts. Aus der Verschüttung des Objekts aus Keramikfragmenten, unter denen sich zwei Münzen befanden, kann man schließen, dass es   Ende des 13. Jahrhunderts zerstört wurde.
Im vorurbanen Prozess östlich der Vorburgsiedlung spielt im 10. – 11. Jahrhundert der Raum des heutigen historischen Stadtkerns von Bratislava, eingegrenzt von der Ventúrska (Ventur-Gasse), der Michalská (Michaeler Gasse), dem Franziskaner-Platz (Františkanské námestie) und dem Hauptplatz (Hlavné námestie), eine außerordentlich wichtige Rolle. Während wir hier im Laufe des 9. und zu Beginn des 10. Jahrhunderts einen deutlichen Siedlungshorizont, vertreten durch Funde anthropogener Schichten und Objekte, vorfinden, ist der Siedlungsfaktor Ende des 10. und im 11. Jahrhundert unterdrückt und in den Vordergrund tritt die Funktion des Gräberfeldes. Das frühmittelalterliche Gräberfeld, lokalisiert auf der Achse – Hauptplatz – Sattlergasse (Sedlárska ulica) umfasst mindestens 55 Gräber, die vor allem im Nordwestteil des Platzes in der Nähe der Hauptverkehrstrassen verteilt sind. Die Straßen hatten in den magischen heidnischen Vorstellungen eine spezifische Stelle inne und das bis weit in das 11. Jahrhundert, was davon zeugt, dass der Christianisierungsprozess in der frühungarischen Gesellschaft sich nur sehr langsam vollzog.
Die frühgeschichtliche Besiedlung in der späten La-Tènezeit (1. Jahrhundert v.u.Z.) wird durch mehrere eingetiefte Siedlungsobjekten mit reichem, vor allem keramischem Fundmaterial belegt. Zu den unikalen Funden gehört eine Silbermünze, eine Tetradrachme des Bratislavaer Typs, mit der Aufschrift Biatec, die im Areal des Bratislavaer keltischen Oppidums zwischen den Jahren 70 bis 58 v u. Z. geprägt wurden. Dank dem eingetieften Objekt aus der älteren Eisenzeit stehen auch die Funde aus der urzeitlichen Ansiedlung bedeutungsmäßig nicht nach. Der älteste Urzeithorizont, die Periode der Spätsteinzeit, die Blütezeit der Ansiedlung des Volkes der Boleráz-Gruppe (um die Mitte des 3. Jahrtausends v.u. Z.) wird durch den Fund einer Grube und vielleicht eines Ofens mit dem Rest einer Lehmkuppel auch mit Keramikmaterial in seiner Füllung belegt.  
 

Das Exekutionsrecht im mittelalterlichen Bratislava

Vladimír Segeš

Im mittelalterlichen Bratislava (dem damaligen Preßburg - Prešporok) wurden Straftaten nach der ungarischen Strafprozessordnung, aber auch nach den Normen des eigenen Rechts beurteilt, das im süddeutschen (Nürnberger) Recht wurzelte und später auch durch das Wiener und Ofener Recht (Buda) beeinflusst wurde. Das Preßburger Rechtsbuch unterschied eine breitere Skala von Straftaten und Formen ihrer Bestrafung, als zum Beispiel das ungarische Adelsrecht.
Das vorrangige Interessenobjekt des Gerichts in Strafsachen war nicht der Angeklagte, sondern vor allem die Tat, also das Verbrechen, das er begangen hatte. Nur selten wurden die Motive untersucht, wobei das Geständnis geradezu eine absolute Rechtskraft besaß. Im Interesse des Geständnisses des Verdächtigen ordnete das Gericht häufig die Anwendung der Folter an. Bekannte sich der Verdächtige bzw. Beschuldigte, dann stand dem Gericht nichts mehr im Wege, das Urteil zu fällen.
Das schwerste Urteil war die Todesstrafe und die Form der Hinrichtung wurde nach der Schwere der Delikte bestimmt. Aus Schriftzeugnissen wissen wir, dass die Stadt die Blutgerichtsbarkeit (ius gladis - Halsrecht) zweifellos schon seit dem 13. Jahrhundert anwandte und es bleibt ein Rätsel, warum das offizielle Dokument über die Erteilung dieses Vorrechts erst von der Mitte des 15. Jahrhunderts (1451) stammt. Es bieten sich zwei Erklärungen an: entweder ist das offizielle Privilegium über die Erteilung des Halsrechts nicht erhalten geblieben ist, oder – und das ist wahrscheinlicher – dieses bis dahin noch kein Herrscher erteilt hatte, denn die Stadt begann das Halsrecht aufgrund des Gewohnheitsrechts nach der Erteilung des Privilegs einer königlichen Freistadt anzuwenden. König Matthias Corvinus präzisierte und erweiterte in einer am 15. Februar 1468 in Ofen datierten Urkunde auf Wunsch der Bratislavaer Bürger das Halsrecht der Stadt: Die in den Kammerbüchern am häufigsten erwähnte Strafe war das Stellen des Delinquenten zum bzw. an den Pranger.   Der Pranger, ein Podium mit einem Pfahl, an den der Delinquent gefesselt wurde, stand auf dem Hauptplatz beim Rathaus. Das Einschließen in Balken bzw. Käfig und das An-den-Pranger-Stellen, solange es nicht mit Schlägen verbunden war, hatte den Charakter einer entehrenden Strafe, das Auspeitschen am Pranger mit Peitsche, Stock bzw. Geißel galt als mildere Strafe. Das Preßburger Rechtsbuch räumte mehrere Verstümmelungsstrafen ein, z. B. das Abhacken der Hände, aber in der Gerichtspraxis finden sie nur selten Erwähnung.
Eine übliche Strafe für Dieberei war der Tod durch Erhängen am Galgen, der vor dem Michaeler Tor (Michalská brána) stand. Seine Lage war eine Botschaft, dass in der Stadt Frieden und Ruhe herrschen sollen, dass in ihr kein Platz ist für Störenfriede des guten Zusammenlebens und Missetäter. Die Anschaulichkeit potenzierte die Gewohnheit, Gehängte so lange hängen zu lassen, bis sie vom Galgen fielen bzw. bis zur nächsten Hinrichtung. Die Todesstrafe durch Ertrinken war relativ selten. Raubmörder wurden in der Regel durch das   das Rad / Rädern hingerichtet, was wahrscheinlich die schwerste Halsstrafewar, und der Körper wurde dann als Warnung auf dem Richtplatz zur Schau gestellt. Vor dem Michaeler Tor wurde auch das Urteil Tod durch Verbrennung vollzogen, obwohl diese Art der Hinrichtung in   Bratislava selten war. In den Jahren 1490 – 1526 wurden sieben Delinquenten auf dem Scheiterhaufen verbrannt, 12,5   Prozent von der Gesamtzahl der ermittelten Hinrichtungen.
Die grausamen Strafen der Feudaljustiz rotteten das Verbrechen nicht aus, aber die öffentlichen Hinrichtungen verfehlten ihre Wirkung nicht. Es war ein spannendes Spektakel, das die Menschen in Angst und Schrecken versetzte, aber auch faszinierte.
 

Verschollene Zeichnungen von Wolfgang Kempelen

Alice Reininger

Im Jahr 2004 gedachten wir des 270. Geburtstages und   200. Todestages von Wolfgang von Kempelen. In der wissenschaftlichen Sprachforschung hat Kempelen einen festen Platz inne durch die „sprechende Maschine“ und das Buch „Mechanismus der menschlichen Sprache“, erschienen 1791. Wenig weiß man aber über weitere Momente seiner vielseitigen Tätigkeit.
Nicht nur technische Begabung, sondern auch künstlerische Fähigkeiten entschieden über die Ehrenmitgliedschaft Kempelens in der Akademie der bildenden Künste in Wien seit 1789. In müßigen Stunden schuf er bis ins hohe Alter gerne Skizzen, Studien nach der Natur, Radierungen, Kupferstiche, wie aus dem Nekrolog vom April 1804 seines Freundes K. Unger hervorgeht. Leider sind nur sehr wenige von Kempelens Werken erhalten. Ein Mitglied der Familie Béla Kempelen führt in seiner Chronik des Jahres 1939 an, dass Géza Kempelen, der um das Jahr 1900 lebte und als Finanzdirektor in Košice (Kaschau) tätig war, im Mai 1898 dem Museum Košice (heute Ostslowakisches Museum) etwa 230 verschiedene Zeichnungen und Studien geschenkt hatte. Géza, aber auch Béla Kempelen verkauften oder schenkten immer wieder im Laufe des 20. Jahrhunderts verschiedenen Institutionen in Ungarn (und möglicherweise auch ins Ausland) und auch Privatpersonen Gegenstände aus dem Familienbesitz, vor allem persönliche Dinge von Wolfgang von Kempelen. Die ungarische Zeitschrift Művészet erwähnte 1904   in einem Artikel über Wolfgang von Kempelen, dass vor mehreren Jahren einige hundert Zeichnungen in das Museum Košice gelangt waren.   Es ist möglich, dass die Redaktion die Information von Géza Kempelen erhalten hatte. Eine Notiz über die Schenkung von Wolfgang von Kempelens Arbeiten befindet sich in den Inventarlisten des Ostslowakischen Museums Košice unter der Signatur 3661. Aus den Notizen ist aber nicht klar, ob es um Aktendeckel mit losen Blättern oder ein gebundenes Buch bzw. Heft ging. Seltsam ist, dass in dem gedruckten Inventarverzeichnis der verschiedenen Gegenstände des Museums von 1904 diese Signatur schon nicht mehr erscheint. Einer der Archivare des Museums äußerte bei meinem Besuch Anfang Oktober 2003 die Vermutung, dass es in der genannten Periode zu einer Verlagerung verschiedener Gegenstände in andere ungarische Institutionen gekommen war, ohne ordentliche Registrierung in den Inventarbüchern   des Museums. Das musste so in den Jahren 1898 – 1904 geschehen sein und hier konnten eben auch Arbeiten von Wolfgang von Kempelen betroffen sein. Die Schlüsselfrage ist, festzustellen, in welche Institutionen Kempelens Arbeiten aus dem Ostslowakischen Museum in Košice in der genannten Periode gelangt waren.
 

Jubiläumsdeklaration und Hundertjahrfeier des Aufstandes 1848/1849

Elena Kurincová

Im Emanzipierungsprozess der slowakischen Gesellschaft, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die politischen Interesse zu organisieren und artikulieren wusste, nehmen die Dokumente des Slowakischen Nationalrates (SNR) einen besonderen Platz ein. Heute das höchste gesetzgebende Organ der Slowakischen Republik, war in der Mitte des 19. Jahrhunderts als repräsentatives politisches Organ der Slowakei entstanden und trat im Laufe der Entwicklung   in entscheidenden Momenten an die Spitze des Volkes. Mit gedruckten Flugblättern und Proklamationen aus den Revolutionsjahren 1848/1849 brachte er das Programm des Kampfes für die nationale Freiheit näher, mit Deklarationen in den Jahren 1918 und 1944 äußerte er sich zu den zwei grundlegenden historischen Richtungen: nach dem Ersten Weltkrieg zur Trennung von Ungarn und zur Hinneigung zur parlamentarischen demokratischen Tschecho-Slowakischen Republik und während des Zweiten Weltkrieges zum Kampf der Slowakei an der Seite der antifaschistischen Koalition. Nach der Maiwahl 1948 stand die politische Elite in der Slowakei vor dem Dilemma, wie die Feier der einhundertjährigen Wiederkehr des Aufstandes von 1848/1849 und des 30. Jahrestages der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik in die neuentstandene politische Situation einkomponiert werden könnte.
Im Komitatshaus von Košice, am Ort der Verkündung des „Kaschauer Regierungsprogramms“ wurde auf der 4. feierlichen Tagung des SNR am 29. August 1948 über die Jubiläumsdeklaration des SNR zur Bedeutung des Aufstandes von 1848/1849 abgestimmt.Außer der gedruckten Form wurde sie auch in einer festlichen Aufmachung präsentiert, die auf den ersten Blick von der festlichen Version der Martiner Deklaration von Štefan Kostelníček zum 10. Jahrestag der Entstehung der Republik inspiriert war. Sie besteht aus einem Text- und einem Bildteil. Autor der graphischen Vorlage (Farblinolschnitt)   ist der Maler und Graphiker Dezider Milly (1906 – 1971).Die feierliche Verabschiedung der Deklaration nahmen die Akteure in der Euphorie der politischen Veränderungen als Kodifizierung und Manifestierung des beendeten Kampfes für die nationale Selbständigkeit wahr. Auch wenn mit dem Antritt der stalinistischen Politik begonnen wurde, von den Positionen des Internationalismus aus an die Lösung der Nationalitätenproblematik heranzugehen, musste und wollte die kommunistische Elite sich dennoch zu den Ideen der Revolution 1848/1849 als Grundstein für die Lösung der slowakischen Frage bekennen.
 

Das historische Keramikdach in der Slowakei

Peter Horanský

Obwohl das Keramikdach die Architektur auf dem Gebiet der Slowakei nahezu zweitausend Jahre begleitet, ist seine wissenschaftliche Erforschung noch am Anfang. Keramische Dacheindeckungen (Dachziegel) finden sich häufig bei archäologischen Forschungen. Jüngste Funde hingegen beweisen, dass man der historischen keramischen Dacheindeckung auch an ihrem ursprünglichen Ort begegnen kann, auf Dächern und Dachgeschossen, wo sie schon mehrere Jahrhunderte ihrer Entdeckung harrt. Paradoxerweise ist die älteste, aus der Römerzeit (1. – 3. Jahrhundert u.Z.) stammende keramische Dacheindeckung am besten bearbeitet und dokumentiert. Sie begleitet nahezu alle archäologischen Lokalitäten römischer Provenienz auf unserem Gebiet: Lager und Stationen an der Linie des Limes Romanus: Devín, Bratislava, Rusovce, Stupava, Iža. Mit der hochentwickelten römischen Baukunst gelangte auch das Herstellungsverfahren für keramische Dacheindeckungen auf unser Gebiet. Anhand der Stempel kennen wir auch den Namen des Herstellers. Tegularius Gaius Valerius Constans wirkte im nahen Carnuntum und seine Erzeugnisse wurden auch auf den Gräberfeldern in Rusovce gefunden. Aus Gerulata stammt auch der unikale Dachziegel, auf den der Ziegelmacher vor dem Brennen die schreitende Figur eines bärtigen Mannes, der ein Kreuz trägt, skizziert hat. Die Darstellung gilt als das älteste Zeugnis des christlichen Glaubens in der Slowakei und kann in das 3. Jahrhundert u.Z. datiert werden.
Mit dem Weggang der Römer von unserem Gebiet geriet auch die Kenntnis der Herstellung von keramischen Dachziegeln in Vergessenheit. Germanen und Slawen, deren Baukunst auf einem ungleich niedrigeren Niveau war, bedeckten ihre Behausungen mit dem zugänglichen Naturmaterial – Schilf, Stroh, Schindeln, Rinde. Eine Ausnahme bilden nur die Halbschalen (Nonnen), gefunden in Košice-Šebastovce in einer Siedlung aus dem 1. – 2. Jahrhundert. Sie dienten als Tragkonstruktion des Rostes in Töpferöfen. Keramische Dachziegel wurden erst in großmährischer Zeit bei Kirchenbauten verwendet, als die Baumeister Reste von original römischen Dachziegeln, aber auch Dachziegel verwendeten, mit deren Herstellung man damals begonnen hatte. In der Form ahmten sie die römischen Vorbilder nach. An den ehemaligen römischen Standorten überdauerten die Dachziegel und wurden sekundär auch in den folgenden Jahrhunderten verwendet. Beweise dafür erbrachten die Forschungen in der großmährischen Basilika auf dem Bratislavaer Burgberg.
Das Vorkommen von Keramikdächern im Mittelalter war territorial begrenzt. Es war nur an die Südwest- und Südostslowakei gebunden. Die allgemein akzeptierte Ansicht, dass die Technologien von den Klöstern verbreitet wurden, würde auch der Fund von keramischem Dachdeckungsmaterial bei Forschungen um das ehemalige Kloster in Krásna nad Hornádom, das hier im 11. – 16. Jahrhundert gestanden hat, bestätigen. Der Autor der Forschung B. Polla nahm jedoch an, dass die Mönche die Dachziegel nicht selber herstellten, sondern diese bei spezialisierten Herstellern bestellten. Verhältnismäßig rasch tauchen gebrannte Dachziegel im Stadtmilieu auf. Der älteste archäologische Beleg stammt aus Bratislava aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts vom Objekt in der Panská ulica (Herrengasse) 19 – 21. Im Mittelalter erhielten ein Ziegeldach nur bedeutende Bauten, Rathäuser, Archive, Zeughäuser oder wichtige Fortifikationsbauten – Tore, Basteien, die brandsicher sein sollten. Man kann sie aber auch auf den Häusern der reichsten Bürger annehmen.
In der Neuzeit verbreitete sich die Ziegelproduktion überall dort, wo günstige Rohstoffressourcen vorhanden waren. Die Öfen standen meist am Ortsrand in der Nähe einer geeigneten Lehmgrube und Wasserquelle. Die Dachziegelherstellung knüpfte   unmittelbar an die Mauerziegelproduktion an. In Bratislava gab es im 18. Jahrhundert Ziegelöfen im Rahmen des heutigen Tehelné pole (des Ziegelfeldes). Obwohl uns keine schriftlichen Belege über die Produktion zur Verfügung stehen, wissen wir von ihr dank der jüngsten Funde auf Dächern von Bratislavaer Häusern. Bei Untersuchungen des Dachdeckungsmaterials des historischen Stadtkerns in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden gebrannte Dachziegel vom 17. bis 20. Jahrhundert gefunden und identifiziert. Als die ältesten, von der Mitte des 17. Jahrhunderts, kann man die stufenartig beendeten Dachziegel aus der Segner-Kurie in der Michalská ulica (Michaeler Gasse) Nr. 7 anführen. Eine reiche Informationsquelle war das Dach des Hauses in der Kostolná ulica (Kirchgasse) Nr. 1, von wo der Fund von zwei unikalen signierten Dachziegeln stammt, auf die vor dem Brennen mit einem dünnen Stichel   die Monogramme DH (wahrscheinlich die Initialen des Herstellers – Zieglers) und die Jahresangabe 1768 eingraviert wurden.
Tiráž
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