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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 3/2013

23. septembra 2013
JAHRESPREISE 2012 DER REVUE PAMIATKY A MÚZEÁ

Vladimír Plekanec
Der Fund eines mittelalterlichen Freskogemäldes in der Kathedrale des Hl. Emmeram in Nitra
In Nitra dominiert schon Jahrhunderte lang die Nitraer Burg, deren Geschichte seit dem 11. Jahrhundert mit der Existenz des Nitraer Bistums eng verknüpft ist. Zum Burgkomplex gehört auch die Kathedrale des Hl. Emmeram, die aus drei innerlich verbundenen Räumen besteht –der sog. oberen Kirche, der unteren Kirche und der Kapelle des Hl. Emmeram. Ihre beinahe achthundertjährige kontinuierliche Bauentwicklung endete in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit einem Barockumbau mit reicher Ausschmückung, die die älteren Entwicklungsschichten überdeckt hat. Die barocke Ausschmückung der oberen sowie unteren Kirche bildet schon seit sechs Jahren das Hauptthema von einem der größten Restaurierungsprojekte, die in letzter Zeit in der Slowakei realisiert wurden. Gegenwärtig wird die Restaurierung des Interieurs der unteren Kirche abgeschlossen, womit auch das ganze Renovierungsprojekt endet. Als außergewöhnlich zeigte sich im Rahmen der Renovierung die Entdeckung mittelalterlicher Wandgemälde in der unteren Kirche, die von jüngeren historischen Schichten überdeckt waren. Unter dem frühbarocken Steinaltar identifizierte man ein mittelalterliches Freskogemälde Kreuzabnahme Jesu aus dem Jahre 1662 (wir haben darüber in Pamiatky a múzeá Nr. 4/2012 geschrieben). Das Fresko aus Nitra repräsentiert hinsichtlich seines Inhalts und seiner Form eines der wertvollsten mittelalterlichen monumentalen Werke im Gebiet nördlich der Alpen. Gemalt wurde es von einem Maler, der die Tradition der Freskomalerei des italienischen Trecento repräsentierte.
Der Verwalter des Denkmals, Römisch-katholische Kirche – Bistum Nitra, setzt sich zum Ziel, diesen wertvollen Fund als einen untrennbaren Teil der Architektur an seiner ursprünglichen Stelle zu präsentieren und den Altar Kreuzabnahme Jesu als ein tragbares Werk an eine Ersatzstelle zu verlegen.

Maroš Borský
Jüdisches Gemeindemuseum in Bratislava
Das Jüdische Gemeindemuseum ist ein Ergebnis langjähriger Politik der Jüdischen Religionsgemeinde Bratislava im Bereich des Schutzes ihrer wertvollen Denkmäler. Das erste Projekt war die Errichtung des Chatam Sofer-Denkmals, die 2002 beendet wurde. Im Jahre 2006 begann die allmähliche Rekonstruktion der Synagoge in der Heydukova-Straße und Erneuerung des Zeremoniensaals auf dem Neuen orthodoxen Friedhof. Im Jahre 2008 hat die Gemeinde die Judaika-Sammlung von Eugen Bárkány in ihre Pflege aufgenommen. Hinter der Realisation des Jüdischen Gemeindemuseums, das ein reiches Kulturerbe der Bratislavaer Juden vorstellt, stehen die Kuratorin der Sammlung Jana Švantnerová, die Photodokumentaristin Viera Kamenická und der Projektleiter Maroš Borský.
In der ersten Etappe des Projekts (2008 – 2009) verlief die Bearbeitung von 1 122 Sammlungsgegenständen, ihre Dokumentation und Bestandsaufnahme sowie Fachbehandlung der am meisten gefährdeten Gegenstände. Die zweite Etappe des Projekts (2010) konzentrierte sich auf eine detaillierte Untersuchung der Sammlungsgegenstände und die Vorbereitung der kuratorischen Konzeption des werdenden Museums. Damals begann auch die Zusammenarbeit mit dem Architekten Martin Lepej, der die Aufteilung der Ausstellungsräume, graphische Identität der Dauerausstellung sowie visuelle Gestaltung der Webseiten und der Publikationen entworfen hat.
Im Jahre 2011 wurden bauliche und technische Änderungen künftiger Ausstellungsräume des Museums durchgeführt. Es handelte sich um einen langzeitig ungenutzten Teil der Synagoge – die Frauengalerie mit anliegender Treppe, die als Lager für alte Möbel und Bücher diente. Die Renovierung dieser Räume wurde am Ende 2011 abgeschlossen und bereits im Frühling 2012 wurden hier Ausstellungsvitrinen und -paneele, Beleuchtung und andere notwendige technische Komponenten der Ausstellung installiert. Den Kern der Exposition des Jüdischen Gemeindemuseums bildet eine Dauerausstellung mit dem Titel Juden in Bratislava und ihr Kulturerbe, die im Hauptsaal installiert ist.

Katarína Bajcurová
Mednyánszky aus der Sammlung von Dr. Leo Ringwald
Die Ausstellung Mednyánszky aus der Sammlung von Dr. Leo Ringwald, die am 3. Mai – 1. Juni 2012 in Ausstellungsräumen der Auktionsgesellschaft SOGA in Bratislava stattgefunden hat, wurde im wahrsten Sinne des Wortes zum Kulturereignis des Jahres. Symbolisch und tatsächlich gab sie der Slowakei eine relativ umfangreiche Kollektion von mehr als 140 Werken von Ladislav Mednyánszky (1852 – 1919) zurück, die man bis vor kurzem für verloren hielt. Die Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen gehörten ursprünglich zur Privatsammlung des Rechtsanwalts Leopold Ringwald und durch Zusammentreffen seiner Lebenswege und der historischen Umstände gelangten sie ins Ausland.
Die Sammlung entstand in der Slowakei, in Trenčín, und wurde hier bis 1939 aufbewahrt. Doktor Leopold Ringwald (1888 – 1968) war Mednyánszkys Anwalt und gehörte zu angesehenen Kunstsammlern. Aus Angst vor Faschismus und Rassenverfolgung emigrierte er im Jahre 1939 zusammen mit seiner Familie nach Großbritannien und nahm auch den Großteil seiner Sammlung mit. Die Werke hat er auf offiziellem Weg mit Zustimmung des Referates für Denkmalschutz in der Slowakei ausgeführt.
Das Interesse der slowakischen Kunsttheorie und -geschichte für Ladislav Mednyánszky reicht bis in die 1950er Jahre zurück, die Ringwald-Sammlung konnte jedoch erst ein halbes Jahrhundert später präsentiert werden. Im Jahre 2009 kam ein Teil der Sammlung aus den Händen der Erben Ringwalds in den Verkauf im Auktionshaus Dreweatt’s in Donnington, von wo er durch ungarische Kunsthändler abgekauft wurde. Dank diplomatischer Verhandlungen der Vertreter des Bratislavaer Auktionshauses SOGA ist es schließlich gelungen, die teilweise schon in anderen Privatbesitzen verstreuten Werke wieder zusammenzutragen und zum ersten Mal in der Slowakei auszustellen.

Eva Sudová
Der Wirtschaftskomplex Kuffner
Eine Gruppe von Amateurenthusiasten in Sládkovičovo (bis 1947 Diószeg) bemüht sich schon Jahre lang um die Rettung der bedeutendsten Objekte des Komplexes der örtlichen Zuckerfabrik, die im Jahre 1867 vom Baron Karl Kuffner de Diószegh gegründet wurde. Zu ihren Aktivitäten haben sie auch die Denkmalpfleger eingeladen und zum Ziel setzten sie sich, den Wirtschaftskomplex Kuffner in die Zentrale Liste der Denkmäler einzutragen. Da die Verwüstung und Liquidation der Objekte schneller vorgeht als der Prozess der staatlichen Bestandsaufnahme der Denkmäler, schlugen die Fachleute schon im Jahre 2006 vor, die Liste von Sehenswürdigkeiten der Stadt Sládkovičovo um diesen einzigartigen Komplex industrieller Gebäude zu erweitern. Die Abgeordneten der Stadtvertretung haben diesen Vorschlag jedoch bis heute nicht angenommen. Im Jahre 2012 hat das Kulturministerium der Slowakischen Republik dem wiederholt eingereichten Grantantrag im Rahmen des Programms Obnovme si svoj dom (Erneuern wir unser Haus) stattgegeben. In der ersten Phase der Realisation des Projekts bildete sich ein breiteres Team von Historikern heraus – Peter Buday, Monika Chalmovská, Petra Kalová, Naďa Kirinovičová, Alžbeta Rössnerová, Róbert Sekula, Eva Sudová, Lóránt Talamon und Jana Váňová –, die im Wirtschaftskomplex Kuffner insgesamt 57 rettungsgeeignete Objekte aussuchten. Manche von ihnen haben sie vermessen und sie fertigten auch technische Zeichnungen und Karten einzelner Bauetappen der Zuckerfabrik an. Die Wirtschafts- sowie Wohnanlagen und die damit zusammenhängenden Bauten wurden in fünf Gruppen nach dem Erhaltungsgrad aufgeteilt. Am kleinsten war leider die Gruppe von gut erhaltenen, bzw. fachlich rekonstruierten Bauten (administratives Gebäude der Zuckerfabrik, das Kleine Schloss, Villa Pfeffer, die Kirche). Am meisten verwüstet war die Arbeiterkolonie, die noch in den 1990ern von Blumengärten der Angestellten der Zuckerfabrik geschmückt wurde.
Die Historiker haben insgesamt 34 Stichworte über die interessantesten Objekte des Wirtschaftskomplexes Kuffner bearbeitet. Erwähnenswert unter ihnen sind die Herstellungsanlagen der Zuckerfabrik, Konservierungs- und Gefrieranlage, Werkstatt für Wirtschaftsmaschinen, Lager für Ersatzteile, Speicher, Garagen, Wasserversorgungsanlagen, Verkehrssysteme, administratives Gebäude, Kasino, Pforte und die Wohnanlagen – ein Wohnblock, Villa des Direktors (das sog. Kleine Schloss), Villa Pfeffer, Haus Wollner, das Haus von Dr. Pongrácz und das Apothekerhaus. Einen selbständigen Komplex bildeten die Arbeiterkolonie und das Arbeiterhotel, die Mühlen – Mária-Mühle, das Wohnhaus bei der Mária-Mühle, Dampfmühle und Wassermühle – ein kleines Wasserkraftwerk. Zum breiteren Baukomplex gehörten auch Objekte in der Stadt – Areal des Schlosses, Mausoleum, Schlosspark, Speicher im Park, Kirche der Mariä Himmelfahrt, Dreifaltigkeitssäule, römisch-katholische Volksschule, Kindergarten, Denkmal den Gefallenen im Ersten Weltkrieg und der Judenfriedhof.
Das Ergebnis dieser Phase des Projektes ist die Publikation Kuffnerovský hospodársky komplex (Der Wirtschaftskomplex Kuffner, Umfang 176 Seiten, mehr als 300 Bildbeilagen, 2012) und eine Paneel-Wanderausstellung. Gegenwärtig werden die Vorschläge zur Erklärung der wertvollsten Objekte zu nationalen Kulturdenkmälern vorbereitet.

Eva Spaleková
Wandgemälde im Presbyterium der Kirche des Hl. Jakob in Levoča
Im Jahre 2012 endete die Restaurierung der Wandgemälde und Steinelemente des Interieurmantels im Presbyterium der Kirche des Hl. Jakob in Levoča, die seit 2010 im Laufe von drei Kampagnen durch das Regionale Restaurierungsatelier in Levoča durchgeführt wurde. Dieses anspruchsvolle Restaurierungsprojekt bedeutet eine qualitative Verschiebung in der Auswertung dieser Kollektion von Wandmalereien. Die Wandgemälde in mehreren Bändern sind in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert, in den Jahren 1889 – 1890 wurden sie von Franz Storno restauriert, der sie komplett übermalte und stellenweise durch neue Malereien ergänzte. Während der Restaurierung des Hauptaltars in den Jahren 1952 – 1954 haben die Gebrüder Kotrba die ursprüngliche Bemalung der Steinglieder des Heiligtums und des Gewölbes freigelegt.
Neben einer primären physischen Rettung des Werkes bestand die Restaurierung vor allem in Präzisierung, bzw. Erweiterung der existierenden Ikonographie der abgebildeten Heiligen und Szenen sowie in einer zwar minimalen, aber wirkungsvollen Freilegung und Präsentation älterer gotischer Schichten unterhalb der sekundären Übermalung aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Verantwortlicher Restaurator im Rahmen dieser anspruchsvollen Aktion war Peter Hric, der mit einem Kollektiv der Angestellten des Regionalen Restaurierungsateliers (ORA) in Levoča zusammengearbeitet hat. Restauriert wurden Wandgemälde auf dem ganzen Umfangsmantel des Presbyteriums samt Gewölbe und architektonische und dekorative Steinelemente einschließlich des turmartigen Pastophorions.
In der ersten Etappe (2010) realisierte man die Reinigung der Oberfläche, Abtragung sekundärer Retuschen, Verkittung beschädigter Stellen und Reinigung der Figuralverzierung auf Wandgemälden. Nachdruck legte man auf die Erhaltung der primären Farbschicht. Die zweite Etappe der Arbeiten (2011) konzentrierte sich auf Farbvereinigung im Raum des Presbyteriums. Man hat ebenfalls die Übermalungen von Storno an der Nordwand des Presbyteriums abgetragen und die Gewölberippen anhand gefundener Fragmente restauriert.
In der dritten Etappe (2012) endete die Freilegung von Übermalungen bis zu der ältesten gotischen Schicht an der Südostwand, die eine der Szenen des Zyklus der Monatsarbeiten präsentiert. Repariert wurde auch Stornos fehlerhafte Übermalung der Apostel, mit der er bei seiner Realisation der Erneuerung den Ordnungsrhythmus der Figuren brach. Durch die Restaurierung der Wandgemälde wurde einigen ausgewählten Teilen einzelner Szenen ihre Authentizität zurückgegeben und der ganzen Komposition eine bessere Lesbarkeit verliehen. Über die Art von Präsentation der Gemälde mit Erhaltung einiger Eingriffe und Realisationen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert entschied die Fachabteilung für bildkünstlerische und kunsthandwerkliche Denkmäler beim Denkmalamt der Slowakischen Republik.

Milan Kazimír
Malerische Ausschmückung des Gartenpavillons in Trnava
Das nationale Kulturdenkmal in der Kalinčiakova-Straße Nr. 5 in Trnava, unter dem Namen Spiegelsaal bekannt, zählt zu den wenigen erhaltenen Objekten außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns, deren Ursprung tiefer als ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Erbauen ließ es Jozef Skolonič, ein im Dorf Vydrany ansässiger Aristokrat und Unternehmer kroatischer Herkunft, der in den letzten Dekaden des 18. Jahrhunderts seine unternehmerischen Aktivitäten nach Trnava konzentrierte. Seit 1789 wohnte er in Trnava in einem Meierhof mit Garten unweit des Franziskanerklosters hinter dem westlichen Abschnitt der Stadtmauern, den er damals vom Bischof und Kanoniker Imrich Okoličáni gekauft hat. Dieses schon existierende wohn-wirtschaftliche Areal ergänzte Skolonič durch ein kleineres, aber umso reichhaltiger gestaltetes Gebäude.
Der klassizistische Gartenpavillon wird zum ersten Mal im Jahre 1791 als im Bau befindlich erwähnt. Ein Jahr später war das Gebäude schon fertig, wovon die Jahreszahl über dem Haupteingang zeugt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte das Areal mehrere Besitzer, seit 1875 war es beinahe siebzig Jahre lang in den Händen der Familie Krausz. Im Jahre 1942 verkaufte es Otto Krausz an Jozef Hulík, der das ganze Areal abreißen und an dessen Stelle eine Wurstfabrik bauen wollte. Das Bezirksamt hat ihm jedoch angeordnet, den Wohnteil mit dem alten Turm, dem sog. Spiegelsaal im Hinterteil der Parzelle zu reparieren. Dank dessen blieb der einzigartige Bau bis heute erhalten, obwohl er als Lagerraum genutzt wurde und seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verödete.
Über die Renovierung des Objektes hat man schon im Jahre 1979 nachgedacht, als die geodätische Vermessung gemacht und die Photodokumentation zur Denkmalerneuerung angesammelt wurde. Ende der 1980er Jahre hat man das Dach repariert und das ganze Gebäude isoliert. Unterbrochen wurden die Arbeiten wegen der Restitution des Eigentums und der Interesselosigkeit der Restituenten an jeglichen Investitionen in das Bauobjekt. Seine Rettung kam erst mit neuen Besitzern, die im Jahre 2006 mit Erneuerung des Exterieurs begonnen haben. Nach Feststellung der Existenz und des Erhaltungsgrades der klassizistischen malerischen Ausschmückung im Interieur wurde die Ausmalung im Jahre 2012 restauriert. Die Malerei von einem geschulten, aber unbekannten Autor stellt illusorische hölzerne Gartenarchitektur dar – eine Laube – und findet in der Slowakei keine Analogien. Ihre Renovierung wurde von den Restauratoren Peter Koreň, Martin Vojtko und Juraj Gregorek durchgeführt. Die restauratorische Erneuerung des typologisch einmaligen Kleinbaus aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, unter anderem auch mit Finanzunterstützung der Stadt Trnava realisiert, bildet einen Teil der Denkmalerneuerung des gesamten Objektes, die im Jahre 2013 abgeschlossen sein sollte.

Ivan Ostrochovský
Durchscheinende Landschaft
Die Dokumentarserie Celluloid country entstand in Koproduktion der Privatgesellschaft Punkchart films, des Hörfunks und Fernsehens der Slowakei und des Slowakischen Filminstituts unter der Regie von Martin Šulík und Ivan Ostrochovský und wurde im Slowakischen Fernsehen in den Jahren 2012 – 2013 ausgestrahlt. Sie kartiert in 9 Folgen die Geschichte des Dokumentarfilms mit Bezug zu heutigem Gebiet und Kontext der Slowakei. Die Serie präsentiert ein gewisses Konzept des audiovisuellen Gedächtnisses, in welchem durch das Porträt des Dokumentarfilms auch „das Antlitz der Landschaft“ durchscheint. Sie versucht, den verspäteten und vernebelten Anfang der slowakischen Kinematographie zu interpretieren, die auf dem Hintergrund zweier Totalitäten entstand und dieses Erbe bis heute mit sich trägt.

KOŠICE

Ivan Havlice
Das Epitaph der Spilenbergers
Das Ostslowakische Museum in Košice wurde im Jahre 1872 gegründet und es ist das zweitälteste Museum in der Slowakei. Unter den unzähligen Sammlungsstücken dieses Museums befinden sich solche, die mit ihrem künstlerischen, dokumentarischen und historischen Wert die Grenzen der Region überschreiten. Dies ist auch der Fall eines gemalten Blechepitaphs aus dem Jahre 1656, das sich in der Dauerausstellung „Jahrhunderte in der Kunst“ befindet. In den Sammlungsbestand des Museums gelangte es vor dem Jahre 1920 aus dem römisch-katholischen Pfarramt des Doms der Hl. Elisabeth. Anhand dessen kann man annehmen, dass das Epitaph ursprünglich in dieser Kirche aufbewahrt wurde. Zur Entstehungszeit des Epitaphs gehörte die Kirche nämlich den Protestanten und den Katholiken wurde sie erst im Rahmen der Rekatholisierung im Jahre 1671 zurückgegeben.
Das Epitaph wurde vermutlich in Kellerräumen der Pfarrei gelagert. Das Museum übernahm es in einem sehr schlechten Zustand, es war so gut wie unlesbar. In älteren Zuwachsbüchern des Museums ist es gar nicht eingetragen oder detailliert beschrieben. Im Museum wurde es bis 1996 zusammen mit anderen unidentifizierbaren Gegenständen unter der Registriernummer S 1757 aufbewahrt. In jenem Jahr hat man jedoch im Museumsbudget das Geld für seine Restaurierung gefunden und so hat seine neue Geschichte begonnen.
Das Epitaph ist meistens nur ein Erinnerungstext, doch es kann auch ein bildkünstlerisches Kammerwerk sein. Zusammen mit Denkmälern und Grabsteinen, Totenporträts, Prozessionsfahnen usw., gehört es zu den sogenannten Mortuarien. Der Unterschied zwischen einem Grabstein und einem Epitaph liegt vor allem darin, dass sich die Grabsteine ursprünglich immer direkt auf Krypten und Gräbern befanden, während die Epitaphe auch als Ehrenbezeigung gegenüber den Verstorbenen gedient haben, die manchmal auch weit von ihrer Begräbnisstätte platziert waren. Einige von ihnen, wie auch in diesem Fall, könnten sogar der Erinnerung an mehrere Verstorbenen gewidmet gewesen sein. Sie hatten verschiedene Formen – von einfachen Kartuschen mit Text über Bilder mit biblischen Szenen bis zu komplizierten architektonischen Kompositionen, die an Altäre mit reicher geschnitzter und gemalter Verzierung erinnern. An allen befinden sich Dedikationstexte.
Das zentrale Motiv unseres Epitaphs repräsentiert die Kreuzigung mit Figuren der Jungfrau Maria und des Hl. Johannes, im Hintergrund zeichnet sich dann der Kopf einer dritten Figur ab, vielleicht Maria Magdalena. Das Werk dokumentiert und teilweise ergänzt die Schicksale der verzweigten Familie Spilenberger (Spillenberger, Spillenberg, Spilburger u. ä.). Der Sammlungsgegenstand wurde bisher als das Epitaph von Samuel Spillenberg registriert, denn lediglich dieser Name war einigermaßen lesbar und auch die Datierung 1659 war falsch. Die rekonstruierte Übersetzung des Dedikationstextes verrät, dass das Epitaph „im Namen“ des in Levoča geborenen, lebenden und gestorbenen Arztes Samuel Spilenberger d. Ä. (1572 – 1654) in Erinnerung an seine fünf verstorbenen Kinder angefertigt wurde. In seinem Namen deswegen, weil auf dem Epitaph die Jahreszahl 1656 steht und damals war auch er selbst bereits seit zwei Jahren tot. Es lebte aber noch sein älterer Sohn Samuel, dem auch die eigentliche Anfertigung des Werkes zugeschrieben wird. Der Autor des Artikels beschreibt die Schicksale einzelner Familienmitglieder im 17. Jahrhundert.

Gabriel Szeghy
Die Kathedralenkirche der Košicer Griechisch-Katholiken
Der Gründung der griechisch-katholischen Pfarrei in Košice ist eine schwere Periode der Kämpfe um die Existenz eigener Kirchengemeinde vorangegangen. Im 18. Jahrhundert kümmerte sich um die Griechisch-Katholiken der römisch-katholische Pfarrer, später begannen sie dank der wachsenden Zahl der Gläubigen der griechisch-katholischen Pfarrei in Zdoba zu unterliegen. Im Jahre 1787 entstand das griechisch-katholische Vikariat in Košice, aber wegen einer niedrigen Zahl der Gläubigen wurde sein Sitz nach ein paar Jahren nach Prešov verlegt. Im Jahre 1797 erhob das Munkatscher Bistum die Košicer Filiale zu einer selbständigen Pfarrei, doch einige Jahre später wurde die erste Košicer Pfarrei wieder der Pfarrei in Zdoba zugeordnet und sollte dort so lange bleiben, bis die in Košice lebenden Griechisch-Katholiken für das nötige Kirchengebäude, Pfarrhaus und den Lohn für den Priester gesorgt haben. Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterlagen Zdoba sowie die Košicer Filiale der Kompetenz des Prešover Bistums.
Der erste selbständige griechisch-katholische Kaplan für die Košicer Kirchengemeinde Michal Mihalits (1813 – 1889) errichtete das Kaplanamt am 15. August 1851. Zur Entstehung einer ordentlichen Pfarrei kam es erst im Jahre 1871, als Matej Bräuer zum ersten Košicer Pfarrer wurde. Im Jahre 1879 ist der neue Pfarrer Július Viszlóczky (1832 – 1907) angetreten, der die Entstehung einer neuen Kirche initiierte. Nach seinem Tod hat bis 1922 Mikuláš Csoma (1863 – 1922) die angefangene Arbeit seines Vorgängers fortgesetzt. Anschließend wurde zum Pfarrer Pavol Rokiczky (1892 – 1952) ernannt. Zu seiner Wirkungszeit hat die zentrale politische Macht in der Tschechoslowakei die griechisch-katholische Kirche offiziell aufgelöst und die Pfarrei zusammen mit dem Kirchengebäude wurden an die orthodoxe Kirche übergeben. Der Bau einer neuen Kirche begann im Jahre 1882. Das Grundstück wurde im Jahre 1851 von dem Košicer Steinmetz und Baumeister Andrej Kriszt gekauft. Es lag ursprünglich jenseits der Stadtmauern, wo sich einst der Wassergraben befand. Den Plan der zweitürmigen Kirche hat der Baumeister Viliam Kolatsek erarbeitet und zusammen mit Ľudovít Schmidt realisiert. Das Bauunternehmen wurde von einem Mangel an Finanzmitteln begleitet – die Kirche ohne den Oberteil der Türme stand schon im Jahre 1886, es fehlten ihr jedoch die Türme mit Glocken. In den Jahren 1895 und 1896 wurde der Bau der Türme durch eine beträchtliche Summe vom Grafen Dionýz Andrássy unterstützt. Knapp zwei Jahre später hat hier die Pfarrei drei neue Glocken installiert, aber der Kirche fehlte noch ein wichtiger und typischer Bestandteil des byzantinischen Kircheninterieurs – die Ikonostase. Die Pfarrei beauftragte mit dieser Arbeit den örtlichen Bildhauer Juraj Urr, der auch die neue Kanzel anfertigte. Die 28 Ikonen auf der Ikonostase hat man bei der Lemberger Firma Dymet und Urban bestellt. Die vier Hauptgemälde der Ikonostase wurden von V. Mihályi gemalt. Die inneren Kirchenwände hat Jozef Király im byzantinisch-neuromanischen Stil ausgemalt, in dem auch die ganze Kirche gebaut wurde. Das Kirchengebäude, das 44 m lang, 12 m breit und 17 m hoch ist, wurde im Januar 1902 fertiggebaut. In den 1980ern und 1990ern erlebte es eine innere sowie äußere Gesamtrekonstruktion und heutzutage ist es ein denkmalgepflegtes Objekt, das zu liturgischen Zwecken genutzt wird. Im Jahre 1997 wurde die Košicer griechisch-katholische Kirche der Geburt der Muttergottes zur Kathedrale erhoben, da sie gleichzeitig auch zum Sitz des Exarchen und später Eparchen (Bischofs) wurde.

Zuzana Labudová
Historismus in Košice und das Haus von Michal Répászky
Historismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und seine verschiedenartigen architektonischen Formen bilden einen untrennbaren Bestandteil der erhaltenen architektonischen Denkmäler im Städtebaulichen Denkmalschutzgebiet Košice. Diese reiche Architekturschicht repräsentiert jedoch immer noch einen „unbekannten“ Wert nicht nur in Košice, sondern auch in der Slowakei. Das eigene Haus des Architekten und Baumeisters Michal Répászky in der Štúrova-Straße, mit dem im Rahmen der Architektur von Košice die Entwicklung des ausgehenden 19. Jahrhunderts endet und das 20. Jahrhundert beginnt, repräsentiert eine Verkörperung des späten Historismus.
Košice begann sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in mehreren Hinsichten rasch zu verändern. Ein Zuwachs der Industrieproduktion, die Eröffnung der Eisenbahn im Jahre 1860 und die allgemeine ökonomische Entwicklung der Stadt wurden auch von deutlichen Bauänderungen begleitet. Ein typisches Merkmal mitteleuropäischer Städte, die sich dem Fortschritt geöffnet haben, war das Abreißen von Stadtmauern und Nutzung der freigemachten Flächen für neuen Ausbau im breiten Spektrum architektonischer Stile des 19. Jahrhunderts. In Košice hat der Prozess einer allmählichen Abschaffung der drei Ringe der mittelalterlichen bis barocken Stadtmauern ein halbes Jahrhundert gedauert. Am intensivsten war er vor allem vom Anfang des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Dank einheimischen sowie fremden Architekten bildete sich ein moderner, bis heute funktionierender Urbanismus einer typischen mitteleuropäischen Stadt mit umgestaltetem Stadtkern heraus, der von einem Ring der Bebauung des 19. Jahrhunderts mit „Stadtpalais“ – Mietshäusern und monumentalen öffentlichen Gebäuden (Theater, Museum, Militärkommando, Schulen, Bäder und zweckmäßige Kasernenkomplexe) umschlossen war. Ein Schöpfer der Architektur des Historismus, der in beträchtlichem Maße an dieser Umwandlung von Košice teilgenommen hat, war Michal Répászky (1834 – 1909) und seine Baufirma; an seine Tätigkeit knüpfte fließend sein Sohn Július Répászky (1870 – 1925) an. Répászkys Firma beteiligte sich unter anderem auch am Bau des Košicer Museums, Theaters, Gerichts oder eines prunkvollen Stadthauses – des sog. Andrássy-Palais in der Hlavná-Straße 81.
Das eigene Haus des Architekten, das zwischen den Štúrova- und Grešákova-Straßen gebaut wurde, entstand in den Jahren 1901 – 1903 als Teil der allmählichen Bebauung der ehemaligen südlichen Vorstadt von Košice. Es war ein unbebautes, an Grundstücke der jüdischen Gemeinde angrenzendes Gebiet; die jüdische Gemeinde hat hier eine nach der anderen drei Synagogen erbaut. Ein historisches Photo bezeichnet das Haus als Répászky-palota und zeigt, dass das Gebäude noch als Solitär dagestanden ist, obwohl seine glatten Giebelwände bereits eine Vorbereitung auf den Anschluss an die Nachbargebäude andeuten. Im Répászky-Palais treffen sich zwei Haustypen, das Stadthaus und die Villa, was für den Historismus typisch war. Die Tatsache, dass Michal Répászky der Autor seines eigenen Hauses ist, wird durch eine in der Familie überlieferte Information in Zweifel gezogen. Danach wurde das Haus nämlich vom Sohn Július (Gyula) Répászky als Geschenk an seinen Vater Michal Répászky gebaut. Die unlängst identifizierten Projekte aus ihrer Hinterlassenschaft unterstützen keine der Versionen, denn sie sind nicht signiert. Ein späterer zweckmäßiger Anbau an die Ostseite des Hauses ist zweifellos ein Werk des Sohnes und entstand vor allem aus praktischen Gründen der Betriebssicherung.

Viera Kladeková – Kamil Alezár – Radoslav Mokriš
Kasernen – Kulturpark
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts festigte Košice seine strategische geopolitische Bedeutung nicht nur als ein verwaltungs-administratives, sondern auch militärisches Zentrum. Damit setzte es eine Tradition fort, die schon im 16. – 17. Jahrhundert begann, als die Stadt ein bedeutendes Militärzentrum Oberungarns und der gegentürkischen Verteidigungslinie der Habsburger gewesen ist. Auf dem Gebiet der Stadt entstanden mehrere großzügige Kasernenkomplexe, die gleichzeitig einen stadtbildenden Charakter hatten. Diese ausgedehnten Areale erforderten ein technisches und Materialumfeld. Zu diesem Zweck baute die Stadt auf eigenem Grundstück auch Lebensmittel-Versorgungslager mit Bäckerei und Wasserwerk, die später Kasernen des Kapitän Jaroš genannt wurden.
In der Elisabethenstadt am Südrand von Košice, im Stadtteil genannt Safrangarten, baute man um 1880 eine Bäckerei als das erste Gebäude des spezialisierten Komplexes. Unmittelbar danach sind weitere Anlagen hinzugekommen, die dann ein ausgedehntes bebautes Gebiet von unregelmäßig fünfeckigem Grundriss bildeten. Auf der im Jahre 1912 abgegrenzten Fläche standen ursprünglich fünf größere und fünf kleinere Objekte – sieben von ihnen blieben erhalten. Trotz dem Betriebscharakter dieses Komplexes, bei dem wir militärische Schroffheit voraussetzen würden, finden wir hier überraschenderweise ein großzügiges architektonisches Vorhaben, der im Geiste des Klassizismus realisiert wurde. Der historisierende Ansatz der Erbauer kam in der Noblesse der urbanistischen Gliederung, dem Objektaufbau und dem Aussehen der Fassaden sowie Interieure und handwerklicher Elemente zum Ausdruck.
Der Komplex spezialisierter Militärobjekte in Košice ist in der Zentralen Liste der Denkmäler nicht eingetragen und befindet sich nicht im Denkmalschutzgebiet. Die Stadt Košice hat als eines der wichtigsten Investitionsvorhaben des Projektes „Interface 2013/Košice – Die Kulturhauptstadt Europas 2013“ seine Adaptation auf ein multimediales und interaktives Zentrum „Kulturpark“ bevorzugt.

Adriana Priatková
Kinos des Košicer Architekten Oelschläger – Őry
Die wichtigsten architektonischen Aufgaben nach dem Jahre 1918 waren für Košice, genauso wie für andere größere slowakische Städte, die Staatsaufträge für Verwaltungsgebäude, Schulen und Wohnobjekte. Der allmähliche Zuwachs der Bevölkerung hat einen dringlichen Bedarf an Verbesserung der Infrastruktur hervorgerufen. Gebaut wurden neue Straßen, Eisenbahnstrecken, ein neuer Flugplatz, aber auch moderne Bauten für Sport, gesellschaftliche Aktivitäten und Kultur.
In dem umfangreichen Werk des gebürtigen Košicer Architekten Ľudovít (Lajos, Ludwig) Oelschläger – Őry (1896 – 1984) konnte auch ein bedeutendes Phänomen jener Zeit nicht fehlen – ein modernes Kinogebäude. Kinos hat der Architekt nicht nur projektiert, sondern auch betrieben – er war deren Besitzer oder Mitbesitzer. Das Gebäude des Kinos Forum, das gefühlvoll in die ursprüngliche historische Bebauung von Košice einkomponiert wurde, hat Ľ. Oelschläger im Jahre 1926 entworfen und 1927 baulich realisiert. Das Kinogebäude erfüllte perfekt die Bedürfnisse der Zeit: es war sicher, bequem und elegant und inspirierte sich sowohl von expressionistischen Kinos in Berlin als auch vom tschechischen Rondokubismus. Damalige Presse bezeichnete es als das modernste und perfekteste Kino in der Tschechoslowakei. Hinter seiner qualitätsvollen Realisation stand die örtliche Baufirma von Hugo Kaboš, die einzigartige innere und äußere Ausschmückung des Kinos wurde vom Košicer Bildhauer – Steinmetz Július Kristóf geschaffen.
Das Michalovcer Kino Capitol, mit ähnlich origineller äußerer Gestaltung und verwandtem morphologischem Apparat wie im Fall des Košicer Kinos Forum, oszilliert zwischen einem bildhauerischen und einem architektonischen Konzept. Das Projekt des Kinos entstand vermutlich am Ende des Jahres 1926 und vollbracht wurde es von den Michalovcer Baumeistern Jozef Strömpl und Rudolf Sutter im Jahre 1927. Die äußere sowie innere Stuckverzierung des Kinos wurde vermutlich auch in diesem Fall vom Košicer Bildhauer – Steinmetz Július Kristóf geschaffen. Oelschläger projektierte, betrieb und schließlich auch besaß das Kino Scala in Munkatsch, das wahrscheinlich etwas später gebaut wurde als die Kinos in Košice und Michalovce. Die Arbeiten des Architekten aus den 1920er Jahren kann man als monumentale, expressiv-puristische Architektur mit kubistischem Detail und originell gestalteten architektonischen Art-déco-Elementen charakterisieren.
Stetige Inspirationsrückblicke in die Vergangenheit, die Oelschläger originell mit der Moderne kombiniert, bilden Teil der dynamischen Form der neubarocken inneren Raumaufteilung des ehemaligen Multifunktionskinos und Kulturhauses in Sabinov, die in einem überraschenden Kontrast zur modernen äußeren Gestaltung entworfen wurde. Einen untrennbaren Bestandteil seiner Projekte, zum Beispiel auch des nicht realisierten Levočer Kinos und Hotels Tatra, bildeten auch Theaterräume, gesellschaftlicher Saal, Restauranträume, Café, Billardraum und Bar.

Radoslav Mokriš
Das Košicer Wohngebiet Terasa
Das Ring-Radial-Modell mitteleuropäischer Städte erreichte im 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts den Höhepunkt der Perfektion. Es akzeptierte die mittelalterlichen Stadtkerne und war eine natürliche Bremse der unkonzeptionellen Bebauung in nächsten Perioden. Košice als ehemaliges administratives Zentrum Oberungarns hatte bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Ringstraße rund um die sog. Innenstadt, aber noch viel interessanter ist die Tatsache, dass hundert Jahre später zur Zeit des realen Sozialismus die Urbanisten fähig waren, an diese Tradition anzuknüpfen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen in der Raumplanung die ersten Versuche der Unternehmer, den historischen Stadtkern zu einem Geschäftszentrum umzubauen. Einen Versuch der Vision einer modernen Stadt repräsentierte der Regulierungsplan aus der zweiten Dekade des 20. Jahrhunderts, der glücklicherweise nur fragmentarisch realisiert wurde. Den ersten Entwurf des Flächennutzungsplans von Košice aus dem Jahre 1952 kann man als ein Musterbeispiel einer rationellen und visuell gefühlvollen Regulierung der Stadt betrachten. Seine Ausarbeitung wurde durch den Bau des Hüttenkombinats (HUKO, später Ostslowakische Stahlwerke, heutzutage US Steel Košice) hervorgerufen. Die Autoren des Entwurfs gingen von Erfahrungen der sich intensiv entwickelnden Städte Europas in wirtschaftlich aktiveren Gebieten aus – vorausgesehen haben sie die Aufteilung der Funktionsflächen, Proportion der Ausstattung, Struktur des Verkehrs sowie der Erholungsflächen. Dieses Projekt hat die Liquidation des historischen Stadtkerns gar nicht in Betracht gezogen, wie es damals in der Tschechoslowakei sonst üblich war.
Das Ziel der neuen urbanistischen Konzeption von Košice war die Schaffung eines qualitätsvollen Wohnumfelds. Mit der Erbauung des Košicer Wohngebietes Terasa, damals der sog. Neustadt, die mit industrieller Plattenbautechnologie realisiert wurde, begann man im April 1962. Die durchschnittliche Jahresproduktion betrug beinahe 3 000 Wohnungen. Das Projekt, hinter welchem das Team der Architekten Viktor Malinovský, Ján Kurča, Berthold Hornung und Ján Gabríni stand, realisierte die Firma Stavoprojekt. Dieses sozialistische Neubaugebiet war ein Musterwerk des modernen Urbanismus – hier wurde zum Beispiel hochgewachsenes Grün gepflanzt, so dass Terasa fast gleich zu einem grünen Wohngebiet wurde. In einzelnen Bezirken Namens Luníky platzierte man Bildhauerwerke, die im Rahmen der internationalen Biennale der Metallbildhauerei in Košice in den 1970ern entstanden und bis heute die Umwelt angenehm machen.