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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 4/2014

17. decembra 2014
Ivan Gojdič – Dagmara Baroková
Herrenhaus der Familie Görgey in Toporec
Das beinahe untergegangene Herrenhaus in der Gemeinde Toporec (Bezirk Kežmarok, Ostslowakei) ist mit dramatischen Schicksalen der bedeutenden oberungarischen Familie Görgey verbunden. Der Ort wurde schon seit dem 12., beziehungsweise seit Anfang des 13. Jahrhunderts besiedelt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts etablierte sich in der Region die ursprünglich sächsische Familie Görgey, die nach Ungarn von Ladislaus I. im Rahmen der ersten Kolonisationswellen aus dem Westen eingeladen wurde. Der erste bekannte Vertreter der Familie war Arnold I. (1050 – 1130), der sich in der Zips niederließ und schon im Jahre 1092 Besitztümer und den Adelstitel vom König erworben hat. Den Nachnamen Görgey bekam die Familie von der Gemeinde Spišský Hrhov, die Ladislaus IV. an Grafen Elias im Jahre 1278 schenkte und die zum ersten Familiensitz wurde. Der zweite, gleichwertig angeführte Familiensitz war Toporec, im Jahre 1293 gegründet. Die Familienmitglieder wirkten als Spitzenvertreter der Zipser Sachsen, Gespane, Palatine, Offiziere, Unternehmer. Der bedeutendste unter ihnen war General Artur Görgey, Kommandant der k. u. Landwehr (Honvéd) während des Aufstandes in den Jahren 1848 – 1849, der in Toporec geboren wurde.
Das Herrenhaus in Toporec gehört zu einem ausgedehnten Adelssitz am Nordrand der Gemeinde über dem Weg, der das Tal des Poprad-Flusses mit Červený Kláštor am Dunajec verbunden hat. Typologisch handelt es sich um einen kleineren repräsentativen Adelswohnsitz, heute bereits ohne architektonische Fortifikationselemente, deren Existenz in der Familienchronik erwähnt wird (Wehrmauer, Graben). Die neuerliche architektonisch-historische Untersuchung des Herrenhauses hat bestätigt, dass der ursprüngliche Bau, hypothetisch aus dem 15. Jahrhundert, die Form einer kleinen Burg hatte. Möglich ist auch seine frühere Erbauung im 14. Jahrhundert, wovon Fragmente von gotischen Rippen zeugen, die sekundär in die Gewölbe im Erdgeschoss des Herrenhauses eingebaut wurden. Die kleine Burg behielt 200 bis 300 Jahre lang ihre ursprüngliche Form.
Spätestens in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts realisierte man den wichtigsten Spätrenaissanceumbau des Herrenhauses. Das neue, bereits zweistöckige Gebäude bekam einen U-förmigen Grundriss mit einem beinahe quadratischen Hof mit den Ausmaßen von 7,7 x 7,3 m. Im ersten Stock befanden sich 8 Räume, im zweiten dann um einen bis zwei Räume weniger. Zu jener Zeit entstand auch die Befestigung des Herrenhauses durch steinerne Wehrmauern mit halbrunden Basteien mit Schießscharten in Abständen von 12 bis 15 Metern.
Die barock-klassizistischen Änderungen des Herrenhauses im Jahre 1770 betrafen vor allem die Fassaden. Die Raumverteilung einzelner Stockwerke wurde sonst konsequent respektiert. Im Interieur wurden insbesondere die Decken und Gewölbe umgebaut. An mehreren Gewölben hat man Bemalung und Stuckverzierung angebracht, die bis heute nur fragmentarisch erhalten blieb. Das Herrenhaus erlebte weitere unbedeutende Änderungen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Bis zum Jahre 1947 haben die Görgeys den Südteil des ersten und zweiten Stocks aktiv bewohnt.

František Žifčák
Das Testament des Goldschmiedes Johannes Szilassy
Der Goldschmied Johannes Szilassy (1704 – 1782) aus Levoča (Leutschau) zählt zu den wichtigsten Repräsentanten der neuzeitigen Goldschmiedekunst in der Slowakei. Er wirkte am Ende des Spätbarocks, doch seine Arbeiten wurden deutlich von dem anfangenden Rokokostil beeinflusst. Man schreibt ihm die Autorschaft von mehr als hundert liturgischen Gegenständen zu, vor allem Monstranzen, Kelchen, Ziborien und Pazifikalen, oft mit Emailmedaillons mit Figuralszenen aus der Bibel, den Heiligenleben sowie aus dem Alltagsleben geschmückt. Viele von ihnen werden noch heute bei Gottesdiensten gebraucht.
Während die Werke von J. Szilassy in der kunstgeschichtlichen Literatur relativ gut bekannt sind, kann man dasselbe nicht von seinem Privatleben, der Familie und dem Umfeld, in dem er lebte und arbeitete, behaupten. Die Standesamteintragungen bestätigen eindeutig, dass der Levočaer Goldschmied Johannes Szilassy aus Rožňava stammte. Dass er in Rožňava gebürtig war (gebührtig von Rosznau), ergibt sich auch aus dem Bericht über seine Beerdigung in Levoča am 9. Mai 1782. Das genaue Datum seines Todes (6. Mai 1782) ist im Protokoll der Goldschmiedezunft eingetragen. Aus den im Levočaer Archiv erhaltenen Quellen kann man auch Angaben mit Bezug zu den Eigentumsverhältnissen des Goldschmiedes Johannes Szilassy herausziehen. Die wichtigsten Momente auf dem Weg zum Erwerb des Vermögens waren die Hochzeit mit Katharina Reuter (1728), Erwerb des Bürgerrechts in Levoča (1729) und allmählicher Ankauf von Immobilien. Die Vermehrung seines Vermögens ist auch aus der Höhe der berechneten Steuer ersichtlich (3 Rheinische Gulden 17 Denar), die ihn insgesamt auf den 18. Platz unter den reichsten Bürgern in Levoča reiht. Dies korrespondierte mit seiner allmählichen Gewinnung an hoher Autorität und Ansehen in der Stadt, wo er seit 1747 bis zu seinem Tod den Posten des Goldschmiede-Zunftmeisters bekleidet hat.
Am 18. April 1774 fassten Johannes Szilassy und seine zweite Frau Katharina ein Testament ab. Dieses wurde bisher von Forschern nicht untersucht, obwohl es sich in dem bearbeiteten Teil des Bestandes Magistrat der Stadt Levoča befindet. Das Testament befolgt übliche formale Bestandteile, die für diesen Typ der Aktenstücke typisch sind und liefert eine Menge an wertvollen Informationen über das Leben und Vermögen des berühmten Goldschmiedes. Es bestätigt einige Erkenntnisse über die Biografie des Goldschmiedes Szilassy, die aus anderen Quellen herausgezogen wurden. Einerseits deuten sie eine relativ warme Beziehung zur Tochter von der ersten Ehe an und seine Bemühung, die Goldschmiedekunst in der Familie zu bewahren. Andererseits schildern sie ihn als einen Künstler – Maler und präsentieren seine nähere Beziehung zu dem um eine Generation jüngeren Goldschmied Liedemann. Dies ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass Szilassys einziger Sohn vorzeitig gestorben war.
Außer der eigenhändigen Unterschrift von Johannes Szilassyi ist auch sein Siegel beigefügt, genauso wie der Name seiner Frau (Catharina Szilassy gebohrne Frühaufin), von einem der Zeugen des Testaments geschrieben und durch ihre Unterschrift – ein einfaches Kreuz – ergänzt. Den Inhalt des Testaments bekräftigten mit ihren Unterschriften der Bürgermeister von Levoča, Samuel Scherffel, der Senator und Testamentvollstrecker (testamentarius) Johannes Hauser und ein weiterer Testamentvollstrecker, Johannes Reich d. Ä. Alle drei haben zu ihren Unterschriften auch ihre Privatsiegelabdrucke hinzugefügt.

Hana Kližanová – Jana Oršulová
Porträt des kaiserlichen Arztes
In Sammlungen des SNM-Historischen Museums befindet sich in der Abteilung für bildende Kunst schon Jahrzehnte lang ein repräsentatives unidentifiziertes Männerporträt aus dem 17. Jahrhundert. Nur das Medaillon auf der Brust mit dem Bildnis Leopolds I. hat angedeutet, dass es sich um einen Höfling handelte, der dem Herrscher nahe stand.
Die Identifikation des abgebildeten Edelmannes wurde durch Bestimmung des Familienwappens mit einem Motto und dem Monogramm N. G. B. D. W. ermöglicht. Die Forschung hat nachgewiesen, dass auf dem Porträt Baron Nikolaus Wilhelm Beckers von Walhorn (Wallhorn) und Schönkirchen abgebildet ist (1630 – 1705), ein aus Walhorn im Spanischen Niederlanden stammender Arzt, Protomedicus und persönlicher Arzt des Kaisers Leopold I. und kaiserlicher Rat.
N. W. Beckers heiratete im Jahre 1659 in Wien die reiche Witwe des Hauptintendanten des Geheimrates, Anna Maria Huber, geboren von Haslingen (Hasling; † 1679). Diese Ehe ermöglichte ihm, in höhere Kreise aufzusteigen. Seinen Karrierenanstieg verdankte er auch dem Erzherzog Leopold Wilhelm, seinem Mäzen, der ihm die Tür zum kaiserlichen Hof öffnete, wo er schließlich zum persönlichen Arzt des Kaisers wurde. Dem Kaiser Leopold I. (1640 – 1705), von dessen zwei Ehen bis dahin nur Töchter abstammten, hat er geraten, Eleonora Magdalena Wittelsbach (1655 – 1720), die Tochter des späteren Pfälzer Kurfürsten und Neuburger Herzogs Philip Wilhelm, zu heiraten. Eleonora wurde dann Mutter von zwei zukünftigen Kaisern – Nachfolgern Leopolds I., nämlich Joseph I. (1678 – 1711) und Karl VI. (1685 – 1740) – Vater von Maria Theresia. Alle drei – Leopold I., Joseph I. sowie Karl III. wurden zu Königen Ungarns gerade im Pressburger Martinsdom gekrönt.
Für die Dienste dem Herrscher wurde N. W. Beckers mit dem Baron-Titel belohnt. Da er selbst auch in seiner zweiten Ehe kinderlos blieb, sorgte er für die Erhaltung des Titels und Vermögens für die Familie Beckers durch seinen Neffen Peter Deodat († 1735).
Außer dem Gemälde im Slowakischen Nationalmuseum, das man heute in die 1680er Jahre datieren kann, und einem Stich im NÖB in Wien erhielten sich bis heute weitere Denkmäler mit dem Familienwappen von W. W. Beckers nur in Österreich: zwei Altäre und ein Epitaph im Wiener Stephansdom und weitere Denkmäler in der Pfarrkirche in der Gemeinde Schönkirchen (Grabstein, Gedenktafel, Inschriften).

Alexandra Homoľová
Der Maler Aurel Kajlich
Zum Sammlungsbestand des Archivs der bildenden Kunst der Slowakischen Nationalgalerie gehört eine ungroße Kollektion von Dokumenten, die sich auf den Maler Aurel Kajlich (1901 – 1973) beziehen. Sein persönlicher Bestand befindet sich in der SNG seit 1987, als ihn dem Archiv die Witwe des Künstlers, Jolana Kajlichová, zur Verfügung stellte. Neben biographischem Material enthält er auch Korrespondenz, persönliche sowie Familienfotos, Handschriften, Ausschnitte, Dokumente mit Bezug zu Kajlichs Arbeiten und kleine bildkünstlerische Originalwerke, vor allem Skizzen, Illustrationen, Plakatentwürfe, Werbeanzeigen oder Verpackungen. Zur Belebung des Forschungsinteresses am Leben von Aurel Kajlich hat unlängst die Tochter des Künstlers Anita (Anna-Maria Richards) beigetragen, die in Stockholm lebt. Dort bereitete sie im September letzten Jahres anlässlich des 40. Todestags des Autors im Tschechischen Zentrum eine Kammerpräsentation der Werke von Aurel Kajlich aus eigener Sammlung vor. Die Präsentation erinnerte gleichzeitig auch an den 140. Geburtstag seines Lehrers – des berühmten tschechischen Malers und Graphikers Max Švabinský. Frau Richards initiierte auch eine weitere Ausstellung der Werke ihres Vaters, die am 10. Mai 2014 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Saltskog Gård – Residenz von Carl Fredrik Liljevalch geöffnet wurde.
Im Sammlungsbestand der SNG befinden sich ungefähr 40 Gemälde, Zeichnungen und Graphiken vom akademischen Maler Aurel Kajlich. Neben Gemälden kennen wir seine Entwürfe realisierter Banknoten oder Briefmarken, Buchkunst und angewandte Graphik. Eine umfangreichere Übersicht der künstlerischen Arbeit des Autors fehlt jedoch. Aurel Kajlich studierte in den Jahren 1926 – 1929 an der Prager Kunstakademie bei Professor Max Švabinský (sein Kollege war zum Beispiel Koloman Sokol) und später, in den Jahren 1932 – 1933 an der École des Arts Décoratifs in Paris. Nach dem Studienabschluss lebte und arbeitete er in Südböhmen und in Bratislava. Kajlichs Name ist jedoch wohl am meisten mit der Stadt Piešťany verknüpft, wo er einen bedeutenden Teil seiner Jugend und des Erwachsenenlebens in der berühmten Piešťaner Villa Anna verbracht hat. Diese ließ sein Vater, Notar Anton Kajlich, in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre im Stadtpark unweit des Waagufers bauen. Die Projekte der großzügigen dreistöckigen Villa wurden von den berühmten Architekten Franz Wimmer und Andreas Szőnyi ausgearbeitet. In den Jahren 1934 – 1937 haben sich in der Villa Anna die Mitglieder der Malerkolonie Alexys – Janko Alexy, Jozef Kollár, Zoltán Palugyay, Štefan Žambor, Ladislav Čemický, Jozef Ilečko mit anderen Malern, derzeit regelmäßigen Besuchern der Stadt, wie Martin Benka, Miloš Alexander Bazovský, Ján Želibský und Aurél Bernáth getroffen.
Diese Etappe im Leben Aurel Kajlichs war fruchtbar und bedeutend, seine freie Malerkunst erreichte gerade damals ihren Höhepunkt. Aurel Kajlich niederließ sich mit seiner Familie in der Stadt auf Dauer im Jahre 1944. Seit 1948 bis zu seinem Tod lebte er in der Villa Anna und arbeitete in einem ungroßen verglasten Atelier im Erdgeschoss. Er widmete sich der Landschaftsmalerei, interessiert haben ihn jedoch vor allem Porträts. Seit den 1940er Jahren befasste er sich vorwiegend mit angewandter Graphik (Plakate, Briefmarken, Banknoten, Spielkarten), Buchkunst und Illustration.

Elena Kurincová
Gut und Blut für unsern Kaiser
Der Erste Weltkrieg (1914 – 1918) gehört zu geschichtlichen Kollektiverfahrungen, die nicht nur die Schicksale großer oder kleiner Nationen Europas, sondern auch die Leben von einzelnen Menschen und Familien deutlich beeinträchtigt haben. Der hundertste Jahrestag des Beginns des sog. Großen Krieges bietet eine Gelegenheit für Gedächtnisinstitutionen (Museen, Archive), sich detaillierter mit Sammlungen zu befassen, die den Ersten Weltkrieg dokumentieren. Das Ausstellungsprojekt des Museums der Stadt Bratislava Der Krieg von der anderen Seite (13. Mai – 12. Oktober 2014) konzentrierte sich auf die österreichisch-ungarische Kriegspropaganda als ideologisches Instrument gezielter Manipulation mit Einstellungen der Armee und Bevölkerung.
Schon am Anfang des Krieges (28. Juli 1914) entstand bei dem Armeekommando eine durch das deutsche Vorbild stark beeinflusste Propagandaabteilung – Kriegspressequartier. Das Ziel der Propaganda war es, eine einheitliche patriotische Front aufzubauen und die materiellen und menschlichen Ressourcen (Soldaten und Zivilisten) zu mobilisieren, um den Sieg im Krieg zu erreichen. Zu bewährten konservativen propagandistischen Instrumenten zählte gedrucktes Wort – Zeitungen, Zeitschriften, Publikationen, aber auch Plakate, Flugblätter, Ansichtskarten, Berichte der Frontkorrespondenten, Karikaturen, Photoalben und kleine Souvenirs oder Gebrauchsgegenstände. Bekannt sind ebenfalls performative Formen: Ausstellungen von Kunststücken, Kriegstechnik, Ausstellungen zur Unterstützung der Kriegsinvaliden, Wohltätigkeitskonzerte, Geldsammlungen zugunsten der Witwen und Waisen von gefallenen Soldaten, aber auch die ersten Film- und Tonaufnahmen – die sog. Schellackplatten.
Im Sammlungsbestand des Museums der Stadt Bratislava befinden sich zahlreiche Dokumente und Gegenstände mit Bezug zu dieser Periode im Leben der Stadtbewohner. Zum Beispiel die Bildchronik des Weltkrieges (Világháború képes krónikája) erschien seit 1914 wöchentlich in Heften und bis zum Jahre 1916 wurden 9 Bände herausgegeben. Authentische Bildberichte von Kämpfen werden durch Bleistiftzeichnungen sowie Karikaturen der Soldaten und Politiker der Entente vermittelt. Das Museum besitzt auch viele Photographien, Ansichtskarten und Kleindrucke (z. B. Kalender), aber auch Gebrauchsgegenstände – sog. patriotische Keramik, Abzeichen, Ringe usw. Das dominante Motiv der Propaganda war vor allem die betonte Rolle des Herrschers Franz Joseph I. (später auch des Kaisers Karl I.). Die Loyalität gegenüber der Monarchie wurde auch durch Staatzeichen und -farben oder Teile der Hymne demonstriert. Ein weiteres Motiv repräsentierte das Bündnis zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland, später auch das Beitreten von Türkei und Bulgarien zu den Mittelmächten. Frequentiert ist die Thematik der österreichisch-ungarischen Armee, ihrer Kommandanten, Waffen und Uniformen. Mehrere Artefakte dokumentieren die gezielte Orientierung der Propaganda auf einzelne Gruppen der Bevölkerung (Frauen, Kinder).

Martin Jarinkovič
So waren unsere Großväter. Der Erste Weltkrieg und die Ostslowakei
Das Ostslowakische Museum zu Košice startete im Jahre 2013 eine Kampagne, die sich auf Ansammlung von Geschichten und Materialen mit Bezug zu den aus Košice und Umgebung stammenden Teilnehmern am Ersten Weltkrieg orientiert. 57 Bewohner von Košice haben für die Ausstellung So waren unsere Großväter. Der Erste Weltkrieg und die Ostslowakei (27. Juni – 11. November 2014) Gegenstände geliehen, die die authentischen Geschichten ihrer Vorfahren festhalten. Sie dokumentieren mehr oder weniger gewöhnliche, manchmal tragische oder sogar heitere Geschichten von Menschen, die in die Kriegsmaschinerie eingezogen wurden. Die Aufmerksamkeit fesseln auch die abenteuerlichen Schicksale von Legionären, Matrosen – Teilnehmern an der Meuterei in der Bucht von Kotor im Februar 1918, aber auch die Schicksale von Offizieren und Soldaten, die später in russische Gefangenschaft geraten sind. Ein Unikat im ersten Teil der Ausstellung, der vom angesammelten Material aufgestellt wurde, repräsentierte das Album von Anton Brecher (1888 – 1964) mit mehr als 500 Photographien von Schlachtfeldern aus der Zeit von 3. August 1914 bis 28. Oktober 1918.
Im zweiten Teil der Ausstellung präsentierte sich Košice als die größte Garnisonstadt, Zentrum der Region und Sitz des Kommandos des VI. österreichisch-ungarischen Armeekorps. Mit Košice verbindet sich die Tätigkeit von Svetozar Boroević von Bojna (1856 – 1920), einem der bedeutendsten österreichisch-ungarischen Heerführer. Dieser ausgezeichnete Verteidigungsstratege des Ersten Weltkrieges stammte aus einer serbischen Familie, eine gewisse Zeit wirkte er im Stab der 27. Division in Košice, unterrichtete in dortiger Offizierschule und im Jahre 1896 wirkte er kurz im Stab des VI. Armeekorps in Košice. Im Mai 1904 erreichte er den Rang des Generalmajors und im nächsten Jahr wurde er in den Adelsstand erhoben. Im April 1912 wurde er Kommandant des VI. Armeekorps und nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zog er mit diesem Korps in die Kämpfe an der östlichen Front. Wegen seinen Erfolgen an der italienischen Front erhielt er den Beinamen „Löwe von Isonzo“. Am 1. Februar 1918 wurde Boroević zum Feldmarschall der österreichisch-ungarischen Armee erhoben. Er starb in Klagenfurt am 23. Mai 1920.

Miroslav Čovan
Ein Renaissance-Grabmal in Záborské
Die Untersuchung eines vergessenen Grabmals, das sekundär im Exterieur der Kapelle Hl. Johannes Nepomuk in der Gemeinde Záborské bei Prešov untergebracht wurde, lieferte interessante Feststellungen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um das Grabmal von einem Mitglied der Familie Farkas de Hassag aus Záborské, wovon die fragmentarisch erhaltene Inschrift am Umfang des Steins zeugt. Erst die allmähliche Identifizierung jedes einzelnen in Stein gehauenen Zuges brachte eine wertvolle Entdeckung. Der Autor des Beitrags entschlüsselte den Text in Zusammenarbeit mit dem ungarischen Kunsthistoriker Pál Lővei. Die Inschrift besteht aus zwei Teilen, die von völlig unterschiedlichem Ursprung sind, bzw. aus verschiedenen Quellen stammen. Verbunden sind sie jedoch dadurch, was für ale Grabinschriften typisch ist, nämlich ihre inhaltliche Orientierung auf den Tod. Die komplette Inschrift lautet: STATV[TVM] EST OMNIBV/S SEMEL MORI VITA PE/RIT MORTIS GLORIA / NON MORITVR (Übersetzung: Den Menschen ist gesetzt, einmal zu sterben. Das Leben ist zum Untergang verurteilt, nur der Ruhm Todes wird überdauern). Der erste Teil (Statutum est omnibus semel mori) ist ein Zitat aus dem neutestamentlichen Brief an die Hebräer (L – 9:27). Der zweite Teil stammt aus dem Werk Septem sapientum sententiae vom römischen Dichter Ausonius aus dem 4. Jahrhundert.
Diesen Usus kann man in unserer Region in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verfolgen. Eine Analogie finden wir im unweiten Bardejov, wo sich im Renaissance-Rathaus eine ganze Kollektion von Inschriften befindet, die vor allem von biblischen Texten ausgehen und durch ein Zitat aus dem Werk Die Catilinarische Verschwörung von Sallust ergänzt sind. Eine ähnliche Kombination von religiösem und antikem Text finden wir auch im unweiten Prešov auf einem der bürgerlichen Häuser (Hlavná-Str. 65). In den beiden Fällen wurden die Inschriften in der neuzeitlichen (Renaissance) Majuskel ausgeführt und die Renaissance-Inschriften auf dem Rathaus in Bardejov zählen zu den ältesten ihrer Art auf unserem Gebiet.
Wegen der starken Verwitterung der Inschrift aus Záborské ist es kompliziert, die Schriftart des Grabmals genau zu bestimmen. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um die neuzeitliche, bzw. frühhumanistische Majuskel. Am deutlichsten ist sie an zwei Buchstaben L und F zu beobachten, zweifellos Initialen, die im oberen Teil des zentralen Feldes ausgehauen sind. In Verbindung mit einem heraldischen Symbol, das im zentralen Feld des Steins reliefartig ausgeführt ist, handelt es sich fast mit Sicherheit um das Grabmal von einem Mitglied der Familie Farkas de Hassag, dem Scharoscher Gespan Ladislaus.

Juraj Sarkisjan
Zwei Fälschungen aus dem Museum zu Banská Bystrica
Der Artikel befasst sich mit zwei Fälschungen antiker Gefäße, die ins Mittelslowakische Museum in Banská Bystrica am Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten. Über ihren Spender stehen fast keine Informationen zur Verfügung. Bekannt ist nur der Ursprungsort, der vor allem dank Inschriften bestätigt wurde. An den beiden Gegenständen befinden sich römische Ziffern MCMIV, die vermutlich das Jahr 1904 bezeichnen, in dem die Gegenstände ins Museum gebracht wurden. Einen weiteren Hinweis bilden die Worte POETOVIO, bzw. PETOVIO, die allem Anschein nach auf den Ursprung der Fälschungen aus der heutigen Stadt Ptuj in Slowenien hindeuten.
Die Imitation einer Amphora weist einige ähnliche Züge mit Amphoren vom Typ Dressel 2-4 auf. Interessant ist sie durch ihre ungewöhnliche Form und vor allem Verzierung: 7 cm unterhalb der Henkel befindet sich eine geritzte umlaufende Wellenlinie. Sie wurde noch vor dem Brand gemacht und anhand der Ritzungsart handelt es sich höchstwahrscheinlich um Handarbeit ohne Anwendung der Töpferscheibe. Die Inschrift in der Mitte des Gefäßes: VOLCANO./ET./VENERI./SACR/VM (Übersetzung: Vulkan und Venus geweiht). Sonstige Verzierung wurde erst nach dem Brand angebracht. Der Schöpfer hatte sich wohl von einer analogen Inschrift inspirieren lassen, die in der Stadt Ptuj gefunden wurde. Bei dem Wort PETOVIO handelt es sich höchstwahrscheinlich um die fehlerhaft aufgeschriebene römische Stadt Poetovio (der volle Name lautet Colonia Ulpia Traiana Poetovio). Diese Inschrift wurde erst nach dem Ankauf der Amphora hinzugefügt, möglicherweise von dem Spender, der die Imitationen ins Museum brachte.
Das zweite Gefäß repräsentiert die Imitation eines Dreihenkelgefäßes. Seine Verzierung hat eine höhere Qualität, das Gefäß ist symmetrisch und sieht sehr authentisch aus. Es ist jedoch nicht gleichmäßig gebrannt, was es geholfen hatte (zusammen mit fachlicher Begutachtung von Prof. Istenić und der Kuratorin des Museums zu Ptuj A. Nestorović), das Gefäß als eine Fälschung zu identifizieren. Das Gefäß ist über jedem Henkel mit geometrischem und pflanzlichem Motiv verziert. Im unteren Teil befindet sich eine ähnliche Inschrift wie beim vorangehenden Gegenstand: X.VII./POETOVIO/MCMIV, die auf denselben Ursprung hinweist. Hinsichtlich der unterschiedlichen Ausführung und Qualität der beiden Exemplare lässt es sich jedoch annehmen, dass die Gefäße von zwei verschiedenen Handwerkern gefertigt wurden.

DIE KONFERENZ ICOM GLASS IN BRATISLAVA
Ein Block von Beiträgen aus der Konferenz ICOM Glass, die in Bratislava und Lednické Rovne von 28. bis 31. Oktober 2013 stattgefunden hat. Die Teilnehmer besuchten örtliche Sammlungen, Ausstellungen und weitere Veranstaltungen mit Bezug zu Glas und machten sich eine Vorstellung von der Geschichte und Gegenwart der slowakischen Glaskunst.

Jana Švantnerová
Die Glassammlung in der Slowakischen Nationalgalerie
Im Jahre 1961 entstand in der Slowakischen Nationalgalerie die Abteilung für angewandte Kunst und Industriedesign und seitdem datiert man auch die Akquisitionen der Werke der bedeutendsten slowakischen Glaskünstler – Václav Cigler, Jozef Vachálek, Juraj Gavula, Ivan Polák, Marián Mudroch, Askold Žáčko, Jozef Tomečko, Pavol Tomečko, Eva Dolejšiová-Fišerová, Jiří Boháč, Štěpán Pala, Zora Palová, Ladislav Pagáč, Karol Drexler, Eva Ilkovičová-Potfajová, Milan Gašpar, Juraj Opršal, Ján Mýtny, Miloš Balgavý d. J., Patrik Illo,  Ľubomír Blecha, Ján Zoričák, zusammen mit ausländischen Autoren. Der Sammlungsbestand wurde regelmäßig durch die Produktion der Glashütte in Lednické Rovne ergänzt. Dabei handelte es sich nicht nur um historische Stücke, sondern auch um die Werke der Stammdesigner Karol Hološko, Jaroslav Taraba, Dagmar Kudrová, Ladislav Pagáč, Juraj Steinhübel und Jozef Kolembus. Die Sammlung enthält auch 32 Exemplare von Gebrauchsglas aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die aus der Hinterlassenschaft der Baronin Margita Czóbel (1891 – 1972) aus Strážky stammen.

Zsófia Kiss-Szemán
Glaskunstwerke im Sammlungsbestand der Galerie der Stadt Bratislava
Die Galerie der Stadt Bratislava (GMB) verfolgt nicht die Geschichte oder Entwicklung von Glas, ab und zu präsentiert sie jedoch eine Glasausstellung. In ihrem Sammlungsbestand befinden sich Glasgegenstände, die die Grenze von Gebrauchsglas überschreiten und erfüllen die Kriterien freier Kunst. Die ersten Akquisitionen stammen aus den 1970er und 1980er Jahren – Objekte von Ľubomír Blecha, Ján Sucháň, Askold Žáčko, Ján Mýtny, Milan Dobeš. Aus den 1990ern stammen die Werke der Glaskünstler Milan Pagáč, Viktor Oravec, Miloš Balgavý oder Ladislav Čarný, der nur sporadisch mit Glas und Spiegeln arbeitete. Nach dem Jahre 2000 sind zu den Sammlungen der GMB nicht nur drei Objekte von Patrik Kovačovský hinzugekommen, die ursprünglich für die EXPO in Hannover gefertigt wurden, sondern auch die Arbeiten von Dale Chihuly, das Geschenk von einem Autor mit slowakischen Wurzeln. In letzter Zeit kaufte die GMB zwei Werke von dem jungen russisch-slowakischen Glaskünstler Ašot Haas. Seine Werke, die oft an Neo-op-art erinnern, bildet er unter Anwendung individueller Technik und Genauigkeit des Wechsels von negativer und positiver Form.

Katarína Beňová
Gegenwärtige Glaskunst in der Slowakei und die Galerie NOVA
Die Bildhauerarbeiten aus Glas, das sog. Studioglas, haben in der Slowakei eine langjährige Tradition. Schon im Jahre 1965 gründete man an der Hochschule für bildende Künste in Bratislava das Atelier Glas in Architektur unter der Leitung von Václav Cigler. An den Beitrag dieser wichtigen Persönlichkeit der Geschichte der Glaskunst in der Slowakei entschied sich die Galerie NOVA anzuknüpfen – eine der ältesten Privatgalerien, die nach dem Jahre 1989 gegründet wurden. Nach einer anspruchsvollen Rekonstruktion begann die Galerie NOVA seit 2007 zielbewusst im Bereich von zeitgenössischem Glas zu arbeiten und zu ihrem Ziel wurde die Unterstützung von gegenwärtiger slowakischer Glaskunst, Design und teilweise auch Bildhauerei nicht nur in der Slowakei, sondern auch im Ausland. In den ersten Jahren ihrer Existenz veranstaltete die Galerie zum Beispiel Ausstellungen der Glaskünstler Václav Cigler, Pavol Hlôška oder Lukáš Mjartan. Für die Zwecke einer besseren Auswertung der Glaskunstszene hat die Galerie NOVA einen spezialisierten Preis für die slowakischen und tschechischen Glaskünstler und neuerlich auch für die in der Tschechei oder Slowakei wirkenden ausländischen Künstler eingeführt. Die bisherigen Sieger: Ašot Haas, SK (2007), Ondřej Strnadel, CZ (2009), Martin Hlubuček, CZ (2011), Petr Stanický, CZ (2013).

Maroš Schmidt
Glas im Haushalt
Der Autor, Kurator des unlängst gegründeten (August 2014) Slowakischen Design-Museums (SMD), ist Designer und begeisterter Sammler von dem Nachkriegsdesign mit Bezeichnung Made in Czechoslovakia. Seit Juni 2011 konnte er zusammen mit den Mitgliedern des Verbands Ostblok Hunderte von Haushaltsprodukten, vereinzelten Prototypen, Zeichnungen und technischen Dokumentationen ansammeln. Die Tschechoslowakei gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den größten Weltproduzenten mit Rücksicht auf das Volumen der Produktion und Verschiedenheit des Designs, in dem sie an ausgezeichnete Traditionen der heimischen Industrie der Zwischenkriegszeit anknüpfte. Die SMD besitzt gegenwärtig eine Sammlung von mehreren Tausend Objekten von Produkt-, Graphik- und Textildesign,  angewandter Kunst, Handwerk, Photographie und Architektur. Sie umfasst natürlich auch Gebrauchsglas, in tschechischen und slowakischen Haushalten der Nachkriegszeit weit verbreitet in Form von Vasen, Bechern, Flaschen, Leuchtkörpern, Zitruspressen, Aschenbechern, Kochglas oder den typischen Senfgläsern, die sekundär zum Beispiel als Kaffeebecher verwendet wurden.

Ján Kautman
Die Publikation Volkstümliches Glas
In der zweiten Hälfte des Jahres 2013 hat das Zentrum für volkstümliche Kunsthandwerke in Bratislava die Publikation Volkstümliches Glas herausgegeben. Sie repräsentiert ein gemeinsames Werk der Ethnologin und Kunsthistorikerin Irena Pišútová, einer langjährigen Mitarbeiterin des heutigen Historischen Museums des Slowakischen Nationalmuseums, und des Naturwissenschaftlers, Sammlers und Photographen, heute Direktors des Naturwissenschaftlichen Museums des Slowakischen Nationalmuseums, Ján Kautman. Dem volkstümlichen Glas wurde bisher in unserer Literatur über Glas fast keine Aufmerksamkeit geschenkt. Die Publikation Volkstümliches Glas präsentiert in Wort und Bild das Phänomen der slowakischen volkstümlichen Glasproduktion, die durch einfache Formen von geblasenem Glas in Verbindung mit einem fast streng zweckmäßigen Design und diskreten Dekor charakterisiert ist. Die Autoren dokumentieren auch die Geschichte slowakischer Glashütten im 18. – 20. Jahrhundert, die verschiedene Gebrauchs- sowie dekorative Glasprodukte für alle Sozialschichten hergestellt haben.

Iveta Zuskinová
Das Salzamt in Liptovský Hrádok
Das historische Gebäude, das als Salzamt bekannt ist, wurde im Jahre 1770 für die Bedürfnisse des Kammerforstamtes gebaut. Da es sich in einem gemeinsamen Areal mit dem Gebäude des Salzlagers befand, begann man es als Salzamt zu bezeichnen. Dazu ist später noch die Benennung Kupferamt hinzugekommen, die bis heute unter den Ortsbewohnern geläufig ist.
Als zum Präfekt des Kammergutes in Liptovský Hrádok im Jahre 1795 Franz Wissner (1740 – 1831) wurde, errichtete er in der Stadt außer mehreren technischen und industriellen Anlagen auch eine Forstwirtschaftsschule, die erste ihrer Art in Ungarn. Zur Zeit seiner Wirkung entstand vermutlich die künstlerische Ausschmückung der Räume des Gebäudes mit preußischen Gewölben mit Stuck- und Malverzierung in Form von illusorischen Gemälden mit pflanzlichem und geometrischem Ornament. Der Autor der malerischen Ausschmückung ist nicht belegt, sie entstand jedoch um 1800, ungefähr zu derselben Zeit wie die Ausschmückung der Kirche in Liptovský Hrádok, die vom Maler Jozef Lerch aus Levoča gefertigt wurde. Das Museum für Volkskunde in Liptovský Hrádok verlor im Jahre 2001 seinen ursprünglichen Sitz durch den Verkauf der hiesigen Burg und des Herrenhauses und sollte aufgelöst werden. Nach einer großen Anstrengung der Museumsarbeiter konnte man die Stadtbehörde überzeugen, für das Geld von dem Verkauf der Burg und des Herrenhauses das zwar verödete, aber wertvolle historische Gebäude des ehemaligen Salz- und Kupferamtes zu kaufen, um darin den neuen Sitz des Museums zu errichten.
Im Jahre 2002 begann die Rekonstruktion des Gebäudes des Museums für Volkskunde und dank einem Vertrag zwischen dem Liptauer Museum und der Nationalgalerie über die Entwicklung von kleinen und mittleren Unternehmen aus dem August 2004 konnte man Finanzmittel für den Aufbau einer einzigartigen Dauerausstellung der Hirtenkultur gewinnen. Dieses Phänomen könnte die Entwicklung des Tourismus in dieser Region unterstützen. Im Jahre 2007 wurde das Gebäude zu einem nationalen Kulturdenkmal erklärt und in den folgenden Jahren verlief dann eine anspruchsvolle Restaurierung der Innenräume im Geiste der ursprünglichen Ausmalung und Stuckverzierung. Dank Begeisterung von allen, die sich an der Restaurierung dieses wertvollen Denkmals beteiligt haben, bekam das Gebäude seine ursprüngliche Gestalt zurück, die ihm einst die Präfekten des Kammergutes eingeprägt haben.

Petra Kalová
Der Getreidesilo und Lagerplatz der Ludwigsmühle in Bratislava
Der Getreidesilo und das Lager C sind die einzigen erhaltenen industriellen Denkmäler der ehemaligen Dampfmühle von Gottfried Ludwig in der Krížna-Straße im breiteren Zentrum Bratislavas. Die Industrieentwicklung in diesem ursprünglich agrarischen Teil der Stadt startete mit der Erbauung der Pferdebahn nach Trnava im Jahre 1846. Der deutsche Händler Ludwig kam nach Bratislava im Jahre 1850, gewann die Grundstücke entlang der obengenannten Eisenbahn, im Jahre 1880 kaufte eine der Mühlen, die schon seit dem 18. Jahrhundert in der Krížna-Straße standen und hat sie in eine Dampfmühle umgewandelt. Später überging die Mühle mit sämtlichen Anlagen in den Besitz der Firma Bratislavaer Mühlen, Aktiengesellschaft. In den 1930er Jahren repräsentierte diese Gegend eine der hochentwickelten industriellen Teile Bratislavas. In unmittelbarer Nähe der Ludwigsmühle stand die Brauerei Stein, unweit davon befand sich die Textilfabrik Danubius und der neue städtische Schlachthof. Das Areal der Mühle hat mehrere Bauphasen erlebt. Nach einem Brand im Jahre 1921, bei welchem die Mühle ausbrannte, baute man eine neue Mühle und andere Anlagen mit Nachdruck auf Feuerbeständigkeit. In den Jahren 1934 – 1937 entstanden hier ein moderner Getreidesilo, neue Mehllager, eine Getreidereinigungsanlage usw. In den Jahren 1947 – 1950 baute man in dem Areal die Lager A und B, das Lager D mit einem Bürogebäude, Wohnungen und Garagen. Der bis heute erhaltene Stahlbeton-Getreidesilo vom Jahre 1934 war seinerzeit technologisch außergewöhnlich hochentwickelt und architektonisch interessant. Erhalten blieb auch ein Etagenspeicher, das sog. Lager C, das zur klassischen Getreidelagerung diente.