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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 3/2017

22. februára 2018
JAHRESPREISE  2016  DER  REVUE  PAMIATKY  A  MÚZEÁ

Dušan Buran

Ein unbekanntes flämisches Grisaille-Manuskript aus Betliar

Die Fundumstände des wertvollen illuminierten Manuskripts aus dem 15. Jahrhundert im Schloss Betliar sind tatsächlich bizarr: die jahrzehntelang ungeöffnete Schublade einer barocken Kommode barg ein Miniaturmanuskript Das Stundenbuch von Ilona Andrássy, das dem flämischen Atelier von Willem Vrelant zugeschrieben wird. Sein Wert ist in unseren öffentlichen Sammlungen gar nicht schätzbar, weil man es kaum mit etwas anderem vergleichen kann. Es enthält sogar eine Dedikation: „ Für meine liebste Enkelin Ilona Andrássy. Juni 1934“, so dass wir auch seine letzte Besitzerin kennen.

„Stundenbücher“ sind mittelalterliche Gebetbücher, meistens im Taschenformat, die für Privatandachten bestimmt waren. In westeuropäischen Manuskript-Sammlungen repräsentieren sie einen der meistverbreiteten Typen der Buchmalerei. In der Einleitung enthalten sie am meisten einen Kalender, das Kernstück bildete ein marianisches Offizium (officium Beatae Mariae Virginis), das meistens noch durch das Totenoffizium (officium mortuorum) ergänzt wird. Gewöhnlich erbte man die Stundenbücher von einer Generation zur anderen und das ist vermutlich auch der Grund, warum im Westen bis heute relativ viele Exemplare in einem ausgezeichneten Zustand erhalten blieben – z. B. Livre d'heures de Jeanne d'Évreux (1324 – 1328), Très Riches Heures du Duc de Berry (1412 – 1416) oder Grandes Heures de Rohan (1430 – 1435). Der Miniaturkodex aus Betliar wurde zur selben Zeit geschrieben und illuminiert, ungefähr zwischen den Jahren 1460 – 1480. Sein lederner Bucheinband stammt vermutlich erst aus dem 19. Jahrhundert (85 × 65 × 30 mm) und er schützt 267 Folien. Auf den Folien 2r – 13v befindet sich der Kalender. Anhand des Spektrums der Heiligen, bzw. Patronen der Diözese kann man auf die lokalen liturgischen Gewohnheiten schließen. In unserem Fall haben wir allem Anschein nach mit der Region Gent – Brügge zu tun. Die Folien enthalten fünfzehn illuminierte Doppelseiten mit Figuralszenen, die als Trennung zwischen einzelnen Gebeten gedient haben. Die Folien mit bescheidenerer Verzierung tragen nur federgezeichnete Initialen, auch fleuronée genannt, die durch blaue und rote Farbe und manchmal auch Vergoldung hervorgehoben sind. Den Höhepunkt der Verzierung bilden Figuralszenen, die der Illuminator entweder in eine bergige Landschaft mit weitentferntem Horizont (König David, Mariä Heimsuchung, Verkündigung an die Hirten, Flucht nach Ägypten usw.) oder ins Interieur (Urteil des Salomon, Verkündigung, Darstellung im Tempel, Hl. Hieronymus im Gehäuse usw.) situierte. Sie sind einzigartig auch wegen eines spezifischen Stils der Malerei mit reduzierter Farbigkeit in Grauskala – grisaille.

In einem breiteren Kontext wird Das Stundenbuch von Ilona Andrássy aus Betliar bald zum Objekt der internationalen Forschung werden und sicherlich vertieft es auch die Kenntnis der flämischen Buchmalerei des dritten Viertels des 15. Jahrhunderts.

 

Ján Aláč

Die Tauchtechnik-Sammlung von Peter Ferdinandy aus Revúca

Mit der umfangreichen Sammlung historischer Tauchtechnik von Peter Ferdinandy aus Revúca kam das Gemer-Kleinhont-Museum in Rimavská Sobota (im Folgenden nur Museum) in Kontakt zum ersten Mal im Jahre 2005, als hier die Ausstellung Tauchen gestern und heute veranstaltet wurde. Im Jahre 2016 gewann das Museum endlich die nötigen Finanzmittel für den Ankauf dieser bemerkenswerten und in der Slowakei vereinzelten Sammlung.

Die Anfänge des Höhlentauchens in der Region Gemer-Kleinhont reichen bis in die 1950er Jahre zurück. Der Sammler Peter Ferdinandy (1948) aus Revúca gehörte in den 1970er Jahren zu den Pionieren des Tauchens in der Slowakei. Er beteiligte sich an der Gründung des Tauchsportklubs – Vega Lubeník (1976), wirkte als Instruktor der Tauchausbildung vor allem in der Ostslowakei. Unter seinen Aktivitäten war auch die Arbeit unter Wasser und das Höhlentauchen. Bis heute hilft er bei Aktionen, die sich auf die Erforschung der überschwemmten Höhlen in den Karstgebieten von Tisovec und Muráň konzentrieren. Er hat auch an der Herausgabe mehrerer Bücher über das Tauchen, die Tauchausrüstung und das Höhlentauchen zusammengearbeitet. Er wurde Instruktor mit der höchsten Tauchqualifikation im Rahmen der Slowakei mit drei CMAS-Sternen (Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques – Internationaler Tauchsportverband). Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Tschechischen historischen Tauchergesellschaft (HDS CZ), die sich mit der Tauchgeschichte in der Tschechischen Republik und der Slowakei beschäftigt. Die Sammlung von Peter Ferdinandy entstand während seiner aktiven Tauchtätigkeit und dank seiner professionellen und freundschaftlichen Kontakte innerhalb dieser Gemeinschaft in der Slowakei und im Ausland. Der Sammlertätigkeit widmete er vierzig Jahre seines Lebens und ungefähr die gleiche Zeit hat er die Gegenstände auch ausgestellt. Die Sammlung umfasst Originale der Tauchausrüstung von europäischer sowie außereuropäischer Provenienz, einschließlich verschiedener selbstgebastelter Teile – Messer, Batterien, Schnorchel, Tauchmasken oder Tiefenmesser. Eine große Gruppe bilden die Schutzhüllen zum Photographieren und Filmen unter Wasser. Einen interessanten Bestandteil der Sammlung repräsentiert der selbstgebastelte Unterwasserroller aus dem Jahre 1990.

Zeitlich gesehen umfasst die Sammlung die Entwicklung der Tauchausrüstung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den 1960er – 1980er Jahren. Sie enthält Komplete von Tauchanzügen, Westen, Handschuhe, Schuhe, Beatmungsgeräte, Flossen, einen Satz von Druckluftflaschen und Wiederbelebungsgeräten, Schlauchboote. Außerdem enthält die Sammlung auch die Anleitungen zur Ausrüstung, Tauchhandbücher und verschiedene Kleindrucke. Insgesamt handelt es sich um 504 Sammelobjekte.

 

Peter Barta – Anna Gondová

Die Kelten aus Bratislava

Die Ausstellung Die Kelten aus Bratislava (Slowakisches Nationalmuseum-Historisches Museum Bratislava, 14. Dezember 2016 – 1. Oktober 2017) bietet den Besuchern einen eindrucksvollen Einblick in eine Zeit, in der auf dem Gebiet der heutigen slowakischen Hauptstadt die erste Ethnie gelebt hat, die bei uns unter einem Namen bekannt war – die Kelten. Vor mehr als 2 000 Jahren erstreckte sich auf heutigem Gebiet Bratislavas ein keltisches Oppidum, dessen Grenzen sogar über die Ausmaße der späteren mittelalterlichen Stadt hinausgegangen sind. Die Existenz dieser Siedlung wird durch zahlreiche archäologische Funde bestätigt – authentische Gegenstände oder architektonische Überreste. Den Reichtum dieses Oppidums repräsentieren vor allem die Funde aus der Bratislavaer Burg. Auf dem Burgberg, der damaligen keltischen Akropolis, fand man Überreste von Gebäuden, die an einen in dieser Region bis dahin beispiellosen Luxus schließen lassen. Für die keltische Bevölkerung wurden sie vermutlich von römischen Handwerkern gebaut, denn die Analogien zum Fußboden vom Typ opus signinum, der auf der nördlichen Terrasse der Bratislavaer Burg entdeckt wurde, fand man in Pompeji, Herculaneum oder Paestum. Die Kelten haben auf das Gebiet der heutigen Slowakei bis dahin unbekannte Erfindungen mitgebracht: Töpferscheibe, Schere oder Drehmühle. Sie waren geschickte Schmiede und Künstler, die thematisch aus ihrer reichen Mythologie geschöpft haben. Mit keltischen Münzern begann die Ära der Münzprägung auf heutigem Gebiet der Slowakei. Deswegen repräsentiert die Münze vom Typ Biatec aus Bratislava das Symbol der Slowakischen Nationalbank.

Die Ausstellung Die Kelten aus Bratislava fand zum ersten Mal im italienischen Perugia im Jahre 2016 statt, während der EU-Ratspräsidentschaft der Slowakei, und innerhalb dieser vier Monate wurde sie von mehr als dreißigtausend Besuchern besichtigt. Anschließend zog sie in die unterirdischen Räume der Bratislavaer Burg um, die in situ mit dem Leben der keltischen Elite auf der Akropolis der keltischen Stadt verbunden sind. Die Installation der Ausstellung mündete auf eine natürliche Weise in konservierte Mauerreste und Fußböden von kelto-römischen Bauten des 1. Jahrhunderts v. Chr., die unter dem Innenhof der Burg erhalten blieben.

 

Zuzana Koblišková

Traum × Wirklichkeit. Kunst & Propaganda 1939 – 1945

Als im Jahre 2012 die Wände der Slowakischen Nationalgalerie in Bratislava in allen Fugen gekracht haben, weil die Ausstellung über die Kunst des sozialistischen Realismus Das unterbrochene Lied außergewöhnlich gut bei den Besuchern angekommen ist, war die Verwunderung noch angebracht. Derzeit war es noch die Regel, dass in Vernissagen und öffentlichen Sonntagsführungen mit einem Lektor immer dieselben Leute erschienen sind. Diese Zeiten sind schon lange vorbei. Die Slowakische Nationalgalerie weiß gut, wie die Besucherzahl zu erhöhen. Meistens lockt sie nicht mit klangvollen Namen aus dem Ausland, sondern setzt eher auf heimische Künstler. Am wichtigsten ist es aber, dass sie mit größeren Projekten über die Grenzen der Galerientätigkeit hinausgeht und einen breiteren historischen und gesellschaftlichen Kontext der bildenden Kunst in ausgewählten Perioden oder Themen nachverfolgt. Neben der Kunst präsentiert sie auch die Nicht-Kunst, den Kitsch oder die Aspekte des Alltagslebens. Die Ausstellung Traum × Wirklichkeit. Kunst & Propaganda 1939 – 1945 (20. Oktober 2016 – 26. Februar 2017) wurde von 26 000 Besuchern besichtigt. Der Bedarf an Aufklärung und Bildung der Öffentlichkeit während der 114 Ausstellungstage erforderte mehr als 30 Begleitprogramme.

Die Ära des Ersten Slowakischen Staates (1939 – 1945), der während des Zweiten Weltkrieges mit dem Dritten Reich kollaborierte, gehört immer noch zu denjenigen Perioden unserer Geschichte, mit denen wir uns nicht ausreichend abgefunden haben. Auch deswegen war es nötig, seine Kunst empfindlich zu präsentieren, mit Rücksicht auf die gefährlichen Fallen der Propaganda, die sie in den meisten Fällen produzierte und die auch heute noch ideologisch abwegige Ressentiments hervorrufen kann. Die Kuratorinnen Katarína Bajcurová, Petra Hanáková und Bohunka Koklesová haben nicht geschulmeistert, sondern, im Gegenteil, einen Raum geschaffen, an dem die Paradoxe dieser Geschichtsperiode klar zu sehen waren. Es ist lobenswert, dass die SNG eine selbständige Internetseite http://senxskutocnost.sng.sk vorbereitet hat, die die Geschichte des Ersten Slowakischen Staates in vier Kapiteln darlegt: Halbwegs zum Slowakischen Staat; Eine Nation, eine Partei, ein Führer; 70 000 Opfer und Ernüchterung vom Traum. Einzelne Kapitel sind voll von multimedialen Hinweisen, sie klären die Begriffe und fordern die Besucher auf, weitere Kontexte zu erforschen.

 

Katarína Kolbiarz Chmelinová

Levoča – ein neuer Beitrag zur „Denkmalliste“

Auf unserem Buchmarkt erschien unlängst ein neuer, nämlich der dritte Band der Edition Nationale Kulturdenkmäler in der Slowakei – Levoča. Herausgegeben wurde er von dem Denkmalamt der Slowakischen Republik in Zusammenarbeit mit dem Verlag Slovart GmbH, unter finanzieller Unterstützung des Kulturministeriums der Slowakischen Republik und mit Teilunterstützung der Agentur zur Förderung der Forschung und Entwicklung.

Nach Darlegung der historischen Entwicklung des betreffenden Ortes folgt eine Übersicht seiner urbanistischen, architektonischen und kunsthistorischen Entwicklung. Im Fall der alten Stadt Levoča, die bereits 1950 für ein städtebauliches Denkmalschutzgebiet erklärt wurde und seit 2009 auch in der UNESCO-Welterbeliste eingetragen ist, haben diese Einleitungsabschnitte beinahe 80 Seiten eingenommen. Danach folgt ein Katalog der Denkmäler der Stadt und der Stadtteile mit Grundangaben über die historischen Namen, das Wappen oder die Lage des betreffenden Objektes. Die in Gruppen angeordneten Denkmäler, von öffentlichen Gebäuden über bewegliche sowie unbewegliche Sakraldenkmäler, bürgerliche Häuser, historische Denkmäler bis zu bildkünstlerischen oder technischen Denkmälern, sind mit einer Nummer aus der Zentralliste der Denkmäler und mit dem charakteristischen Piktogramm des betreffenden Typs der Denkmäler gekennzeichnet. Die Publikation ist reich illustriert mit farbigen sowie schwarzweißen zeitgenössischen Photographien und Karten und mit einem Verzeichnis der Quellen und der benutzten Literatur, dem Namen- und Ortsregister und einer Liste der benutzten Abkürzungen versehen.

Die Editorinnen der Publikation waren Norma Urbanová, Barbora Kosová und Ľubica Szerdová-Veľasová, Fachgarantin des Projektes der langzeitigen Buchedition Nationale Kulturdenkmäler. An dem Buch hat ein großes Kollektiv der Facharbeiter von drei Generationen der slowakischen Denkmalpfleger zusammengearbeitet. Auf 680 gedruckten Seiten, die mit Hunderten von Archivdokumenten, Karten, zeitgenössischen sowie gegenwärtigen Photographien illustriert sind, legt das Buch der Fach- sowie Laienöffentlichkeit die bisher umfangreichste Übersicht der Denkmalwerte der Stadt Levoča vor – eines der besterhaltenen historischen urbanistischen Komplexe in der Slowakei und gleichzeitig eines der Juwele des Weltkulturerbes.

 

Viera Drahošová

25 Jahre der heimatkundlichen Zeitschrift Záhorie

Die Zeitschrift Záhorie entstand in Skalica, einer Stadt in der Westslowakei mit reicher Kultur-, Herausgeber- und Drucktradition. Bei ihrer Entstehung im Jahre 1991 übernahm die Zeitschrift Záhorie auf der slowakischen Seite des Flusses March teilweise die Funktion der populären heimatkundlichen Zeitschrift Malovaný kraj (Gemalte Landschaft), die sich nach Jahrzehnten ihrer erfolgreichen Wirkung im mährischen (tschechischen) sowie slowakischen Teil des Marchgebietes auf das mährische Gebiet beschränkt hat.

Die Zeitschrift entstand von Anfang an unter der Schirmherrschaft des Museums der Region Záhorie in Skalica, neben seinen Haupttätigkeiten. Das fachliche Niveau der Zeitschrift garantierten in den ersten Jahren mit ihrer Reputation die Persönlichkeiten aus dem Bereich der Gesellschaftswissenschaften – Konštantín Palkovič, Jozef Novák, Rudolf Krajčovič, Eva Fordinálová und viele andere. Die Zeitschrift konzentriert sich von ihrem ersten Jahrgang an auf die Präsentation der Geschichte, Traditionen, Kultur und Natur der Region Záhorie. Sie bringt Beiträge aus dem Bereich der Archäologie, Geschichte, Ethnologie, Linguistik, Musikologie, Naturwissenschaften, der bildenden Künste, Literatur, des Theaters, der Musik und des religiösen Lebens. Sie stellt bedeutende Persönlichkeiten der Region vor, macht auf wichtige Jubiläen aufmerksam, berichtet über die wichtigsten kultur-gesellschaftlichen Ereignisse, präsentiert neue Forschungsergebnisse des Museums der Region Záhorie sowie der anderen sammlungsbildenden und kulturellen Institutionen, präsentiert die Museumssammlungen, bringt Rezensionen der Editionsproduktion des Museums und der anderen Publikationen im Rahmen der Region und mit dem Thema der Region.

Die Zeitschrift erscheint jede zwei Monate in einer Auflage von zweitausend Exemplaren, im A5-Format, auf mindestens 32 vollfarbigen Seiten. Das Ergebnis der bisherigen 25-jährigen Arbeit widerspiegelt sich in den 148 Ausgaben des Periodikums sowie in einigen selbständigen Beilagen, die sich mit Profilen einzelner Gemeinden in der Region Záhorie beschäftigen. Dies repräsentiert mehr als 4 500 Druckseiten und fast eine Viertelmillion Ausdrucke.

 

Ivan Staník

Die Stadtbefestigung von Trnava und ihre denkmalpflegerische Erneuerung

Der erste Bericht über den Aufbau des Fortifikationssystems der Stadt Trnava, oder eher der unspezifizierten Stadtgräben, ist schon aus einer Urkunde mit der angeblichen Jahreszahl 1258 bekannt. Die diplomatische Kritik hat jedoch ein späteres Entstehungsdatum dieser Urkunde nachgewiesen, etwa am Anfang des 14. Jahrhunderts. Das Wehrsystem bestand aus insgesamt etwa dreißig Türmen von quadratischem Grundriss, die aus Backsteinen gebaut und regelmäßig in einem fast symmetrischen rechteckigen Schema angeordnet waren, in dem sie miteinander durch eine Erdwallkonstruktion verbunden waren. Am Ende der 1960er Jahre begann sich die Idee der Erhaltung und Präsentation der Stadtbefestigung von Trnava herauszubilden. Zu dieser Zeit war die historische Bebauung innerhalb der Stadtmauern noch in vollem Maße erhalten, befand sich jedoch in einem relativ schlechten bautechnischen Zustand. Die Befestigung war mit späteren Anbauten überdeckt, die es nicht erlaubt haben, den Erhaltungsgrad der ursprünglichen Konstruktionen genauer abzuschätzen. Nach Entfernung der unerwünschten Anbauten sollte die Befestigung an beiden Seiten von einem Grüngürtel umsäumt sein.

Im Jahre 1969 begann die geodätische Vermessung des aktuellen Zustandes der drei Kilometer langen Stadtbefestigung von Trnava mit verschiedenem Grad der Erhaltung (bzw. Nichterhaltung) der Architekturen, man hat die Methodik erarbeitet und die Projektdokumentation der baulichen Erneuerung vorbereitet. Die Arbeiten wurden zuerst durch den Abbruch der Anbauten kompliziert und später, in der Etappe der Realisation, durch eine falsch angewandte Technologie, infolge welcher der rekonstruierte Bau mit der Zeit in großem Umfang zerfallen ist.

Im Jahre 1990 hat die Stadt Trnava als Investor der anspruchsvollen Erneuerung und Revitalisierung der Stadtbefestigung die denkmalpflegerischen Institutionen abgelöst. Die architektonisch-historischen Untersuchungen jedes einzelnen Objektes oder Abschnittes der Stadtmauer sowie die archäologische Erforschung ihrer untergegangenen Teile werden aber weiterhin in Zusammenarbeit mit Denkmalpflegern durchgeführt. Heutzutage beendet man allmählich die Erneuerungsarbeiten an diesem bedeutenden Denkmal. Einzelne Abschnitte der Befestigung in Form von Laufgängen, Türmen, Basteien und Flächen an der Stadtmauer werden schrittweise zugänglich gemacht und die ausgedehnte Fortifikation gliedert sich allmählich in den Organismus der Stadt ein.

 

Jozef Dorica

Restaurierung der Rotunde Hl. Georg bei Nitrianska Blatnica

Die Rotunde Hl. Georg steht bis heute auf einem felsigen Vorsprung unter dem Fuß des Berges Marhát inmitten des Inovec-Gebirges. Gebaut wurde sie als Bestandteil einer über ungefähr fünf Jahrhunderte andauernden unbekannten Besiedlung, die anhand der Ergebnisse der archäologischen Forschung am Anfang des 9. Jahrhunderts entstand und während des 13. Jahrhunderts allmählich untergegangen ist. Sie gehört zum Außenbereich der Gemeinde Nitrianska Blatnica. Die Rotunde befindet sich ungefähr 5 km nordwestlich der Gemeinde und ist durch einen Waldweg zugänglich.

Die Rotunde besteht aus einem Schiff mit Apside mit umfangreich erhaltenem ursprünglichem Mauerwerk. Einen jüngeren Teil der Rotunde bildet der einfache, einräumige Anbau der Klause. Sie repräsentiert den einzigen erhaltenen Bau dieses Typs in der Slowakei. Nach Revitalisierung der Rotunde im 16. Jahrhundert entstand auch die Tradition eines Wallfahrtsortes, die kontinuierlich bis heute andauert. Verbunden ist sie mit Verehrung des Patrons der Rotunde – des heiligen Georg. Mit ihrer mehr als 400-jährigen Tradition zählt sie somit zu den ältesten Wallfahrtsorten in der Slowakei.

Eine tiefere Erkennung der Rotunde bei Nitrianska Blatnica begann erst im Jahre 1973. In weiterer Umgebung des Ortes entdeckte man zwei großmährische Gehöfte. Die Forschung hat gezeigt, dass die Rotunde spätestens um die Mitte des 11. Jahrhunderts gebaut wurde, einige wichtige bauliche und historische Indizien lassen sogar auf eine frühere Herkunft schließen. Die Ergebnisse der archäologischen Forschung deuteten außerdem an, dass die Rotunde auf einem älteren großmährischen Fundament aufgebaut wäre. Es war nötig, eine eingehende restauratorische Untersuchung der Wände durchzuführen, nach welcher sofort die restauratorischen Arbeiten folgen sollten. Die Ergebnisse der restauratorischen Forschung haben gezeigt, dass an den ursprünglichen Wänden im Interieur der Rotunde nur noch Fragmente der Barockputze erhalten blieben, die keine bildkünstlerische Verzierung tragen. Der Restaurator Jozef Dorica setzte die Idee durch, neben der restaurierten Barockarchitektur auch die älteste erhaltene Bausubstanz der Rotunde und ihr Erscheinungsbild zu präsentieren. Dank dieser Konzeption konnten die barocken Putzreste von den ursprünglichen Wänden des Schiffs und der Apside komplett entfernt werden, um auch das älteste Erscheinungsbild des Interieurs freizulegen. Und das alles ohne jede Eingriffe in die barocken Baukonstruktionen und ihre dekorativen Details.

Die Restaurierung des Interieurs der Rotunde hat zu einer genaueren Datierung der Entstehung des Baus beigetragen. Zu den wichtigsten Funden gehört die Entdeckung einer ursprünglichen Fensteröffnung und zweier Konsekrationskreuze, die die Entstehung der Rotunde in die vorromanische Periode verschoben haben. Die Rotunde Hl. Georg bei Nitrianska Blatnica mit großem Umfang des erhaltenen ursprünglichen Mauerwerks repräsentiert somit die älteste stehende Rotunde nicht nur im Rahmen der Slowakei, sondern auch innerhalb eines breiteren mitteleuropäischen Raumes.

 

Anton Števko

Die Jahresbräuche von Zlaté Moravce im Žitava-Tal

Das Museum des Neutraer Landes in Nitra bemüht sich, die traditionellen Bräuche vor allem den Jugendlichen nahe zu bringen. Deswegen organisiert es schon einige Jahre in seiner Zweigstelle in Zlaté Moravce die Veranstaltung Die Jahresbräuche im Žitava-Tal. Im Jahre 2012 begann man mit dem Versuch einer kreativen Werkstatt, wo die örtlichen Schulkinder vor Weihnachten unter der Leitung der Lektorinnen Lebkuchen gebacken haben. Im Jahre 2013 ist zu den Weihnachten auch der Fasching hinzugekommen und seit dem nächsten Jahr entwickelte sich das Projekt schon allmählich in die Form der ganzjährigen Veranstaltungen, wie man sie dann 2016 realisierte.

Den Zyklus von Veranstaltungen haben die Organisatoren chronologisch geordnet, nach der Aufeinanderfolge der Kalenderbräuche oder nach dem traditionellen Termin der Ausübung von betreffenden Aktivitäten – von Vorführungen des Federnschleißens, Spinnens und Webens über den Fasching, die Osterbräuche, das Erntedankfest, die Pflaumenlese bis zu den Vorweihnachts- und Weihnachtsbräuchen. Solchen Fortgang wählten sie anhand der Ergebnisse der ethnologischen Forschung vor Ort und Möglichkeiten der Folkloregruppen, die im Rahmen der Programme aufgetreten haben. Jede Veranstaltung umfasste das Einleitungswort eines Ethnologen über den präsentierten Brauch, kreative Werkstatt für die Schuljugend und gleichzeitig die Zubereitung und Verkostung der traditionellen Gerichte in Bezug auf das Thema. Die Aktivitäten haben sich in den ungroßen Ausstellungsräumen des Museums abgespielt, die nur 70 – 80 Leute auf einmal fassen, deswegen wiederholte man die Vorführungen auch mehrmals am Tag.

Der Hof des Schlosses, in dem das Museum in Zlaté Moravce siedelt, wird zwar von dem Stadtzentrum für Kultur und Sport verwaltet, aber das Museum arbeitet mit dem Zentrum aktiv zusammen, zum Beispiel beim Programm über das Erntedankfest, oder bei Inszenierungen aus dem Leben der Adelsfamilie Migazzi. Die lokale Gemeinschaft besucht reichlich vor allem die traditionelle Pflaumenlese mit dem einige Stunden lang dauernden Kochen des Pflaumenmuses nach traditionellen Rezepten.

Das Projekt Die Jahresbräuche im Žitava-Tal ermöglicht den Bewohnern von Zlaté Moravce, sich mit lokalen Traditionen zu identifizieren und die hiesige Zweigstelle des Museums des Neutraer Landes als „ihr“ Museum zu akzeptieren.

 

Gabriella Jarábik

„Malenki robot“

Das Slowakische Nationalmuseum-Museum der Kultur der Ungarn in der Slowakei realisierte im Jahre 2015 eine Forschung zum Thema der Verfolgung der Migrationsströme der tschechoslowakischen Population nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Ergebnisse sollten im Jahre 2016 der Öffentlichkeit in einer thematischen Ausstellung präsentiert werden. Die Forschung umfasste das ganze Gebiet der Slowakei, da unter den Menschenmassen, die sich zwischen den Jahren 1945 – 1949 infolge der machtpolitischen Entscheidungen, Persekution und des inneren Bedrohungsgefühls in Bewegung setzten, auch Zehntausende von den Ungarn aus der Slowakei waren.

Im Laufe der Forschung haben sich die Forscher mit lokalen Historikern getroffen, die sie über die historischen Ereignisse in einigen Regionen der Südslowakei informiert haben und mit lebenden Zeugen kontaktierten. Die Treffen und Gespräche mit ihnen erläuterten, welche Auswirkung die neuzeitliche Migration auf das weitere Leben dieser unfreiwilligen Migranten hatte. Unter dem Einfluss ihrer Aussagen entschied sich das Museum unter der Leitung der Direktorin Gabriella Jarábik, im Rahmen der vorbereiteten Ausstellung die persönlichen Lebensgeschichten dieser Leute durch das Filmdokument Die unschuldigen Schuldigen. Die Einwohner von Gemer in sowjetischen Lagern (auf Ungarisch Ártatlan bűnösök. Gömöriek a szovjet lágerekben) zu präsentieren.

Die Forschung verlief in Kolárovo, Komoča, Nové Zámky, Košice und in Ungarn, setzte fort in Gemer, Tornaľa, Držkovce sowie in Veľký Blh. Die Bewohner dieser letzteren Gemeinde waren nicht nur Opfer der Aussiedelung, sondern viele von ihnen wurden sogar unter dem Vorwand einer kurzfristigen Beseitigung der Ruinen in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit, sog. „málenki robot“ verschleppt, nach der sie angeblich bald nach Hause zurückkehren sollten. Viele sind jedoch nie zurückgekehrt und blieben für immer im Friedhof von einem der sowjetischen Lager. Der lokale Historiker Aladár Lehotai widmet sich dem Thema der verschleppten Verwandten und Bekannten, dem er noch als Kind begegnete, vierzig Jahre lang. Im Jahre 2011 verbrachte er zwei Wochen in der ukrainischen Oblast Luhansk. Dort hat er die Orte aufgesucht, wo sich einst Lager, Bergwerke, Friedhöfe und Gefängniskrankenhäuser befanden. Während seiner Reise schuf er eine wertvolle photographische Dokumentation und gewann auch Originalgegenstände, die jetzt zu seiner dokumentarischen Sammlung zum Thema dieses Ereignisses gehören. Lehotai veranstaltet Vorlesungen und kleinere Ausstellungen, damit auch die Zeitgenossen möglichst viele Fakten über die Arbeitslager in der ehemaligen Sowjetunion, über die man so lange nicht reden konnte, erfahren können.

 

Jana Maříková – Peter Baxa

Das Erbe Karls des Großen

Die Ausstellung Das Erbe Karls des Großen auf der Bratislavaer Burg knüpfte an das Projekt Wiegen der europäischen Kultur an, das im Rahmen des europäischen Programms Kultur 2007 – 2013 realisiert wurde. Die Ausstellungskonzeption präsentierte man in verschiedenen Modifikationen an zwei großen Ausstellungen im belgischen Ename und in Prag, sowie an einigen kleineren Installationen in Ravenna, Montmajour und Ljubljana. An dem europäischen Projekt partizipierte das Denkmalamt der Slowakischen Republik zusammen mit zwölf anderen akademischen Institutionen und Museen aus neun europäischen Ländern. Für das slowakische Publikum wurde die Konzeption der Ausstellung, die in Bratislava im Jahre 2016 stattgefunden hat, in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut in Prag und mit Hilfe weiterer Institutionen aus der Slowakei und aus Ungarn modifiziert. Den Hauptteil der Bratislavaer Version der Ausstellung baute man nach dem Prinzip der Einheit in Vielfalt und Vielfalt in Einheit auf. Im ersten Abschnitt stellten sich fünf europäische Regionen vor, von denen jede einzelne eine gewisse Unterschiedlichkeit repräsentierte. Mitteleuropa wurde als ein neues Gebiet präsentiert, das kulturelle Impulse aufnimmt und gleichzeitig mit verschiedenen Gütern einschließlich der Sklaven intensiv handelt.

Das Prinzip der Einheit wurde durch das Thema der Verwaltung, Religion, Ökonomik, Kultur, Bildung, Kunst und Architektur vorgestellt. Einzelne Phänomene konnte man an den ausgewählten bedeutenden Fundorten verfolgen. Besondere Aufmerksamkeit wurde Mitteleuropa, insbesondere dem Gebiet der Slowakei geschenkt. Neben Böhmen und Mähren wurde das Nitraer Fürstentum als eine selbständige Region thematisiert, die sich seit der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts herausgebildet hat und an der Wende des 10. und 11. Jahrhunderts zu einem bedeutenden kulturellen und politischen Zentrum wurde. Die Betrachtung des Nitraer Fürstentums in einem breiteren mitteleuropäischen und europäischen Kontext war in der Ausstellung durch neue Interpretationskarten und durch die Auswahl der Themen und Exponate unterstützt.

Für die Ausstellung in erneuerten unterirdischen Räumen der Bratislavaer Burg wurden einzigartige Gegenstände aus heimischen sowie ausländischen Institutionen in Niederlanden, Deutschland, Italien, in der Tschechischen Republik, Slowenien, Kroatien und Ungarn geliehen. Die Ausstellung handelte von der Periode des europäischen Frühmittelalters, in der sich das heutige kulturelle Europa geformt hat. Sie repräsentiert eine Aufforderung zur Diskussion über die gegenwärtige Bedeutung der Vergangenheit, wobei sie sich auf die gegenseitige Wirkung des Gedächtnisses, der Identität und des Ortes konzentriert.

 

Gabriela Podušelová

Schätze der Gotik aus der Slowakei. Spätmittelalterliche Kunst in der Slowakei

Am 29. September 2016 eröffnete man im Dienstsitz des italienischen Präsidenten – im römischen Quirinalspalast eine Ausstellung der Juwele unserer spätgotischen Kunst bei persönlicher Teilnahme der Präsidenten Italiens und der Slowakei, Sergio Mattarella und Andrej Kiska. An der feierlichen Vernissage haben auch der slowakische Kulturminister Marek Maďarič, Vertreter der römisch-katholischen Kirche, slowakische und italienische Diplomaten und andere Gäste teilgenommen.

Für das italienische Kulturumfeld bereitete das Slowakische Nationalmuseum-Historische Museum ein Ausstellungskonzept vor, das den Untertitel Vita Christi im Werk des Meisters Paul von Leutschau trug. Die Kuratorinnen der Ausstellung, die Kunsthistorikerinnen Mária Novotná und Alena Piatrová, haben zusammen mit der Ausstellungskommissarin Gabriela Podušelová eine Geschichte ausgewählt, die in der europäischen Kultur allgegenwärtig ist. Das italienische Umfeld kennt das Kulturerbe der Slowakei nur in einem beschränkten Maße, deswegen entschieden sie sich, diese kulturellen Werte am Beispiel des Werks von unserem berühmtesten spätgotischen Künstler zu präsentieren – Meister Paul von Leutschau. Ausgestellt wurden beinahe 50 Kunstwerke, die die bildhauerische Produktion von Meister Paul und die Malerproduktion seiner Zeitgenossen und Mitarbeiter repräsentierten. Die Kollektion umfasste außerdem Beispiele der bedeutendsten Goldschmiedearbeiten aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, religiöse Textilien und eine Inkunabel. Bei der Auswahl der Werke berücksichtigte man auch die Verbindung mit italienischer Kunst. Zum ersten Mal außerhalb der Slowakei präsentierte man das Original der Statuengruppe vom Altar der Geburt Christi aus der Basilika des Hl. Jakob in Levoča und das Tafelgemälde mit dem Passionsmotiv vom Hauptaltar der Kirche Hl. Martin in Lipany. Die Ausstellungskollektion umfasste auch ein monumentales Tafelgemälde der heiligen Anna (selbdritt) aus Rožňava, eine Gruppe von spätgotischen Monstranzen aus Spišská Nová Ves, Poprad-Veľká, Prievidza und Bojnice, oder auch ein Altarkreuz und einen Altarkelch aus Spišská Belá. Besondere Aufmerksamkeit fesselte der Kelch aus Nitra, bei dessen Verzierung goldene römische und byzantinische Münzen angewandt wurden.

Das Slowakische Nationalmuseum brachte nach Rom eine begrenzte Auswahl der hochwertigsten Werke unserer spätgotischen Kunst, die auf die Qualität und den Reichtum des slowakischen Kulturerbes hinweisen sollten.

 

TRNAVA

Darina Fridrichová

Die Stadtmauern von Trnava bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts in schriftlichen Quellen

Trnava zählte zu den bedeutendsten Städten im Rahmen des ganzen Königreichs Ungarn und als eine der ersten erhielt sie auch umfangreiche Privilegien schon im Jahre 1238. Deswegen begann relativ früh auch ihre urbanistische Entwicklung, die schon im 13. Jahrhundert auch den Aufbau des Fortifikationssystems umfasste. Das Wehrsystem bestand aus insgesamt etwa dreißig Türmen von quadratischem Grundriss, die aus Backsteinen gebaut und regelmäßig in einem fast symmetrischen rechteckigen Schema angeordnet waren, in dem sie miteinander durch eine Erdwallkonstruktion verbunden waren. Diese älteste Phase der Stadtmauern ist etwa seit den 1270er Jahren, nach den ungarisch-böhmischen Kriegen und den Angriffen auf Trnava in den Jahren 1271 und 1273, systematisch in eine beständigere, ganz gemauerte Form umgebaut worden. Ein solches Fortifikationssystem, durch weitere Türme und Basteien ergänzt, gewann die Stadt mit allmählichem unterbrochenem Aufbau jedoch erst einige Jahrzehnte später. Im nachfolgenden 14. Jahrhundert wurde es dann zu einer dauerhaften urbanistischen Wehranlage der Stadt, die während des ganzen Mittelalters funktionierte.

Eine wichtige Funktion der Trnavaer Bürger, aber auch des Land- oder Gauadels, war die Instandhaltung der Trnavaer Stadtmauern, die im Fall einer Gefahr wichtigen Schutz der Bevölkerung aus der Umgebung sowie dem Adel selbst gewährten und gleichzeitig eine bedeutende Grenzfestung darstellten. Schon aus dem Jahre 1467 erhielten sich drei Mandate des Königs Matthias I. mit einer Verordnung für die Adeligen des Trenčíner, Nitraer und Pressburger Gaus, ihre Untertanen nach Trnava zu schicken, um bei Säuberung der Wehrmauern und Stadtgräben zu helfen.

Ähnliche Belege für die Instandhaltung der Stadtmauern und -gräben erhielten sich auch aus dem 16. Jahrhundert, und zwar aus den Jahren 1543, 1544 und 1548. Ein bedeutendes Dokument mit Informationen über die Bauarbeiten, die von der Stadt bei der Instandhaltung der Stadtmauern realisiert wurden, stammt aus den Jahren 1548 bis 1554. Wir erfahren davon Details über größere sowie kleinere bauliche Eingriffe, aber auch über Reparaturen der Stadttore und Zugangsbrücken.

 

Lucia Duchoňová – Daniela Čambálová

Das Westslowakische Museum in Trnava nach einer Erneuerung

Das Westslowakische Museum in Trnava erlebte im Jahre 2015 eine Rekonstruktion und Modernisierung seines Gebäudes. Das Museum siedelt seit seiner Gründung im Jahre 1954 im Objekt des ehemaligen Klarissinnenklosters in Trnava, das zusammen mit der anliegenden Kirche ein nationales Kulturdenkmal darstellt. Das ausgedehnte Gebiet zwischen den Kleinkarpaten und dem Fluss Waag erhielt Konstanze aus dem Hause Árpád, Tante des ungarischen Königs Béla IV., zusammen mit der Stadt Trnava kurz nach ihrer Trauung als Hochzeitsgeschenk. Ihre Ehe mit dem böhmischen König Ottokar I. Přemysl sollte die langjährigen Grenzstreitigkeiten schlichten. Nach ihrem Tod überging der Besitz von Trnava an Béla IV., der es schon im Jahre 1238 zur freien königlichen Stadt erhob. Die mittelalterliche Gesellschaft unterstützte die werdenden Bettelorden, die sich in Randteilen der wirtschaftlich prosperierenden Städte niederließen. Béla IV. ließ aus Achtung vor seiner Schwester Elisabeth von Thüringen, die im Jahre 1235 heiliggesprochen wurde, in Trnava eine kleine Kapelle Hl. Elisabeth bauen. Damit schuf er Raum für eine Gruppe von jungen Mädchen und Frauen, die der Lehre von Hl. Klara von Assisi gefolgt sind.

Schon im Jahre 1240 werden die Nonnen des Ordens der Hl. Klara in einer Urkunde von Béla IV. erwähnt. Ungefähr im Jahre 1256 begann der Bau des Klosters und der Kirche Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen. Am Anfang umfasste der Komplex das Kirchengebäude und nur ein Wohngebäude – den heutigen zentralen Klosterflügel. Das Gebäude hatte wenigstens zwei Stockwerke. Im Jahre 1235 wurden das Kloster und die Kirche teilweise durch einen großen Brand beschädigt, im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts bekam der Komplex ein neues, gotisches Aussehen. Im 16. Jahrhundert erlebte Ungarn Ständeaufstände, einen Krieg gegen die Osmanen, einen schnellen Aufstieg der Reformation sowie den Verfall der Ordensinstitutionen zusammen mit Säkularisierung ihrer Eigentümer. Am Anfang des 17. Jahrhunderts befand sich das Kloster im baufälligen Zustand. Die unruhige Atmosphäre des 17. Jahrhunderts, wo die Klarissinnen mehrmals die Stadt verlassen haben, verursachte, dass man erst im Jahre 1622 nach ihrer Rückkehr nach Trnava mit einem frühbarocken Umbau fortfuhr.

Das Gebäude diente als Klarissinnenkloster bis zum Jahre 1872, als Joseph II. diesen und andere Orden auflöste und das Objekt der Armee geschenkt hat. Anschließend wurde es zu einem Spital und nach dem Jahre 1850 zum Militärkrankenhaus mit einer Spezialisierung auf Geisteskrankheiten. Das Museum übernahm das Gebäude im verödeten und teilweise sogar baufälligen Zustand. Allmählich reparierte es das Objekt für seine Zwecke. Die Rekonstruktion und Modernisierung des Gebäudes des Westslowakischen Museums in Trnava hat im Jahre 2015 zur Verbesserung des Areals des ehemaligen Klarissinnenklosters in Trnava beigetragen, das einen außerordentlichen urbanistischen Wert sowie andere denkmalpflegerische Werte besitzt. An das Areal des Klosters knüpfen die umliegenden Parkanlagen und das Eingangsinterieur an.

 

Jaroslava Žuffová – Milan Kazimír

Erneuerung des Bürgerhauses auf dem Trojičné-Platz Nr. 5 in Trnava

Das nationale Kulturdenkmal Bürgerhaus auf dem Trojičné-Platz Nr. 5 in Trnava befindet sich auf dem Hauptplatz, der ein natürliches Zentrum des städtebaulichen Denkmalschutzgebietes bildet. Es gehört zur komplett erhaltenen historischen Bebauung des Platzes, der sich im 13. Jahrhundert nach Erteilung der Stadtprivilegien herausbildete. Seitdem begann diese Fläche die Funktion des Hauptmarktes in der Stadt zu erfüllen.

Das Haus Nr. 5 befindet sich inmitten der Nordseite des Platzes. Es erlebte eine komplizierte bauliche Entwicklung, deren Ergebnis heutzutage ein dreiflügeliges, im ganzen Umfang zweistöckiges Durchfahrtsgebäude mit C-förmigem Grundriss darstellt. Nach der letzten Erneuerung in der Zwischenkriegszeit und nach Verstaatlichung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Haus unzureichend instand gehalten, mit ernsthafter statischer Störung des Hofteiles. Es war also die höchste Zeit, mit einer komplexen Rettung des Denkmals anzufangen. Der Erneuerung ist eine architektonisch-historische und kunsthistorische Forschung vorangegangen, die zahlreiche Funde und neue Erkenntnisse über die stilistische Entwicklung des heutigen Bürgerhauses brachte.

Das Ziel der Erneuerung war es, dem Objekt seine klassizistische Gestalt zurückzuverleihen und die Stilelemente des Interieurs beizubehalten. Das Haus konnte man im ganzen historischen Umfang erhalten, mit vielen originalen Stilelementen (Steinmetz-, Tischler-, Stuck- und Schmiedearbeit) aus einzelnen Entwicklungsetappen des Objektes schon seit dem Mittelalter. Als einzigartig und ungewöhnlich kann man die Rekonstruktion des Renaissance-Durchfahrtsportals bezeichnen. Das erneuerte Portal wird durch ein Tor ergänzt, das aufgrund stilistischer Analogien zum Denkmalbestand des historischen Stadtkerns von Trnava hergestellt wurde.

 

Adrián Lančarič

Ehemalige Wassermühlen der Stadt Trnava

Das prosperierende und gut funktionierende wirtschaftliche Umfeld der Stadt Trnava, oder ihre Selbstversorgung mit Lebensmitteln, wirkte in der Vergangenheit als Garant des sozialen und ökonomischen Wachstums. Das Getreidemahlen war und ist immer noch die grundsätzliche Herstellungstätigkeit bei Verarbeitung der wichtigsten landwirtschaftlichen Rohstoffe. Das Mehlmahlen für die Bewohner Trnavas verlief seit dem Mittelalter bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Mühle Kamenný mlyn (Steinmühle), deren Umfassungsmauern bis heute noch stehen. Als ein slowakisches Unikat kann man die Mühle Vnútorný mlyn (Innenmühle) betrachten, die im befestigten Zentrum von Trnava befindlich war. Diese hatte jedoch nicht so viel Glück und nach mehr als vier Jahrhunderten ist sie ihrem Schicksal verfallen. Heute erinnert an sie ein stilisierter Neubau an der ursprünglichen Stelle. Die Mühle Pažitný mlyn (Angermühle) überlebte ebenfalls nur im Gedächtnis der älteren Zeitzeugen. Das einzige erhaltene ursprüngliche Mühlanwesen ist die Hrnčiarovský Mühle, die dank ihren Besitzern zum Leben erwacht ist und heutzutage eine attraktive Stelle für Entspannung, Relax und Gastronomie darstellt.

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Ilija, kostol sv. Egídia – detail románskeho portálu