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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 3/2016

6. februára 2017

KATEGORIE  ENTDECKUNG – FUND

Ján Beljak – Noémi Beljak Pažinová – Michal Šimkovic
Funde aus einer Zisterne auf der Burg Pustý hrad in Zvolen
Die archäologische Untersuchung der größten Zisterne einer mittelalterlichen Burg aus der Slowakei lieferte äußerst wertvolle Funde und verwies auf die Monumentalität und Wichtigkeit dieses Objektes aus der Burg Pustý hrad in Zvolen. Dank denen konnte man die Chronologie des Aufbaus der Burg präzisieren. Besonders wertvoll sind die sehr gut erhaltenen mehr als 700-jährigen Holzerzeugnisse, die von der Handfertigkeit der mittelalterlichen Meister zeugen. Sie helfen uns, das alltägliche Leben auf der mittelalterlichen Burg zu rekonstruieren und belegen die technischen Lösungen jener Zeit. Die Burg Pustý hrad in Zvolen zählt zu den wichtigsten Sitzen der ungarischen Könige. Die mächtige mittelalterliche Burg befand sich auf dem nordwestlichen Ausläufer des Gebirges Javorie über dem Zusammenlauf der Flüsse Hron und Slatina. Sie besteht aus der höher gelegenen Oberen Burg (571 m ü. d. M.) mit einer Fläche von 3,5 ha und der niedriger gelegenen Unteren Burg (476 m ü. d. M.) mit einer Fläche von 0,7 ha. Zusammen mit dem sog. Verbindungsteil bilden sie ein Areal mit einer Gesamtfläche von 4,7 ha, die diese Anlage den größten Burgen in der Slowakei zuordnet. Man baute sie in der Nähe von wichtigen Handelswegen, die im Mittelalter unter dem Namen Via magna bekannt waren. Auf Pustý hrad wurde durch Ausgrabungen die Besiedlung aus der Spätsteinzeit, Bronzezeit und Latènezeit belegt.
Historische Quellen setzen den Aufbau der Burg als eines Verwaltungszentrums des ausgedehnten Komitats Sohl schon im Laufe des 12. Jahrhunderts voraus. Ihr Zentralgebäude repräsentierte vermutlich der höchstgelegene Wohnturm der heutigen Oberen Burg (sog. Turm I). Das 13. Jahrhundert war eine Zeit von intensiven Bauaktivitäten, die einen einmaligen Komplex von zwei verbundenen und befestigten Burgen hervorgebracht haben. Damals baute man den massiven Wohnturm der Unteren Burg, die vermutliche Residenz des Königs Andreas II. während seiner Aufenthalte in Zvolen, die auch von anderen ungarischen Königen im Laufe des 13. Jahrhunderts benutzt wurde. Damals begann die innere Bebauung der Oberen Burg – ein kleinerer Wohnturm (sog. Turm II) und ein eckiger Turm, der an die östliche Wehrmauer der Oberen Burg angebaut wurde. Das Zentralgebäude war der Burgpalast, der in eine Ecke der Befestigung eingebaut und durch kleinere Wirtschaftsgebäude in dem terrassenartig zugerichteten Burghof ergänzt wurde. Die steigenden Wohnansprüche forderten am Ende des 13. Jahrhunderts den Aufbau einer großen Burgzisterne mit den Ausmaßen von 6,75 x 6,82 m und Tiefe von beinahe 10 m ein, die von Archäologen unter der Leitung von Ján Beljak vom Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften im Jahre 2015 untersucht wurde. Die ersten Funde aus dieser Zisterne, Torsos von Konstruktionsbalken und Brettern, begannen ab einer Tiefe von 9 m zutage zu kommen. Zu Sonderfunden aus der Zisterne gehört eine Kollektion von Eimern aus Tannenholz, die vermutlich zum Schöpfen des Wassers aus der Zisterne gedient haben, sowie der Torso eines Seils, auf dem sie aufgehängt waren. Einzigartig sind auch zwei komplett erhaltene Schwerter aus Tannenholz, die beim Training der Burgbesatzung benutzt wurden, und ein eisernes Kurzschwert (Hiebmesser) mit beinernem Griff aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert.

KATEGORIE  AKQUISITION

Vladimír Krupa – Miroslava Daňová
Ein Fingerring aus Fürstengrab I in Krakovany-Stráže
Zu Sonderfunden der jüngeren römischen Kaiserzeit auf dem Gebiet der Slowakei gehören zweifellos zwei reich ausgestattete quadische sog. Fürstengräber aus Krakovany-Stráže, die einen Beleg für die Existenz des Hofs eines lokalen Herrschers im Waagtal liefern. Die Geschichte ihrer Entdeckung und die Schicksale der archäologischen Funde aus diesen Gräbern sind sehr abenteuerlich. Die beiden Prunkgräber wurden nämlich zufällig beim Lehmabbau in der örtlichen Ziegelei freigelegt – das erste im Jahre 1933 und das zweite im Jahre 1939. In Gräbern I und II befanden sich höchstwahrscheinlich Gegenstände nicht nur aus Silber, Bronze, Glas, Holz, Eisen und Keramik, sondern auch aus Gold.
Der Autor des Artikels konzentriert sich auf die Gewinnung von einem wertvollen Schmuckstück – dem Ring aus dem ersten Prunkgrab – in den Sammlungsbestand des Balneologischen Museums in Piešťany nach mehr als 80 Jahren seit seiner Entdeckung im Jahre 1933. Auf das Grab stießen die Ziegeleiarbeiter beim routinemäßigen Lehmabbau zum Zweck der Ziegelherstellung in einer Ziegelei in der Gemeinde Stráže (heute ein Ortsteil von Krakovany, Bez. Piešťany). Damals existierte in Piešťany ein Museum, das von der Museumsgesellschaft in Piešťany verwaltet wurde. Ihr Vorsitzender – einer der Direktoren des Heilbads Piešťany Imrich Winter (1878 – 1943), sowie ihr Sekretär Václav Vlk (1886 – 1955) – der Verwalter des hiesigen Heilbads, interessierten sich für Archäologie und arbeiteten mit dem berühmten tschechischen Archäologen Jiří Neustupný (1905 – 1981) zusammen. Gerade sie haben einen Teil der Funde aus Grab I gerettet.
Die Grabausmaße (Tiefe 3,6 m und Länge 3,5 m) deuteten an, dass die Bestatteten, vermutlich zwei Personen – ein Mann und eine Frau – eine bedeutende gesellschaftliche Stellung hatten. Erhalten blieben ein zeitgenössisches Protokoll über die Funde aus dem ersten Grab sowie mehrere Artikel über das Museum von Piešťany in der Presse, wo z. B. auch das Photo einer goldenen römischen Fibel publiziert wurde. Mehrere Funde, vor allem Schmuck aus dem Gräberfeld in Stráže, sind jedoch „verloren gegangen“. Nur ein Minimum der goldenen bzw. vergoldeten Gegenstände aus den beiden Gräbern konnte wissenschaftlich bearbeitet werden und nur einige von ihnen sind später ans Licht gekommen, z. B. im Jahre 1950 wurden die silbernen Gegenstände – ein Miniatursieb, Miniaturfüße und eine Löffel – von Hausierhändlerinnen mit Spitzenarbeiten aus dem Bezirk Piešťany gekauft und befinden sich heutzutage im Sammlungsbestand des Obernitraer Museums in Prievidza.
Aus den publizierten Fachberichten wusste man, dass in dem Fürstengrab von Stráže ein goldener Halsring mit einem goldenen Fingerring gefunden wurden und später verloren gegangen sind, doch nicht mal das polizeiliche Verhör der Finder brachte irgendwelche Beweise für deren Existenz. Der goldene Fingerring tauchte schließlich Jahrzehnte später bei den Nachkommen des Ziegelmeisters auf, die im Februar 2013 den Direktor des Balneologischen Museums in Piešťany aufgesucht haben. Den einzigartigen Schmuck boten sie zum Verkauf an und nach mehrjährigen Verhandlungen über den Preis wurde der Fingerring schließlich mit Hilfe eines Grants des Slowakischen Kulturministeriums und eines finanziellen Beitrags vonseiten des Trnavaer Selbstverwaltungsbezirks und der Sponsoren in den archäologischen Sammlungsbestand des Balneologischen Museums eingeordnet, wo er die Kollektion der Ausstellungsstücke – Funde aus der Grabausstattung des Fürstengrabs I aus Krakovany-Stráže ergänzte.

KATEGORIE  AUSSTELLUNG

Dušan Buran
Paramente. Liturgische Textilien
Liturgische Gewänder, verschiedene historische Stoffe und Textilaccessoires nehmen keine Spitzeposition in slowakischen Museumssammlungen ein, was sich auch in der Ebene unserer Kenntnisse darüber abspiegelt. Oft sind sie (sowohl in Dauerausstellungen als auch in Arbeitskatalogen) nur sehr grob datiert, manchmal fehlt es an ihrer funktionellen Bestimmung; ganz zu schweigen von den Materialien, Technologien oder dem Herkunftsgebiet. Trotzdem erhielten sich in unseren öffentlichen sowie kirchlichen Sammlungen bis heute mehrere Prachtstücke.
Die Ausstellung Paramente. Liturgische Textilien, die für die ganze zweite Hälfte des Jahres 2015 das SNM-Historische Museum veranstaltet hat, muss man deswegen als bahnbrechend bezeichnen. In Räumlichkeiten der Bratislavaer Burg wurden mehr als 200 Exponate nicht nur aus dem Sammlungsbestand des SNM und der Partnerinstitutionen, sondern auch – und vor allem – aus kirchlichen Besitztümern (besonders der römisch-katholischen und evangelischen Bistümern) angesammelt. Die Ausstellung und der Katalog waren nicht nach der chronologischen Linie gegliedert, die Kuratorinnen bevorzugten die Funktionen von liturgischen Gewändern und anderen gottesdienstlichen Gerätschaften im Rahmen der einen oder anderen kirchlichen Gemeinschaft (römisch-katholische, byzantinische, evangelische liturgische Gewänder), was aber gleichzeitig auch die Fragen nicht nur hinsichtlich der Entwicklung der Funktion und der angewandten Motive, sondern auch Vertretung der qualitätsvoll restaurierten liturgischen Gewänder und Textilien anderer Religionen auf unserem Gebiet (jüdisch) aufgeworfen hat.
Die Ausstellung bot zahlreiche Entdeckungen vor allem den Spezialisten in verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte an. Auf diese Weise hatten nicht nur die Mediävisten eine Möglichkeit, z. B. bestickte Kaseln aus dem 15. Jahrhundert oder italienische Brokatstoffe aus dem 15./16. Jahrhundert im Detail zu studieren, genauso wie einige Funktionstypen, von deren Existenz auf unserem Gebiet fast niemand wusste – z. B. ein osmanisches(?) Bahrtuch oder die Altarkissen aus dem Zipser Kapitel.
Dem Slowakischen Nationalmuseum gereicht jedenfalls zur Ehre, dass es Zeit, Energie sowie Finanzmittel in die Forschung und anschließend auch eine umfangreiche wissenschaftliche Publikation mit reichlicher Bilddokumentation investierte. Der 360-seitige Ausstellungskatalog repräsentiert außer seiner primären Funktion auch eines der ersten Ergebnisse des mehrjährigen interdisziplinären Projektes der Bearbeitung von historischen Textilien in der Slowakei, das bereits im Jahre 2010 vom Lehrstuhl für Restaurierung an der Hochschule für bildende Künste in Bratislava initiiert wurde. Die Ausstellung repräsentierte gleichzeitig die erste komplexere Bilanz des nur unlängst (2009) etablierten Studienfachs „Restaurierung von Textilien“ an der Hochschule für bildende Künste in Bratislava.

Lucia Gavulová
Erhaltung der Welt. Das Museumsritual im digitalen Alter
Das Ausstellungsprojekt Erhaltung der Welt. Das Museumsritual im digitalen Alter war in vielen Hinsichten anders als alles, woran der Besucher der Slowakischen Nationalgalerie in Bratislava (und jeder anderen Galerie in der Slowakei) gewohnt war und auch für das Autorenteam und die vielen Mitarbeiter bedeutete die Arbeit daran eine neue und einmalige Erfahrung. Das Projekt widmete sich den Möglichkeiten eines Kunstmuseums in der Epoche der digitalen Technologien, es hatte eine Ambition, dem Publikum eine sensible Anwendung der Digitalisierung von Kunst in der Museumsarbeit mit Rücksicht auf die Erhaltung der Aura des Originals von einem Kunstwerk näher zu bringen. Den Impuls zu der Ausstellung gab das Projekt Digitale Galerie, dem sich die Slowakische Nationalgalerie einige Jahre lang gewidmet hat (abgeschlossen wurde es im November 2015).
Die Ausstellung erklärte auf eine inszenierte Weise, welch verschiedene Funktionen ein Kunstmuseum erfüllen kann und wie diese auf die Begegnung mit den allgegenwärtigen und in unserer alltäglichen Realität immer mehr verwendeten neuen Technologien reagieren. Der Nachdruck wurde dabei auf das Sammlungsstück gelegt, das unter jeden Umständen im Mittelpunkt der Galerien- und Museumsarbeit steht. Die Kuratorinnen Alexandra Kusá und Lucia Gavulová wollten auf die Tatsache hinweisen, dass die Arbeit mit digitalen Technologien in der Sphäre der bildenden Kultur nicht unbedingt die Ersetzung oder „Verdrängung“ des Sammlungsobjektes, Artefaktes bedeuten muss.
Die Bewegung des Besuchers in der Ausstellung wurde durch den eigenartigen Charakter einzelner Räume vorausbestimmt: Wir installieren!, Wir deponieren!, Wir erklären!, Wir nehmen auf!, Wir stellen aus!, Wir machen Bemerkungen!, Wir stellen in Frage!, die über die Aufgaben und Aktivitäten der sammlungsbildenden Institutionen berichtet haben. Jeder derartig konzipierte Raum war durch eine nach Maß erstellte Digitalschicht ergänzt, die meistens interaktiv war und auf die ausgestellten Gegenstände reagierte. Die Ausstellung umfasste auch eine Menge an erläuternden Texten und Begleitmaterial, zur Verfügung stand auch ein Audioführer.
Die Einzigartigkeit der Ausstellung beruhte auch auf dem Team von Fachleuten, die sie vorbereitet und realisiert haben und die im Gebiet der Kunstgeschichte, Museumsarbeit, Digitalisierung des Kulturerbes, architektonischer Lösungen für Ausstellungen, des graphischen Designs, der Galerie-Pädagogik und Programmierung aktiv tätig sind. An der Teamarbeit beteiligten sich auch weitere sammlungsbildende Institutionen aus der ganzen Slowakei.

KATEGORIE  PUBLIKATION

Traditionelle slowakische Kleidung – das Ergebnis von drei großen Erfahrungen
Ein Gespräch mit Mojmír Benža
Der slowakische Spitzenethnologe Mojmír Benža (1941) ist Autor und Koautor von mehreren Büchern, Dutzenden von wissenschaftlichen und fachlichen Studien und Drehbuchautor von temporären sowie dauerhaften Museumsausstellungen. Er partizipierte an der Schöpfung von den bedeutendsten kollektiven wissenschaftlichen, Editions- und Museumsprojekten der slowakischen Ethnologie. Unlängst (2015) ist sein bisher umfangreichstes, synthetisches Werk über die slowakische Volkstracht Traditionelle slowakische Kleidung erschienen.
Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass das Buch über die Problematik der Kleidung, die ein rein weiblicher Themenbereich zu sein scheint, von einem Mann geschrieben wurde. In einem Gespräch mit dem Chefredakteur der Revue Pamiatky a múzeá, Peter Maráky, erklärt Mojmír Benža, dass sich mit der Kleidungskultur gerade in slowakischer Ethnographie außer den Frauen-Ethnographinnen (z. B. Viera Nosáľová, Soňa Kovačevičová, Emília Horváthová) auch mehrere Spitzenethnographen befasst haben, z. B. Ján Koma, Ján Olejník, Adam Pranda. Benža begann sich mit diesem Thema an seiner ersten Arbeitsstelle im Slowakischen Nationalmuseum in Martin zu beschäftigen, wo in der Mitte der 1960er Jahre ein Verzeichnis der Sammlungsbestände des SNM für die Edition Fontes erstellt wurde. Damals hat man im SNM Martin auch neue ethnographische Dauerausstellungen vorbereitet und der Autor wurde mit der Vorbereitung der Abteilung Mensch und Kleidung beauftragt. Dies war für ihn die erste von den drei großen Erfahrungen auf dem Weg zur Erkennung sowie Interpretation der traditionellen Kleidung. In den 1970er Jahren realisierte das damalige Ethnographische Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften das wohl umfangreichste Projekt der slowakischen Ethnologie – die Herausgabe des Ethnographischen Atlas der Slowakei. Mojmír Benža redigierte darin die Karten und Kommentare zu Kartogrammen aus dem Gebiet der Kleidungskultur, dank denen er neue Zusammenhänge zwischen einzelnen Phänomenen unserer Volkskultur entdeckte und interpretierte. Die dritte wichtige Erfahrung war seine Mitarbeit an der elektronischen Enzyklopädie der Volkstracht, die von dem Zentrum für Volkskunstproduktion (ÚĽUV) in Bratislava für seine Internetseite vorbereitet wurde. M. Benža bereitete dafür die Texte und detaillierte Beschreibungen von 3 000 Abbildungen der traditionellen Tracht aus 90 Orten aus der ganzen Slowakei vor. Von dort war es nicht mehr weit zum Verfassen des Buchs Traditionelle slowakische Kleidung für die repräsentative Edition des ÚĽUV Tradition heute. Er verwertete dabei den reichlichen Dokumentationsbestand des ÚĽUV, insbesondere die ausgezeichneten farbigen Dokumentationszeichnungen von Viera Škrabalová (1925 – 2007), die in einem engen Kontakt mit den Forschern, manchmal auch direkt mit den Trägern der traditionellen Tracht und oft unmittelbar vor Ort faktographisch präzise und zudem sehr schöne Visualisierungen der Trachten und deren Bestandteile angefertigt hat. Die Publikation verdankt ihre hohe Qualität auch der Autorin der graphischen Ausstattung Jana Sapáková. Das Buch ist zweisprachig, slowakisch-englisch, was es möglich macht, die traditionelle slowakische Kleidung als ein bedeutendes Kulturphänomen in den internationalen Kontext einzusetzen.

KATEGORIE  KLEINERE  PUBLIKATION

Barbara Balážová – Zuzana Bartošová
„Bella Italia“
Die Publikation mit „romantisch“ klingendem Titel „Bella Italia“. Interaktionen zwischen der künstlerischen Kultur Italiens und der Kunstentwicklung in der Slowakei im 19. Jahrhundert summarisiert die Ergebnisse eines dreijährigen wissenschaftlichen Projekts, das in eine internationale Konferenz an der Philosophischen Fakultät der Komensky-Universität in Bratislava am 5. November 2015 ausmündete. Die Texte repräsentieren eine erweiterte Version der Konferenzbeiträge. Die Editorinnen des Sammelbandes sind Dana Bořutová und Katarína Beňová von dem Lehrstuhl für Geschichte der bildenden Kunst.
Das Ziel der überregionalen kunsthistorischen Forschung im Sinne der sog. Geographie der Kunst, die zur Zeit der Globalisierung immer mehr an Attraktivität gewinnt, war es, die Zusammenhänge und Verbindungen zwischen der Kunstentwicklung des 19. Jahrhunderts in der Slowakei und den künstlerischen Zentren in Italien zu finden, und zwar sowohl aus der Sicht der Rezeption und Transformation der davon ausgehenden Impulse, als auch mit Rücksicht auf die Wirkung der Künstler aus heutigem Gebiet der Slowakei in italienischem Milieu. Im Kapitel Römische Quellen (erste Hälfte des 19. Jahrhunderts) führt V. Bartková den Leser in das Milieu Roms als des damaligen „dominanten Zentrums der europäischen Kultur und Kunst“ ein. Die Fallstudie von K. Beňová Graf Apponyi als der Botschafter Roms beschäftigt sich mit der Wirkung eines konkreten Repräsentanten der ungarischen Eliten in Italien, die Studie Das italienische Skizzenbuch Franz von Balassas von K. Beňová und E. Specogna Kotláriková erläutert dieses Phänomen am konkreten Beispiel eines Künstlers, der eine gewisse Zeit in Rom verbracht hat und dort seine darstellenden Ansichten herausbildete, die er anschließend nach Wien übertragen hat.
Von Künstlern aus heutigem Gebiet der Slowakei handeln die Beiträge von V. Bartková Die Künstler aus der Slowakei und der Kreis der dänischen Künstler in Rom, Orsolya Hessky „Während wir im Freien zeichneten”. Ungarische Künstler in Italien, 1810 – 1860 und D. Bořutová zusammen mit E. Specogna Kotláriková Pietro Nobile und die Slowakei. Mit dem Einfluss der italienischen Grabbildhauerei auf die sepulkralen Denkmäler des 19. Jahrhunderts in der Slowakei beschäftigt sich M. Herucová in der Studie Sepulkrale Italika in der Slowakei. Š. Oriško öffnet in dem Beitrag Dokumentation der Denkmäler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Zu Aufgaben und Funktionen der zeichnerischen Dokumentation von Denkmälern – mit Beziehungen zur Slowakei) das Thema des Einflusses von Cicognaras Ansichten auf die Dokumentation der historischen Architektur auf heutigem Gebiet der Slowakei. In der letzten Studie Die Landschaft und künstlerische Denkmäler Italiens mit den Augen der slowakischen Pilger nach Rom beschäftigt sich D. Kodajová mit der kulturellen Erfahrung des einfachen Menschen-Pilgers mit dem unbekannten Milieu Roms des 19. Jahrhunderts.

KATEGORIE  ERNEUERUNG

Andrea Moravčíková
Die neologische Synagoge in Lučenec
Der Aufbau der heutigen neologischen Synagoge in Lučenec begann am 31. März 1924 mit dem Abbruch der älteren Synagoge, die im Jahre 1863 gebaut wurde. Das Projekt erarbeitete Leopold Baumhorn, Erbauer der schönen Synagogen in Ungarn, als seine letzte monumentale Realisation. Der Aufbau der Synagoge dauerte knapp 18 Monate, am 8. September 1925 wurde sie der jüdischen Gemeinde feierlich in die Nutzung übergeben.
Das tragische Schicksal der jüdischen Gemeinde in Lučenec am Ende des Zweiten Weltkrieges hatte eine direkte Auswirkung auf das Schicksal des Gebäudes. Im Jahre 1948 hat die Stadt Lučenec die Synagoge von der jüdischen Gemeinde gekauft. Von den erhaltenen detaillierten Vermessungen und Zeichnungen des Exterieurs und Interieurs des Gebäudes mit Einzeichnung des Mobiliars, die von dem städtischen technischen Rat Ing. Pohronský stammen, wissen wir, dass die Synagoge damals eine Kapazität von 600 Sitzplätzen für die Männer und 442 Sitzplätzen für die Frauen hatte. In den Jahren 1948 bis 1980 wurde sie als Lager benutzt und befand sich in einem sehr vernachlässigten Zustand. Das Schicksal der Synagoge konnte im Jahre 1982 besiegelt werden, denn sie wurde von der zentralen Liste der Denkmäler gestrichen und zum Abbruch vorgeschlagen. Dank der Initiative von Einzelpersonen wurde sie im Jahre 1985 wieder in die staatliche Liste der Kulturdenkmäler eingetragen. Am Ende des 20. Jahrhunderts wurden nur elementare bauliche Erhaltungsarbeiten durchgeführt, eine größere Investition betraf den Austausch der Dacheindeckung.
Im April 2002 erarbeitete das Kreisamt für Denkmalpflege Banská Bystrica, Zweigstelle Lučenec, auf Antrag der Stadt Lučenec die Denkmalschutzregeln der Neologischen Synagoge in Lučenec, in denen es sämtliche erhaltene Teile der Architektur behandelte. Die Vorbereitung der Rekonstruktion wurde durch häufige Eigentumsänderungen kompliziert. Diese Situation änderte sich jedoch im Jahre 2012, als der neue Besitzer das Interesse äußerte, die Synagoge in ein multifunktionelles Kulturzentrum für die breite Öffentlichkeit zu verwandeln. Die Denkmalpfleger haben Bedingungen festgelegt, unter denen die Synagoge rekonstruiert werden konnte: den ursprünglichen Grundriss zu erhalten, die räumliche Integrität einzuhalten, das erhaltene Gebäude und seine architektonischen Elemente und Details zu stabilisieren. Die Anpassung an eine neue Funktion erforderte einige Veränderungen, zum Beispiel die Ergänzung von Hygieneeinrichtungen. Die Voraussetzung einer erfolgreichen Rekonstruktion war die Kenntnis des Werks von dem Autor des ursprünglichen Projektes, Leopold Baumhorn. Die Projektdokumentation erarbeitete das Entwurfsbüro PROART aus Levice mit dem Ziel, den Originalzustand in einer Verbindung von Putzfragmenten, Stuckverzierung und Steinelementen zu erhalten. Die Arbeiten im Rahmen der ersten Etappe der Erneuerung haben bis 31. Dezember 2015 stattgefunden.

Rastislav Petrovič
Das Gestüt in Kopčany
Das barocke Gestüt in Kopčany, Bezirk Skalica, repräsentiert ein nationales Kulturdenkmal, das in der Zentralen Liste der Denkmäler unter der Nummer 2132/1 – 2 eingetragen ist. Es umfasst ein repräsentatives Etagengebäude, das in einigen Archivquellen als Kleines Schloss bezeichnet wird. Das Gestüt gehörte in der Vergangenheit zur urbanistisch komponierten Landschaft in der Umgebung von Holíč, wo sich das kaiserliche Schloss befand. Von Holíč lief eine Allee aus, die vor dem Gestüt endete und daran hat sich noch eine kürzere, von dem kaiserlichen Schloss auslaufende Allee angeschlossen. Das Gestüt in Kopčany ließ Adam Czobor in den Jahren 1660 – 1680 bauen. Nach dem Ankauf des Herrschaftsgutes Holíč – Šaštín durch die kaiserliche Familie im Jahre 1736 ließ der Gatte von Maria Theresia, Herzog Franz I. Stephan von Lothringen, auf sein neues Landgut Zuchtpferde aus dem Gestüt in Saaralbe einführen und zu deren Aufstallung ließ er um 1745 das heutige Gestüt bauen, wobei vermutlich auch Teile des ehemaligen Czobor-Gestüts benutzt wurden. Das Gestüt spezialisierte sich auf die Zucht von Reit-, Renn- und Gespannpferden. Für das Gestüt sorgte der kaiserliche Oberstallmeister Fürst von Auersperg, der in Holíč ebenfalls seine Privatresidenz hatte.
Nach dem Tod von Franz erbte das Herrschaftsgut Holíč, Hodonín und Gbely sein Sohn Joseph II., aber noch im Jahre 1765, im Rahmen der Trennung des Staatseigentums vom Eigentum der Herrschaftsfamilie, überließ er Vaters Besitztümer seiner Mutter Maria Theresia. Das Gestüt in Kopčany wurde zu einer selbständigen Rechtseinheit und man hat es im Hofeigentum belassen. Die Anlage wurde im Jahre 1828 aufgelöst, als sie wieder an das Herrschaftsgut Holíč angegliedert wurde. Nach dem Jahre 1918 befand sich das Gestüt im Besitz des Tschechoslowakischen Staates, nach 1945 bildete es dann Teil des volkseigenen Betriebes Staatseigentümer. Im Jahre 1979 wurde es von dem Staatlichen Saatgutbetrieb in Holíč verwaltet, seit 1994 befindet es sich im Besitz der Gemeinde Kopčany.
Die Denkmalforschung hat nachgewiesen, dass das Gestüt vom Hofbaumeister Jean Nicolas Jadot entworfen wurde. Nach dem Brand im Jahre 1747 beteiligte sich Franz Anton Hillebrandt an den Bauänderungen. Die Fassaden des Gestüts wurden im Geiste des theresianischen Klassizismus aufgefasst. Das Gestüt repräsentiert ein vierflügeliges einstöckiges Gebäude mit geschlossenem rechteckigem Hof mit den Ausmaßen von ungefähr 120 x 130 m. In drei Flügeln des Gestüts befanden sich die Ställe, der einstöckige repräsentative Teil diente den Bedürfnissen der kaiserlichen Familie. Im 20. Jahrhundert wurde das Gestüt unpassend baulich geändert, es entstanden verschiedene kleinere oder größere zweckmäßige Anbauten, in der ehemaligen Kapelle hat man Wohnungen errichtet. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Decke des Prunksaals eingestürzt und später auch das Dach des Kleinen Schlosses.
Im Jahre 2007 erarbeitete Michal Hučko für die Gemeinde Kopčany das Projekt der denkmalpflegerischen Erneuerung des ganzen Gestüts. Ein späteres Projekt aus dem Jahre 2010 betraf nur noch das Schloss, dessen bautechnischer Zustand sehr schlecht bis baufällig war. Nachdem die Gemeinde als Besitzer des Kulturdenkmals für die Revitalisierung des Schlossteiles des Gestüts Finanzmittel von der Europäischen Union gewann, begannen am Ende Juli 2015 die Bauarbeiten im Rahmen der ersten Etappe der Denkmalerneuerung (Kleines Schloss), die am Ende November 2015 beendet wurden.

KATEGORIE  RESTAURIERUNG

Jana Piecková
Die Dreifaltigkeitskirche in Horná Lehota
Unweit der Oravaer Burg, auf einer Anhöhe über der Gemeinde Horná Lehota steht eine kleine vergessene Renaissancekirche, die, genauso wie der an ihrer wertvollen Decke gemalte Phönix, aus der Asche erstanden ist. Die Geschichte einer beinahe idealen denkmalpflegerischen Erneuerung begann sehr prosaisch, mit der Nötigkeit einer Reparatur des undichten Dachs, und endete erst nach der Durchführung einer ganzen Reihe von baulichen und restauratorischen Arbeiten im Jahre 2015.
Die Kirche repräsentierte ursprünglich eine Grabkapelle der Familie Abaffy mit zwei Krypten, die gleichzeitig mit dem Herrenhaus im „neuen Dorf Lehota“ in den 1580er Jahren gebaut wurde. Während der Rekatholisierung  nach dem Jahre 1688 wurde die Kirche umgebaut und der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Sie besteht aus einer einfachen Halle mit eingebauter Chorempore, vorgelagertem Turm und angebauter Sakristei. Das Schiff verjüngt sich in östlicher Richtung. Der massive Turm ist im oberen Teil oktogonal, mit Paaren von schmalen Fenstern versehen. Am Ende des 17. Jahrhunderts hat man die Kirche umgebaut und damals entstanden auch die figural bemalten Tafeln der Empore.
Am Anfang der Erneuerung der Kirche im Jahre 2009 sollte es sich nur um eine Notbehandlung des baufälligen Zustandes der Blecheindeckung handeln. Dank dem Enthusiasmus der Teilnehmer, einer kontinuierlichen finanziellen Unterstützung vonseiten des Kulturministeriums der Slowakischen Republik und einer beträchtlichen privaten Finanzhilfe der Familie von Pavol Kozáčik umwandelte sich die Rettung der Kirche in eine komplexe Erneuerung des Interieurs, Exterieurs und seiner Umgebung, einschließlich der anspruchsvollen restauratorischen und kunstgewerblichen Arbeiten, die im Jahre 2010 an der Decke begannen. Über die Existenz der Renaissanceputze mit einem Wandgemälde wusste man schon vor dem Anfang der Erneuerung von den Augenzeugen aus der Gemeinde, die sich an Fragmente des Gemäldes auf alten Photographien erinnert haben. Die restauratorische Untersuchung der Wände im Jahre 2012 bestätigte diese Annahme und dank einem restauratorischen Eingriff kann die Szene des Jüngsten Gerichts im Kirchenschiff wieder genauso betrachtet werden wie zur Zeit ihrer Erschaffung. Die Decken- und Wandmalereien weisen eine offensichtliche formale Ähnlichkeit mit den Wandgemälden in der Kapelle Hl. Michael auf der Oravaer Burg auf. Das ideale Schicksal für das erneuerte und restaurierte Denkmal, in diesem Fall eine Kirche, repräsentiert die Erfüllung seiner Funktion als eines liturgischen Raums. Eine der gegenwärtigen Forderungen ist jedoch auch dessen Nutzung zu angemessenen kultur-gesellschaftlichen Zwecken, um den Bewohnern der Gemeinde Horná Lehota einen lebendigen Raum anzubieten und allen anderen, die sich für Geschichte, Denkmäler und das Kulturerbe interessieren, zugänglich zu sein. Die Kirche soll nicht zu einem Museum werden, doch dieses äußerst wertvolle nationale Kulturdenkmal, eine kompakt erhaltene Renaissancekapelle mit gemalter Verzierung, erfordert und verdient gerade solche museumsartige Präsentation.

KATEGORIE  AKTION – VERANSTALTUNG

Gemalte Geschichte Bratislavas. Die Kinder illustrieren die Geschichten von Pavel Dvořák
Das Projekt mit den Worten der Autorin Beáta Husová
Das zweijährige Projekt des Museums der Stadt Bratislava (MMB) Gemalte Geschichte Bratislavas –  Die Kinder illustrieren die Geschichten von Pavel Dvořák (2014 – 2015) ging von der Entwicklungsstrategie der Museen und Galerien in der Slowakischen Republik bis zum Jahre 2018 aus und sein Ziel war es, neue Kenntnis zu bringen und vor allem während zwei Jahren eine möglichst große Kommunitätsgruppe der kindlichen Museumsbesucher zu gewinnen. Es stützte sich auf die existierende Konzeption der Museumspädagogik des MMB, die in dem Inhalt des Kinderateliers Museum hat Zukunft (seit 2011) unter dem Namen Alles über das Museum und die Geschichte Bratislavas verankert ist. Die Einbeziehung junger Besucher in eine neue sinnvolle und attraktive freizeitliche Aktivität war von Anfang an auf die Herausgabe einer Publikation zusammen mit dem renommierten Historiker Pavel Dvořák gerichtet.
Das Projekt Gemalte Geschichte Bratislavas – Die Kinder illustrieren die Geschichten von Pavel Dvořák bot den Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 – 16 Jahren eine einmalige Gelegenheit, zum Illustrator der Geschichten eines Historikers für das vorbereitete Buch zu werden. Es war nötig, die angehörten Geschichten zu bedenken, die Handlung und Zeit zu illustrieren, sich den Herrscher, die Menschen aus der Vergangenheit, deren Kleidung oder sogar all das, was in der einen oder anderen Geschichte unausgesprochen blieb, vorzustellen. Die chronologisch angeordneten 39 Geschichten aus der Vergangenheit Bratislavas, die vom Popularisator der Geschichte Pavel Dvořák erzählt wurden, repräsentierten eine Zeitreise von der Urzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Der didaktische Charakter des Projektes ergab sich aus der Einordnung der Geschichten in konkrete historische Perioden vor allem durch die Beispiele von Sammlungsgegenständen als authentischen Lehrmitteln.
Die ersten Ergebnisse des Projektes in Form von Illustrationen präsentierte man in der Ausstellung Gemalte Geschichte Bratislavas – Die Kinder illustrieren die Geschichten von Pavel Dvořák von 9. Dezember 2014 bis 11. Januar 2015 im „Kleinen Buch“ und dem Programmleporello für das Jahr 2015. An dem Projekt beteiligten sich die Schulen sowie Einzelpersonen mit mehr als 800 Illustrationen. 179 von ihnen illustrieren das Buch.

ZVOLEN  UND  DIE  UMGEBUNG

Radoslav Ragač
Zvolen – die Geschichte einer Handwerkerstadt
Zvolen zählt zu den ältesten mittelalterlichen Städten auf dem Gebiet der Slowakei. Bei der Gründung der Stadt spielte eine wichtige Rolle die günstige Lage an einer Kreuzung der Fernhandelswege. Das Gebiet war schon seit der Urzeit kontinuierlich besiedelt und über dem naheliegenden Bach Neresnica entstand im 9. Jahrhundert der slawische Burgwall Priekopa, der auch am Anfang der Herausbildung des Ungarischen Staates funktionsfähig und erneut befestigt war. Die Kontinuität der Besiedlung von mehreren kleineren Dörfern in der Umgebung von Zvolen ist auch in der nachgroßmährischen Periode archäologisch nachgewiesen. Die erste urkundliche Erwähnung, die direkt Zvolen betrifft, befindet sich in der sog. Chronik des Anonymus aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert. Das Stadtrecht erwarb Zvolen von dem ungarischen König Béla IV. im Jahre 1238. Einzigartig ist es dadurch, dass es nicht wie sonst den sog. Gästen – hospites – erteilt wurde, sondern der einheimischen Bevölkerung, die beim Anfang des Aufbaus der Stadt anwesend war.
Seit dem Mittelalter beruhte die Zvolener Stadtökonomik auf Handwerken, Landwirtschaft und Handel. Auf die ersten Belege für Zvolener Handwerker stoßen wir in schriftlichen Quellen bereits während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Zünfte, die in unseren Städten schon seit dem 14. Jahrhundert erscheinen, organisierten die handwerkliche Produktion, Ausbildung der Lehrlinge und Gesellen und repräsentierten eine Garantie der Qualität und langzeitiger Stabilität des Handwerks. Sie spielten jedoch wichtige Rollen auch im sozialen und religiösen Gebiet, beteiligten sich an militärischer Verteidigung und Feuerschutz der Städte und an deren kultureller Entwicklung. Die älteste belegte Zunft in Zvolen sind die Schuhmacher – Czech der Schuchmacher (1537). Im 16. Jahrhundert entstanden mehrere weitere Zünfte – die Metzger (1562), Schneider (1571), Schlosser und Schwertschmiede (um 1577), Schmiede (1613). In den 1630er Jahren wirkten in Zvolen kontinuierlich die sechs ältesten Handwerkerzünfte: Stiefelmacher, Metzger, Hutmacher, Schuhmacher und die vereinte Zunft der Schlosser, Schmiede und Schwertschmiede. Im 18. Jahrhundert ist die Zahl der Zvolener Zünfte angewachsen, es entstand auch eine neue vereinte Zunft der Stiefelmacher, Gerber und Töpfer. Im Jahre 1803 waren in der Stadt schon wenigstens 13 Zünfte tätig. Ein Teil der Zvolener Handwerker war in Zünften organisiert, die in den umliegenden Städten wirkten. Die Zvolener Färbermeister, Riemenschneider und Goldschmiede waren zum Beispiel in Banská Bystrica organisiert. Im 17. Jahrhundert siedelte in Zvolen für eine gewisse Zeit die regionale Zunft der Stiefelmacher aus Bergbaustädten und die Regeln der Zvolener Stiefelmacher wurden von den Zünften in Brezno, Fiľakovo und Slovenská Ľupča übernommen. Nach Auflösung der Zünfte wurden ihre Traditionen in mehreren Vereinen fortgesetzt, zum Beispiel im Stiefelmacherverein. Seinen traditionellen Charakter behielt Zvolen bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als hier nach dem Ausbau der Eisenbahn mehrere bedeutende Industriebetriebe entstanden, die das Gepräge der Stadt für immer verändert haben.

Tatiana Figurová
Das Amateurtheater in Zvolen im Sammlungsbestand des Museums für Forst- und Holzwirtschaft
Im Sammlungsbestand des Museums für Forst- und Holzwirtschaft (LDM) befindet sich eine Kollektion, die die Aktivität der Zvolener Amateurtheater nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918 bis zum Anfang der 1960er Jahre dokumentiert. Es handelt sich vor allem um einen Verband von ungefähr 70 Plakaten, die Theaterbulletins und Einladungen, Szenenentwürfe, Register der Spiele und Rollenbesetzung, Drehbücher, Bücher, eine Sammlung von Negativen und Positiven und einige Gegenstände, die von den Schauspielern bei Vorstellungen verwendet wurden – z. B. Theaterschminken oder Requisiten. Weitere Fakten über das Amateurtheater findet man in Materialien, die im Museumsarchiv aufbewahrt werden, vor allem in der zeitgenössischen regionalen Presse und der Korrespondenz.
Eine wertvolle Informationsquelle zur Geschichte des Amateurtheaters in Zvolen repräsentieren die Zeichnungen, Eintragungen und Erinnerungen von Gustáv Stadtdrucker (1906 – 1980), Theaterregisseur, Bühnenbildner und Schauspieler, einem der bedeutendsten Theateramateure in Zvolen. Diese Informationen ergänzen die Literaturangaben und Fakten, die durch das Studium der Materialien aus dem Bestand des Slowakischen Nationalarchivs, des Theaterinstituts in Bratislava, des Literaturarchivs der Slowakischen Nationalbibliothek Martin und des Staatsarchivs Banská Bystrica, Zweigstelle Zvolen gewonnen wurden.
In Zvolen begann sich die Geschichte des slowakischen Amateurtheaters noch zur Zeit Österreich-Ungarns zu schreiben, doch die Verhältnisse in der Monarchie haben den Stadtbewohnern nicht erlaubt, das slowakische Theater öffentlich zu spielen, obwohl sich mehrere bedeutende Zvolener darum bemühten (Samuel Medvecký, Miloš Štefanovič, Viliam Paulíny-Tóth). Es wurde nur im Privatbereich gespielt – in den national orientierten Haushalten. Nach der Entstehung der Tschechoslowakei hat sich die Situation grundsätzlich geändert. Im Amateurtheater begannen Interessengemeinschaften aktiv zu wirken, zum Beispiel im Jahre 1919 der Slowakische Bildungs- und Leserverein und die Turnbewegung Sokol oder im Jahre 1922 der Verband der tschechoslowakischen Theateramateure, später auch weitere Körperschaften, Vereine, Verbände und Gruppen. Im Jahre 1933 begann sich die Geschichte des berühmten Amateurverbandes Detvan zu schreiben, der ungefähr fünfzig Schauspieler vereinte. Das Amateurtheater in Zvolen wurde besonders in der Zwischenkriegszeit zu einem der wichtigsten Initiatoren des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in der Stadt. Dank Tourneen vermittelten die Ensemble-Mitglieder ihre Kunst auch den Bewohnern der umliegenden Dörfer und Städte. Die Arbeit des Ensembles wurde jedoch durch das Zweite Weltkrieg unterbrochen. Die Tradition von Detvan (aufgelöst im Jahre 1965) bildete eine Basis für die Gründung der professionellen Theaterszene in Zvolen, zuerst unter dem Namen Mittelslowakisches Theater und seit dem Jahre 1954 als Jozef Gregor Tajovský-Theater.

Vladimír Sklenka
Das slowakische Gymnasium in Banská Bystrica in den Jahren 1852 – 1867
In Banská Bystrica wirkte in den Jahren 1852 – 1867 das slowakische obere (achtjährige) katholische Staatsgymnasium. Nach den Revolutionsjahren 1848/1849 wurde es zu einem der wenigen sichtbaren Ergebnisse, die die Slowaken in Ungarn erreicht haben. Die Tätigkeit des ursprünglich gesamtslowakischen Gymnasiums in Banská Bystrica wurde später vor allem auf die vier „slowakischen“ Stuhlbezirke beschränkt: Zvolener, Turzer, Liptauer und Oravaer. Im Rahmen Ungarns hat man allmählich auch drei weitere slowakische Gymnasien errichtet, die jedoch nicht mehr staatlich waren, sondern unter einem Patronat standen: das slowakische evangelische Obergymnasium in Revúca (1862 – 1874), das slowakische untere (vierjährige) evangelische Gymnasium in Martin (1866 – 1874) und nach der Auflösung des slowakischen Gymnasiums in Banská Bystrica wurde das slowakische katholische Untergymnasium in Kláštor pod Znievom (1869 – 1874) gegründet.
Bis heute werden in der Fachliteratur einschließlich der Lehr- und Sachbücher nur drei slowakische Patronatsgymnasien erwähnt, und zwar diejenigen in Revúca, Martin und Kláštor pod Znievom. Authentische Quellen belegen jedoch, dass das Gymnasium in Banská Bystrica seit Oktober 1852 als ein reguläres slowakisches Staatsgymnasium unter dem Namen Kaiserlich-königliches katholisches oberes Staatsgymnasium in Banská Bystrica wirkte. Als regulär betrachtete es auch der Zvolener Gespan Béla Grünwald, einer der größten Magyarisatoren jener Zeit, der später für die Schließung aller slowakischen Gymnasien sorgte.
Dem Gymnasium in Banská Bystrica diente zuerst das Gebäude des alten Rathauses im Areal der Stadtburg. Im Jahre 1858 baute die Stadt Banská Bystrica auf Antrag des Bischofs Štefan Moyzes für das slowakische Gymnasium ein neues spezielles Schulgebäude, das zu den modernsten in Ungarn zählte. In dem bis heute erhaltenen Objekt befand sich eine schulische meteorologische Beobachtungsstation, die Klassenzimmer sind entlüftet worden und waren mit einer Wasserzufuhr ausgestattet. Da in der Slowakei slowakische Professoren fehlten, unterrichteten bis zum Jahre 1861 in diesem Gymnasium neben den slowakischen Professoren Ján Gotčár, Juraj Slota, Ján Gerometta, Anton Cebecauer, Michal Chrástek und Martin Čulen vor allem die anerkannten tschechischen Professoren Jakub Dragoni, Matěj Ružička, Václav Vlček, Václav Zenger und andere. Der letztgenannte hat sich mit seinen Erfindungen im ganzen Europa hervorgetan. In Banská Bystrica hat er als erster photographiert und meteorologische Beobachtungen und Messungen durchgeführt.
In dem Gymnasium wurden folgende Fächer unterrichtet: Religion, lateinische, deutsche und slowakische Sprache, Geographie, Mathematik, Geometrie, Naturkunde, Geschichte, griechische Sprache und Physik. Wahlfreie Fächer umfassten in dieser Zeit die ungarische und französische Sprache, Kaligraphie, Stenographie, technisches Zeichnen, Gesang und Gymnastik. Nach Erlassung des Oktoberdiploms im Jahre 1860 gelangte in den Vordergrund die Idee einer einheitlichen ungarischen Nation, die auch das Gymnasium in Banská Bystrica betroffen hat. Nach der Versetzung oder Pensionierung der tschechischen Professoren im Schuljahr 1861/1862 hat man sie durch ungarische Professoren ersetzt. Štefan Moyzes, der schon vorher selber vorgeschlagen hat, den Ungarischunterricht in den pflichtgemäßen Lehrplan einzuordnen, war von dieser Handlung der ungarischen Regierung überrascht und trotz seiner Mühe konnte er die Existenz des slowakischen Gymnasiums nicht langzeitig bewahren. Das Gymnasium endete seine Tätigkeit definitiv im Jahre 1867.

Roman Hradecký
Mortuarien aus dem Mittelslowakischen Museum in Banská Bystrica
Das Wappen, als ein Zeichen, das von der ganzen Gesellschaft respektiert wird und für alle Bevölkerungsschichten verständlich ist, begleitete seinen Träger das ganze Leben lang. Eine unvertretbare identifizierende und deutliche repräsentative Funktion erfüllte es auch bei dem letzten Abschied und auch lange nach dem Tod. Seit dem Mittelalter war es eine Gewohnheit, nach dem Tod eines Adligen seinen Schild mit Wappen, den Helm und die anderen Rüstungsteile bei der Beerdigung und dann über seiner letzten Ruhestätte in der Kirche auszustellen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts, als die Heraldik die Schlachtfelder verließ und sich in die anderen Sphären des Lebens ausbreitete, wurde das Wappen auf Kunstwerke übertragen, die auch die Funktion des Wappenschildes bei Trauerzeremonien übernahmen und danach als ein dauerhaftes Andenken an den Verstorbenen in den Kirchen blieben. Im Allgemeinen benutzt man für die mit der Bestattung und der Ruhestätte verbundenen Denkmäler die lateinische Bezeichnung Mortuarium. Im engeren Sinne des Wortes verwendet man diesen Begriff mit zwei konkreten Gruppen von Denkmälern, die das Wappen des Verstorbenen und eine Inschrift enthalten. Die erste Gruppe umfasst hölzerne oder metallene reliefbemalte und goldverzierte runde oder ovale Grabschilde, wo das Wappen und die Inschrift von Symbolen der Tätigkeit des Verstorbenen (Waffen, Flaggen, Rüstung), beziehungsweise von Symbolen des Todes (Sanduhr, Schädel) begleitet werden. Man benutzte sie bei den Bestattungszeremonien, während der Trauerzeit waren sie auf Häusern der Verstorbenen aufgehängt, wurden im Leichenzug getragen und nach der Beerdigung hängte man sie an die Kirchenwand in der Nähe des Grabmals des Verstorbenen.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts begann man auch die sog. Funeralwappen (Totenwappen, halotti címerek) zu benutzen, die ursprünglich nur während der Bestattung zur Identifikation des Verstorbenen, als szenische Dekoration der Trauerzeremonien und zur Informierung der Leidtragenden dienen sollten. Diese Wappen waren auf rechteckigem Stück Seide oder Papier gemalt und mit einer Inschrift versehen. Aufgrund der schriftlichen und bildlichen Quellen waren sie in mehreren Reihen auf dem schwarzen Bahrtuch befestigt, beziehungsweise an den Stufen des sog. castrum doloris.
Die Kollektion von Mortuarien aus dem Mittelslowakischen Museum umfasst 203 Funeralwappen, die 176 Personen aus 132 Adelsfamilien gehört haben. Das älteste Sammlungsstück repräsentiert ein seidenes Mortuarium aus dem Jahre 1708 (Kat. Nr. 180), das jüngste dann ein Papiermortuarium aus dem Jahre 1933 (Kat. Nr. 140), so dass man sehr gut die bildkünstlerische, stilistische sowie sprachliche Entwicklung dieser Werke innerhalb von mehr als zwei Jahrhunderten verfolgen kann. 113 Wappen sind auf Textil gemalt (Seide, Taft, Brokat) und 90 auf Papier. Bis ungefähr 1810 überwiegen die seidenen Mortuarien, nach diesem Jahre gleichen sich die Zahlen aus und seit etwa 1825 beginnen die Papierwappen zu dominieren.
Die Kollektion von Mortuarien aus dem Mittelslowakischen Museum in Banská Bystrica zählt zu den größten Sammlungen von Funeralwappen aus Seide und Papier im ganzen mitteleuropäischen Raum. Die einmalige Sammlung wurde von Štefan Kocka in den Jahren 2013 – 2016 restauriert.

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Ilija, kostol sv. Egídia – detail románskeho portálu