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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 4/2008

21. apríla 2012

Elena Kurincová
Der Bürger und seine Identität im 20. Jahrhundert
Die Geschichte der Slowakei und des ganzen mitteleuropäischen Raums vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt, dass es möglich war, in einer und derselben Stadt geboren zu sein und das ganze Leben zu verbringen und gleichzeitig eine komplizierte Naturalisierungsprozedur durchzumachen. Die Privatarchive von einzelnen Personen sowie ganzen Familien – Tagebücher, Korrespondenz, Photoalben, Personaldokumente, bzw. persönliche Aussagen machen es möglich, die „kleine Geschichte“ in bewegten Momenten der großen Geschichte detailliert zu rekonstruieren. Wie die politischen Ereignisse mit individueller Identität gespielt haben, zeigt die Autorin des Artikels am Beispiel eines Bewohners von heutigem Bratislava, der ehemaligen Stadt Pressburg oder Pozsony geboren im Jahre 1903, Anton (Antal) Kammerhofer.
A. Kammerhofer gehörte zur mittleren Bewohnerschicht Bratislavas, die nach der Entstehung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 in den neuen Staat nicht nur die ökonomische Kontinuität, sondern auch eine stabile Wertorientierung mit sich brachte. Dies äußerte sich vor allem in der Lebensweise und -qualität (Wohnen, Bildung, Freizeitnutzung). Er stammte aus einer Händlerfamilie, absolvierte die graphische Schule (1923 – 1926) und arbeitete dann als Schriftsetzer in der Buchdruckerei Universum, später in der Druckerei Ľudotypia und seit 1941 in Slovenská grafia. Die Typographen hielt man für Arbeiteraristokratie, sie waren auch durch ihre Organisiertheit berühmt. Zu Belegen der ursprünglichen Identität gehört das Zeugnis über die Beendigung der Grundschule im Jahre 1914 – außer dem römisch-katholischen Religionsbekenntnis werden hier Ungarisch und Deutsch als gesprochene Sprachen des Kindes angeführt. In den Jahren 1914 – 1919 besuchte er die ungarische staatliche bürgerliche Knabenschule, die Neigung der Familie zur ungarischen Nationalität bestätigen auch die Angaben im Familienbuch, gegründet bei der Gelegenheit seiner Trauung im September 1930 und die folgende Eintragung über die Geburt seines Sohns. Die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft wurde ihm erst 1929 erteilt, im Jahre 1934 folgten ihm seine Frau und sein Sohn. Die Erklärung der Slowakischen Republik bringt A. Kammerhofer, der sich bei der Volkszählung im Jahre 1940 zur deutschen Nationalität bekannt hat, wieder ein Problem. Die slowakische Staatsbürgerschaft erlangte er erst im Oktober 1942 auf Grund eines Gesetzes, das die Staatsangehörigkeit zwischen der Slowakischen Republik und dem Deutschen Reich geregelt hat. Am Ende des 2. Weltkriegs beginnen für die Ungarn und Deutschen in Bratislava bittere Zeiten – das Verfassungsdekret des Staatspräsidenten Nr. 33/1945 deklarierte die Annullierung der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft für die Einwohner mit deutscher und ungarischer Nationalität. Die definitive Aussiedlung der Familie von A. Kammerhofer nach dem kommunistischen Umsturz im Februar 1948 verhinderte nur die Bestätigung der slowakischen Nationalität vom August 1948 für die Gemahlin. Die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit wurde A. Kammerhofer erst im Februar 1950 zurück erteilt. Sein Leben ist ein Beispiel der allmählichen Auflösung der spezifischen multinationalen Identität der alten Pressburger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Viera Obuchová – Jana Šulcová
Die Bratislavaer Patrónka – von einer Fabrik zur Sozialinstitution
Der heutige Bildungsboom vor allem im Bereich der Wohnbauten und administrativen Gebäuden in Bratislava hat auch negative Folgen, unter anderem in der Assanierung der industriellen Komplexe, die vor allem seit dem Jahre 1989 nicht mehr ihren ursprünglichen Zwecken dienen. Es ist also wichtig, die denkmalpflegerisch hochwertigen Fabrikareale aus dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts möglichst schnell zu dokumentieren und auszuwerten und den Vorschlag auf ihre Erklärung für Kulturdenkmäler auszuarbeiten.
Ein interessanter historischer Fabrikkomplex in Bratislava ist Patrónka (Munitionsfabrik) in der Lamačská Straße, den die Autorinnen anhand der bisher unbekannten und unpublizierten Archivquellen sowie Geländebegehungen präsentieren. Patrónka (Patronenfabrik, tölténygyár) wurde 1870 von den Gebrüdern Roth (Georg Roth et Comp.) gegründet und in den Jahren 1871 – 1875 als Zweigbetrieb ihrer Wiener Firma ausgebaut. Die Fabrik befand sich unweit der Bahnstation bei Červený most (Rote Brücke) an der Stelle der ehemaligen 6. Mühle am Bach Vydrica. Die Autorschaft der ältesten Betriebsobjekte erbaut in den 1870ern wird der berühmten Bratislavaer Baufirma der Familie Feigler zugeschrieben. Die Firma war außergewöhnlich produktiv und vielseitig, sie sorgte sowohl für die Erarbeitung der Projekte als auch für die Realisierung der Bauarbeiten. Einen großen Teil deren Tätigkeit bildeten industrielle Bauten charakteristisch durch ihr Exterieur.
Die Entwicklung der Fabrik begann am Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1890 hatte sie 740, in 1914 dann 3000 Arbeiter, womit schon die Kriegskonjunktur der Rüstungsindustrie abgespiegelt wurde. Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik (1918) trennte sie sich von ihrer Mutterfirma und Ende der 1920er Jahre wurde Patrónka zum Zweigbetrieb der Munitionsfabrik in Brno. In dieser Zeit verzeichnete sie auch den größten Aufschwung der Produktion und Flächenausbreitung. In den Jahren 1932 – 1935 arbeiteten in 16 Objekten der Fabrik 500 Angestellte, die eine Million Patronen pro Tag hergestellt haben, vorwiegend für den Export nach Belgien, England und Australien. Die Produktion wurde schrittweise demontiert und ins Landesinnere, nach Považská Bystrica verschoben. Das leere Areal der Patrónka kaufte im Jahre 1937 die Anstalt für Körperbehinderte, welche die Objekte nach und nach ihren eigenen Zwecken angepasst hat. Am Ende des 2. Weltkrieges war die Anstalt für einige Zeit außerhalb von Bratislava evakuiert und das Areal spielte eine unrühmliche Rolle als ein Sammellager für Juden. Im April 1945 wurde das Areal der ehemaligen Patronenfabrik durch Bombardierung beschädigt. Im Sommer 1945 ist die Anstalt zurückgekommen und allmählich erneuerte sie ihre Tätigkeit, die Adaptierung der Objekte verlief bis zu den 1970ern. Die Anstalt heißt heute ROSA und sie bietet komplexe Dienste für Kinder, Jugendliche und Personen über 18 Jahre mit körperlicher sowie kombinierter Behinderung an.

Zuzana Zvarová – Veronika Vágenknechtová
Der Garten des Koch-Sanatoriums
Das Objekt des Koch-Sanatoriums mit Garten in der Partizánska Straße Nr. 27 in Bratislava wurde in den Jahren 1929 –1930 an der ursprünglichen Fläche von mehreren privaten Gärten erbaut. Das Objekt des Sanatoriums, seine Funktions- und Betriebsgestaltung entstand auf Grund der individuellen Ansprüche vom Dr. med. Karol Koch, der seit 1933 als außerordentlicher Professor und Klinikvorstand der Klinik für Orthopädie an der Komensky-Universität wirkte. Die Autoren des Projekts waren Dušan Jurkovič, Jindřich Merganc und Otmar Klimeš, für den Autor der Verpflanzung hält man Jozef Mišák. Das architektonische Konzept des Gartens wird J. Merganc beigemessen. Das Gebäude hat man in zeitgenössischer tschechischer Presse als das modernste Sanatorium in der ganzen damaligen Tschechoslowakei bezeichnet. In großem Maße beteiligte sich an dieser hohen Bewertung auch der Garten, gestaltet als eine immergrüne Fläche für die Rehabilitation und Relaxation. Die Gartenänderungen verliefen zusammen mit oder unmittelbar nach der Erbauung des Sanatoriums und im Sommer 1932 war der Garten schon fertig.
Das vierstöckige Sanatoriumsgebäude hat einen V-förmigen Grundriss. Es ist am Fuß von hangartigem Gelände situiert, so dass die Fenster der Patientenzimmer in den Garten orientiert waren. Dabei sorgte man auch dafür, dass diese Räume an heißen Sommertagen nicht durch Sonne überhitzt waren und dass die Patienten auch aus dem Bett einen Ausblick auf die sonnendurchstrahlte Grünfläche hatten. Der Garten war als ein Refugium für die Patienten des Sanatoriums konzipiert, mit Berücksichtigung der bestehenden Geländekonfiguration sowie des Pflanzenmaterials der ursprünglichen Gärten. Die Originalelemente der kleinen Gartenarchitektur (Schwimmbecken, Bänke, Brunnen, Statuen) belebten den ganzen Raum und die Wege waren so angeordnet, dass der Patient eine Spaziergangroute nach seinem Gesundheitszustand wählen konnte.
Der Garten ist kompositionsmäßig in zwei Teile geteilt – die Eingangspartie rund um das Objekt des Sanatoriums und den eigentlichen Garten, der von dem Eingangsbereich durch eine Stützmauer hinter dem Sanatorium getrennt ist (auf der Süd- und Westseite). Dessen Bestandteil war auch das „Sonnenbad“, eine kleinere Wiese, die zum Sonnen diente. Von dem Südteil der Wiese kam man zum Schwimmbecken, das leicht erreichbar sein sollte und gleichzeitig musste er auch die Isolation der Patienten von der Umgebung gewähren. Das Areal wurde durch Fußwege auf Schichtlinien, kleine Skulpturen und eine originelle Umzäunung ergänzt.
Der Garten des Koch-Sanatoriums bildet eine hochwertige Parkanlage aus den 1930ern. Mit seiner Konzeption und vor allem Funktion, als dem Garten für die Patienten eines Privatsanatoriums, ist er das einzige erhaltene Objekt seiner Art in der Slowakei. Seine Erneuerung in Gesamtheit sowie in einzelnen architektonischen Elementen ist in vollem Maße durchführbar.

Kristína Zvedelová – Ivan Gojdič – Rastislav Danák
Das Schwimmbad Eva in Piešťany
Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik (1918) verbreiteten sich die Ideen der bürgerlichen Turnbewegung Sokol auch in der Slowakei. Sie beeinflusste auch die Errichtung der bis dahin unbekannten Schwimmbecken von verschiedener Form und Größe. Die komplexeste Anlage dieser Art repräsentierte das kombinierte Thermalschwimmbad Eva in Piešťany mit Frei- und Hallenschwimmbecken, das zu seiner Entstehungszeit Strandbad genannt wurde.
Die Geschichte des Piešťaner Kurortes und dessen Entwicklung im 20. Jahrhundert ist eng mit der Familie Winter verbunden. Im Jahre 1889 vermietet der damalige Besitzer, die Adelsfamilie Erdődy, den Kurort an den jüdischen Unternehmer Alexander Winter, der später die Gesellschaft Alexander Winter und Söhne gründet. Auch nach dem ersten Weltkrieg bleibt der Kurort im Pachtbesitz der Familie Winter, welche die Investitionspläne für den Ausbau der Kurort-Infrastruktur vorbereitet. Im Jahre 1933 wurde die neue, sog. Kolonnadenbrücke nach dem Projekt des Architekten Emil Belluš gebaut. Zur gleichen Zeit begannen die Winters auch über die Erbauung eines neuen Strandbads nachzudenken. Bei dessen Planung im Jahre 1934 ging man von den günstigen Klimabedingungen des Ortes, der Ergiebigkeit der Thermalquellen und der Konzeption der Aufteilung der Kurinsel in zwei funktionsmäßig differenzierte Teile aus. Der südliche sollte für Heilprozeduren dienen (Schlammbäder und radioaktive Bäder), der nördliche Teil der Insel war als ein Freizeitbereich konzipiert, vor allem zur Erholung der Patienten und deren Verwandten. Mit der Erarbeitung des Projekts wurden die Bratislavaer Architekten Alexander Szőnyi und Franz Wimmer beauftragt. Auf den Bau des Schwimmbads hatte wesentlichen Einfluss auch der Prager Ingenieur Václav Kolátor, der als ehemaliger Schwimmer und Fachmann im Bau der Hallen- und Freibäder die beiden Schwimmbecken für das Strandbad Eva projektierte, wobei das äußere auch für Schwimmwettbewerbe geeignet sein sollte. Dem Bau in U-Form dominiert auf der Nordseite ein Hallenbad, an welches sich im Osten und Westen ebenerdige Bedienungsgebäude angeschlossen haben. Auf der Zentralachse des Hauptgebäudes war in Längsrichtung ein 50 m langes Freischwimmbecken situiert, das dritte – runde Kinderschwimmbecken befand sich in der Nordostecke des Areals. Westlich des Hallenbads und des Eingangskorridors befand sich ein Restaurant bestehend aus zwei abgetrennten Räumen – dem geschlossenen, verbunden mit dem Hallenbad und dem offenen, orientiert nach Süden zum Freibad. Der Westflügel war mit einem Musikpavillon mit Tanzparkett beendet.
Nach der Verstaatlichung des Piešťaner Kurortes und Erbauung eines Flussdamms an der Waag (1948) entstanden Pläne für die Erweiterung des Areals, ausgearbeitet von dem Architekten A. Szőnyi, die jedoch nie realisiert wurden. Das Schwimmbad Eva erlebte aber verschiedene Umbauten, die seit den 1960er Jahren realisiert worden sind. Trotz diesen Änderungen bleibt es immer noch ein bedeutender Repräsentant der Architektur der Zwischenkriegszeit, der auf die Erneuerung seiner ursprünglichen Qualitäten wartet, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen technischen Normen und Ansprüche von heimischen sowie ausländischen Besuchern.

Jozef Csütörtöky
Der älteste Sternenglobus in der Slowakei
In den Sammlungen des Donaumuseums in Komárno befindet sich auch ein celestialer (Sternen-) Globus aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts, der seit 2007 restauriert wird. Nach der Übersetzung der Lateintexte in Kartuschen identifizierte man, dass der Globus von Willem Janszoon Blaeu im Jahre 1603 in Amsterdam hergestellt wurde. Den Globus aus Komárno können wir für den ältesten bekannten Globus in der Slowakei halten.
Der Holzständer und der Äquatorring von diesem Exemplar blieben in ursprünglichem unversehrtem Zustand erhalten. Der Globus mit einem Durchmesser von 34 cm war in einer renaissancezeitlichen Holzkonstruktion mit Hilfe eines Meridianrings aus Messing befestigt. Dieser blieb nicht erhalten, was später kleinere Defekte des Grafikblattes im Bereich der südlichen Hemisphäre verursachte. Die Kugel war aus Papiermaschee gefertigt, in der Mitte hat sie eine Holzkonstruktion mit Metallgriffen zur Befestigung des Meridianrings. Die Kugel war mit einer dünnen, perfekt geglätteten Schicht aus Papier und Gips umhüllt, auf deren Oberfläche die Papiersegmente aufgeklebt waren. Der hölzerne Äquatorring ist unversehrt, die darauf aufgeklebte Graphik ist stellenweise beschädigt. Die Renaissancegraphik (Kupferstich) besteht aus 14 Segmenten, selbständige Teile, sog. Kappen, repräsentierten den Nord- und Südpol. Mythologische Figuren, Gegenstände und Tiere als Darstellungen der Sterngebilde sind fein handkoloriert. Zwischen den Sternbildern Eridanus, Phoenix und Cetus ist im ovalen Rahmen das Porträt von Tycho de Brahe angebracht. Auf dem Globus sind 48 Sternbilder nach Ptolemaios abgebildet, außerdem vier neue Sternbilder Antinous, Coma Berenices, Columba Noe und El Cruzero Hispanis, 51 Sterne und 10 Sterngruppen sowie 12 neue Sternbilder der südlichen Hemisphäre. Anhand der Dedikationskartusche widmete Blaeu diesen Globus dem Prinzen Moritz von Oranien, dem damaligen Statthalter von Holland. Der Globus aus Komárno wurde in der dritten Edition des celestialen Globus von Blaeu aus dem Jahre 1603 hergestellt. Dieser Globus war sehr populär, Blaeus Werkstatt in Amsterdam hat ihn beinahe ein ganzes Halbjahrhundert lang herausgegeben und in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach dem Verkauf seiner Kupferplatte ist er weiterhin von mehreren Verlegern publiziert worden.

Jana Oršulová
Der Haller-Wappen auf einem Feldgeschütz
Das Slowakische Nationalmuseum – Archäologisches Museum in Bratislava hat das Rohr von einem Feldgeschütz aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gekauft. Obwohl von dem Hersteller oder den Besitzern des Gegenstandes keine näheren Angaben bekannt sind, ist das Geschütz mit dem Wappen der Adelsfamilie Haller nicht nur ein Beleg der Waffenentwicklung, sondern auch eine wertvolle Quelle mit originellem heraldischem Denkmal. Die ältesten Belege über die Hallers stammen aus der Wende des 12. und 13. Jahrhunderts aus deutschem Nürnberg. In Siebmachers Wappensammlung des ungarischen Adels ist das Wappen der Familie Haller v. Hallerkeö (Hallerstein) aus dem Jahre 1528 publiziert. Die Hallers benutzten dieses Wappen seit 1528 und es ist im Grunde unverändert bis zur Gegenwart publiziert worden. Von den Hallers kam als erster nach Ungarn Ruprecht von Haller († 1504), seine Nachkommen im Grafenzweig der Familie Haller v. Hallerkeö (ab 28. März 1528 „v. Hallerstein“) lebten auch im 19. Jahrhundert in Siebenbürgen. Zum Baron wurde am 1. April 1699 Stephan Heller (!) v. Hallerstein. Den Grafentitel in Siebenbürgen erlangten die Söhne von Stephan v. Haller: Gabriel, Johann und Ladislaus am 15. Januar 1713. Den siebenbürgischen Grafentitel belegt eine Urkunde herausgegeben in Wien am 18. Juni 1753 für Paul v. Haller, seinen Bruder Georg und für die Kinder seines verstorbenen Bruders Franz. Graf Franz Haller war in den Jahren 1842 – 1845 kroatischer Ban. Ruprecht Haller war ein Bürger von Buda und Gründer des Familienzweigs, der in Ungarn und Siebenbürgen lebte.
Die Monographien über die ungarischen Gaue  aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts belegen die Anwesenheit der Hallers in mehreren Gemeinden des Neograder und Zemplíner Gaus auf heutigem Gebiet der Slowakei und des Ungarns. Mehrere Hallers haben militärische Karriere gewählt, in dem bewegten 16. – 18. Jahrhundert beteiligten sie sich an den Kämpfen um den Thron während der gegenhabsburgischen Aufstände. Einer von ihnen, Samuel Haller III. († 1777) erlangte den Rang eines Generals (1741) und stellte ein eigenes Infanterieregiment auf. In dieser Zeit benutzte die Infanterie im Kampf auch leichte Geschütze. Die Militärhistoriker halten das Jahr 1741 für durchbrechend. Im Zusammenhang mit dem Krieg um die österreichische Erbschaft entstanden mehrere neue Regimente, darunter auch dasjenige von Haller, und deren Kommandanten und Stabsoffiziere wurden direkt von Maria Theresia ernannt. Die obengenannte Militäreinheit existierte noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo man sie als das 31. Infanterieregiment bezeichnet hat. In slowakischen Museen (außer dem Geschütz im SNM) kann man bloß zwei Porträts im Bezug auf die Hallers belegen, das dritte befindet sich in der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest.

Dušan Hovorka – Zdeněk Farkaš
Steingeräte in Sammlungen des SNM-Archäologischen Museums
Während der Jahrtausende lang dauernden Altsteinzeit (Paläolithikum) benutzten die Menschen für die Herstellung von Geräten harte, zu diesem Zweck geeignete Rohmaterialien. Einen bedeutenden Meilenstein in menschlicher Geschichte bildet die Periode der Jungsteinzeit. Im deren Verlauf ermöglichten das veränderte Klima und die damit verbundenen Naturbedingungen den Übergang von der jägerisch-sammlerischen Lebensweise zur produktiven Wirtschaft beruhend vor allem auf dem Anbau von Feldfrüchten mit hohem Nährwert und der Zucht von domestizierten Tieren. Diese Revolutionswende in menschlicher Geschichte brachte auch viele bedeutende Veränderungen in der Lebensweise mit, die zur Erfindung zahlreicher spezialisierter, bis dahin unbekannter Geräte führten.
Für die Waldrodung beim Anlegen der Felder und dauerhafteren Siedlungen, in unseren Bedingungen vor allem mit Holzarchitektur, für die Inneneinrichtung der Häuser u. ä. benötigte man Holzbearbeitungsgeräte, vom Fällen der Bäume über deren weitere Rohverarbeitung für Bauzwecke bis zu präzisen Tischler- und Schnitzarbeiten. Als das günstigste Material in der Zeit, die keine Metalle kannte, zeigte sich wieder der Stein.
Für diese Zwecke benötigte man ein härteres Gestein enthaltend ein oder zwei harte Minerale. Eins von ihnen ist auch der an Aluminium (Al) reiche grünfarbene Spinell, den man unter den Rohstoffen der Steinartefakte an mehreren neolithischen/äneolithischen Fundstellen im Westteil des Trnavaer Hügellandes und der Záhorie-Region finden konnte. Die eigentlichen steinernen „Sägen“ hatten die Form einer Platte, die in den zu bearbeitenden Rohstoff eine V-förmige Rille eingetieft hat. Die grob bearbeiteten Halbfabrikate, gefunden auch bei archäologischen Ausgrabungen, hat man dann der geplanten Form des künftigen Beils angepasst. Die Schlussform, vor allem die Schneide, erlangte das Gerät erst durchs Schleifen auf einem Sandschleifstein.
Zu den ältesten geschliffenen Steingeräten, die in allen Kulturen mit Linienbandkeramik bekannt waren, gehörten die Flachbeile und Keile, deren Länge deutlich die Breite überragt. Den Namen „Schuhleistenkeile“ bekamen sie nach dem charakteristischen Querschnitt ihres Körpers. Es waren praktisch universale Holzbearbeitungsgeräte. Den Schuhleistenkeilen entstammten auch die ersten sog. Hammeräxte. Deren hoher Körper wurde von der Seite aus durchbohrt, so dass man durch die Öffnung einen Holzschaft durchstecken konnte. Diese technologische Neuheit ermöglichte eine festere Verbindung des Geräts sowie Erhöhung des Gesamtgewichts, die vor allem beim Fällen von Bäumen deutlich war.
In Slowakischem Nationalmuseum – Archäologischem Museum in Bratislava befindet sich heute eine umfangreiche Kollektion geschliffener Steinindustrie aus dem ganzen Gebiet der Slowakei, die es möglich macht, detaillierte typologische Analysen durchzuführen, aber auch potenzielle Quellen von ihren primären Rohstoffen zu suchen. Die Spuren von ursprünglicher Förderung und die Produktionsareale konnte man im Terrain bisher leider nicht erfassen. Dies bleibt der Dauerauftrag der archäologischen und geologischen Geländeforschung.

Peter Roth
Der Nachlass von einem Zarenkammerdiener
Professor Jozef Habowský, der in Coburg geboren wurde und nach den Studien in Deutschland und Kanada an der Windsor-Universität in Ontario wirkte, kam im Mai 2003 in die Slowakei um seine Wurzeln zu suchen. Seine Eltern stammten nämlich aus der Zips: der Vater Jozef Habovský aus Hranovnica und die Mutter Júlia geborene Pekarčíková aus unweitem Spišské Bystré (damals Kubachy). Jozef Habovský war 1894 in Hranovnica geboren. Hier lernte er auch den bulgarischen Zaren Ferdinand Coburg kennen, dessen Dienste er als fünfzehnjähriger angetreten hatte und zum Zarenkammerdiener wurde. Die Familie Coburg bildete einen Zweig des sächsischen Fürstengeschlechts Vettin und herrschte im Fürstentum Sachsen-Coburg und Gotha. Einer von ihren Mitgliedern, Ferdinand Georg, heiratete 1827 Maria Antonia, die einzige Tochter von Anton Koháry, dem damaligen Besitzer der Landgüter Čabraď, Muráň und Sitno und auch der Eisenbetriebe im oberen Grantal. Dadurch erlangten sie nicht nur Landbesitze, sondern auch große Jagdreviere. Am Ende des 19. Jahrhunderts standen die Eisenbetriebe unter Verwaltung von Filip Coburg, dem älteren Bruder des bulgarischen Zaren Ferdinand. Ferdinand mietete eine Villa, die von dem Bischof Smrecsányi 1896 am Hranovnica-Bergsee gebaut wurde. Ihm gehörte auch das Schloss auf Pusté Pole (heute im Kataster der Gemeinde Telgárt), gebaut von Ferdinand Coburg in 1839. Im Jahre 1909 ließ er ein weiteres Schloss über den Gemeinden Spišské Bystré und Kravany bauen.
Der bulgarische Zar besuchte oft seine Schlösser und Jagdreviere in deren Umgebung. Von örtlichen Einwohnern hat er auch die Dienstleute ausgewählt, die in diesen Schlössern gearbeitet haben. Unter ihnen war auch Jozef Habovský, der sich im Jahre 1919 mit Júlia Pekarčíková vermählt hat. In Hranovnica wurden auch ihre zwei Töchter Zuzana (1920) und Marta (1926) geboren, der Sohn Jozef (1928) kam in Coburg zur Welt. In Diensten des bulgarischen Zaren verblieb er bis zu seinem Tod im Jahre 1948. Dann blieb er in Coburg, wo er als ein Angestellter von dortigem naturwissenschaftlichem Museum gearbeitet hat.
Sein Sohn Jozef kam auch deswegen nach Hranovnica, weil er nach dem Tod seiner zwei Schwestern der letzte Nachkomme seiner Familie war. Und da auch er und seine Frau Joyce keine Kinder hatten, wollte er die Frage lösen, wie mit dem Nachlass seines Vaters zu verfahren. Die Gemeinde Hranovnica kaufte im November 2002 von dem Untertatraer Museum in Poprad die Blaudruckwerkstatt des Elemír Montšk, um hier ein Museum des Blaudrucks zu errichten. Dank der Bereitwilligkeit von Jozef Habowský, dem werdenden Museum in Hranovnica den Nachlass seines Vaters zu schenken, konnte man aber das örtliche Museum auch um die Geschichte und Naturschönheiten der Gemeinde erweitern und ihre bedeutenden Söhne präsentieren.

Tatiana Štefanovičová
Südliche Vorburg der Bratislavaer Burg
Die südliche Vorburg der Bratislavaer Burg hatte für die Entwicklung der Stadt seit frühesten Zeiten eine große Bedeutung gehabt. Der Südhang des Burghügels reicht bis zum linken Donauufer hin, wo sich eine wichtige Furt befand. Die günstige Lage wurde von den Bewohnern dieses Raums schon seit der Steinzeit ausgenutzt. Wir kennen hier Siedlungsspuren aus der Spätbronzezeit, der Ort wurde intensiv von den Kelten besiedelt und vielleicht haben ihn auch die Römer ausgenutzt, zu der Zeit als ihre Grenze durch die Donau gebildet wurde. Seit der Ankunft der Slawen war dieser Raum ununterbrochen und intensiv besiedelt. Der Südhang war ab dem 14. Jahrhundert mit kleineren unterkellerten Häusern bebaut, oft eingehauen in den Felsuntergrund des Burghügels. Im 16. – 17. Jahrhundert hat man dieses Gebiet im Renaissancestil umgebaut. Im 18. Jahrhundert bildete es einen bedeutenden Stadtteil bewohnt auch von wohlhabenden Bürgern, die sog. Theresienstadt.
Als im Jahre 1968 die Bratislavaer Altstadt im Zusammenhang mit dem Bau der Neuen Brücke teilweise assaniert wurde, betraf dieser Prozess auch den Südhang des Burghügels. Im zerstörten Stadtteil Vydrica befanden sich mehrere architektonisch hochwertige Objekte. Dieser aufgegebene Raum wuchs schnell mit Gebüsch ein und wurde zum Zufluchtsort für asoziale Bevölkerungsschicht, die ihn noch mehr verwüstet hat. Gegenwärtig wird in der Vorburg neue Bebauung geplant, deswegen hat das Kreisdenkmalamt in Bratislava eine archäologische Untersuchung des Ortes genehmigt, die von dem Slowakischen archäologischen und historischen Institut – SAHI vom 1. Juni 2007 bis 30. Mai 2008 durchgeführt wurde.
Die untersuchte Fläche mit einer Größe von etwa 3 000 m2 (mit Ausnahme von dem bereits erforschten Objekt des Wasserturms) wurde in vier Grabungsschnitte aufgeteilt. Die Ausgrabung lieferte vor allem späteisenzeitliche Funde von keltischem Gepräge. Das keltische Oppidum aus dem 1. Jahrhundert v. u. Z. ist durch eine außergewöhnlich hohe Konzentration von Töpferöfen und Münzenhorten belegt. Aus der römischen Kaiserzeit stammen nur kleine Keramikbruchstücke, darunter auch Fragmente von Terra Sigillata, deswegen ist die kaiserzeitliche Besiedlung hier nicht ausgeschlossen. Die Furt unter dem Burghügel ist im 9. Jahrhundert auch von den Slawen benutzt worden. Die älteste slawische Schicht aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts und vielleicht sogar aus dem Ende des 8. Jahrhunderts hat man im Schnitt 1 erfasst. Sie enthielt die Überreste eines geräumigen (10 x 8 m) Holzbaus, der vermutlich durch einen Brand untergegangen war. In der Schicht darüber fand man Eisenbarren, vielleicht Äxte, die auch als Zahlungsmittel verwendet werden konnten. In höher gelegten Schichten sind auch kleinere Wohn- und Produktionsobjekte und einige verstreute Skelette zutage gekommen. Interessant ist der Fund eines Gefäßes vermutlich von chasarischer Herkunft, charakteristisch für die Periode der Ankunft der Magyaren im Karpatenbecken.

Jozef Labuda – Martin Miňo
Die Rathauskapelle in Banská Štiavnica
Banská Štiavnica (Schemnitz) befindet sich im Zentrum des Gebietes der mittelslowakischen Bergbaustädte, wodurch ihre Sonderstellung in damaligem Ungarischem Königreich vorherbestimmt war. Ihre Bedeutung beruhte auf ergiebigen Lagerstätten von Edel- und Buntmetallen, vor allem Silber und Kupfer, die sich auch direkt innerhalb der Stadt befunden haben. Schon im 12. – 13 Jahrhundert exportierte man das ungarische Silber, zum Großteil aus Banská Štiavnica, auch nach Westeuropa.
Im Spätmittelalter bekamen die Städte von den Herrschern verschiedene Freiheiten und Rechte, so dass sie genug Freiraum für die Selbstverwaltung hatten. Zu ihrem Symbol wird das Stadt- oder Rathaus. Das mittelalterliche Rathaus war ein Mehrzweckobjekt. Außer Sitzungen des Stadtrats fanden hier auch Gerichtsprozesse und Feste statt. Im Innern befand sich die städtische Rüstkammer, das Archiv, das Gefängnis, die Wohnung für einen Stadtangestellten, die Maße und die Stadtwaage, aber auch Räumlichkeiten bestimmt für den Geschäftsladen und den Schank. Das Rathaus war immer ausschließlich am Hauptplatz situiert, in engem Kontakt mit dem wichtigsten kirchlichen Bau in der Stadt. In Banská Štiavnica haben wir mit einem seltenen Fall im Rahmen der Slowakei zu tun, wo das Sakralgebäude einen integralen Teil des Rathauses bildet. Es könnte eine Beeinflussung durch das deutsche Milieu sein, wo die Rathauskapellen im 14. – 15. Jahrhundert öfter erscheinen.
Das Rathaus in Banská Štiavnica entstand im 15. Jahrhundert als ein einstöckiges Objekt mit nicht ganz klarer Disposition. Die Rathauskapelle der Hl. Anna, die zum Objekt einer archäologischen Untersuchung wurde, war nur aus schriftlichen Quellen bekannt. Die Ausgrabung bestätigte ihre Existenz und gleichzeitig präzisierte ihre Lokalisierung. Die Kapelle wurde Ende des 15. Jahrhunderts zum älteren Kern des Rathauses vom Norden zugebaut. Von dem Ratsaal aus betrat man die Kapelle durch eine Spindeltreppe, die zur Empore hin weiterging. Die Treppe war aus einer Steinart gemacht, die für Banská Štiavnica um das Jahr 1500 typisch war. Der zweite Eingang in die Kapelle befand sich auf der Straßenseite. Er blieb in der Nordwand erhalten, bereits als zugemauert. Die Kapelle war mit mehreren dekorativen Steinelementen versehen, ihre Bruchstücke blieben in Trümmern erhalten. Die Fenster der Kapelle waren mit runden Fensterscheiben aus geblasenem Glas verglast, die aufgefundenen Fragmente sind klar bzw. grünlich. Mit der Funktion der Kapelle hängen drei Funde zusammen – hölzerner Betstuhl von einer Kirchenbank, Buchfragment und Fragment von einem Maßstab (Etalon von einem Längenmaß). Die Kapelle der Hl. Anna ist im 18. Jahrhundert bei einem Umbau des Rathauses untergegangen.

Miroslav Čovan – Zuzana Janošíková
Kanonisches Haus Nr. 2 in Spišská Kapitula
Das kanonische Haus Nr. 2 befindet sich neben dem Unteren Tor im Nordteil der Bebauung von Spišská Kapitula. Anhand der erhaltenen architektonischen Elemente wird es allgemein für eins der ältesten Objekte der kirchlichen Gemeinde gehalten, stammend aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In heutigem Erscheinungsbild des Objekts spiegeln sich am meisten zwei Renaissancephasen ab – eine aus dem Ende des 16. Jahrhunderts und die andere aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Diese haben die heutige Dreitrakt-Disposition und den L förmigen Grundriss festgelegt. Die Jahreszahl 1593, die in dem Werk Súpis pamiatok na Slovensku/Denkmalliste der Slowakei (1968) auf einem der Portale erwähnt wird und die vermutlich geschwunden ist, kann man als das Endjahr des ersten Renaissanceumbaus verstehen, der wichtigsten Bauänderung in der Geschichte des Objekts. Dies wird auch durch die neueste Forschung bestätigt. In dieser Phase entstand der Erker der südlichen Fassade, die Sgraffito-Verzierung der südöstlichen Ecke (verödetes Sgraffito an der Ecke des Erkers) und die Sonnenuhr. In der zweiten, Spätrenaissancephase des Umbaus des kanonischen Hauses, die von einer bedeutenden Persönlichkeit der kirchlichen Geschichte in der Zips, dem Kanoniker Martin Szolcsanyi (1619 – 1679) initiiert wurde, hat man an dem Haus eine Relieftafel mit dem Chronogramm 1657 angebracht. Die Autoren analysieren außer der Inschrift auch die epigraphische Symbolik der Tafel, die von dem persönlichen Siegel M. Szolcsanyis ausging. Sie konnten auch die gemalte zweizeilige lateinische Inschrift auf der Sonnenuhr entziffern, die für unlesbar gehalten wurde. Ähnlich wie auf der Tafel wird das Wort „Sonne“ (sol) auch im Text der Sonnenuhr angeführt. Dies belegt offensichtlich die Absicht, eine Verbindung zwischen dem Namen vom Stifter des im Jahre 1667 beendeten Umbaus und dem Sonnensymbol zu schaffen.