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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 3/2007

21. apríla 2012

Miloš Dudáš

Denkmäler Žilinas und seiner Umgebung

Im kommenden Jahr gedenken wir des 800. Jahrestages der ersten schriftlichen Erwähnung der Stadt Žilina (dt. Sillein) im Nordwesten der Slowakei. Die Urkunde des Gespans von Nitra (dt. Neutra) aus dem Jahr 1208 erwähnt das Gebiet einer kleineren Siedlung mit Namen Terra de Selinan. Die erste Nachricht über Žilina als einer Stadt geht auf das Jahr 1312 zurück, ihr Original ist allerdings nicht erhalten geblieben. Das vielleicht bekannteste Dokument, das im Mittelalter nationale Widersprüche in Fragen der Mitgliedschaft im Stadtrat zwischen Deutschen und Slowaken regelte, ist die Urkunde des Königs Ludwig I. von Ungarn Privilegium pro Slavis aus dem Jahr 1381. Den historischen Stadtkern von Žilina bildet der quadratische Marienplatz (Mariánske námestie) mit Straßennetz, der sich im Laufe des 13. Jahrhunderts zu formen begann. Dieser Marktplatz mit seiner regelmäßigen Häuserbebauung entstand nach der Ankunft der deutschen Siedler um die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts. Den Platz säumen Stockhäuser mit Satteldächern und gemauerten Giebeln. In ihrem Erdgeschoss befinden sich offene Arkaden (sog. Laubne – Lauben), die sich in zwei Seitengassen fortsetzen und einen einzigartigen Genius loci bilden. Der Bau des Jesuitenklosters mit Kirche Mitte des 18. Jahrhunderts störte teilweise den ursprünglichen mittelalterlichen Urbanismus des Platzes, auf der anderen Seite jedoch bereicherte er seine Architektur um eine neue Dominante. In der Mitte des Platzes wurde 1738 zu Ehren der erfolgreichen Beendigung der Rekatholisierung die barocke Statue der Unbefleckten Jungfrau Maria – Immaculata aufgestellt. An ihrem Sockel befindet sich ein Relief des hl. Florian, der die Stadt vor häufigen verheerenden Bränden beschützen sollte. Gerade die Feuersbrünste im Laufe des 19. Jahrhunderts, vor allem 1886, führten zu Veränderungen in der Architektur im Geiste des zeitgenössischen Eklektizismus. Das erste Drittel des 20. Jahrhunderts griff mit funktionalistischen Bauten rasant in den Platz ein und auch in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts vollzogen sich deutliche Veränderungen.
Von den Sakralbauten des historischen Stadtkerns befinden sich hier die Pfarrkirche der Heiligen Dreifaltigkeit, die Kirche der Bekehrung des hl. Paulus und die Kirche der hl. Barbara. Etwas weiter stehen das jüngere Gebäude der ehemaligen jüdischen Synagoge, die funktionalistische evangelische Kirche A.B. und etwa 1,5 km von ihr entfernt befindet sich das älteste Objekt der Stadt, die Kirche des hl. Königs Stephan. Im Stadtteil Trnové steht die wertvolle Holzkirche des hl. Georg. Sie ist der westlichste sakrale Holzbau auf slowakischem Gebiet.
Im Umkreis von mehreren Kilometern von Žilina befinden sich viele mittelalterliche Burgen, die mit zu den attraktivsten Denkmälern des oberen Waagtals gehören. Das Tor zum ganzen Silleiner Kessel (Žilinská kotlina) bilden an der Stelle der ehemaligen Grenze der Komitate Trenčín (dt.Trentschin) und Turiec (dt. Turz) die Burgruinen Varín und Strečno. Hoch über der Waag und der schmalen Straße durch den Engpass von Strečno (Strečnianska tiesňava) schützten sie dereinst eine wichtige Handelsstraße. Ein bedeutendes architektonisches Denkmal Žilinas ist die Burg Budatín. Ihre strategische Lage am Zusammenfluss der Flüsse Waag und Kysuca bestimmten einst die nahe Furt und die Kreuzung der Handelsstraßen aus Ungarn nach Schlesien. Die Burg wird dominiert von einem Wach- und später Wohnturm vom Ende des 12. Jahrhunderts, um den herum Gebäude mit Wohn- und Repräsentationscharakter errichtet wurden. Das bestehende Areal wird durch zwei Wirtschaftsgebäude und einen Natur- und Landschaftspark abgerundet. Die heutige Gestalt der Burg im Neorenaissancestil ist das Ergebnis eines komplexen Umbaues nach dem Ersten Weltkrieg. Die Burg Lietava gehörte mit ihrer Größe zu den größten Burgen des ehemaligen Oberungarn. Diese romantische Ruine, die um die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts errichtet wurde, ist eines der schönsten mittelalterlichen Fortifikationsdenkmäler der Slowakei. Ein paar Kilometer Luftlinie von Lietava entfernt befinden sich zwei kleinere mittelalterliche Burgruinen – Súľov und Hričov. Ihre Architektur ist jedoch in dem umliegenden felsigen Gelände nur noch schwer lesbar.

Jozef Moravčík

Neue archäologische Entdeckungen in Žilina

In den letzten Jahren wurden auf dem Gebiet Žilinas (dt. Sillein) mehrere archäologische Untersuchungen durchgeführt, die Licht in die älteste Geschichte der Stadt trugen. In den Jahren 1995 – 2005 wurden schrittweise die Fronleichnamskapelle im Raum der Kirche des hl. Königs Stephan, die Kirche des hl. Königs Stephan, der Marktplatz Mariánske námestie, wo mehrere gemauerte und hölzerne Objekte gefunden wurden, die Pfarrkirche der Heiligen Dreifaltigkeit sowie der mittelalterliche Graben, der den historischen Stadtkern umspannt, untersucht.
Über die Fronleichnamskapelle gab es mehrere Berichte im Stadtrechtsbuch von Žilina aus den Jahren 1423, 1489, 1508, aber noch bis vor kurzem wusste man nicht, wo sie sich befinden könnte. Erst bei Geländearbeiten im Raum südlich der Kirche des hl. Königs Stephan stieß man auf einen Bau mit Abmessungen von 5 x 4,8 m mit einer kleinen Apsis an der Westseite (2 x 1,6 m). Um diesen Bau herum konnten 80 Gräber unter dem Fundament oder in seinem Raum identifiziert werden. Er konnte erst an der Wende vom 14. – 15. Jahrhundert entstanden sein und bestand wahrscheinlich bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nach seinem Abriss verwendete man sein Material für den Bau einer neuen Kapelle, die hier bis heute steht. In einem der Gräber fand man einen unikalen Bronzering mit einem lateinischen Text aus dem 12. – 13. Jahrhundert. Der Innenraum der Kapelle war mit Knochenresten aus beschädigten Gräbern ausgefüllt, die hier mindestens vom Anfang des 13. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts gelagert wurden.
Die Kirche des hl. Königs Stephan gehört zu den ältesten Sakralbauten. Archäologische Funde datieren sie an den Anfang des 13. Jahrhunderts, was der ersten schriftlichen Erwähnung von Žilina aus dem Jahr 1208 (terra de Selinan) entsprechen würde. Die im romanischen Stil errichtete Kirche bestand ohne größere Veränderungen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts (1762), als ein umfangreicher barocker Umbau vonstatten ging. Dabei wurde der Eingang von der ursprünglichen Süd- an die Westseite verlegt, und die ursprüngliche flache Decke wurde durch ein barockes Kreuzgewölbe ersetzt. Die romanischen Fenster blieben zugemauert unter dem heutigen Dach und wurden durch große Fenster ersetzt. Im Kirchenschiff, vor allem in seiner Nordhälfte, wo die Untersuchungen durchgeführt wurden, gab es nur Gräber aus dem 18. Jahrhundert. Die Kirche des hl. Königs Stephan befindet sich in der Lage Dolné Rudiny und in ihrer Umgebung in einer Entfernung von 0,8 – 2,3 km wurden 6 – 7 mittelalterliche Siedlungen entdeckt, die durch Keramikfunde vom 10. bis 13. Jahrhundert datiert wurden.
Während der archäologischen Untersuchungen des historischen Stadtkerns 1995 wurden direkt in der Mitte des Marktplatzes Mariánske námestie drei gemauerte Bauten entdeckt und um sie herum mindestens fünf weitere hölzerne Objekte, die wahrscheinlich für die Lagerung der Waren fremder Händler gedient haben. Seit 1357 besaßen die Einwohner von Žilina das Recht, regelmäßige Märkte (Jahrmärkte) durchzuführen, daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass die auf dem Marktplatz entdeckten Objekte den Teilnehmern dieser Märkte dienten. Außerdem wurde ein Wasserleitungssystem festgestellt, das 1613 mit Hilfe von hölzernen Rohren errichtet wurde. Nach seiner Beschädigung bauten die Einwohner auf dem Platz zwei Brunnen, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren. Bei den Grabungen auf dem Platz stieß man auch auf zwei Niveaus einer ursprünglichen Pflasterung aus flachen Flusssteinen. Es ist anzunehmen, dass Ende des ersten Drittels des 18. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Aufstellung der Statute der Immaculata (1738) zumindest ein Teil des Platzes gepflastert wurde.
Die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit befindet sich am Ostrand des historischen Stadtkerns von Žilina. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1423. Archäologen untersuchten die Bauphasen der älteren Kirche, die ein rechtwinkliges Presbyterium besaß. Um das freigelegte Fundament herum wurden 63 Gräber untersucht, die anhand von Münzen in die Zeit vom Anfang des 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts datiert wurden. Die heutige Kirche ist eine dreischiffige Basilika mit einem polygonalen Presbyterium, an dessen Nordwand sich Lilien aus der Regierungszeit der Anjous in Ungarn (1308 – 1387) befinden. Wahrscheinlich stand die Kirche schon im 14. Jahrhundert, auch wenn sie ausdrücklich erst im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts erwähnt wird.

Richard Marsina

Žilina im Mittelalter

Im Gemeindegebiet von Žilina (dt. Sillein) 0kann man eine ununterbrochene Besiedlung seit der Wende des 5. und 6. Jahrhunderts, also annähernd sieben Jahrhunderte vor der ältesten erhaltenen glaubwürdigen Schriftquelle annehmen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die ununterbrochene Besiedlung noch älter ist, denn aus diesem Gebiet ist eine vorslawische Bezeichnung erhalten geblieben. Bedenkt man die geographische Lage Žilinas, ist dieser Umstand nicht überraschend. Žilina liegt am Zusammenfluss eines großen (Váh/Waag) und zweier kleinerer Flüsse (Kysuca, Žilinka), die sich direkt an der Grenze des Gemeindegebiets von Žilina vereinen. Mit den Wasserläufen hängen auch der Talkessel oder das Hügelland zusammen, vor allem das große Massiv des Hradisko. Seit ältesten Zeiten entwickelte sich hier auch ein Straßennetz. Žilina war der natürliche Knotenpunkt von vier Richtungen.
Als ältestes historisches Zeugnis Žilinas betrachten Historiker die Kirche des hl. Königs Stephan mit spätromanischen und frühgotischen Elementen aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. Im Nordteil der mittelalterlichen Stadt ist allerdings die ununterbrochene Besiedlung schon vor dem 13. Jahrhundert glaubwürdig belegt. Alt-Žilina war schon damals das Zentrum der Region, mit großer Wahrscheinlichkeit auch Marktflecken. In dieser Zeit wurden die Grenzzollstationen des Ungarischen Königreichs errichtet und eine davon befand sich an der Grenze zu Schlesien im weiteren Umkreis Žilinas bzw. bei Budatín. Im Laufe des 13. Jahrhunderts verdichtete sich auch die Besiedlung Südschlesiens (Teschener Gebiet), sodass die alte Straße, die das Ungarische Königreich mit Schlesien verband, zur frequentiertesten und wirtschaftlich bedeutendsten Straße wurde.
Auf dieser Straße kamen neue Siedler einschließlich des Dorfrichters aus Teschen mit dem deutschen (Magdeburger) Recht nach Žilina. Anfang des 14. Jahrhunderts gab es in Žilina bereits eine Stadtordnung und das Stadtgericht war schon damals Berufungsgericht für alte oder neugegründete Dörfer, die sich nach dem Silleiner Recht (ursprünglich Teschener Recht) richteten. Neben dem Erbrichter gab es damals schon eine Bürgerkommunität, die von König Karl Robert am 12. Juli 1321 während seines Aufenthaltes in Žilina die ersten Privilegien erhielten. Es ging nicht nur um wirtschaftliche Privilegien, wie etwa die Befreiung von der Mautzahlung, sondern vor allem um die Erteilung des in der Slowakei relativ seltenen Meilenrechts bei der Ausübung eines Handwerks und des Fischfangs. Begüterte Bürger von Žilina wirkten als Lokatoren – Gründer neuer Dörfer. Nach dem Verbot des ungarischen Königs Ludwig I., die Stadt Teschen als Berufungsgerichtsinstanz anzurufen, endete der Kampf der Bürger von Žilina mit der Aushändigung des Privilegiums der Königin Maria vom 2. Juni 1384, seitdem hatte Žilina seine Berufungsobrigkeit in Krupina (dt. Karpfen). Aus dem Privilegium erfahren wir auch weitere Einzelheiten der rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung Žilinas. Es war eine sog. freie Stadt, obwohl an ihrer Spitze der Erbrichter mit teilweise begrenzten Rechten, vor allem bezüglich der Besteuerung von immobilem Eigentum, stand. Erbrichter waren im 14. Jahrhundert in Žilina Menschen adliger Herkunft und einige von ihnen bekleideten auch wichtige Staatsämter. Das ganze 15. Jahrhundert hindurch versuchten die Bürger von Žilina, sich vom Erbrichtertum freizukaufen, was ihnen definitiv erst 1509 gelang. Vor der Schlacht von Mohács (1526) hörte Žilina auf, eine königliche Stadt zu sein und blieb bis zum Ende des Feudalismus eine grundherrschaftliche (adelige) Stadt.

Tomáš Janura

Žilina – Kreuzung der Handelsstraßen

Am Rande der Flussterrasse der Waag entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Burg und in ihrer Nähe eine Vorburg, die im Laufe der Zeit als Handwerkszentrum einer breiteren Umgebung an Bedeutung gewann. Ein Stimulus für die Entwicklung des Handwerks war das Meilenrecht, dank dem im Umkreis einer Meile von der Stadt nur die Einwohner von Žilina ihr Gewerbe ausüben durften. Zur Entwicklung von Žilina trug auch das Privilegium von Ludwig I. von 1357 mit dem Jahrmarktrecht bei. Um die Anbindung Žilinas an den Fernhandel machte sich wiederum Ludwig I. verdient, der 1364 die Errichtung einer Straße von Košice in das Waagtal verfügte, an der Maut eingehoben wurde, neben anderen Städten auch in Žilina. Im Jahr 1414 erlangte die Stadt von Sigismund von Luxemburg die Befreiung von Steuern und Maut. Im Jahr 1458 erlangte sie von Matthias Corvinus das Privilegium für den Michaeli-Jahrmarkt.
Nach dem Tod von Matthias Corvinus gelangte die Stadt dank der feudalen Anarchie in die Hände der Besitzer der Burgherrschaft Strečno. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren sich die Stadtbesitzer der Bedeutung der wirtschaftlichen Privilegien bewusst, wodurch sie die Steuereinnahmen erhöhten. Die Tuchmacher von Žilina erhielten 1569 von König Maximilian das Recht, Tuch zu verkaufen und ein Jahr davor erteilte derselbe König Žilina das Jahrmarktrecht für den Sankt Blasiustag. Im 17. Jahrhundert erlebten die Tuchmacher von Žilina eine Blüte, begünstigt durch das Privilegium von Matthias II. von 1610, das den freien Handel mit Stoffen aller Farben zuhause und in der Fremde erlaubte. Matthias II. erteilte der Stadt auch Handelsprivilegien – das Jahrmarktrecht für den Tag der heiligen Luzia (1609) und die Befreiung der Bürger von Žilina von der Mautzahlung in ganz Ungarn (1609). Weitere Vorrechte erlangte die Stadt erst unter Leopold I.: 1657 erlaubte er Viehmärkte und 1659 erteilte er das Wassermautrecht. Aufgrund dessen konnten die Bürger von Žilina die Maut nicht nur an den Brücken über die Flüsse Waag und Kysuca einheben, sondern, wenn sie vom Wasser weggerissen wurden, auch auf den Fähren, die an ihrer Stelle errichtet wurden. 
Im Jahr 1712 erlangten die Bürger von Karl III. das Jahrmarktrecht für den Tag des heiligen Königs Stephan. Im 18. und 19. Jahrhundert verfiel die Stadt und verlor ihre dominante Stellung. Ein neuer Aufschwung begann für Žilina erst wieder mit dem Bau der Eisenbahn Košice-Bohumín Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts.
Die wichtigste mittelalterliche Straße des Stadtgebiets war die Königsstraße nach Schlesien, die über die Waagbrücke führte. 1499 wird erstmals eine Holzbrücke an diesen Stellen erwähnt. Von der Brücke führte eine Straße in Stadtrichtung zu ihrem Vorort – Kálovo. Die Trasse der ursprünglichen Straße auch mit Abrundung kopiert heute die Straße von und nach Kysuce. Der obere Teil von Kálovo (heute Hurbanstraße /Ulica J. M. Hurbana) endet auf dem malerischen Platz vor dem Unteren Tor, das nach dem Brand von 1848 abgerissen wurde. Vor dem Unteren Tor schloss sich an die schlesische Straße die nach Westen gerichtete Waagstraße an. Von der Ostseite führte die sog. magna via oder die Straße von und nach Košice zur Stadt. Die Kaufleute betraten das Gemeindegebiet von Žilina bei den Salzlagern und der königlichen Zollstation (von 1763) mit einer Floßanlegestelle. Die heutige Straße bewahrte sich ihre Form dank der Tatsache, dass an ihrer Südseite im Jahr 1679 ein Friedhof für Pestopfer angelegt wurde, der seit 1707 als Stadtfriedhof diente. Die Straße setzte sich direkt zu den Stadtmauern fort und vor ihnen schwenkte sie nach Norden in den Raum vor dem Franziskanerkloster, wo sie sich mit der schlesischen Straße vereinte. Die Lokalstraße nach Rajec kam vom Süden in die Stadt. Im Raum des heutigen großen Kreisverkehrs schloss sie sich an die Stadtstraße an, die in die Gemeinde Závodie führte, und führte direkt zur Ringstraße um die Stadtmauern. Diese verband alle vier erwähnten Handelsstraßen.

Michal Jurecký

Die Franziskaner in Žilina im 18. Jahrhundert

Die Ankunft der Mitglieder des Ordens der Minderen Brüder der Franziskaner (Ordo Fratrum Minorum, OFM) in Žilina und Umgebung ist verbunden mit der starken Rekatholisierung, die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts durch die Jesuiten in der Stadt repräsentiert wurde. Die Konfessionssituation in Žilina im 17. Jahrhundert war geprägt durch den Kampf der evangelischen Kirchengemeinde, repräsentiert vor allem durch die Bürgerschaft, gegen die Katholiken, die in den Grundherren (Adligen) eine Stütze hatten. Die Pfarrkirche der Heiligen Dreifaltigkeit ging abwechselnd aus den Händen der Evangelischen in die Hände der Katholiken über. Die Jesuiten ließen sich 1686 für ständig in Žilina nieder und wirkten hier bis zur Auflösung des Ordens im Jahr 1773. Die Franziskaner wirkten in Žilina in den Jahren 1704 – 1734. Während dieser Zeit wohnten sie am Marktplatz, später in Vorstadtgütern, die ihnen der Grundherr Paul Esterházy und später Georg Erdődy überließ. Da in der Stadt bereits die Jesuiten wirkten, wollten die Franziskaner näher zu den Menschen außerhalb der Stadtmauern sein. Hier wurden die Kirche und das Kloster bei dem der hl. Barbara geweihten Unteren Tor errichtet. Das Grundstück sprach die Stadt 1721 definitiv den Franziskanern zu. Die Kirche wurde 1730 fertiggestellt, dann begann der Klosterbau. Die Kirche der hl. Barbara ist einschiffig, mit Presbyterium von rechteckigem Grundriss mit Sakristei, der erste Sakralbau in Žilina. Die Kirche dominiert der Hauptaltar aus dem Jahr 1730. Alle Altäre sind barock mit Originalskulpturen, allerdings ohne die ursprünglichen Altarbilder. Diese stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts und sind das Werk des Fraters Konrád Švestka, der Maler, Holzschnitzer und Restaurator war. 1734 wurde der Kreuzweg installiert. Die Kirche der heiligen Barbara mit ihren unterirdischen Krypten diente bis 1778 für die Beisetzung der Franziskaner, auch weltlicher Priester und auch bedeutender Bürger, die darum ersuchten. Die Kirchenorgel bildet ein Instrumentenpaar – die große Orgel über dem Kircheneingang wurde 1734 fertiggestellt, die kleine Orgel ist jünger, weil der chorus minor, auf dem sie sich befindet, 1739 zu bauen begonnen wurde. Beide sind das Werk des bedeutenden Orgelbauers Peregrín Verner.
Im Jahr 1782 stabilisierte sich die Zahl der Ordensbrüder auf 40. Aufzeichnungen sprechen von den Tätigkeiten der Frater-Handwerker – Schnitzer, Tischler, Köche, Bäcker, Gärtner bzw. Schneider. Zu erwähnen sind auch herausragende Musiker, z.B. in den Jahren 1741 – 1750 der besagte Peregrín Verner. Hier wirkten auch die Barockkomponisten Juraj Zrunek und Edmund Paška. Im Kloster gab es auch einen Franziskaner in der Funktion eines Historikers, wie etwa Vojtech Gazda und Hugolín Gavlovič. Im Jahr 1748 wurde über dem Klostereingang eine Holzfigur der heiligen Barbara angebracht, 1773 wurde sie gegen eine steinerne ausgetauscht. Nach der Errichtung der Kirche der heiligen Barbara erfüllte das Kloster die Funktion einer kleinen Wirtschaft. Es hatte Getreidekammern, ein Getreidelager auch Wirtschaftsgebäude und Ställe gebaut. Im Jahr 1773 wird in den Aufzeichnungen eine Schneiderwerkstatt erwähnt. Zum Kloster gehörte auch ein Nutzgarten.

Miloš Dudáš

Die evangelische Kirche A.B. in Žilina

Die evangelische Kirchengemeinde des Augsburger Bekenntnisses in Žilina entstand in den Anfängen der Verbreitung der Reformation auf unserem Gebiet. Im 17. Jahrhundert bekannte sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung zum Protestantismus. Die Ankunft der Jesuiten in Žilina Mitte des 17. Jahrhunderts und die Gründung ihrer ersten Missionsstation im Jahr 1686 begann ihre dominante Stellung allmählich zu verändern. Das Leben wurde deutlich komplizierter, als ein Jahr später Paul Esterházy, ein eifriger Vertreter der Rekatholisierung, der Grundherr von Žilina wurde. Mit strengen Verordnungen zwang er die evangelischen Einwohner den katholischen Glauben anzunehmen. Bei der Bestätigung der Kandidaten für das Richteramt achtete er darauf, dass stets ein Katholik in der Leitung der Stadt wirkte.
Zu dem Zeitpunkt, als die evangelischen Gläubigen nicht länger in den Räumen der Pfarrkirche zusammenkommen durften, bauten sie sich 1704 ein kleines hölzernes Gebethaus. Zeitquellen führen an, dass sie 1709 bereits ein zweites Holzgebethaus errichteten. Pavol Esterházy entschied 1710 über die Zuteilung von Grundstücken für die Franziskaner von Žilina und nach dem Abriss des zweiten Gebetshauses 1719 nutzten die Franziskaner das Baumaterial wahrscheinlich für den Bau der neuen Kirche St. Barbara.
Die intensive Tätigkeit zweier katholischer Orden in der Stadt führte dazu, dass die Anzahl der Evangelischen dramatisch zurückging. Im Jahr 1730 bekannten sich zum evangelischen Glauben in Žilina nur noch ein paar Dutzend Gläubige und Mitte des 19. Jahrhunderts schon fast niemand mehr. Es überrascht nicht, dass unter diesen Bedingungen die evangelische Kirchengemeinde in Žilina völlig einging und die Stadt ausschließlich katholisch wurde. Erst Ende des 19. Jahrhunderts stabilisiert sich die Situation der evangelischen Gläubigen von Žilina, ihre Zahl wächst langsam und das Bemühen, wieder eine eigene Kirchengemeinde zu bilden, erhält reale Gestalt. Der Kirchenkonvent beschloss auf der Tagung am 13.Juni 1895 den Bau eines Gotteshauses und Pfarrgebäudes. Im Jahr 1903 wurden ein einfaches Gebetshaus und eine Pfarre errichtet. Im Jahr 1921 kommt der neue Pfarrer Fedor Fridrich Ruppeldt (1886 – 1979) nach Žilina, der die Notwendigkeit der Errichtung einer größeren Kirche betont. Im Jahr 1930 ersucht er um die unentgeltliche Zuteilung eines städtischen Grundstücks, aber da die Stadtvertreter der Sache nicht geneigt waren, verkauften sie ihnen das Grundstück, und zwar doppelt so teuer wie Privatleuten. Später suchte die evangelische Gemeinde sich einen passenderen und größeren Ort unweit des Stadtfriedhofs aus. Die Erlaubnis für den Grundstückstausch und die gerichtlichen Verzögerungen dauerten bis Mai 1934. Die Kirche hatte aber schon ein Jahr vorher einen anonymen Wettbewerb für die architektonische Lösung der Kirche und Pfarre ausgeschrieben. Von vier Entwürfen siegte das Projekt des zu der Zeit schon bekannten Architekten Milan Michal Harminc (1869 – 1964). Die Bauarbeiten an der Kirche wurden am 10. Oktober 1936 abgeschlossen. Im Oktober 1938 begann man mit dem Bau eines neuen Pfarrgebäudes, entworfen im gleichen funktionalistischen Geist wie das Objekt der Kirche. Der Evangelischen Kirchengemeinde A.B. Žilina gelang es so nach jahrelangen Bemühungen, ein Lehrbuchbeispiel der architektonischen Moderne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu errichten.

Marián Mrva – Andrej Ferko

Považie Museum 3D online

Die Einmaligkeit des traditionellen slowakischen Drahtbinderhandwerks führte schon in der Vergangenheit zu Bemühungen um seine Dokumentierung und Präsentierung. Ende der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts fand in Dlhé Pole die erste Ausstellung Drahtbinderei statt. Sie bildete die Grundlage für die Entstehung eines spezialisierten Museums in Žilina 1942. Es war der erste Schritt zur Schaffung eines weltweiten Zentrums für Dokumentation und Erforschung der Drahtbinderei – des heutigen Waagtalmuseums Považské múzeum in Žilina. Der wirkliche Aufschwung der Dokumentations- und Forschungstätigkeit begann jedoch erst ab 1989, als der Fundus der Drahtbinderarbeiten für eine gewisse Zeit im Museum dominant wurde. Über sechstausend solcher Drahtbinderartefakte bilden in dem über
einhundertfünfunddreißigtausend Stück zählenden Sammlungsfonds zwar nur einen kleinen Teil, dennoch ist es die größte Sammlung ihrer Art weltweit (die zweitgrößte befindet sich in Frankreich und ist das Eigentum eines Privatsammlers).
Neben Ausstellungen und Publikationstätigkeit waren ein wichtiges Element der Propagierung und Erforschung der Drahtbinderei die internationalen Begegnungen der Drahtbindermeister, die seit 1990 zu einem Ort wurden, wo Drahtbinderhandwerk und -kunst sich den Forderungen der Zeit anpassten und auch der Draht als Material wiederbelebt wurde.
Ein wichtiger Meilenstein, der der Dokumentation der Drahtbinderei zu einer neuen Qualität verhalf, war das Jahr 1992, als die erste wissenschaftliche Konferenz zum Thema „Die Drahtbinderei als Handwerk, Kunst und Unternehmertätigkeit“ stattfand. Gleichzeitig wurde im Schloss Budatín eine neue Ausstellung eröffnet, welche die Geschichte der Drahtbinderei auf eine ganz untraditionelle Weise präsentierte. Der rasante Vormarsch der Computer in der ersten Hälfte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts brachte die Museumsmitarbeiter auf die Idee, eine elektronische Datenbank – eine umfangreiche Informationsbasis über die Drahtbinderei aufzubauen. Außer einem Verzeichnis der Sammlungsstücke und Dokumente, der Namen der Meister, der Literaturverweise, Quellen, Artikel und Kunstwerke mit der Thematik der Drahtbinderei sollte sie auch weitere Dokumente über die Geschichte des Handwerks umfassen. Es sollte ein Informationszentrum für Fachleute, Studenten, Interessierte an Drahtbinderei sowie auch der breiten Öffentlichkeit sein. Die multimediale Präsentation der Drahtbindersammlungen mittels Spitzeninformatik wurde zur Strategie des Museums, um seine Anziehungskraft vor allem für junge Besucher zu erhöhen. Das Projekt der angewandten Forschung „Považské múzeum 3D online“ wird vom Schulministerium der Slowakischen Republik mitfinanziert. Die erste öffentliche Präsentation fand anlässlich der Ausstellung „Nostalgia Expo 2006“ in Bratislava statt, wo das erste slowakische interaktive virtuelle Museum ausgestellt war. Der interaktive multimediale Kiosk mit Berührungsbildschirm, entwickelt an der Komenský-Universität in Bratislava in technischer Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Prover, wird an öffentlich zugänglichen, überdachten, bewachten und beheizten Orten installiert. Das Kiosk kann an das Internet und einen Datenprojektor angeschlossen werden und für eine Gruppe von Museumsbesuchern für die Projektionssteuerung verwendet werden.

Michal Šimkovic

Geschichte der Rettung der Burg Lietava (Lietavský hrad)

Lietava gehört zu den wertvollsten slowakischen Burgen, was vor allem durch den guten Zustand der Ruine, eingebettet in die malerische Natur der Berge Strážovské vrchy, gegeben ist. Die Burg entstand kurz nach dem Tatareneinfall in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Anfang des 14. Jahrhunderts gelangte die Burg in den Besitz von Matthäus Czak von Trentschin und bildete das Zentrum seiner Provinz. 1360 schenkte König Ludwig von Anjou Lietava dem Landesrichter Stefan Bebek. Seine Nachkommen besaßen die Burg bis zum Ende des Jahrhunderts, als König Sigismund von Luxemburg sie ihnen wegnahm. Anfang des 15. Jahrhunderts war Lietava im vorübergehenden Besitz von Ctibor von Ctiborice, nach dem sie erneut die Bebeks erwarben. Im 14. und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg um neue Wohnbauten, einen kleinen Burghof und einen rechteckigen Palas erweitert, den mit der älteren Burg eine Mauer verband, die entlang der Felsenränder führte. 1474 erwarb die Burg Paul Kinizsi, der sie in den zwanzig Jahren seines Wirkens wesentlich erweiterte und umbaute. Offenbar noch Ende des 15. Jahrhunderts erwarb Lietava die einflussreiche Adelsfamilie Zapolya (Zápoľský), die sie 1512 ihrem Gefolgsmann Nikolaus Kostka schenkte. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen auf Lietava Wirtschaftsgebäude und eine Kapelle mit einem spätgotischen Gewölbe hinzu. Nach Kostkas Tod erwarb Franziskus Thurzo die Burg von der königlichen Kammer. Er vereinheitlichte den Komplex der oberen Burg zu einem weitläufigen repräsentativen Prachtpalast, den er um ein weiteres Wohngeschoss aufstockte. Die Burg hatte im 17. Jahrhundert mindestens 90 Räume und ihre Dächer trugen ein Schindeldach. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand ein weiterer Befestigungsstreifen mit dem mächtigen Gebäude des Eingangstors, der Kanonenbastion in der Ecke und einer kleineren halbkreisförmigen Bastei an der Nordseite.
Im Jahr 1621 wurde die Herrschaft in vier Teile aufgeteilt, was das Interesse an ihrer Instandhaltung schwächte. Die Burg war schon an der Neige des 17. Jahrhunderts nur noch ein Getreidelager, Anfang des 18. Jahrhunderts fehlte jegliches Mobiliar und war nur noch das Archiv übriggeblieben. Sie verwandelte sich langsam in eine Ruine, die weder repariert noch konserviert wurde. Dennoch ist die Burg Lietava an der Schwelle zum 21. Jahrhundert im Zustand einer kompakten Ruine erhalten, deren Wert durch ihren authentischen Zustand erhöht wird. Bemühungen um die Rettung der Burg begannen 1999, als die Vereinigung zur Rettung der Burg Lietava gegründet wurde. Real begannen die Arbeiten im Jahr 2003, und dank der realistisch gestellten Zielen und der engen Zusammenarbeit mit Denkmalpflegern und Experten wird in der Slowakei eine einzigartige Initiative von Freiwilligen verwirklicht, die die Burg in ihrer ursprünglichen Form retten wird.

Jahrespreis der Revue für das Kulturerbe Pamiatky a múzeá 2006 in der Kategorie Entdeckung – Befund

Karol Pieta – Peter Roth

Das Fürstengrab in Poprad-Matejovce

Die Errichtung des Industrieparks in Poprad-Matejovce erforderte auch eine archäologische Untersuchung, die vom Museum Podtatranské múzeum in Poprad (P. Roth) geleitet wurde. Trotz regelmäßiger Augenscheinnahmen der scheinbar fundsterilen Fläche kam es zur größten Entdeckung rein zufällig. In einer Tiefe von 250 – 300 cm im Bodenwasser stieß man auf einen Holzblockbau mit einem Verband aus gut erhaltenen massiven Balken. Wegen der Außergewöhnlichkeit der Entdeckung zog das Museum Archäologen der Slowakischen Akademie der Wissenschaften hinzu (T. Kolník, K. Pieta), die den Bau eingehend untersuchten. Bei der Ostwand der Konstruktion wurden Möbelteile festgestellt und nach Anheben der Hölzer, die die Kammer bedeckten, kam innen eine hölzerne Rahmenkonstruktion mit einem destruierten Satteldach zum Vorschein. An Ort und Stelle wurden Proben für die archäobotanische und dendrologische Analyse sowie die Radiokarbondatierung entnommen. Das Leibnitz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Deutschland) bestimmte das Alter der Probe von der Außenkonstruktion mit den Jahren 380 ± 27 unserer Zeitrechnung.
Der äußere Bau hatte Blockwände aus behauenem Holz, die an der Außenseite mit einer Schüttung aus Buchenholzkohle gegen den Untergrund isoliert waren. Die sorgfältig bearbeiteten Balken erreichten Maße von 25 x 15 x 380 bzw. 280 cm. Die Verbindungen waren mit Hilfe einfacher Kerben gefertigt. Die Kammer bedeckten 440 cm lange Balken. Das Blockhaus stand auf einer Plattform aus zwölf nebeneinander liegenden Halbrundbalken in einer Tiefe von 495 cm (673, 52 m ü.d.M.) von der ursprünglichen Oberfläche. Übereinstimmend mit der Grabachse war es in der Nord-Süd-Richtung orientiert. Die innere Grabkammer („Sarkophag“) mit einer Größe von 170 x 290 cm hatte eine Rahmenkonstruktion mit Eckständern und Trennwänden, die mit sehr präzis besäumten Brettern, eingelassen in die Nute von Verbindungslatten, ausgefüllt waren. Auch diese Konstruktion war aus Lärchenholz gefertigt.
Die Bedeutung des Fürstengrabfundes und die für mitteleuropäische Verhältnisse ungewöhnlichen Geländebedingungen in nasser Umgebung bei der Arbeit mit Holz und mit brüchigen organischen Materialien stellten außerordentlich hohe Ansprüche an die Methodik und Organisation der Untersuchung, die vier Monate dauerte und erst im November 2006 abgeschlossen wurde. Ihre Arbeitsverfahren und Ziele legte eine internationale Kommission fest. Die Experten einigten sich auch in einer grundsätzlichen Sache, dass dieses einzigartige Grab nicht an seinem ursprünglichen Ort geschützt werden kann, sondern nach Beendigung der Rettungsarbeiten auseinandergenommen und nach erfolgter Konservierung in geschützten Museumsräumen präsentiert werden soll. Die internationale Forschungskommission zusammen mit den Leitern der Forschung und Denkmalpflegern begrüßte das Zusammenarbeitsangebot der Vereinigten Museen in Schleswig (BRD). Diese bedeutende europäische Institution verfügt über entsprechende Labors und Experten und ist in der Lage, die Konservierung eines großen Umfangs selbst besonders anspruchsvoller Funde kapazitätsmäßig und fachlich zu bewältigen.
Für unsere archäologische Praxis ungewöhnlich war auch die bautechnische Zerlegung der im Grunde vollständig erhaltenen 1600 Jahre alten Holzarchitektur sowie die Primärbehandlung und Spezialverpackung der Bauteile und der einzelnen Artefakte. Den unmittelbaren Prozess der Rettung dieses wertvollen Denkmals ermöglichter die finanzielle Unterstützung des Kulturministeriums der SR unter Mitbeteiligung der Selbstverwaltungsregion Prešov. Am 22. November 2006 wurden alle organischen Materialien aus der Gruft mit einem geschätzten Gewicht von 10 – 12 Tonnen in die Laborhallen und Gefrierboxen in Schleswig gebracht.