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Revue Pamiatky a múzeá - Resümee 1/2014

17. decembra 2014
Jaroslava Schmidtová – Natália Matulová-Bartová
Temporäre Lager in der Gegend von Gerulata
Archäologische Topographie des römischen Kastells Gerulata, im Zentrum von Rusovce in der Nähe von Bratislava auf dem rechten Donauufer freigelegt, bestand bis jetzt aus einem Standlager, einem Vicus – einer Siedlung von zivilem Begleitpersonal, Gräberstätten und einem breiteren Umfeld, von dem eine villa rustica und eine ländliche Siedlung untersucht wurden. Zu dieser Topographie ist durch die neuerliche archäologische Ausgrabung ein weiterer Typ von römerzeitlichen Objekten hinzugekommen – die temporären Lager.
Das erste Lager dieser Art in Rusovce untersuchte im Jahre 1982 Magda Pichlerová, die anderen dann im Jahre 1984 Jaroslava Schmidtová, 1996 Igor Bazovský und 2004 wieder Jaroslava Schmidtová. Im Jahre 2009 hat man vor dem Beginn des Baus eines Familienhauses in der Balkánska-Straße in Rusovce eine weitere Ausgrabung durchgeführt, bei der die Archäologen wieder den Graben von Gerulata untersuchten und ein außergewöhnliches Fundmaterial aus der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. bargen. Das Vorkommen von Produkten konkreter Meister in Destruktionsschichten einiger Limes-Kastelle aus der Zeit der Markomannenkriege in Pannonien verbindet den Graben eindeutig mit militärischen Aktivitäten in Gerulata und am Limes. Die Verteilung der Terra Sigillata-Scherben zeugt von einem schnellen und einmaligen Verfall des Grabens. Die Entdeckung eines Wehrgrabens im Rahmen der Untersuchungsfläche belegt die Existenz eines Areals, das gegen Angriffe befestigt war und zur Verteidigung diente.
Die Funde bestätigten die Annahme, dass die Befestigung zur Zeit der Markomannenkriege existiert hat. Damals war es nötig, eine größere Zahl von Militäreinheiten in Gerulata zu postieren. Die Anlage bekam den Namen Gerulata II. Während der Markomannenkriege entstand auch ein Steinkastell, das die zweite Bauetappe von Gerulata repräsentiert. Da das behandelte Lager Gerulata II von dem Kastell nur etwa 200 m entfernt ist, ist es gut möglich, dass es sich nur um einen temporären Lagerplatz handelt.
Ein anderer Graben, den man als den Umfangsgraben zur Verteidigung eines römerzeitlichen temporären Lagers betrachten kann, befindet sich im nordwestlichen Teil von Rusovce, unweit einer römischen Siedlung in breiterem Umfeld des Kastells. Hier befinden sich Baustrukturen, die bei der Luftbildprospektion entdeckt und durch eine klassische archäologische Ausgrabung im Jahre 1997 nachgeprüft wurden. Im Jahre 2010 hat man an dieser multikulturellen Fundstelle eine archäologische Rettungsgrabung durchgeführt, bei der zum ersten Mal neben Gräbern, Baufundamenten aus Schotter, Siedlungsgruben und Rinnen auch ein 320 cm breiter Graben zum Vorschein kam. Sein Boden befindet sich in einer Tiefe von 240 cm unterhalb der Geländeoberfläche. Dieser Spitzgraben verläuft von Nordwesten nach Südosten, seine schrägen Wände laufen zum leicht gerundeten Boden hin zusammen.
Temporäre oder kurzzeitige Militärlager (Marschlager) bauten die Römer für eine kürzere oder längere Zeit zum Schutz der Truppen auf fremdem Gebiet. Sie könnten auch als Stützpunkte vor einer Schlacht und im Fall eines längeren Aufenthaltes, z. B. beim Überwintern, gedient haben. Die Größe und Form des Lagers wurden jeweils der Zahl der Soldaten und dem Gelände angepasst. Die Entdeckung von zahlreichen Relikten der temporären Marschlager auf dem Gebiet nördlich der Donau kann man als einen der größten Erfolge der archäologischen Geländeforschung in den letzten zwanzig Jahren betrachten. Sie repräsentieren direkte Belege für die Bewegung römischer Militärtruppen auf barbarischem Gebiet zur Zeit der Markomannenkriege.

Peter Megyeši
Ikonographie des Heiligen auf einem Wandgemälde im Thurzo-Haus in Banská Bystrica
Im Jahre 1954 entdeckte man im Erdgeschoss des Hauses Nr. 4 am Námestie SNP-Platz in Banská Bystrica spätgotische Wandgemälde. Ihre Qualität war einer der Hauptgründe für die Einstellung des Abbruchs des ganzen Gebäudes, der bereits beschlossen wurde. Der Charakter der Wandgemälde, auf deutliche Weise von grünem Pigment und pflanzlicher Ornamentik geprägt, ordnet den tonnengewölbten Raum den sog. Grünzimmern zu – profanen Räumen, deren Popularität im mitteleuropäischen Bereich in den letzten Jahrzehnten des 15. und anfangs des 16. Jahrhunderts kulminierte.
Trotz der Beschädigung und der heutigen fragmentarischen Erhaltung wecken die Gemälde aus Banská Bystrica berechtigt das Interesse der Forscher. Die hochwertige malerische Ausführung und eine ungewöhnliche Ikonographie ordnen sie den besten Realisationen spätgotischer Wandmalerei in der Slowakei zu. Was es die Datierung der Gemälde betrifft, bewegen sich die Ansichten einzelner Autoren im Intervall der Jahren 1465 – 1500. Entscheidend dabei sind die gemalten Wappen des König Matthias Corvinus und seiner Ehefrau Beatrix von Aragón am Gipfel des Tonnengewölbes. Offen bleibt ebenfalls die Frage des Bestellers dieser malerischen Realisation.
Bei einigen Szenen ist es problematisch, die Ikonographie zu identifizieren. Dies betrifft vor allem das Gemälde an der Ostwand neben der Szene mit Susanna im Bade. In der Literatur wird es unter verschiedenen Namen erwähnt: eine Landschaftsszene, eine historische Szene mit Matthias Corvinus, König David und Bathseba beim Baden. Zuletzt wurde das Gemälde von Mária Smoláková als die Legende vom Hl. Christophorus identifiziert. Diese Interpretation hat jedoch mehrere Schwachstellen: fehlerhafte Identifizierung einer der Figuren als Hl. Christophorus mit Hundekopf, unbegründete Darstellung eines Hirsches, Identifizierung der Frauengestalt als Verführerin des Heiligen.
Aufgrund der identifizierbaren Teile des Gemäldes kann man das Wandgemälde im Grünzimmer als die Legende vom Hl. Julian Hospitator bestimmen. Anhand des Textes der Legenda aurea von Jacobus de Voragine war Julian ein vornehmer junger Mann, dem bei Jagd ein Hirsch verkündete, er würde seine Eltern töten. Auf dem Gemälde ist diese Szene im Vordergrund abgebildet, wo sich der springende Hirsch an den Heiligen wendet, der in seinen Händen einen Pfeil als Verweis auf die Jagd hält. Die Geschichte geht weiter mit Julians Flucht in ein fernes Land (der Reiter im rechten Teil des Gemäldes) und Begegnung mit einer reichen Witwe, die dann auf ihrer Burg (die Burg im Hintergrund) seine Frau wird. In Julians Abwesenheit lässt die Frau seine Eltern in ihrem eigenen Bett übernachten. Nach seiner Rückkehr nach Hause tötet dann Julian in einem Wutanfall irrtümlich seine Eltern, denn er glaubt, es wäre seine Frau mit einem Liebhaber. Nach dieser Tat ging das Ehepaar zu einem großen Fluss und um Buße zu tun, haben sie auf dem Ufer ein Spital gebaut. Eines Nachts hörte Julian, wie ein frierender Armer um Hilfe gerufen hat. Er trug ihn also über den Fluss und legte ihn in sein eigenes Bett. Der Arme verkündete Julian, der Gott würde ihm vergeben und er würde ihm auch bald begegnen. Kurz darauf starben Julian und seine Frau in Frieden. Auf dem Gemälde sieht man Fragmente von Beinen des auf dem Flussufer sitzenden Armen und einen Teil der Szene seiner Übertragung auf dem Rücken des Heiligen.
Auf der Suche nach Gründen, warum gerade in dieser Gegend innerhalb der mitteleuropäischen Region das untraditionelle Thema der Legende vom Hl. Julian erscheint, wird es nötig sein, das ikonographische Programm des Grünzimmers im Thurzo-Haus mit Rücksicht auf seine ursprüngliche Funktionen neu zu bewerten.

Bernadeta Fabová
Wertgegenstände der Košicer Bürger im 16. Jahrhundert
Die Testamente und Inventare des Vermögens der Košicer Bürger, die im Archiv der Stadt Košice aufbewahrt werden, umfassen Angaben über das bewegliche und unbewegliche Vermögen der Bürger und ermöglichen eine Rekonstruktion des Alltagslebens der Stadtbewohner in einzelnen Perioden. Die Dokumente über die frühneuzeitliche Gesellschaft in Košice betreffen nicht alle sozialen Schichten, sondern nur die obere und reiche Schicht der Stadtbürger, welche die wertvollsten beweglichen Gegenstände besaß.
Die Größe und Zusammensetzung des Vermögens der Košicer Bürger in dieser Zeit hing von deren sozialem Status ab. Die wertvollste Komponente repräsentierten die Immobilien, vor allem Häuser und landwirtschaftliche Nutzfläche, meistens Weinberge, Wiesen, Gärten und Meierhöfe. Die beweglichen Güter umfassten vor allem Kleidung, Möbel, Bücher, handwerkliches Werkzeug, Küchen- und andere Geräte sowie andere Artikel zum täglichen Bedarf der Bürger. Die wertvollste Komponente innerhalb dieser Gruppe bildet die „Luxusware“, vor allem Schmuck, Wertgegenstände und Waffen in dekorativer Ausführung, mit denen die Bürger ihren sozialen sowie materiellen Status demonstrierten. Zu den wohlhabendsten Košicer Bürgern zur behandelten Zeit gehörte der Glockengießer Andrej Illenfeld. Die Autorin nennt Beispiele für die wertvollsten Gegenstände aus Gold und Silber, Edelsteinen oder anderen Dekorationen, die in Archivdokumenten erwähnt werden und von denen einige auch im Sammlungsbestand des Ostslowakischen Museums zu Košice vertreten sind. Es handelt sich um hochwertige Pokale, Löffel und Messer aus Silber, Besteck aus Gold, Männer- und Frauenschmuck (Siegelringe, Ketten), Spangen und Knöpfe von Prunkkleidern, verzierte Waffen und andere Wertsachen. Aufbewahrt wurden sie in Truhen, welche die prächtigsten Möbelstücke jener Zeit darstellen.

Ferdinand Vrábel
Untergang der Millenniumsdenkmäler auf Devín und Zobor
Der Artikel befasst sich mit der Problematik der Liquidation der Millenniumsdenkmäler auf Devín und Zobor und macht die Fachöffentlichkeit zum ersten Mal anhand ursprünglicher Archivdokumente mit dem Hintergrund und den Zusammenhängen des Abbruchs dieser Denkmäler, den Teilnehmern, dem Verlauf der Arbeiten und den Reaktionen in damaliger slowakischer, deutscher und ungarischer Presse vertraut.
Im Jahre 1896 feierte Königreich Ungarn ein großes Jubiläum – das angebliche Millennium/tausend Jahre seit der Landeinnahme (honfoglalás) durch den altmagyarischen Stammesverband. Im Rahmen der Millenniumsfeiern entschied man sich auch zehn Sonderstatuen zu bauen; in Wirklichkeit wurden aber nur sieben realisiert, zwei davon in der Slowakei. Die Jahreszahlen auf ihnen waren jedoch historisch untreu. Zum Beispiel Devín und Bratislava gehörten im Jahre 896 immer noch zum Großmähren und die Magyaren besetzten sie erst im 10. Jahrhundert, und nicht im Jahre 896. Solche Denkmäler waren nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik (1918) für den neuen Staat als Andenken an die ungarische Staatlichkeit politisch unannehmbar, vor allem mit Rücksicht darauf, dass Horthys Ungarn den Friedensvertrag von Trianon aus dem 4. Juni 1920 in Wirklichkeit nie akzeptierte. Von Anfang an entwickelte es revisionistische, gegen die Tschechoslowakei orientierte Aktivität mit dem Ziel, den Zustand vor dem Umsturz im Jahre 1918 wiederherzustellen, d. h. die Hl. Stephanskrone zu beleben.
Da die tschechoslowakischen Staatsbehörden trotz Aufrufen mehrerer patriotischer Organisationen und verschiedener Vereine keine Initiative ergriffen haben und diese Denkmäler nicht entfernen ließen, musste es jemand anders tun. Es war eine Gruppe von tschechoslowakischen Legionären unter der Leitung vom Oberleutnant Jozef Honza Dubnický, Chef des Propaganda- und Nachrichtenbüros in Bratislava. Wie Honza in seinen im Slowakischen Nationalarchiv in Bratislava aufbewahrten handschriftlichen Notizen anführt, entstand anfangs Januar 1921 unter seiner Leitung eine Gruppe von russischen, französischen und italienischen Legionären (alle mit slowakischer Nationalität), die das Denkmal auf der Burg Devín am 12. Januar 1921 und dasjenige auf Zobor am 8. Februar 1921 entfernt hat. Der Autor des Artikels führt zum Schluss auch andere Denkmäler des ungarischen Millenniums in der Slowakei an, z. B. die Millenniumsinschrift auf dem abgerissenen Turm einer der ältesten Kirchen in Bratislava – der Franziskanerkirche, der zu einer offenen Zierkapelle im Janko-Kráľ-Park in Bratislava-Petržalka umgebaut wurde, oder das Millenniumsdenkmal im Stadtpark an der Eisenbahn in Trnava. Diese beiden Denkmäler wurden ebenfalls von den slowakischen Legionären im März 1921 zerschlagen und entfernt.

Jozef Haľko
Ein Relief mit den Sieben Schmerzen Mariens in der Basilika von Šaštín
Das Relief der Maria von den Sieben Schmerzen im nationalen Marienheiligtum – Basilika St. Maria von den Sieben Schmerzen zu Šaštín (Westslowakei) – schuf auf Bestellung des slowakischen Priesters und Abgeordneten Ferdinand Juriga (1874 – 1950) der berühmte Bratislavaer Bildhauer Alojz Rigele (1879 – 1940). Dieses Werk sollte ein Gegengewicht zu der „ungarischen“ Marienstatue auf dem Altar der obengenannten Kirche darstellen, die als ein Andenken an das kurz davor aufgelöste Österreich-Ungarn (1918) aufgefasst wurde. Rigeles Relief, aus dem Carrara-Marmor der ehemaligen Statuengruppe der Kaiserin Maria Theresia in Bratislava (vernichtet im Jahre 1921) gehauen, sollte zu einem rein slowakischen Ausdruck von Achtung gegenüber der Nationalpatronin, St. Maria von den Sieben Schmerzen, werden. Die halbkreisförmige Platte mit einer Breite von 141 cm und Höhe von 82 cm stammt höchstwahrscheinlich von dem vorderen oder hinteren Halbbogen des Piedestals der theresianischen Statuengruppe. Dem entsprechen auch seine ursprünglichen Proportionen, die in den Projekten des Monuments aufgezeichnet sind. Über die Fläche dieses steinernen Halbkreises verteilte Rigele zweiunddreißig Figuren rund um den dominanten Dreiberg mit Doppelkreuz, unter dem man die frommen Marienverehrer in slowakischen Trachten sieht. Auf dem Relief ließ sich auch der Besteller selbst mit seiner Familie abbilden. Die Sieben Schmerzen der Jungfrau Maria sind außer dem zentralen Motiv der Pietà auch durch sechs Medaillons mit den anderen Schmerzen dargestellt. Ihre Ausführung ist durch den Kalvarienweg in Pružina inspiriert, dessen Autor – der erste Vizevorsitzende des katholischen St. Adalbert-Vereins, ein Marienverehrer und Patriot Štefan Závodník – von Juriga sehr bewundert wurde. Den Interpretationsschlüssel zu diesem Werk bietet das von Juriga herausgegebene Gebetsbuch, das man auch auf dem Relief in Jurigas Händen sieht. Das Werk wurde im Mai 1927 feierlich enthüllt.

Michal Kovačik
Die Flakweste aus dem Zweiten Weltkrieg
Der Beitrag des Autors – einen Angestellten des Slowakischen Nationalmuseums-Museums Červený Kameň – beschäftigt sich mit einem interessanten Gegenstand aus dem Sammlungsbestand dieses Museums, der an die Luftkämpfe über dem Gebiet der Slowakei während des Zweiten Weltkrieges erinnert. Die Bevölkerung der kleinkarpatischen Region in der Westslowakei ist mit den Flugzeugen der slowakischen oder anderer Armeen nur sporadisch in Kontakt gekommen. Zum Beispiel am 28. April 1943 verunglückte während eines Übungsflugs über der Gemeinde Častá mit seinem Flugzeug der Pilot des Flugregiments der Slowakischen Luftwaffe J. Dúbravec, der auch auf dem örtlichen Friedhof bestattet ist. Die Flugzeuge anderer kämpfender Armeen haben für die Bewohner dieser Region bis hin zum Jahre 1944 eine Rarität dargestellt.
Ein einzigartiger Sammlungsgegenstand des SNM-Museums Červený Kameň – die Schutzweste (flak jacket) von einem Mitglieder der US Army Air Forces (USAAF) steht im Zusammenhang mit alliierten Flugeinheiten. Die Weste wurde von der Crawford Manufacturing Company, Ohio, USA hergestellt, die Metallteile der Weste dann in Boston, Massachusetts, USA. Die Flakweste besteht aus zwei Teilen – dem oberen, der den Rumpf geschützt hat, und dem unteren zum Schutz der Taille, der Hüften und des Schritts. Das Gesamtgewicht der Weste beträgt 5,15 kg. Da die Flakweste von den Fliegern nur bei Kampfaktionen getragen wurde, ist es mehr als sicher, dass dieser Sammlungsgegenstand von einem amerikanischen Bomber stammt, der über dem Gebiet der Südwestslowakei im Jahre 1944 abgeschossen wurde. Der Autor befasst sich mit Luftoperationen der Alliierten über der Slowakei zur besprochenen Zeit, vor allem mit dem berühmten Angriff auf die Bratislavaer Raffinerie Apollo am 16. Juni 1944, dem auch Mitglieder der 15th US Army Air Force (USAAF) zum Opfer fielen, und mit der Luftschlacht aus dem 26. Juni 1944, an der vonseiten der Alliierten 677 Bomber vom Typ B-17 und B-24 teilgenommen haben, die von etwa 260 Jagdflugzeugen begleitet wurden. Die Alliierten verloren damals 37 Bomber und 6 Jagdflugzeuge. Das Ziel der amerikanischen Bombergeschwader waren die Gewerbegebiete in der Gegend von Wien, aber ein Teil der Schlacht verschob sich auch über die Westslowakei.
Den Kontakt der slowakischen Bevölkerung mit amerikanischen Piloten und ihren abgeschossenen Flugzeugen konnte man trotz enormen Bemühungen der slowakischen Behörden nicht verhindern. Oft waren es gerade die Ortsansässigen, die als erste an einem Unglücksort eingetroffen sind. Einige von ihnen bemühten sich, den abgeschossenen Fliegern zu helfen, wie z. B. der Förster M. Mihálik, der den Piloten Charles Edison und Fred Oswald Zuflucht gewährt hat. Ihr Bomber ist am 13. September 1944 über der Stadt Modra abgestürzt. Andere haben von den Wracks der abgeschossenen Flugzeuge „Souvenirs“ weggetragen, zu denen auch die Flakweste gehören konnte, die heutzutage im SNM-Museum Červený Kameň aufbewahrt wird.

Simona Jurčová
Die Odescalchis im Trnavaer Museum
In der Kunstsammlung des Westslowakischen Museums zu Trnava befinden sich dreizehn kleine Porträts von Mitgliedern der Adelsfamilie Odescalchi. Elf Porträts wurden mit der Technik der kolorierten Zeichnung gefertigt und sind in einheitlichen Rahmen adjustiert (Größe 260 x 230 mm). Sie stellen die Bilder älterer Mitglieder des italienischen Familienzweiges dar und entstanden vermutlich nach einer graphischen oder malerischen Vorlage. Die meisten von ihnen haben auf der Rückseite einen ausführlichen handgeschriebenen Text, aufgrund dessen die porträtierte Person identifiziert sein kann. Die zwei übrigen Bilder sind eingerahmte Lithografien. Im Sammlungsbestand des Museums konnte man allmählich auch weitere Gegenstände mit Bezug zu dieser Familie entdecken.
Die Adelsfamilie d’Erba Odescalchi stammt aus Norditalien, aus der Region um den Comer See. Ihre Geschichte reicht ins 13. Jahrhundert zurück. Die Familie wurde anfangs des 17. Jahrhunderts reich, als sich ihre Mitglieder mit Bankwesen beschäftigt haben. Ein bedeutendes Familienmitglied war Benedetto Odescalchi (1611 – 1689), der in den Jahren 1676 – 1689 als Innozenz XI. das Amt des Papstes bekleidet hat.
Livius II. Odescalchi von der Mailander Familie d’Erba (1725 – 1805) erwarb im Jahre 1751 das ungarische Indigenat mit Gütern, zu denen auch die Großgrundbesitze in Nitrianska Streda, Solčany und Skýcov gehörten. Seine Nachkommen besaßen sie noch im 20. Jahrhundert. In den ersteren zwei Gemeinden hatten sie repräsentative klassizistische Schlösser mit ausgedehnten Parks. Die Familienmitglieder haben wichtige Landes- sowie Hofämter bekleidet.
Die Odescalchis waren auch die letzten Besitzer des Schlosses in Suchá nad Parnou unweit von Trnava, das bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts den Pálffys gehört hat. Das Renaissanceschloss (seit 1551 belegt) stand in der Gemeinde Suchá nad Parnou bis zum Jahre 1952, die letzten Besitzer Helena und Ladislaus Odescalchi bewohnten es noch während des Zweiten Weltkriegs. Das Schloss wurde im Laufe des Zweiten Weltkriegs beschädigt und im Jahre 1952 niedergerissen. An seiner Stelle steht heutzutage eine Schule.
Ein Zeugnis über das Aussehen und Interieur des Schlosses liefern die erhaltenen Photos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nach denen man einige Möbelsolitäre im Sammlungsbestand des Westslowakischen Museums zu Trnava identifizieren konnte. Außerdem besitzt das Museum noch weitere zwei Gegenstände aus dem Schloss in Suchá nad Parnou – ein Altargemälde mit dem Hl. Johannes Nepomuk und ein Miniaturporträt von Livius Odescalchi.

Daniel Hupko
Ein Dessertservice aus Modra
Im Jahre 2013 feierte die Slowakische Folksmajolika in Modra 130 Jahre seit ihrer Gründung. Die Majolika-Erzeugnisse, die unter den Händen der Töpfermeister von Modra entstanden, werden in mehreren slowakischen sammlungsbildenden Institutionen aufbewahrt. Obwohl sich die Keramik aus Modra ständigen Interesses der Forscher erfreut, ist es auch heute noch möglich, in den Sammlungsbeständen der slowakischen Museen bisher unbekannte und fachlich unbewertete Fayenceerzeugnisse von Modraer Provenienz zu finden. Dies gilt auch für das SNM-Museum Červený Kameň, dessen Porzellan-, Glas- und Keramiksammlungen ungefähr zwanzig Exemplare der Modraer Keramik umfassen. Aus den Modraer Schüsseln, Krügen und Tellern in der Sammlung auf Červený Kameň ragt ein Verband von sieben Gegenständen heraus, deren typologische Skala andeutet, dass sie Teile von einem Dessertservice darstellen. Das zweite charakteristische Merkmal des Verbands liegt darin, dass sein Blumendekor ein stilisiertes heraldisches Motiv des Stammwappens der Pálffy enthält: Dreiberg mit halbem Rad und wachsendem Hirsch. Diese interessante Kollektion besteht aus einer Tee- bzw. Kaffeekanne, einem Milchkännchen, einer Tasse, zwei Untertassen und zwei Desserttellern.
Es handelt sich um Fayence von rotbraunem Scherben. Der Ton ist fein, perfekt gemagert, das Magerungsmittel ist ebenfalls feinkörnig und in der ganzen Fayencemasse regelmäßig verteilt. Die typologische Zusammensetzung dieses Verbands ist nicht typisch volkstümlich, bzw. zählt nicht zu dem herkömmlichen Sortiment der Slowakischen Folksmajolika. Die Form der Gefäße, besonders ihre elegante Linien sowie das typische Blumendekor (das Pálffy-Motiv ausgenommen) verweisen auf die Formen der Porzellanservices, bzw. anderer Produkte, die für besser situierte Klienten bestimmt waren.
Die Tatsache, dass es sich um die Erzeugnisse der Slowakischen Volksmajolika handelt, belegen nicht nur die charakteristischen Zeichen an einigen Gefäßen dieses Verbands, sondern auch weitere, unter dem Überguss eingepresste Zeichen, vermutlich die Initialen des Designers und das Erzeugungsjahr. Auf diese Weise (JH 36) ist z. B. einer der Dessertteller gekennzeichnet, den vermutlich Júlia Horová entworfen hat (1906 – 1978). Sie wirkte in der Zwischenkriegszeit neben der Arbeit in der Slowakischen Keramik auch in der Kunstgewerbeschule in Bratislava (auch als „slowakisches Bauhaus“ bezeichnet).
Das Dessertservice aus der Sammlung des SNM-Museums Červený Kameň repräsentiert ein Beispiel der Konversion der serienmäßig erzeugten Ware zu einem auf Bestellung hergestellten Artikel. Hinsichtlich der Typologie der Gefäße in diesem Verband handelt es sich um das Muster KH, Modell II., das in einem Katalog der Erzeugnisse vermutlich aus den 1930er Jahren abgebildet ist.

Silvia Seneši Lutherová
Biedermeiermöbel aus der Zips
Die Biedermeiermöbel aus Sammlungen der Zipser Museen, bei denen man heimische Herkunft in Betracht ziehen kann, repräsentieren eine spezifische Variante des Biedermeierstils. Das Zipser Biedermeier hat auf die Einflüsse von anderen Ländern nicht nur kreativ reagiert, sondern konnte sie auch um ein eigenartiges Element bereichern. Die Analogien zum ungarischen, österreichischen und deutschen Biedermeier erfüllen dabei die Funktion der Ausgangsbasis. In der Formenskala der Zipser Biedermeiermöbel fühlt man obendrein noch Empfänglichkeit und Offenheit gegenüber der örtlichen Kunsttradition, die in der Einführung von Elementen der reichen Ornamentskala der Zipser Renaissance-, Barock- und klassizistischen Architektur sowie der kunstgewerblichen Erzeugnisse zum Ausdruck kommt.
Ein typisches Attribut der Zipser Biedermeiermöbel bildet „Rationalität“. Zum Beispiel in der komplizierten Ausführung der Seitenstücke eines Tisches (Ev. Nr. 10471, Inv. Nr. 546/74) aus der Dauerausstellung bürgerlicher Wohnkultur im Museum von Kežmarok sehen wir stabile und plastische Modellierung einzelner Teile, die für die Zipser Region typisch ist. Die geometrische Form der Möbel deutet eine Richtung zur Einfachheit und Sachlichkeit an, die nach einer konstruktiven Basis der Möbelformen sucht. Bei einem Sessel (Ev. Nr. 11776, 1-2, Inv. Nr. 728/78, 1-2) aus dem Depositorium des Museums zu Kežmarok beobachten wir eine Tendenz zur offenen Form und Entstofflichung der Konstruktion. Die Rückenlehne des Sessels verfügt über eine eigenartige Form. Der geschnitzte Umriss der Lehne erinnert an dekorative Elemente an Giebeln der Zipser Renaissancearchitektur, aber auch an ornamentale plastische Ausschmückung der Wände über den Fenstern, oder die Fenstergesimse. Noch eindeutigere Formenanalogien finden wir bei Volksmöbeln, zum Beispiel an den geschnitzten Giebeln und Sockeln von Truhen, Schränken und Anrichten oder an der Profilierung der Stuhl- und Banklehnen. Die gegenseitige Verbundenheit zwischen Kunst und Kunstgewerben ist für die Zipser Region charakteristisch und repräsentiert möglicherweise eine der Quellen der eigenartigen Erfindungsgabe bei der Herstellung von Möbeln, die sich auf diesem Gebiet Jahrhunderte lang herausgebildet hat.

Daniela Pellová – Martin Molnár
Kirche der Christi Himmelfahrt in Strážske
Strážske zählt zu den ältesten Siedlungen in der ostslowakischen Region Zemplín. Die Siedlungsspuren reichen bis ins Paläolithikum zurück und kontinuierlich ist das Gebiet seit dem Frühmittelalter besiedelt. Auf slawische Besiedlung verweist auch der Name der Stadt – die Siedlung wurde von Wächtern der Landesstraße und des Grenzgebietes auf Beauftragung des ungarischen Königs irgendwann in der zweiten Hälfte des 11. oder im 12. Jahrhundert gegründet. In schriftlichen Quellen wird Strážske bis zum 17. Jahrhundert unter dem Namen Ewrmezew und seinen Modifikationen mit der Bedeutung „Wachfeld“ erwähnt. Die slowakische Benennung Strážske erscheint erst seit dem 18. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung über Strážske befindet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1337. Bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts war es im Besitz des Königs als Teil des Burggutes Brekov. Im Laufe des 14. Jahrhunderts überging Strážske in die Hände des niedrigeren Adels und im Jahre 1451 war ein Teil des Herrschaftsgutes bereits im Besitz der Familie Drugeth aus Humenné, die allmählich zu seinem Alleineigentümer wurde. Durch eine sukzessive Aufteilung des Eigentums nach dem Tod von Siegmund Drugeth im Jahre 1684 überging der Besitz an weitere Adelsfamilien – Szentiványi, Zichy, Okolicsányi, Csáky, Sztáray, Szirmay Széchényi. Die Okolicsányis haben sich als Patrone und Mäzene der Pfarrgemeinde deutlich in die Geschichte der Kirche in Strážske eingeschrieben.
Die Kirche in Strážske wird zum ersten Mal in der Mitte des 15. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Im Jahre 1447 gab es in Strážske bereits eine Pfarrei und im Jahre 1485 wird zum ersten Mal die Pfarrschule erwähnt, die hier auch in den nachfolgenden Jahrhunderten existierte. Katholische Gottesdienste wurden in der Kirche in Strážske bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts gehalten. Später sind unter dem Einfluss der Reformation viele ungarische Aristokraten zum protestantischen Glauben übertreten, der hier ungefähr ein Jahrhundert lang dominierte. Ende des 17. Jahrhunderts kehrte die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zurück, oft auch gewaltsam.
Im Jahre 1789 wurde die Kirche durch ein starkes Erdbeben beschädigt, so dass man den Bau einer neuen Kirche zu erwägen begann. Johann Okolicsányi gründete zu diesem Zweck im Jahre 1808 eine Stiftung. Die neue Kirche wurde teilweise im Jahre 1821 und komplett im Jahre 1840 fertiggebaut. In den folgenden hundert Jahren hat man vor allem das Interieur und das Dach zugerichtet und ergänzt. Im Jahre 1990 begann eine Rekonstruktion der Kirche und der Pfarrei, das alte Wirtschaftsgebäude wurde niedergerissen, die Kapelle und die Krypta hinter der Kirche wurden renoviert. Die renovierte Kirche wurde im Juli 1995 geweiht.

Brigita Hradská – Juraj Hradský
Blaudruck-Musterbücher des Färbers Ján Mudrončík
Blaudruck ist ein Färbeverfahren, bei dem mit Hilfe von Modeln aus Holz oder Metall eine sog. Reservage (Schutzmasse) auf Leinenstoff aufgetragen wird. Blaudruck wurde im 2. Jahrtausend v. Chr. in China erfunden und dort begann man auch zur Textilfärbung zum ersten Mal Naturindigo zu verwenden. In Europa musste die Blaudrucktechnik auf ihre Anerkennung bis zum 17. Jahrhundert warten, als bei der Kleidung an königlichen Höfen von Niederlanden und Spanien blau-weiße Farbigkeit in Mode kam. Sie verursachte einen Aufschwung der europäischen Textilproduktion, die von der Entstehung tausender von Manufakturen begleitet wurde.
Seit Anfang des 18. Jahrhunderts begann sich der Blaudruck über Rheinland, Schlesien und Preußen auch aufs Gebiet der Habsburger Monarchie auszubreiten. Im Jahre 1736 wurde die erste Herstellung von Blaudruck in der Manufaktur in Šaštín (Westslowakei) aufgenommen. Nach Erfindung des rein synthetischen Indigos (1880) wurde die Popularität des Blaudrucks wiederbelebt. In der Slowakei war diese Färbetechnik allgemein verbreitet, vor allem in den bergigen Regionen der Arwa, Zips und Liptau, aber auch um Trenčín, Banská Bystrica und im Grantal. In den 1950er Jahren gründete man das Zentrum für Volkskunstproduktion (ÚĽUV), in welches ungefähr zehn Färberwerkstätten eingegliedert wurden. Für den letzten Blaudruckhersteller in der Slowakei hielt man Stanislav Trnka aus Púchov (gestorben im Jahre 2010). Drei wertvolle Blaudruck-Musterbücher des Färbers Ján Mudrončík aus Ružomberok (gestorben im Jahre 1946), die im Museum für Volkskunstproduktion in Stupava aufbewahrt werden, sind einzigartig dadurch, dass bei ihnen als Grundlage nicht Textil, sondern Papier gedient hat. Sie dienten nicht nur den Färbern, die sich mit ihrer Hilfe in ihren hölzernen oder metallenen Blaudruckformen besser orientiert haben, sondern auch den Kunden beim Auswählen eines speziellen Musters. Die Muster wurden auf die Papiergrundlage mit Hilfe einer Holzform aufgetragen.
Mudrončíks Blaudruck-Musterbücher aus Papier ungefähr aus dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erhielten sich in einem sehr beschädigten Zustand, in fragmentarischer Form und mit Mikroorganismen kontaminiert. Ihre neuerliche Restaurierung begann mit einer eingehenden physikalischen und chemischen Analyse. Aufgrund dieser Analyse hat man dann die Fachverfahren festgesetzt, von der Zerlegung in einzelne Folien über ihre Sterilisierung und mechanische Reinigung bis zur Fixierung der Farben und Folien und Einlegung in eine Schutzkassette.