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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 2/2012

23. septembra 2013
Eva Križanová
Genre-Elemente in gotischer Bauplastik
In unserem Unterbewusstsein ist eine Vorstellung verankert, dass das Mittelalter etwas Dunkles und Mystisches darstellt, das in kirchlichem Dogmatismus und seiner unmenschlichen Durchsetzung in der Praxis wurzelt. Davon, dass dies nicht ganz der Fall ist, zeugt die Tatsache, dass sich dank einem regen Reiseverkehr schon seit dem 13. Jahrhundert humanistische Ideen aus Italien und Details von französischen Kathedralen ins ganze Europa verbreitet haben. Besonders das Skizzenbuch von Villard de Honnecourt aus der Zeit um 1230 ist voll von Humor und Lebensfreude. Genre-Elemente dieser Art findet man auch in der Slowakei, zum Beispiel in Baudetails der gotischen religiösen Architektur von Bratislava, Košice, Banská Bystrica, Bíňa, Okoličné, Parížovce und anderswo.
In kirchlicher Architektur aus der Zeit vom 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts finden wir Bildhauer- und Steinmetzdetails, die von einer gründlichen Kenntnis der heimischen Flora und Fauna ausgehen, aber auch Porträts, Figuren oder Szenen aus dem Alltagsleben. Sie befinden sich an schwer sichtbaren Stellen, vor allem auf Dachgesimsen, Gewölbeschlusssteinen, Kapitellen hoher Pfeiler oder auf Kirchenkonsolen. Sie dokumentieren, ja sogar ironisieren die zeitgenössische Realität und unterscheiden sich sehr deutlich von heraldischen oder ikonographischen Symbolen der staatlichen oder kirchlichen Macht und von Symbolen, die in christlicher Lehre gebraucht werden.
Am ältesten ist die Jagdszene an einem Gewölbepfeiler der spätromanischen klösterlichen Prämonstratenserkirche in Bíňa aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die frühgotischen Gewölbekapitelle im Sanktuarium der Dominikanerkirche von Košice aus der Zeit um 1300 – 1330 sind interessant durch die Motive der Fabeltiere (vielleicht Drachen) und die zeitgenössischen Realien aus dem Leben der Dominikaner. Auf dem Gewölbe der Klarissenkirche in Bratislava, die um 1330 fertig gebaut wurde, finden wir die Abbildungen einer Nonne oder eines sitzenden langhaarigen Mannes, vielleicht eines Mönches. An der Franziskanerkirche in Bratislava aus der Zeit um das Jahr 1400, ebenfalls durch die Vorbilder der Donaugotik beeinflusst, befinden sich plastische Elemente mit pflanzlichen Motiven sowie figurale Wasserspeier. In der um 1350 gebauten Kirche Mariä Himmelfahrt in Spišská Nová Ves finden wir unter anderem auch figurale Details der Gewölbe – einen Märtyrer mit königlicher Krone am Kopf oder das Relief eines Pelikans, der seine Jungen füttert. Unter beliebten Motiven war ebenfalls der wilde Mann, ein in pflanzliche Ornamente eingesetztes Gesicht. In Spišská Belá erinnert ein solches Kapitell sogar an Kubismus. In der Kirche des Hl. Aegidius in Bardejov finden wir neben dem pflanzlichen Dekor ein lauerndes Tier, vermutlich einen Löwen. Unter den Funden aus der Zeit des Anjou-Umbaus des königlichen Schlosses in Zvolen aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts befindet sich ein mythisches Untier mit zwei Löwenkörpern und einem affenähnlichen Kopf. Aus realistischer Beobachtung schöpft auch ein Motiv über dem Chor der Kirche in Svätý Jur aus der Zeit um das Jahr 1370 – ein gotisches Turmgebäude mit Eingangstor, über dem menschliche Gesichter und Gestalten von hinter der Zinne herausblicken. Bekannt sind auch die spätgotischen Allegorien der sieben Laster aus der Kirche Mariä Himmelfahrt in Banská Bystrica. In der Franziskanerkirche in Okoličné befinden sich eine Reliefhand mit Maler- oder Bauwerkzeug, Maskaron eines bärtigen Waldmännchens, Wildschwein und Kopf eines langohrigen Jagdhundes.

Jana Oršulová
Die Wappen auf Schlusssteinen der Kirchen von Svätý Jur, Pezinok und Častá
Die in Gewölbekreuzen befindlichen Schilde mit Familienwappen, Jahreszahlen oder anderen dekorativen Motiven waren mit bloßem Auge nur schwer erkennbar und dies ist vermutlich der Grund, warum man ihre Klassifikation (oder wenigstens eine präzisere Beschreibung) meistens nicht mal in den sonst detaillierten Kirchenbeschreibungen finden kann. Die Technik ermöglicht uns jetzt, auch diese Denkmäler gründlicher zu analysieren und zu identifizieren. Dies betrifft auch mehrere Sakralobjekte in der Nähe von Bratislava – die Kirche des Hl. Georg in Svätý Jur, die Kirche Mariä Himmelfahrt in Pezinok und die Kirche des Hl. Emmerich in Častá, deren Entstehung (samt An- und Umbauten) mit der bedeutenden ungarischen Familie der Grafen von Svätý Jur und Pezinok zusammenhängt. Allein die Auswahl dieser drei Orte liefert einen besonders interessanten Satz von etwa zwanzig Familienwappen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Anhand dieser beobachtet man die Art von Darstellung des Familienwappens der Grafen von Svätý Jur und Pezinok und deren Ehefrauen in wertvollen Baudenkmälern nur einige Jahrzehnte bevor die Familie in männlicher Linie ausgestorben war. Es ist wahrlich unglaublich, dass die Wappen der Grafengattinnen bisher von keinem einzigen Historiker identifiziert wurden. In allen drei Bauobjekten erhielten sich dabei die Wappen von nur einem Stifter, und zwar von Georg III. (1410 – 1467) und seiner ersten Ehefrau Ursula Wolfurt (belegt 1435). Sie belegen eindeutig die intensiven Stifteraktivitäten, helfen aber auch die Entstehung des Kirchengebäudes zeitlich einzuordnen. Die Autorin legt die Ergebnisse einer geradezu detektivischen Nachforschung in Sachen Familiengenealogie vor und anhand neuester Untersuchungen identifiziert sie die auf den Schlusssteinen der Kirchen erhaltenen Wappen der Ehemänner bzw. Ehefrauen, die von bedeutenden Familien nicht nur aus heutigem Gebiet der Slowakei oder Ungarns, sondern auch Österreichs und Böhmens abstammten. Die Grafengattinnen stammten aus den Familien Héderváry, Wolfurt, Montfort, von Troppau (Opavský, die Přemysliden von Opava), Rozgony, Waldstein (Valdštejn) und Balassa.
Vorausgesetzt, dass die Forschungsschlüsse bezüglich der Verzierung auf Schlusssteinen der Kirchen in den drei ausgewählten Orten innerhalb des Herrengutes der Grafen von Svätý Jur und Pezinok richtig sind, blieb nur eines der dreizehn, vier Generationen dokumentierenden Wappen unidentifiziert. Die Untersuchung und denkmalpflegerische Renovierung weiterer Sakralobjekte im Rahmen der herrschaftlichen Domäne der Grafen von Svätý Jur und Pezinok werden sicherlich noch andere interessante Ergebnisse liefern. Diese wertvollen, in situ erhaltenen Denkmäler bleiben somit nicht unbeachtet und werden als historische Quelle bei deren Datierung angewandt werden.

Peter Buday
Liber mortuorum der Franziskaner von Nitra
Seit der Erscheinung des Grundwerkes über die Geschichte des Franziskanerkonvents in Nitra sind hundert Jahre vergangen. Der Autor, Kanoniker Gabriel Czeizel, widmete darin ein selbständiges Kapitel den Krypten unter der Klosterkirche der Hl. Peter und Paul. Er stützte sich dabei auf ein Dokument von besonderem kulturhistorischem Wert – das seit 1737 geführte Totenbuch Liber Mortuorum in Crypta Ecclae Nostrae ab Anno 1737. Inclusive sepultorum, das bis heute erhalten blieb und eine wertvolle Quelle der Erforschung der zeitgenössischen Gesellschaft darstellt.
Die frühbarocke Franziskanerkirche wurde im Jahre 1634 geweiht und kurz danach begann man darin auch zu bestatten. Unter dem Kirchenschiff und dem Sanktuarium im Süden befanden sich die ältesten Krypten. Weitere Begräbnisräume sind in den Jahren 1664 – 1665 nach einer Erweiterung des Schiffs um vier Kapellen auf der Westseite hinzugekommen. Der Tod von elf Mönchen an Typhus (1772) forderte rasche Maßnahmen zur Besserung des unhaltbaren Zustandes der Krypten. Diejenigen, die sich nach einer Säuberung im Jahre 1778 in den Außenraum nicht entlüften ließen, wurden zugemauert und die anderen hat man mit Lüftern in der Südwand versehen, die von dem Kirchengarten aus zugängig waren. Diese Umbauten bewirkten auch Änderungen im Verlauf der Bestattungszeremonien und Festsetzung neuer Bestattungsgebühren. Mit dieser Renovierung wurde die Bauentwicklung des Kirchengebäudes samt Krypten im Jahre 1798 abgeschlossen. Die Klosterkirche wurde zu einem aufgesuchten Ort der letzten Ruhe für Verstorbene von allen Gesellschaftsklassen, wie es der Liber mortuorum illustriert. Der Titel des Buchs ist nicht ganz genau. Die Einträge über die Begräbnisse befinden sich bloß auf den ersten 58 Seiten. Der Inhalt des letzten Buchdrittels ist dagegen äußerst heterogen. Die insgesamt 598 Einträge sind zeitlich von den Jahren 1737 und 1904 begrenzt. Wir finden hier die Listen von Novizen, Konvertiten und ebenfalls eine Namensliste von Priestern, die nach 1799 in der Kirche bestattet wurden. Die Einträge von einigen Jahren fehlen, wodurch ein Bestattungsverbot in Kirchen zu Epidemiezeiten bezeugt ist. Die meisten Begräbnisse registrieren wir nach der Mitte des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts, nach dem Jahre 1877 beschränkten sie sich dann auf eine Bestattung pro Jahr. Im Laufe des 18. Jahrhunderts beobachtet man unter den Bestatteten einen hohen Anteil an Handwerkern von verschiedensten Professionen. Dieser Zustand änderte sich allmählich nach dem Jahre 1800 zugunsten der Kirchen-, Stadt- und Komitatshonoratioren und -intellektuellen, unter den Bestatteten findet man relativ viele Ärzte und Apotheker. Als letzter wurde in den Krypten Pater A. Pelcsánszky beigesetzt (1904).

Miroslav Števík
Die Brennerei unter der Burg Ľubovňa
Die Burg Ľubovňa (Stará Ľubovňa) wurde nach dem Jahre 1412 zum Sitz der Verwalter eines Teils der Zips, der von Sigismund von Luxemburg an den polnischen König Władysław II. Jagiełło verpfändet wurde. Seit Ende des 16. Jahrhunderts (1591) bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts (1745) ist das Amt der Zipser Bürgermeister von den Mitgliedern der polnischen Adelsfamilie Lubomirski bekleidet worden.
Die Errichtung der ersten Brennerei unter der Burg Ľubovňa fällt in die Zeit als die Burg im Besitz der Familie Lubomirski war (vor dem Jahre 1745). Aus einer ausführlichen Beschreibung des Burgmeierhofs aus dem Jahre 1746 ergibt sich, dass er auch eine Brennereianlage umfasste. Einige Teile der Anlage, bzw. der Inneneinrichtung werden als alt beschrieben, woraus folgt, dass die Brennerei hier bereits eine längere Zeit stehen musste. Es war ein hölzernes Gebäude mit zwei alten Holztüren. Hinter der zweiten Tür befanden sich alte Kessel. In der Brennerei erwähnt man außerdem einen guten Kessel und vier Kupfertöpfe, die jedoch eine Reparatur erforderten. Durch eine Rinne, die angeblich schlecht war, führten drei Paare von Kupferrohren. Hier befanden sich auch acht hölzerne Maischenfässer. Eines der Fenster und der Fußboden waren ziemlich beschädigt. Hinter der Brennerei standen Ställe.
Im Jahre 1745 ging die Burg in den Besitz der Ehefrau des polnischen Königs August III. von Sachsen, Maria Josepha, die sich entschied, die Burg und Vorburg in Ordnung zu bringen. Obwohl keine Einträge darüber erhalten blieben, ist trotzdem äußerst wahrscheinlich, dass das Projekt der Erbauung einer spätbarocken Vorburg von Francesco Placidi stammte, dem Architekten des polnischen Königs und einem gebürtigen Römer. Bezeugt wäre dies durch identische Bauelemente des entworfenen Burgumbaus und des durchgeführten Aufbaus des spätbarocken Komplexes in der Vorburg. Das Ergebnis der Bauaktivitäten wird durch die Befunde aus dem Jahre 1773 illustriert. Die Vorburg bestand aus zwei Teilen – dem östlichen, in dem sich eine Brauerei und die Wohnungen des Gutsverwalters und des Schatzmeisters befanden (mit der Ausnahme der Wohnung des Schatzmeisters existieren sie in der Vorburg noch heute), und dem westlichen, der von einer gemauerten Brennerei mit der Wohnung des Aufsehers dominiert wurde (bis heute erhielt sich das Mauergebäude der Brennerei mit der Wohnung des Aufsehers sowie der eingewölbte Keller). Im Fall der Brennerei unter der Burg Ľubovňa handelt es sich vermutlich um die älteste noch erhaltene Bauanlage dieser Art auf dem Gebiet der Slowakei.

Juraj Babják
Denkmäler der Gefallenen des Ersten Weltkrieges
Obwohl die Denkmäler der Gefallenen des Ersten Weltkrieges nicht die einzigen (militärischen) Denkmäler auf dem Gebiet der Slowakei repräsentieren, sind sie dank ihren spezifischen Elementen (Form, Ikonographie) meistens leicht erkennbar. Das wichtigste Identifikationsmerkmal dieser Denkmäler bilden die Jahreszahlen 1914 – 1918. Die anderen Merkmale unterscheiden sich je nach der Größe der Gemeinde, dem Standort, Umfeld, Autor, der Ausführungsart usw. Aus morphologischer Sicht können wir die Denkmäler der Gefallenen in mehrere Gruppen aufteilen. Das Denkmal der Gefallenen des Ersten Weltkrieges war am meisten durch eine Skulptur ergänzt, was aber finanziell aufwändiger war, denn außer einem Steinmetz musste man auch die Arbeit eines Bildhauers bezahlen. Die Kosten trugen die Ortseinwohner und die Mittel gewann man durch Volkssammlungen. Das Thema der Denkmal-Bildhauerei bildeten am meisten religiöse Motive, Allegorien, Skulpturen von gefallenen oder sterbenden, liegenden oder knienden Soldaten (Plavecký Štvrtok, Koválov, Jablonové, Častá, Cífer, Dolné Orešany, Kátlovce, Kolárovo). Ein weiteres Motiv war die slowakische Familie, meistens eine Frau – Mutter, ein Mann – Soldat und ein bzw. mehrere Kinder (Láb, Viničné, Šúrovce). Zu allegorischen Skulpturen zählen auch die Darstellungen von Tieren, am meisten Löwen oder Löwinnen. Die Löwen (Giraltovce, Zemianska Olča) wurden als tschechoslowakisches Symbol interpretiert, die Löwinnen sind als Beschützerinnen der Toten bekannt. Eine große Gruppe bilden die Denkmäler mit alleinstehender Statue eines Soldaten (Most pri Bratislave, Hliník nad Hronom, Bratislava-Vrakuňa, Stará Turá, Šaštín-Stráže). Einen weiteren Typ der Skulptur-Denkmäler repräsentiert das Denkmal gebunden an die slowakische Geschichte und ihre Persönlichkeiten (Brezová pod Bradlom) und das Denkmal mit Figuren in der Nationaltracht (Gbely, Topoľčianky). In der Denkmalbildung beobachtet man oft auch die Anbringung von Reliefs (Trebatice), eine Komposition von Skulpturen oder die sog. Denkmalsäule bzw. das Denkmalsymbol (Lemešany, Želiezovce, Michal nad Žitavou, Spišské Bystré, Bratislava-Devín).

Pavol Makyna
Der Aufbau der Talsperre der Jugend (Priehrada mládeže)
Der Bau des Stausees in Nosice am Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre beeinflusste auf beträchtliche Weise die Landschaft des mittleren Waagtals zwischen den Städten Púchov und Považská Bystrica. Die Talsperre der Jugend, wie sie noch heute unter den Leuten genannt wird, bzw. das Wasserkraftwerk, das dazu gehört und den Hauptzweck des Bauwerkes bildet, wurden in den Nachkriegsjahren zu einer Quelle elektrischer Energie und weiterer Industrialisierung dieser Region. Der Aufbau der Talsperre bei Púchov in den Jahren 1949 – 1958 brachte eine "kommunistische" Organisation der Arbeit, aber auch zielbewusste Erziehung fachlicher und politischer Kader aus den Reihen der Jugend. Heutzutage ist es ein technisches Denkmal.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete die Industrialisierung der agrarischen Slowakei die einzige Möglichkeit, den Lebensstandard der Einwohner wiederherzustellen und zu erhöhen. Zu allererst war es nötig, genug elektrische Energie bereitzustellen. Dazu diente der Aufbau mehrerer Staudämme am Fluss Waag, der sog. Waag-Kaskaden. Die Talsperre der Jugend in Nosice begannen die Slowakischen Kraftwerke im Jahre 1947 zu planen und sie sollte 1954 fertig gebaut werden. Wegen des Ausmaßes des Bauwerkes, aber auch der technischen, organisatorischen und naturbedingten Komplikationen, die bei dem Aufbau entstanden sind, wurde das Werk erst 1958 beendet. Am kompliziertesten waren die geologischen und hydrotechnischen Arbeiten, im deren Rahmen es nötig war, die Eisenbahnstrecke im Abschnitt Púchov – Považská Bystrica zu verlegen und bei denen man auch eine ergiebige Heilmineralquelle entdecken konnte, die heute von dem Kurort Nimnica bewirtschaftet wird.
An dem Aufbau der Talsperre beteiligten sich in größtem Maße junge Leute – Aushilfskräfte, die durchlaufend von dem Zentralen Jugendverband in Bratislava hergeschickt worden sind. Davon wurde im Jahre 1949 auch der Name des Stausees abgeleitet. Der Autor beschreibt die Organisation der Arbeit der Jugendlichen, ihre Tagesordnung, die Unterkunfts- und Verpflegungsbedingungen in sechs Lagern, die zur politischen Agitation benutzten Freizeitaktivitäten, aber auch die Kulturtätigkeit (zur Verfügung stand ein Amphitheater mit Bühne) oder die Möglichkeiten des Sportauslebens in einem während der Bauarbeiten erbauten Stadion. Die Fußballmannschaft "Tatran Priehrada mládeže" spielte sogar regelmäßige Ligaspiele.
Der Bau des Stausees war auch mit der Enteignung von Grundstücken, Übersiedelung von Einwohnern der umliegenden Dörfer (Okrut, Milochov, Podvažie) und der anschließenden Überflutung des Gebietes verbunden. Die allmähliche Einfüllung des Stauseebeckens vor der Talsperre der Jugend begann am 1. Dezember 1956, den höchsten Wasserstand erreichte man erst am 4. Mai 1958. Die komplette Infrastruktur des Wasserkraftwerks wurde bis 1962 fertig gebaut.

Dagmar Poláčková
120 Jahre der Glashütte in Lednické Rovne
Die Herstellung von Gebrauchsglas in Lednické Rovne (früher LR, heute RONA, a. s.) datiert man seit dem Jahre 1892. Anlässlich des 120. Gründungstages der Glashütte bilanzieren wir ihre Produktion anhand des Studienmaterials, das uns die Sammlungen von mehreren slowakischen Galerien und Museen, aber auch das Archiv der Glashütte und das dortige Slowakische Glasmuseum zur Verfügung stellen. Die Glashütte setzte als eine der wenigen in der Slowakei auf die Zusammenarbeit mit Designern wie Karol Hološko, Jaroslav Taraba, Ladislav Pagáč, Jozef Kolembus, Juraj Steinhübel, Peter Šipoš, Patrik Illo, Mária Berkyová-Račeková und anderen. In Lednické Rovne wirkten auch viele berühmte tschechische Glasmacher: Dagmar Kudrová, Julie Pivcová, Jindřich Rejnart, Miloš Matoušek, Vladimír Žahour und Vladimír Jelínek.
Seit der Gründung der Glashütte erschienen ihre Glaskollektionen regelmäßig in Ausstellungen im In- sowie Ausland – ob im Victoria and Albert Museum in London im Jahre 1908, obwohl hier noch unter dem Gesamttitel Ungarische Ausstellung, oder schon direkt unter dem Warenzeichen LR in der ersten Zwischenkriegsausstellung für angewandte Kunst und Industriedesign im Jahre 1927 in dem neugebauten Gebäude des Kunstvereins Umelecká beseda in Bratislava. Die Trinkgarnitur von Karol Hološko erschien zum ersten Mal in der slowakischen Ausstellung für angewandte Kunst und Industriedesign im Jahre 1958. Im Jahre 1959 hat K. Hološko auch an einer repräsentativen Ausstellung für tschechoslowakisches Glas in dem Corning Museum of Glass in New York teilgenommen, wo ihm eine Anerkennungsprämie erteilt wurde und ein Teil seiner Trinkgarnitur gelangte in die Sammlungen dieses hochangesehenen Museums. Einige bemerkenswerte Präsentationen von dem Glas aus Lednické Rovne bereitete seit 1961, als die Abteilung für angewandte Kunst und Industriedesign gegründet wurde, auch die Slowakische Nationalgalerie.
Die Sammlung für angewandte Kunst und Design der SNG enthält neben einer umfangreichen Kollektion von historischem Glas aus der Produktion von Lednické Rovne vor allem die Kollektionen der Werke von K. Hološko, D. Kudrová, J. Taraba, P. Illo, L. Pagáč, J. Steinhübel und J. Kolembus. Eine bedeutende Kollektion, die die Entwicklung der Glasherstellung dokumentiert, besitzt auch das im Jahre 1988 eröffnete Slowakische Glasmuseum in Lednické Rovne. Vereinzelte Glaserzeugnisse finden wir auch in Depositorien des Mittelslowakischen Museums in Banská Bystrica, des Slowakischen Nationalmuseums in Bratislava und Martin, aber auch des Kunstgewerbemuseums in Prag u. a.
Authentische Belege für die Geschichte der Glasherstellung befinden sich im Betriebsmuseum RONA, a. s. Die Kollektion von Musterbüchern aus dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, die sich im Besitz der Glashütte befindet, ist sogar im europäischen Kontext einzigartig. Diese Musterbücher oder Angebotskataloge dienten für die Glasherstellung nicht nur in Lednické Rovne, sondern auch in anderen Glashütten, die derzeit im Besitz der Firma J. Schreiber und Neffen waren (neben der deutschen Glasfabrik Fürstenberg handelt es sich um die böhmischen und mährischen Glashütten in Velké Losiny, Rapotín, Jaronovice, Dubňany, Lužice und Josefův Důl).

Mária Zajíčková
Der Zunftaltar der Stiefelmacher von Skalica
Zünfte, ursprünglich Bruderschaften, die um den Altar eines Schutzheiligen vereinigt waren, begannen sich in Europa schon im 12. Jahrhundert zu formen. Diese Standesorganisationen richteten sich nach dem Zunftstatut und haben die Regeln im wirtschaftlichen, sozialen und Bildungsbereich festgesetzt. Wichtig war auch ihre Wohltätigkeit und Teilnahme am religiösen Leben der Stadt. Mit eigenen Finanzmitteln und Gaben beteiligten sie sich am Bau kirchlicher Objekte und darin besonders der Zunftaltäre. Eine geschlossene Kollektion barocker Zunftaltäre befindet sich heute noch in der Kirche des Hl. Erzengel Michael in Skalica. Von den sechzehn Zünften, die in den 1730er Jahren in Skalica registriert waren, besaßen zehn ihren eigenen Altar. Den Stiefelmachern gehörte der Altar des Hl. König Stephan an. Die Bestimmung der Entstehungszeit einzelner Altäre ist oft problematisch.
Die Zunft der Stiefelmacher von Skalica ist durch die Artikel aus dem Jahre 1659 belegt und im deren ersten Punkt ist auch die Entscheidung formuliert, einen eigenen Zunftaltar zu bauen. Außer den Zunftrechnungen aus den Jahren 1728 – 1730 erhielt sich auch der Facharbeiterbrief eines Stiefelmacher-Lehrlings mit der Stadtvedute von Skalica vom 6. Januar 1822, aber vor allem das im Jahre 1660 gegründete Zunftbuch der Stiefelmacher von Skalica. Es handelt sich um ein einmaliges Dokument, bezogen unter anderem auch auf den Aufbau, die Gesamteinrichtung, die Reparaturen, Instandhaltung sowie Finanzierung des Zunftaltars des Hl. König Stephan. Das Buch schildert den Aufbau des Altars im Jahre 1701, die Berechnung der Gesamtkosten für den Altar, die Herstellung der Zunftfahne, unter welcher die Zunft an kirchlichen Festen und Prozessionen teilgenommen hat, und den Einkauf eines tragbaren Zunftsteines (portatile) im Jahre 1731, durch welchen die Weihung des Altars bedingt war. Das Buch enthält auch Einträge über spätere kleine Reparaturen des Altars und der Fahne sowie über die Ergänzung von Altarutensilien. Eine gründliche Rekonstruktion des Altars hat in der Mitte des 19. Jahrhunderts stattgefunden. Zu diesem Zweck errichtete die Zunft eine selbständige Stiftung für die Fahne (1836) und eine andere für den Altar (1854), zu denen dann alle Zunftmitglieder, Interessenten für die Position des Zunftmeisters sowie freiwillige Spender beigesteuert haben.
Anhand der Analyse der Archivquellen im Staatsarchiv Bratislava – Zweigstelle Skalica und der Quellen im Archivbestand des Museums der Region Záhorie fand man heraus, dass der Altar im Jahre 1701 von dem Tischlermeister Jozef Serrer aus Skalica gebaut und im Jahre 1703 von Matúš Bílowský bemalt und vergoldet wurde.

Jozef Medvecký
Das Altarbild des Hl. König Stephan in Skalica
Im Anschluss an den Artikel von Mária Zajíčková fügt Jozef Medvecký einige Bemerkungen bezüglich des Altars des Hl. König Stephan, vor allem seines Zentralbildes, hinzu. Aus der Berechnung der Tischler-, Maler- und Vergoldungsarbeiten im Zunftbuch der Stiefelmacher von Skalica geht nicht hervor, ob Matúš Bílowský, pictor Zakolczensis, im Jahre 1703 auch die Altarbilder gemalt, oder nur den Altar polychromiert und vergoldet hat. Die Teilnahme am Bau des Zunftaltars der Stiefelmacher war eine der letzten Aufträge des Malers, vorher erwähnt man ihn bloß im Zusammenhang mit der Reparatur der Pfarrkirche im Jahre 1701. Obwohl er am Ende des 17. Jahrhunderts offensichtlich der einzige in dieser Stadt wirkende Maler war, sind keine seiner Werke bisher bekannt.
Das Thema des zentralen Altarbildes bildet der Hl. Stephan, der seine Krone, und damit auch das Königreich, unter den Schutz von Jungfrau Maria, der Schutzpatronin Ungarns, stellt. Die erste selbständige Darstellung dieses Themas bildet das Altarbild des Wiener Malers Tobias Pock aus dem Jahre 1665 in einer der Seitenkapellen der marianischen Basilika in Mariazell. Das spezifisch "ungarische" historisch-hagiographische Thema breitete sich im 18. Jahrhundert aus und wahrhaft populär wurde es erst am Ende der Barockzeit. Zu frühen Beispielen seiner Darstellung zählen die monumentalen Fresken G. A. Galliartis aus dem Jahre 1720 am Gewölbe des Presbyteriums der Kathedrale des Hl. Emmeram in Nitra oder das verfallene Fresko von A. Galli Bibiena aus dem Jahre 1726 am Gewölbe der Kathedrale von Veszprém.
Das Zentralbild des Zunftaltars in Skalica zeigt die obengenannte Szene in einer auf die Hauptfiguren konzentrierten Grundversion, ohne weitere Motive und Komparserie. Die Komposition des Gemäldes repräsentiert keine eigene Invention des Malers, sondern nur die Umschrift einer graphischen Vorlage. Das konkrete Urbild kennen wir bislang nicht, aber dieselbe Vorlage hat irgendwann vor dem Jahre 1752 der Maler des Bildes am Hauptaltar der Pfarrkirche in Jablonica angewandt. Eine getreue Replik der ganzen Komposition (seitenverkehrt) bilden auch das Bild im Aufsatz des Seitenaltars in der Friedhofskirche des Hl. Johannes des Täufers in Modra oder die qualitätsvolle Arbeit des Trnavaer Malers Karol Wilhelm Brandt aus dem Jahre 1755 am Hauptaltar der Pfarrkirche in Beckov. Eine interessante Variante, die offensichtlich von dieser Vorlage ausgeht, bildet in dieser Hinsicht auch eine beidseitig bemalte Zunftfahne der Stiefelmacher von unbekannter Herkunft, ein Werk des Trenčíner Malers Franz Wenke aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Falls das Altarbild in Skalica schon aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammen würde, wäre es die älteste bisher bekannte Applikation der Vorlage, die nachweisbar erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts weit verbreitet war. Wahrscheinlicher ist deswegen die Möglichkeit, dass das heutige Zentralbild des Zunftaltars der Stiefelmacher von Skalica kein Original ist. Es konnte gegen ein neues umgetauscht werden, als man im Jahre 1757 (wie M. Zajíčková vermutet) den Altar demontiert und vom Presbyterium zu seinem heutigen Platz an der Südwand im Seitenschiff der Kirche verlegt hat.

Jozef Lenhart
Die Renovierung des Schlosses in Tomášov
Die Schicksale adliger Sitze in der Slowakei waren nach dem Zweiten Weltkrieg sehr dramatisch. Auf Grund des Präsidentendekrets Nr. 108/1945 gingen sie in den Besitz der Tschechoslowakischen Republik. Die Folgen des Dekrets waren für viele dieser Bauanlagen geradezu vernichtend. Das Schloss in Tomášovce geriet im Jahre 1946 unter die Verwaltung des Betrautenamtes für Sozialfürsorge, welches entschied, dass das Schloss als eine staatliche Erziehungsanstalt für nicht anpassungsfähige Jugendliche dienen solle. Dies trug zwar zu seiner Erhaltung bei, gleichzeitig damit wurden jedoch die Denkmalwerte des Schlosses dezimiert. Im Jahre 1993 hat man das Schloss im Rahmen der Restitutionen dem ursprünglichen Besitzer zurückgegeben, der es dann in den nachfolgenden 15 Jahren weiterhin dem Ministerium für Schulwesen zu denselben Zwecken vermietet hat. Der neue Besitzer, der es im Jahre 2007 erwarb, entschied sich, das Schloss zu renovieren und in eine Hotel- und Kongressanlage mit hohem Standard umzubauen.
Während der Vorprojektphase der Schlossrenovierung wurde eine architektonisch-historische und kunsthistorische Forschung durchgeführt (2007). Über das Gebäude gibt es sogar in älterer ungarischer Fachliteratur nur wenige Informationen. Zur Zeit der Forschung befand sich das Schloss bereits in einem sehr schlechten Zustand. Sein Interieur wurde durch zweckmäßige Umbauten entwertet, die originalen Stilelemente und Verzierung waren auf Minimum dezimiert, das Mauerwerk wegen Nässe geschwächt, die Außenputze verwüstet, die Fenster, Türen und Dacheindeckung ungeeignet. Das Gebäude war zudem noch von neuzeitlichen Anbauten der Besserungsanstalt umgeben und von Vegetation des nicht instandgehaltenen historischen Parks umwachsen. Gebaut wurde das Schloss ungefähr in den Jahren 1767 – 1769 am Rande der Gemeinde Tomášov (ursprünglich Fél), im Ortsteil Majorház (Mayorhász, Mojorháza pusta), der sich auf einer vom Altwasser der Kleindonau umflossenen Anhöhe erstreckte. Die Bauanlage mit drei Seitenflügeln ist vom Wiener Barock und von heimischen Vorbildern beeinflusst. Die Nordfassade des Hauptgebäudes repräsentiert eine klassizisierende Version der Vorstadtresidenz von Anton Grassalkovich (das heutige Präsidentenpalais) in Bratislava. Der Gründer des Schlosses in Tomášovce war Ján Jesenák, weitere Besitzer waren dann die Familien Draškóci, Vay und Strasser. Während seiner 250 jährigen Existenz erlebte das Schloss sechs Bauetappen und bis heute behielt es sein barockes Aussehen sowie barocke Raumverteilung. Die letzte, siebte Etappe repräsentiert die Renovierung aus den Jahren 2008 – 2011, die trotz einem neuen Inhalt die primären bildkünstlerischen und architektonischen Werte des Schlosses und seinen genius loci respektierte. Das Graphische Kabinett und die barocken Wandmalereien wurden besonders achtsam anhand der in einem Reisebericht von Gottfried Rotenstein aus dem Jahre 1784 ausführlich beschriebenen Verzierung und Einrichtung des Schlosses und seines Parks rekonstruiert.

Renáta Babicová – Ivan Kopáčik
Das Faksimile eines Privilegiums für Detva aus dem Jahre 1811
Anlässlich des zweihundertjährigen Jubiläums der Erteilung von Jahrmarkt- und Marktprivilegien an die Stadt Detva durch den Herrscher Franz I. von Habsburg hat das Museum der Region Podpoľanie das Faksimile einer Urkunde aus dem Jahre 1811 zugänglich gemacht, deren Original auf Dauer im Bestand des Staatsarchivs in Banská Bystrica, Zweigstelle Zvolen, aufbewahrt wird. Anlässlich der Vernissage der Ausstellung "Detva in Quellen" im Jahre 1999 wurde die authentische Urkunde zwar für eine kurze Zeit dem Museum geliehen, schon bald wurde sie jedoch gegen eine Photokopie umgetauscht, die dann bis zur Demontierung der Ausstellung im Jahre 2010 eines der Ausstellungsstücke dargestellt hat. Die Angestellten des Museums der Region Podpoľanie haben schon eine längere Zeit lang über die Ersetzung der Photokopie durch eine qualitätsvollere Ausführung nachgedacht und gerade aus Anlass des Jubiläums der Erteilung von Privilegien an Detva im Jahre 2011 entschieden sie sich, ein Faksimile anfertigen zu lassen.
Das Faksimile wurde von dem Restaurierungsstudenten Ivan Kopáčik aus Detva gefertigt. Schon bei der feierlichen Aufführung des Faksimiles am 13. Dezember 2011 konnten die Besucher nicht nur das Endergebnis – ein präzis ausgeführtes Faksimile der Urkunde mit angehängtem Siegel in einem Holzfutteral – besichtigen, sondern mittels einer Präsentation des Autors auch das äußerst aufwändige Herstellungsverfahren nachverfolgen – Stunden von Arbeit vom Studium der Urkunde im Archiv über die Bearbeitung und Aufbereitung der Tierhaut für das Pergament bis zur geduldigen Überschreibung des komplizierten lateinischen Textes auf das Pergament und vielen anderen Fachleistungen. Die Autoren des Artikels beschreiben eingehend den Herstellungsprozess des Faksimiles seit der Bekanntmachung mit dem Original – der Pergamenturkunde mit den Ausmaßen von 72 x 46 cm, dem Originalmaterial und den Details des an einem Seidenband angehängten und in einem Schutzfutteral aus Nussholz eingesetzten roten Wachssiegels. Im Herstellungsprozess des Faksimiles benutzte man Technologien, Materiale und Geräte, die möglichst identisch mit den ursprünglichen sind, einschließlich der Herstellung des Pergaments, der gleichfarbigen Naturtinte und anderer Teile der Urkunde, wie der Textilbänder, des Siegelfutterals sowie des Siegels selbst. Das Faksimile wurde dann schließlich in der Ausstellungsvitrine auf einer Unterlage mit Neigung von 45° adjustiert.

Zuzana Juríčková
Der Augustus von Prima Porta
Auf die Tatsache, dass ein Teil unseres Gebietes einst zum Römischen Reich gehört hat, verweisen außer archäologischen und architektonischen auch die Kunstdenkmäler. Als goldenes Zeitalter der römischen Kunst bezeichnet man die Regierungszeit des Kaisers Augustus, der auch unter dem Namen Gaius Iulius Caesar Octavianus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.) bekannt ist. Dem Augustus wurden direkt in Rom mehr als achtzig Statuen geweiht. Die berühmteste von ihnen, die das Vorbild späterer Porträts der römischen Kaiser repräsentierte, ist der Augustus von Prima Porta. Die Originalstatue aus dem ausgehenden 1. Jahrhundert v. Chr. ist aus Marmor gefertigt, überlebensgroß (Höhe 203 cm) und wird in den Vatikanischen Museen, in den Sammlungen von Braccio Nuovo aufbewahrt. Diese Statue wurde erst 1863 in der Villa von Augustus' Ehefrau Livia Drusilla in Prima Porta, heutiger Vorstadt Roms, gefunden. Ein unbekannter Bildhauer ließ sich bei ihrer Gestaltung von dem Doryphoros des Polyklet inspirieren und bildete den römischen Imperator als einen Feldherrn ab, der zu seinen Soldaten spricht. Die Statue sollte ganz offensichtlich die Außergewöhnlichkeit und Göttlichkeit des Augustus demonstrieren, wobei auf dem Brustpanzer Kampfszenen aus den von ihm unterworfenen Gebieten abgebildet sind.
Eine Bronzekopie dieser Augustusstatue aus dem 19. Jahrhundert, F. BARBEDIENNE. FONDEUR. signiert, befindet sich auch in der Slowakei. Die Signatur enthält den Namen des Metallgießers Ferdinand Barbedienne (1810 – 1892, Paris). Die Statue wurde auf unser Gebiet vom Grafen Johann Pálffy (1829 – 1908) eingeführt. Ursprünglich bildete sie eine Parkdekoration am Schloss in Kráľová pri Senci, einer der sechs Residenzen des Grafen auf dem Gebiet der Slowakei. Weil er keine Nachkommen hatte, verpflichtete er in seinem Testament aus dem Jahre 1907 die Erben dazu, seine Palais in Wien und Budapest sowie die Schlösser in Bojnice und Kráľová pri Senci in Museen zu verwandeln. Wegen der Streitigkeiten zwischen den Erben, des Krieges und der neuen Staatsordnung wurden aber viele Kunststücke in den Jahren 1924 – 1926 leider in Auktionen verkauft oder nach und nach gestohlen. Aufgrund der Wiener Arbitrage vom 2. November 1938 verlor die Slowakei das Gebiet, auf dem sich das barocke Schloss von Kráľová pri Senci befand. Das Schloss wurde schließlich während des Zweiten Weltkrieges komplett zerstört. Einen Teil der Statuen aus dem französischen Park, einschließlich der Bronzestatue des Augustus von Prima Porta, hat man noch vorher in das Schloss von Suchá nad Parnou verlegt und von dort im Jahre 1942 auf die Kurinsel in Piešťany transportiert. Im Jahre 1946 wurde die Statue gestohlen und irgendwann nach dem Jahre 1948 als eine Statue unbekannter Herkunft ins Slowakische Nationalmuseum in Bratislava eingeführt. In dem Gebäude in der Donauuferstraße Vajanského nábrežie war die Statue in den 1950er Jahren an der Haupttreppe untergebracht, später hat man sie in die antike Dauerausstellung und danach ins Depositorium im sog. Wintergarten verlegt, von wo sie im Jahre 1991 ins SNM-Archäologische Museum befördert wurde. Die Statue blieb schon auf Dauer in der Eingangshalle des Archäologischen Museums in der Žižkova-Straße stehen. Demnächst wird diese historisch und künstlerisch wertvolle Kopie vermutlich in der vorbereiteten Dauerausstellung über die Geschichte der Slowakei in der Bratislavaer Burg ihren Platz finden.